Anleitung zum Entlieben

05.12.2005 um 23:23 Uhr

Tortur

von: Lapared

Aber um das mal klar zu stellen: ein Heiliger ist Dick auch nicht! Ich erzähl mal, wie es überhaupt dazu kam mit der Jugendherberge.

Nachdem wir die ganze Freitag Nacht, den ganzen Samstag, die ganze Samstag Nacht und den halben Sonntag zusammen verbracht hatten – und mit zusammen verbracht, meine ich zusammen verbracht, wir haben nicht eine Minute ferngesehen oder so, wir waren die ganze Zeit mit uns selbst beschäftigt, der Erforschung unserer faszinierenden Seelenlandschaften, der Analyse unsere Gefühle und Befindlichkeiten, ein paar Augenblicke Ruhe hatte man wirklich nur beim Ficken…

Und nachdem ich, wie gesagt, in den drei Wochen davor kaum eine Minute allein war, was für mich in etwa so verzichtbar ist, wie für andere die Atemluft…

Und darüber hinaus wusste, dass es in den kommenden drei Wochen nicht viel anders sein würde…

Nach dieser, sagen wir es wie es ist, riesengroßen TORTUR, die man bisweilen auch Verliebtheit nennt, habe ich Dick am Sonntag gebeten, um fünf oder so zu fahren, damit ich Abends noch ein paar Stunden für mich hätte. Für die überfällige Steuererklärung, die schmutzige Wäsche, das Sortieren meiner sezierten Gefühle und zerfledderten Gedanken.

Aber anstatt zu sagen, ja, kein Problem, dann fahre ich um fünf, sagte er: "Ich habe mir vorgenommen, bis Montag hier in X. zu sein, und ich werde bis Montag in X. sein. Wenn nicht bei Dir, schlafe ich in einer Jugendherberge, aber ich bleibe bis Montag in X." So war das nämlich. Und erst als ich mich deshalb scheiße gefühlt hab und mich angemessen zerknirscht selbst bezichtigte: „Was bin ich für eine beschissene Freundin! Mein Freund kommt nach Wochen endlich zu Besuch, und muss dann in der Jugendherberge übernachten, ich blöde Sau...“ Erst danach kam nämlich sein hinreißendes: „Du bist bekloppt, aber ich liebe Dich!“

Ja, so liest sich das alles schon etwas anders, was?

Was mich aktuell so wütend macht? - Dasselbe wie immer. Egal, wieviel ich ihm gebe, er will genau das eine Bisschen, das er nicht bekommen hat. In diesem Falle war es ein gemeinsamer Saunabesuch, den er sich gewünscht, aber auf den ich keine Lust hatte. Und High Heels, die er an mir mag, aber ich nicht, weil ich nicht weiß, worüber ich mich mit seiner Kopfhaut unterhalten soll. Lapalien also. Im ersten Moment verzichtet er scheinbar mühelos darauf. Aber vertu´ Dich nicht... er hat es auf seiner Agenda! Und wie ein Vetreter für private Krankenversicherungen… er wird immer und immer und immer wieder anfragen. Fünf SMS habe ich seitdem zu diesem Thema, zum einen wie zum anderen. Und all meine Bitten, Verbote und Warnungen, endlich damit aufzuhören, nützen nichts.

Wir können wohl alle nicht aus unserer Haut.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenAmster schreibt am 06.12.2005 um 10:16 Uhr:Puh, wenn ich das sagen darf: raffiniertes Kerlchen! Bist Du sicher, dass er wirklich in der Jugendherberge war? Für mich klingt das gepokert... gut gepokert. Ihm war doch klar, dass Du das schwer aushälst... Respekt, dass Du es doch getan hast.

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