Anleitung zum Entlieben

17.08.2006 um 20:55 Uhr

Stiefelchen

von: Lapared


Und es hat ja auch alles Vorteile.

Oder umgekehrt: Wenn man sich mit dem Mann seines Herzens wie man so sagt eine Existenz aufbauen will, und dieser Mann ist zufällig ein ganz armer Schlucker, dann ist es – hach nee, wie schön - wohl Liebe... muss es wohl sein... aber mit den feinen Stiefelchen und den teuren Bikinis und den verbrecherisch überzahlten Antifaltencremes ist es vorbei. Also, der Vorteil: Hurra, meine Kohle gehört wieder mir! Ich kann sie wieder für jeden Scheiß auf den Kopp hauen. Ich pfeife auf Haus und Hund, flaniere mit den ersten Stiefelchen der Saison die Milchschaummeile entlang und habe auch ohne Existenz durchaus das Gefühl zu existieren, jedenfalls bemerke nicht nur ICH mich, sondern – hoho! - auch andere. Und wem es jetzt in den Fingern juckt zu kommentieren, dass ich so möglicherweise nie jemanden finde, der sich für mein berückendes Wesen und meine innere Werte interessiert... das stimmt. Aber... das riskiere ich. Ich denke nämlich, ohne Stiefelchen stehen die Chancen auch nicht besser. Sei denn, ich hänge mir ein Schild um: Trage scheiß Schuhe um Ihren Blick nicht von meinen bezaubernden Charakter abzulenken. Das ginge vielleicht.

Da fällt mir wieder ein... Dick sagte oft, ich sei behindert. Er meinte, ich hätte schlechtere Chancen als andere, im Leben glücklich zu werden, da mir durch mein Äußeres eher Blicke als aufrichtig liebende Herzen zufliegen würden. Damals wusste ich noch nicht, dass er aus eigener Erfahrung spricht. Im Gegenteil, ich fand es rührend. Ich fand es eine originelle, und von tiefer Kenntnis meines Wesens zeugende Art, mir ein Kompliment zu machen. Inhaltlich hielt ich es für kompletten Schwachsinn (ich verfechte die gewagte These, dass auch der Mensch, dem irgendwann mein supergeiler Charakter die Sinne raubt, mich zunächst mal bemerken muss) aber ich würdigte sein Bemühen, eine wohltuende Schmeichelei so beschissen zu verpacken, dass ich sie annehmen kann. Denn es ist ja so: Ein stinknormales „Du bist hübsch“ wäre an meinem Trommelfell abgeprallt wie ein Flummi von Panzerglas, bis zur Großhirnrinde wäre es nicht annähernd gedrungen. Aber ein „Du bist behindert“, das ging rein, wie durch Butter.

Wie war ich jetzt darauf gekommen? Ach so... Ich glaube, ich wollte nur sagen, dass ich mich wieder hübsch mache und mir schöne Sachen kaufe und das mache ich natürlich wie jede Frau nur für mich. Und für den zukünftigen Mann, der mich aufrichtig, absolut nicht wegen der Stiefel sondern um meines prächtigen Charakters willen lieben wird, aber sonst gar nicht von seinem Lattedingsbums hochgeschaut hätte. So.

(P.S. Hab ich´s gesagt oder hab ich´s gesagt: Sie kommen zu mir zurück...)

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenerphschwester schreibt am 17.08.2006 um 21:34 Uhr:wer kommt zurück?

    die männer oder die absätze? :D
  2. zitierenlucha schreibt am 17.08.2006 um 23:56 Uhr:Gut so, das Selbstbewußtsein darf doch ruhig malexterne Unterstützung durch ein Paar supergeiler Stiefel bekommen! Schließlich hat DU dir das ja auch ermöglicht, und das ist doch was!
  3. zitierenNLN schreibt am 18.08.2006 um 01:41 Uhr:Du laufst von 119 zu D un mit dein stiefel zu ein neue.........so ein Selbstbewußtsein.
  4. zitierenMargit schreibt am 18.08.2006 um 08:35 Uhr:also mir ist lieber schön, reich und gesund, als hässlich, arm und krank....aber es gibt wohl auch leute, die das als behinderung ansehen. *g*
  5. zitierensunnysightup schreibt am 18.08.2006 um 11:27 Uhr:Der alte Schuhtrick. Feine Sache, das.

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