Anleitung zum Entlieben

05.05.2013 um 22:00 Uhr

See you in Wacken

von: Lapared

Was Wacken für die Metal-Szene ist, ist Hamburg für die Protestanten. Schon zum vierten Mal beherbergte Hamburg diese Woche den evangelischen Kirchentag. 130.000 Besucher zog es diesmal her. Kein Wunder, wenn man Gottesdienste und Reeperbahnbummel verbinden kann. Meinen Segen haben sie…

Bessere Gäste als die Kirchentagsbesucher gibt es eigentlich nicht. Alle sind freundlich und benehmen sich. Niemand zerdeppert Bierflaschen, müllt rum oder kotzt in die Grünanlagen. Sie wollen eine bessere Welt, und so verhalten sie sich auch (öffentlich zumindest). Sie sind die Guten. Wenn es nur nicht so viele auf einmal wären! (Hundert! Dreißig! Tausend!)

Aber wahrscheinlich ist gerade das der Kick. Das sogenannte Gemeinschaftserlebnis. Beim sonntäglichen Kirchbesuch haben sie das ja nicht, ganz normal in die Kirche geht ja kein Schwein. Zu langweilig, tippe ich. Aber hier in Hamburg zusammen mit 130.000 anderen Kirchentagsgästen abends an der Binnenalster Der Mond ist aufgegangen singen… Alle mit einem Kerzchen in der Hand und einem feschen blauen Schal um den Hals, dem offiziellen Kirchentagsaccessoire… Das hat was! Gänsehaut-Alarm! Eine Mischung aus Open-Air-Konzert (Balladen-Time) und Stadionerlebnis. Karten fürs Champions League Finale bekommt man ja nicht. Ich versteh das schon, ich versteht das.

Aber muss es denn immer Hamburg sein? Letztes Wochenende der Marathon, dieses Wochenende (beginnend am Mittwoch!) Kirchentag, nächstes Wochenende (ab Donnerstag) Hafengeburtstag. Und jedes Mal werden die Straßen gesperrt. Der Verkehr kollabiert. Die Stadt platzt aus allen Nähten. Ununterbrochen knattern die Hubschrauber in der Luft...

Mich persönlich stört das natürlich nicht. Wirklich nicht. Kein Stück. So ist es eben, wenn man in einer der schönsten Städte der Welt wohnt. Da muss man damit leben, dass andere sie zumindest besuchen wollen.

Und auch ich hatte Tränen in den Augen an jenem stimmungsvollen Abend an der Binnenalster. Als ich versuchte, mit dem Fahrrad durchzukommen. („Aus dem Weg, Ihr Singvögel!“) Ich finde nur, andere Gemeinden sollten auch mal so nette, ordentliche Gäste haben. Gerade kleine Orte, die sonst nicht so verwöhnt sind. Großveranstaltungskompetenz gibt es auch in der Provinz. „Deutscher Evangelischer Kirchentag in Wacken“ - ich finde, das klingt gut.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenmchen schreibt am 06.05.2013 um 14:51 Uhr:gute Idee!! gleich in verbindung mit dem metal festival wär so ein kirchentag doch auch mal interessant. vielleicht würde das zu einer ganz neuen version von "der mond ist aufgegangen" führen?!
    Ansonsten hoffe ich, dass du kommendes wochenende ein ruhiges eckchen etwas entfernt vom hafen findest... sonntags in der kirche vielleicht ;) oder mit curt ab ins freibad!!
  2. zitierenMartin schreibt am 06.05.2013 um 15:13 Uhr:Naja, mal im Ernst: Was hat Hamburg wirklich zu bieten ? Keinen Fussballverein von Rang, kein nationales oder internationales Kulturereignis, kein Sporteregnis, dass wichtig genug wäre um es außerhalb Deutschlands zu erwähnen.. Springturnier ? Galoppderby ? Tennisturnier... geschenkt. Das war einmal - in anderen Zeiten. Schöne blaue Alster, elegante Innenstadt, Schanzenviertel, Hafencity, Besuch der Quenn Mary 2... schön und gut. Nur lebt da eben nicht der Durchschnittshamburger oder kann sich auch nur im entferntesten etwas davon leisten. Schönste Stadt der Welt ? - Naja, im Hamburger abendblatt vielleicht, aber was sollen die auch sonst schreiben ? Von Freiburg schwärmen ?? Nee, Da ist doch ein Kirchentag in Hasmburg wirklich ein herausragendes Ereignis. Endlich etwas, woran man teilnehmen kann.
  3. zitierenTheFan schreibt am 06.05.2013 um 18:38 Uhr:Die zwei Festivals zusammenzulegen hat was, dann kann man die Kreuze einfach um 180° drehen ...
  4. zitierenMartina schreibt am 07.05.2013 um 08:19 Uhr:Der Gottesdienst zu langweilig????

    Neeee, für mich einfach zu früh! (c;
  5. zitierenschwesterf schreibt am 12.05.2013 um 02:19 Uhr:oh lchen, ich bin zwar kein kirchengänger. aber aus solidarität: darf ich als nicht hamburgerin bei dir schlafen?
  6. zitierenRyan schreibt am 15.05.2013 um 03:33 Uhr:Endlich spricht es jemand an. Meine Freundin und ich saßen verträumt nichts böses ahnend in einem kleinen Bisto in Barmbek, aßen bedächtig unsere Croques - und bemerkten irgendwann, dass wir direkt auf einem Pilgerpfad saßen, als alle paar Minuten Grüppchen von Christen an uns vorbei zogen.

    Der blaue Schal war im übrigen Teil eines "Christen-Fan-Paketes" - u.a. gab es noch blaue Regenjacken und passende Fahnen, die immer wieder stolz präsentiert wurden beim Vorbeilaufen. Mein persönlicher Favorit: eine 10er Gruppe Christen, die einen kleinen, rollenden Gettoblaster hinter sich her zogen, aus dem volle Laustärke "Christenrock" tönte. Die Gruppe hielt alle 20 Meter an, um euphorisch den Takt mitzuklatschen und sowas wie: "Jesus liebt mich!" sanft aber stark und inbrünstig zu singen. Mit so vielen Gutmenschen um mich herum, fühlte ich sofort schlecht - und das als getaufter Katholik, gefühlter Atheist.

    Seltsames Wochenende, wenn die Freundin am Fenster steht und brüllt: "Da kommen schon wieder ganz viele CHRISTEN! Direkt durch unsere Straße!" Als wäre die Zombieapokylypse ausgebrochen, nur eben anstatt gehirn-fressende Halbtote hellblau-gekleidete Gutmenschen, die in Rudeln, die Straße verstopfen.

    Marathon - hasse ich jedes Jahr. Ich muss durch zwei große, gesperrte Hauptstraßen, um zur Arbeit zu kommen. Jedes Jahr wieder eine Freude - und nächstes WE ist "Fuhle-Fest", ich wohn in Barmbek und muss wieder gucken, wie ich trotz Straßensperren pünktlich beim Dienst erscheine.

    @Martin
    Als Lokalpatriot und gebürtiger Hamburg muss ich meckern. Durch welche Kriterien wird denn bitte eine Stadt zu einer "schönen Stadt"? Ich muss nicht direkt Blick auf die Alster haben (ich glaube nicht, dass jeder Kölner aus seinem Wohnzimmer den Kölner Dom bestaunen kann), allerdings muss ich keine 10 Minuten fahren, um an der Alster zu sein. Man kann sich im Schanzenviertel oder in der Innenstadt aufhalten ohne Geld zu bezahlen, bislang gibt´s noch keine Zölle bei uns. Die Queen Mary 2 (inklusive Taufe und Feuerwerk) hab ich auch schon bestaunt

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