Anleitung zum Entlieben

12.09.2005 um 10:25 Uhr

Sonntagnachmittag

von: Lapared

Angenommen ich wäre ein Kamel. Angenommen, ich wäre ausgerechnet eines nieseligen Sonntagnachmittags, ausgerechnet zwischen Sportschau und Wahl-Duell, ausgerechnet in die Sauna bei ihm (und mir) um die Ecke gegangen. Angenommen, er hätte da plötzlich vor mir gestanden mit nichts als seinem kleinen Handtuch (weil die Zeiten vorbei sind, in denen ich meinen großen flauschigen Herren-Frotteebademantel für ihn mitgeschleppt habe). Angenommen, er hätte schweinegut ausgesehen (und viel hübscher als der Holländer). Angenommen, ich hätte mich von ihm in den Arm nehmen lassen und seinen vom kalten Duschen angenehm kühlen, vertrauten Körper auf meiner dampfbadwarmen Haut gespürt. Angenommen, ich wäre dann in einem Anflug plötzlicher Übelkeit aus dem Nassbereich geflüchtet, unter Zurücklassung meines Bademantels, meines Shampoos, meiner Bodylotion und Connie Palmens wunderwunderschönem Buch „I.M.“, das mit der literarisch und wohl auch sonst ziemlich bemerkenswerten Eingangsszene beginnt, dass sich die Liebenden, um die es geht, beim gegenseitigen Erblicken synchron in die Hose kacken, weil ihre Schließmuskel versagen, und das von einer Liebe erzählt, so groß, dass das Glück kaum zu fassen ist... angenommen, auch das hätte ich zurückgelassen im Nassbereich, wäre in den Trainingsanzug gesprungen, hätte meine Tasche, die leicht wäre, weil ja fast alles, was ich darin mitgebracht hätte, liegen geblieben wäre, unter den Arm geklemmt und wäre heulend nach Hause gerannt. Angenommen, das alles wäre an einem nieseligen Sonntagnachmittag so geschehen... Warum kann an dem darauf folgenden Montag nicht noch ein allerletzten Mal die scheiß Sonne scheinen. Dieses eine Mal noch. Nur damit ich ins Bad gehen und mich von anderen Männern anlächeln lassen kann.

Immerhin. Der Holländer simst „Du pist ein Engel“.

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