Anleitung zum Entlieben

23.02.2006 um 23:48 Uhr

Roots

von: Lapared

Irgendwie lässt mir die Sache mit meinem ungewöhnlichen Raumbedarf keine Ruhe. Dieses ausgeprägtes Territiorialverhalten in meiner Wohnung, diese mindestens ICE-Sessel-breite Distanzzone in öffentlichen Räumen. Ich frage mich, woher das bloß kommt.

Da ich - wie schon des Öfteren erwähnt – bereits sehr früh Verhaltenstendenzen in diese Richtung zeigte (ich erinnere an meinen ersten Auszugsbeschluss noch vor der Einschulung), liegt die Vermutung nahe, dass mein hoher Raumbedarf genetische Ursachen hat. Aber meine Eltern zeigen in dieser Hinsicht keinerlei Auffälligkeiten! Mein Opa war im Schützenverein und hat Schulter an Schulter mit anderen Männern Trompete geblasen, und meine Oma väterlicherseits hatte sogar eine Tanzschule, eine Institution also, die körperlicher Berührung einen fadenscheinigen, aber gesellschaftlich akzeptierten Vorwand lieferte, zu einer Zeit, in der man eigentlich – was das öffentliche Leben anging - noch einigermaßen sicher davor war. An der Erbmasse dürfte es also nicht liegen.

Ich dachte nach. Und plötzlich fiel es mir wieder ein. Plötzlich fügte sich ein Steinchen zum anderen. Plötzlich ergab alles einen Sinn...

Der Briefträger! Schlagartig erinnerte ich mich: In meiner Verwandtschaft hielt sich lange Zeit hartnäckig das Gerücht, dass ich nicht das Kind meines Vaters sondern das des Briefträgers sei. Sehr hartnäckig sogar. Es liegt also auf der Hand! Ich denke, ich kann davon ausgehen, dass ich mein ungewöhnliches Raumbedürfnis vom Briefträger habe! UND: dass der Briefträger in meinem westfälischen Heimatort entweder ein US-Schwarzer oder Japaner war! US-Schwarze und Japaner sind nämlich – das hat die interkulturelle Verhaltensforschung gezeigt - diejenigen, die in persönlichen Interaktionen den größten zwischenmenschlichen Abstand halten. Ich habe meine ungewöhnlich große Distanzzone also von unserem schwarzen Briefträger, mit dem meine Mutter - wie die Verwandtschaft immer schon wusste - eine Affäre hatte. Seit ich das weiß, geht es mir besser. Es ist immer wieder erstaunlich, wieviel leichter manche Dinge zu ertragen sind, wenn man erklären kann, woher man sie hat.

Das Einzige, was mir noch ein bisschen Kopfzerbrechen macht: Der Grund, warum mein Vater in meinem Falle als Erzeuger so hartnäckig in Frage gestellt wurde, war, dass ich – was es in unserer Familie seit Jahrhunderten nicht gegeben hatte – strohblond war. Hm. Ein blonder, US-schwarzer Briefträger? Das ist wohl eher… selten. Kein Wunder, dass meine Mutter auf ihn abgefahren ist.

(Sorry, das war jetzt wohl ein bisschen albern, was? Und eigentlich hätte ich auch über etwas ganz anderes schreiben müssen… darüber, dass ich heute dieses Gespräch mit dem Agenturhäuptling hatte… und dass es ein wirklich verlockendes Angebot ist, nicht finanziell aber… ich wäre wieder ein Team mit Olli, einige erinnern sich vielleicht noch, mein guter alter Olli… andererseits habe ich doch schon den Bikini… und wie soll ich das Curd erklären… und dem Goudakopp… und mir, wenn ich mich in zehn oder zwanzig Jahren im Spiegel ansehe und feststelle, dass ich alt bin… und mich frage, warum ich nicht mehr gelebt habe. Irgendwie muss ich das erstmal sacken lassen.)

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenlucha schreibt am 24.02.2006 um 10:53 Uhr:Das nennt man Abstammung!



    Spass beiseite:

    Ich finds total geil, Gratulation ! Nur damit du es auch noch mal vergegenwärtigst: Ein Jobangebot bekommst du, weil du einen geilen Job gemacht hast! Scheiß auf Babsis und ähnliche Wichtigtuer!



    Toll, da solltest Du Dir mal eine richtig schöne Zeit machen! Lass Dich ein wenig tragen von dem Gefühl, Erfolg zu haben, und Früchte für all das Ackern zu ernten! Mach Dir das nur nicht kapuut durch irgendwelche Ängste, Zweifel oder Entscheidungszwänge! Das kann warten! Schnapp Dir das Filzgesicht (Sorry, Curd Errosticker!!!) und lass es Dir gut gehen. Und vor allem: Nicht ver\"dicken\" lassen!



    So, genug des moralapostolischen Gequatsches! Have a nice time!






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