Anleitung zum Entlieben

27.06.2005 um 21:26 Uhr

Spotless Mind

von: Lapared

Ein berühmter Mann der deutschen Werbung (mit anderen Worten, irgendein Typ, den außerhalb dieser winzigen aufgeblasenen Parallelwelt eigentlich kein Schwein kennt) hat mal gesagt: Scheiß immer auf denselben Haufen! Ich habe darüber nachgedacht. Und ich glaube, er hatte Recht.

Mehr als 10 Jahre habe ich geackert wie blöde und in der Werbung eigentlich schon einen ganz beachtlichen Haufen produziert. Mehrfach ausgezeichnet und preisgekrönt. Werbung ist das, was ich kann. Und wenn ich in der letzten Zeit manchmal den Eindruck hatte, dass ich es nicht kann, so muss das einfach daran gelegen haben, dass mir irgendwie die Begeisterung dafür abhanden gekommen war. Ja, daran muss es gelegen haben, nur an der fehlenden Begeisterung, nur daran. Ist ja auch kein Wunder, wenn man Werbung nur noch aus dem deutschen Fernsehen kennt. Das, was da läuft, ist ja auch Grotte. Früher, da habe ich Awardbooks verschlungen, mir in jeder freien Minute "Lürzers", "Shots“... eben all diese internationalen Sachen angeguckt. Und dabei gedacht: Alter! So gut kann Werbung sein! Ich denke, das sollte ich mal wieder tun. Richtig gute Werbung angucken. Bestimmt kommt die Begeisterung dann wieder. Bestimmt. Und wenn nicht... dann wird mir wohl tatsächlich nichts Anderes übrig bleiben, als irgendwo anders auf einer neuen Wiese mit einem neuen kleinen Häufchen zu beginnen. Einem Praktikantenhäufchen oder einem Volontäriatshäufchen. Aber das läuft mir ja nicht weg. Vorher sollte ich der Sache, die so lange eine große Leidenschaft war, vielleicht noch mal eine Chance geben. Oder? Ich finde, das hört sich sehr vernünftig an. Oder nach Kneifen. Wie auch immer.

Apropos große Leidenschaft. Ich denke andauernd an diesen Film. „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“, ich glaube, bei uns hieß er „Vergiss mein nicht“. Gott, bzw. Charlie Kaufman, hat das Drehbuch geschrieben, und die Grundidee ist die: Um endlich über seine große Liebe Clementine (Kate Winslet) hinweg zu kommen, beschließt Joel (Jim Carrey), mithilfe einer neuen Behandlungsmethode die Bereiche seines Gedächtnisses löschen zu lassen, in denen die Erinnerungen an Clementine gespeichert sind. Adieu Herzschmerz. Nach dem Eingriff wird Joel nicht mehr wissen, dass er eine Frau names Clementine je gekannt hat. So jedenfalls das Versprechen des windigen Wissenschaftlers, der mit dieser Methode gute Geschäfte macht, und ich kann nur sagen: Her mit dem Mann! Sofort!


Kate Winslet und Jim Carrey in "Vergiss mein nicht"

Im Ernst, es fällt mir unendlich schwer, nicht bei 119 anzurufen. Und ich tüftele noch an einem wirkungsvollen Belohnungssystem, um mir für jede Stunde, die ich widerstehe, angemessene Anreize zu schaffen. Pro Stunde ein Paar Schuhe? Pro Minute eine Streuselschnecke? Pro Sekunde eine dieser kleinen geilen Nougatbomben? Drauf geschissen. Alles nicht attraktiv genug. Lange geht das nicht mehr gut. Ich werde Curd wohl bitten, mir vor die Nase zu treten. Oder mich auf sonst irgendeine Weise vorrübergehend in die Bewusstlosigkeit befördern.

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