Anleitung zum Entlieben

12.05.2006 um 18:24 Uhr

Schöne Bescherung

von: Lapared

E-mail vom Weihnachtsmann. Das ging ja flink. Schaun wir mal, was er diesmal im Sack hat.

Hm, also… dass er er mich liebt. Der Klassiker, quasi die Socken unter den Warmhaltegeschenken! Und, was haben wir da… olala, dass er jede Minute des Tages an mich denkt. Hübsch eingewickelt werden die Socken auch noch! Und was noch… dass er mich nie verlassen wollte, dass sein Herz bei mir ist (Schlagersänger ist der Weihnachtsmann offenbar im Zweitberuf), dass er das seiner Frau auch gesagt hat (diesmal hat sie wahrscheinlich mein „momentan“ dazu gekriegt) und dass… WAAAS??? Dass er noch mal von vorne anfangen will, leise diesmal, langsam diesmal, als zwei freie Menschen diesmal, die einander neu kennen und vertrauen lernen müssen. Schluck. Da hat die kleine brave Zweitfrau aber diesmal ganz fett abgesahnt. Der Weihnachtsmann gibt sich in Geberlaune.

„Dick!“ brülle ich ihn an und freue mich, dass dieses dolle Skypeding endlich mal wieder zum Einsatz kommt, „Dick, vor nicht mal zwei Wochen hast Du mich fröhlich „Ich hab Dich verarscht“-pfeifend ohne viel Umschweife verlassen!“ – „Das wollte ich nicht.“ – „Oh. Na, dann. Wie konnte das dann nur passieren? Eine kleine Zerstreutheit, ein Moment der Gedankenlosigkeit und ups! Aus Versehen verlassen?“ – „Nein. Aus Verzweiflung. Ich dachte, das wird sowieso nichts mehr, das kann nichts mehr werden, das verzeiht sie mir nie.“ – „Und da hast Du, in Deiner zuvorkommenden, vorauseilenden Art, dann einfach mal Schluss gemacht. Hättest Du mir das nicht überlassen können?“ – „Ich dachte, Du liebst mich nicht genug, um so eine Verletzung auszuhalten.“ – „Schätzchen, Du weißt ich leide liebend gerne, das gibt meiner Liebe doch erst den rechten Kick! Dick!!! Du hättest mir vertrauen müssen!“

Ich hatte schon so ein schlechtes Gefühl, als ich dieses „Du hättest mir vertrauen müssen“ so im Schwange der Entrüstung einfach mal rausblies...

Er holte richtig aus. Richtig. Auch das hatte er im Sack.

Wieso er einer Frau vertrauen sollte, die ihn nach fünf Stunden Fahrt zwei Stunden in einer Imbissbude sitzen lässt, bevor sie ihn reinlässt?
„Ich wusste nicht, dass Du kommst!“ verteidige ich mich. „Ich brauchte diese eine – eine! – Stunde, um mich nach 12 Stunden Stress in der Agentur darauf einzustellen. Aber ich gebe zu, wenn umgekehrt ich DICH überraschend besucht hätte, hätte DEINE FRAU mich bestimmt sofort reingelassen!“ Buff. Rhetorisch mache ich ihn platt. Verbal bügel ich alles ab, aber meine innere Stimme sagt etwas ganz anderes. Der leise Teil von mir denkt: stimmt.
Und weiter ging´s. Wieso er in die Liebe einer Frau vertrauen sollte, die ihn, nachdem sie ihn drei Wochen nicht gesehen hat, nach einer Nacht wieder rauswirft?
„Weil dieselbe Frau vielleicht nicht nur drei Wochen lang Dich nicht gesehen hatte, sondern auch kaum ihr eigenes Bett? Weil die Frau nicht nur drei Wochen lang keine Zeit für Schäferstündchen hatte, sondern kaum eine Minute zum, jawohl, Scheißen? Weil diese Frau im Gegensatz zu Dir selbst, so eins von diesen komischen Dingern hat, weißt Du diese Dinger, Du hast vielleicht schon mal davon gehört, einen… JOB? Weil sie ihren Lebenunterhalt nämlich selbst verdient und nicht – wie wir unlängst in Deinem Falle feststellen durften - einen Ehepartner hat, der die Kohle ranschafft? Weil sie nicht nach Lust und Laune mal zwei Stündchen den Schwingschleifer schwenkt, wenn zwischen Schwimmengehen und Schaufensterbummeln ein bisschen Luft ist, sondern bis zu 15 Stunden am Tag keult, wenn sie keult, und weil diese Frau vielleicht einfach mal ein paar Stunden für sich selbst brauchte, bevor sie für vermutlich drei weitere Wochen kaum zum Atmen käme?“ Puuuuh... wenn ich einmal in Fahrt bin, hat er nicht die leiseste Chance. Als Nächstes verleihe ich mir das Bundesverdienstkreuz.
Aber er steckt das Köpfchen mutig weiter raus. Wieso er einer Frau vertrauen sollte, die in ihrem Blog (huch, jetzt spricht er über uns!) die im Blog - das ER nicht lese, aber Freunde, die sich um ihn sorgen (Hallo Freunde!) – bis vor kurzem noch regelmäßig ihren Schmerz über den Verlust eines Anderen öffentlich dokumentierte?
Ich gebe mich geschlagen. Nicht nur in Gedanken, auch in Worten. Ich texte dir Streichfett schön, ich quatsche dir billige Turnhosen ans Bein, aber das kann ich nicht schönreden, da hat er Recht. „Du hast Recht“, sage ich.

„Aber…“, kein Du hast Recht ohne ein Aber, „aber Du hättest es trotzdem mir überlassen müssen, Schluss zu machen oder nicht! Du hättest mir wenigstens ein Chance geben müssen.“ – „Du hast Recht.“ Kein aber. Und meine leise Stimme sagt: ein bisschen Kein aber täte mir selbst vielleicht auch nicht schlecht. Er hat Recht. Wir haben vielleicht beide Recht.

Und nun? Tja, und nun... Und nun will er also das Haus verlassen, will in eine andere Stadt gehen, eine Arbeit suchen und noch mal von vorne anfangen. Will zu sich selbst zurückfinden (Zitat! Psycho-Topten, nicht im Laparedschen Vokabular) und vorsichtig, ohne Eile auch zu mir, wenn es da noch eine Tür gibt. Ich muss heulen.

Aber (shit!) aber das glaub ich nicht, das glaub ich nicht! Gesagt hat er schon so viel. Und dabei das „momentan“ vergessen. Vielleicht will er das ja auch wieder nur momentan. Und morgen will er doch wieder lieber bei Mutti bleiben. Ich glaub ihm erst, wenn er es TUT. Ohne tut keine Tür.

Gut gebrüllt, Lpunkt.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenElRayo schreibt am 12.05.2006 um 18:45 Uhr:Keine Chance.



    Lass Dich nicht einwickeln.



    Männer sind nicht so: KEIN Mann (statistisch immerhin 3%); JEDER Mann wird immer versuchen, sich eine Geliebte so lang als möglich warm zu halten, weil es dem männlichen Ego einfach schmeichelt, ZWEI Frauen zu vögeln (darf ich das so sagen/schreiben?); die meisten Männer haben einen Sprung in ihrem Selbstwertgefühl und kompensieren es mit einer Nebenfrau.



    Und dieses endlose \"Ich verlasse sie, ich liebe doch nur Dich.\"



    Seid Ihr Frauen denn immer noch so lang hinzuhalten?



    Er wird sich eine Zweitwohnung nehmen, die ihm seine Frau wohl auch noch finanzieren wird. Was beweist das? Gar nix.



    Löse Dich, eher heute als morgen.



    Einziges glaubhaftes Gegenargument wären rechtsgültige Scheidungspapiere.



    Du wirst einen viel besseren finden (aber versprechen kann Dir das auch keiner).



    Ich bin froh, aus dem Teufelskreis raus zu sein.



    Ich bin einer von den 97%.
  2. zitierenthebastian schreibt am 12.05.2006 um 21:28 Uhr:Die vorgegangenen Maennerklischees kommentiere ich mal nicht, da bekanntlich ohne Fehl ist, wer den ersten Stein wirft. Was allerdings sehr wahrscheinlich stimmt, ist, dass der Weihnachtsmann sich nicht aendern wird. Das ist meine Einschaetzung als Mann. Er weiss genau, dass das Einzige, womit Kerle euch Frauen beikommen koennen, eure schwachen Egos und eure unglaubliche (daemliche) Gutglaeubigkeit sind. Und was ist an jemandem attraktiv, der so niedrig ist, sich von (s)einer Frau aushalten zu lassen und eine andere mit billigen Gesten bei der (oder mit Verlaub, seiner) Stange zu halten sucht?

    Lass los. Dreh dich um und sieh nicht zurueck.
  3. zitierenpedestrian schreibt am 12.05.2006 um 23:14 Uhr:@ElRayo: Auf was für eine Statistik beziehst du dich denn da?



    Auch ich wäre erst einmal skeptisch angesichts der jüngsten Entwicklungen, aber diese Breitbandargumentation, die du da ins Feld führst, missfällt mir. DIE Männer sind ein abstraktes Konzept ohne Inhalt. Jedenfalls konnte mir noch nie jemand schlüssig erklären, was DIE Männer eigentlich von DEN Frauen unterscheidet. Das sind doch alles nur Phrasen und Klischees, mehr nicht.



    Es geht hier nicht um DIE Männer. Es geht hier um genau einen Mann und eine Frau und um die Frage, ob es für diese beiden einen gangbaren Weg gibt, sich noch einmal aufeinander einzulassen. Die Antwort auf diese Frage halte ich für ebenso individuell und einzigartig, wie es Männer und Frauen nun mal sind.



    @thebastian: Dieselbe Klischeesoße über DIE Frauen zu gießen, ist auch nicht viel besser. Meine Güte, ist es denn so schwer, jenseits von Geschlechterschubladen und klischeebeladen Verallgemeinerungen zu denken?



    @Lapared: Unabhängig davon bin ich übrigens auch der Meinung, dass er es dir hätte überlassen müssen, Schluss zu machen. Mehr noch: Er hätte dir von Anfang an reinen Wein einschenken müssen - ob du ihn nun aufrichtig liebst oder nicht. Wenn ihm das Risiko für das eigene Herz zu hoch ist, darf er sich halt nicht auf eine andere Frau einlassen. Aber das Risiko zu verringern, indem er einen Teil davon auf dich abwälzt, ohne dir auch nur die Chance zu geben, dich dagegen zu verwahren, ist nicht in Ordnung.
  4. zitierensjAlfur schreibt am 12.05.2006 um 23:19 Uhr:au weia. noch ein klischee mehr (betrifft BEIDE vorangegangenen kommentare) und ich muss auf meine tastatur reihern! zuspruch oder bedenken zu äußern ist ja ganz toll, aber situationsbezogenes phrasengedresche über die angebliche kluft zwischen mann und frau kann doch keinem helfen, oder?

    frauen sind gutgläubig und haben schwache egos... ahja... männer brauchen immer zwei frauen weil sie einen sprung in ihrem ego haben. hmmm... also rein mathematisch macht das natürlich wieder sinn:



    schwaches frauenego x 2 = großes männerego



    (schade nur dass da die anatomie nicht auch gleich mathematisch gedacht hat, aber lassen wir das mal weg...)



    ich behaupte aber mal ganz dreist, dass das leben dann doch nicht ganz so einfach ist...
  5. zitierensjAlfur schreibt am 12.05.2006 um 23:20 Uhr:(ups, zeitgleiches kommentieren... mit \"BEIDE vorangegangenen kommentare\" meinte ich natürlich die ersten beiden...)
  6. zitierenAmster schreibt am 13.05.2006 um 00:01 Uhr:
  7. zitierenAmster schreibt am 13.05.2006 um 00:07 Uhr:Auch wenn das jetzt vielleicht nicht sehr populär sein wird. Lapared, meine Meinung... ach ich zitier lieber kettcar, Männer (!) aus Deiner Heimat: Mach immer, was Dein herz Dir sagt. Dämlich kann man es hinterher noch nennen, Hauptsache Du nennst es vorher oft genug Glück. Vielleicht fliegst Du wieder auf die Fresse, aber sieh zu, dass Du davor etwas gekriegt hast, das es verdammt noch mal wert war. Lebe wild und gefährlich!
  8. zitierenthebastian schreibt am 13.05.2006 um 02:20 Uhr:Deinem gerechten Scharfsinn kann kein Klischeedenken widerstehen, sjAlfur. Ich gebe zu, der Satz ueber die Gutglaeubigkeit war unangebracht. Gut gemeint ist eben noch laengst nicht gut gesprochen.
  9. zitierenpocoos schreibt am 13.05.2006 um 08:19 Uhr:wenn du ihn willst, nimm ihn.

    sonst nimmt ihn / er eine andere.

    so einfach ist das leben.





  10. zitierenschnuff schreibt am 13.05.2006 um 09:18 Uhr:@ pocooos



    Bollocks! Weder Männer noch Frauen sind Wühlstischware bei der man zuschlagen muss und die dann einen steten Besitzer hat, dem sie einfach treu bleibt, weil derjenige als erster zugegriffen hat.

    So einfach ist höchstens Einkaufen, das Leben mit Sicherheit nicht!
  11. zitierenglimmerbox schreibt am 13.05.2006 um 13:39 Uhr:Ich würde mit dem Typen nie wieder reden, bis ans Ende meiner Tage.
  12. zitierenschnuff schreibt am 13.05.2006 um 13:40 Uhr:@ Lchem

    Von generellen Frauen- und Männerdebatten mal abgesehen:

    >

    > Das ist doch ne völlig alberne - unangemessene Strategie, die er da fährt:

    > Er setzt bei deinen schwachen Stellen an (deinem schlechten Gewissen,

    > aufgrund des noch nicht abgeschlossenen inneren Abschieds von 119 und des

    > schlechten Gewissens aufgrund des bloggs) und sagt: \"Du aber auch!\"

    >

    > Es ist weder vergleichbar noch fair, noch gibt es irgendeinen Sinn. Das

    > ganze pubertäre Geschrubbel, welches er da anführt, um zu \"beweisen\", dass

    > er sich deiner Liebe nicht sicher sein könnte, ist doch völlig absurder

    > Quark! Mal abgesehen davon, dass das alles keine \"Beweise\" für fehlende

    > Liebe wären.

    >

    > Um die Frage, wie sicher man sich der Liebe sein könne, geht es doch aber

    > gar nicht!

    > (Eine Frage, die in sich selbst schon albern wäre.) Weder deine noch seine

    > Gefühle kann einer von euch garantieren. Gefühle kann man generell nicht

    > garantieren. Es geht um die Frage, ob man sich darauf verlassen kann, dass

    > der Partener sich aufrichtig verhält.

    >

    > Verhalten kann man kontrollieren, Gefühle nicht.

    >

    > Jemand, der sich in so elementaren Dingen so offensichtlich verlogen und nur

    > auf den eigenen Vorteil fixiert verhält wie der fliegende Holländer, hat

    > sich selber als \"verlässlicher\" Partner disqualifiziert. - Ende der Debatte.

    >

    > Diese (deine) schwachen Stellen kennt übrigens jeder genau, der deinen blogg

    > liest. Dass er das tut finde ich nicht schlimm, dass er so komische

    > Spielchen spielt (diese ganze \"Freunde\"-Konstruktion schreit doch zum

    > Himmel!) schlichtweg zum Kotzen.

    >

    > Dass er - nachdem er vor zwei Wochen fröhlich \"Schiffe versenken\" - und

    > zuvor die ganze Zeit falsch gespielt hat - jetzt dir die Schuld dafür geben

    > will, ist so unter aller Kanone, da fällt mir eigentlich nichts mehr ein -

    > außer Gewaltphantasien.





    Von generellen Frauen- und Männerdebatten mal abgesehen:

    >

    > Das ist doch ne völlig alberne - unangemessene Strategie, die er da fährt:

    > Er setzt bei deinen schwachen Stellen an (deinem schlechten Gewissen,

    > aufgrund des noch nicht abgeschlossenen inneren Abschieds von 119 und des

    > schlechten Gewissens aufgrund des bloggs) und sagt: \"Du aber auch!\"

    >

    > Es ist weder vergleichbar noch fair, noch gibt es irgendeinen Sinn. Das

    > ganze pubertäre Geschrubbel, welches er da anführt, um zu \"beweisen\", dass

    > er sich deiner Liebe nicht sicher sein könnte, ist doch völlig absurder

    > Quark! Mal abgesehen davon, dass das alles keine \"Beweise\" für fehlende

    > Liebe wären.

    >

    > Um die Frage, wie sicher man sich der Liebe sein könne, geht es doch aber

    > gar nicht!

    > (Eine Frage, die in sich selbst schon albern wäre.) Weder deine noch seine

    > Gefühle kann einer von euch garantieren. Gefühle kann man generell nicht

    > garantieren. Es geht um die Frage, ob man sich darauf verlassen kann, dass

    > der Partner sich aufrichtig verhält.

    >

    > Verhalten kann man kontrollieren, Gefühle nicht.

    >

    > Jemand, der sich in so elementaren Dingen so offensichtlich verlogen und nur

    > auf den eigenen Vorteil fixiert verhält wie der fliegende Holländer, hat

    > sich selber als \"verlässlicher\" Partner disqualifiziert. - Ende der Debatte.

    >

    > Diese (deine) schwachen Stellen kennt übrigens jeder genau, der deinen blogg

    > liest. Dass er das tut finde ich nicht schlimm, dass er so komische

    > Spielchen spielt (diese ganze \"Freunde\"-Konstruktion schreit doch zum

    > Himmel!) schlichtweg zum Kotzen.

    >

    > Dass er - nachdem er vor zwei Wochen fröhlich \"Schiffe versenken\" - und

    > zuvor die ganze Zeit falsch gespielt hat - jetzt dir die Schuld dafür geben

    > will, ist so unter aller Kanone, da fällt mir eigentlich nichts mehr ein -

    > außer Gewaltphantasien.

  13. zitierenvonWegen schreibt am 14.05.2006 um 02:14 Uhr:Hm, ich fürchte, Du hast einen Scheißjob.



    Ohne den

    würdest Du

    klarer sehn.

    ...

    Ein freundlicher Hinweis von jemandem, der die Branche auch kennt.

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