Theorie und Praxis
"... nicht der Mann, mit dem ich Leben möchte." Nicht übel. Große Worte, gelassen aufgeschrieben. Und das über den Mann, für den ich mich fast umgebracht hätte. Im Ernst. Nicht mit dem einen großen Bums, für so viel Entschiedenheit bin ich zu alt. Mehr so als billigende Inkaufnahme der mittel- bis langfristigen Folgen einer ausgeprägten Vorliebe für Zigaretten, Alkohol, Tavor, 20 Stunden-Tage und Salzstangen als Grundnahrungsmittel. Aber die Salzstangen-Zeiten sind vorbei. Heute zum Beispiel hatte ich einen Käsekuchen (mit Sahne), einen Salat (SALAT! Ich!) und ein Spiegelei. Man könnte also geradezu sagen: Ich ernähre mich. Ich achte auf mich. Ich bin zu mir wie eine Mutter, quasi. Fantastisch. Und jetzt sitze ich hier, rauche, und frage mich, wie ich das hingekriegt habe. Ich meine, bis vor kurzem war ich der Meinung, ich würde diesen Mann bis an mein Lebensende lieben, und selbst, wenn das angesichts des beschriebenen Lebenswandels wahrscheinlich nicht mehr allzu viel Ausdauer erfordert hätte, bin ich jetzt doch etwas erschüttert, wie schnell sich alles ändern kann. Und das nur, weil mein Angebeteter mal ein bisschen grippal war. Und nörgelig. Und wehleidig. Und, hatte ich es erwähnt, geil wie ein Weißbrot. Null nämlich. Und schon schreibe ich ihn ab, ich oberflächliches, lüsternes wankelmütiges... Sexhäschen. Aber ich habe da so eine Theorie.
Vorhin rief ich meinen Vater an. Er liegt im Krankenhaus, die Prostata, schmerzhafte Sache. Er meldet sich ganz aufgeräumt und ich ehrlich erfreut: "Na Popelchen, Du klingst ja schon viel besser, das ist ja fein!" Reflexartig ändert sich sein Tonfall, ein schwaches Stimmchen entkräftet vom Siechtum: "Ach Du bist es, mein Kind... mach Dir keine Sorgen... der Papa wird schon wieder!" Hm. Ich rufe Mutti an: "Scheiße man, was ist denn mit Papa, der klingt ja grauenvoll?" Und Mutti unwirsch: "Ach ja, kennst ihn doch. Ist mal wieder Passionszeit. Keiner leidet so wie er!" Da wurde es mir schlagartig klar: Ich will keinen Mann wie meinen Vater. Dieses - verzeih geliebtes Popelchen - Mutlose, Mitleidheischende, Waschlappige. Und vor allem: Ich will nie werden wie meine Mutter. So dragonermäßig. So zackig. So abgenervt. So gemein. Sorry 119, Exliebe meines Lebens. Wir haben eben alle unsere Geschichte. (Wow, das saß!) Und was den Rest des Tages betrifft: Wegen der beschädigten Kunst habe ich eine gepfefferte Beschwerde-Mail geschrieben. Erstmal im Entwurfsordner. So geht´s ja nicht. Ach ja, und für 119 einen Apfelkuchen und eine Digitalkamera gekauft, zum Geburtstag halt.
Vorhin rief ich meinen Vater an. Er liegt im Krankenhaus, die Prostata, schmerzhafte Sache. Er meldet sich ganz aufgeräumt und ich ehrlich erfreut: "Na Popelchen, Du klingst ja schon viel besser, das ist ja fein!" Reflexartig ändert sich sein Tonfall, ein schwaches Stimmchen entkräftet vom Siechtum: "Ach Du bist es, mein Kind... mach Dir keine Sorgen... der Papa wird schon wieder!" Hm. Ich rufe Mutti an: "Scheiße man, was ist denn mit Papa, der klingt ja grauenvoll?" Und Mutti unwirsch: "Ach ja, kennst ihn doch. Ist mal wieder Passionszeit. Keiner leidet so wie er!" Da wurde es mir schlagartig klar: Ich will keinen Mann wie meinen Vater. Dieses - verzeih geliebtes Popelchen - Mutlose, Mitleidheischende, Waschlappige. Und vor allem: Ich will nie werden wie meine Mutter. So dragonermäßig. So zackig. So abgenervt. So gemein. Sorry 119, Exliebe meines Lebens. Wir haben eben alle unsere Geschichte. (Wow, das saß!) Und was den Rest des Tages betrifft: Wegen der beschädigten Kunst habe ich eine gepfefferte Beschwerde-Mail geschrieben. Erstmal im Entwurfsordner. So geht´s ja nicht. Ach ja, und für 119 einen Apfelkuchen und eine Digitalkamera gekauft, zum Geburtstag halt.

Ich drück dir die Daumen. Bist auf nem guten Weg.