Anleitung zum Entlieben

12.10.2005 um 23:39 Uhr

Tschüss altes Wasser

von: Lapared

Welch schöner Tag. Ich war, genau... im Freibad. Meinem Freibad. Wenn man ein Entenstilschwimmer ist, muss man nicht unbedingt in ein Schwimmbad, das beschwimmbar ist.

Die letzten zwei, drei Wochen haben das Bad verändert. Das Wasser ist trüber und träger geworden und seine Farbe inzwischen eher grün als blau. Die Bäume sind kahler und gelber, die Sonne dicker und sanfter. Ich saß am Beckenrand, sah in das Wasser, das eigentlich ja immer noch dasselbe war, und dachte, vielleicht wird es mit meinen Gefühlen für 119 genauso sein. Vielleicht werden sie einfach mit der Zeit trüber und träger... und irgendwann sind sie dann bräunlich-grün und abgestanden, sodass man, wenn man sie anschaut, froh ist, dass man nicht hinaus muss. Nichts Verlockendes wird dann mehr daran sein, nichts von einem türkisblau glitzernden David Hockney Pool, nur noch Erinnerung an einen vergangenen Sommer.

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(Tshcüss altes Wasser, ich habe jetzt meim eigem Bad und meim eigemen Wasserhahm!)

Später kam dann noch mein Freund, der popolose alte Handwerker. Wieder in seiner zerschlissenen aber frisch gebügelten Uniform (diesmal trug er auch die Jacke). Er scheint so etwas zu sein wie das Bad-Faktotum. Komisch, im Sommer hab ich ihn nie gesehen. Sicher hat er da öfter die verstopften Duschabgüsse gereinigt oder die weißen Sonnenliegen repariert. Und seine Aufgabe jetzt ist es, das Bad gut durch den Winter zu bringen.

Heute hat er an einer Treppe des Schwimmbeckens ein langes Brett angebracht, das nun wie eine Rampe schräg ins Wasser ragt. Bestimmt zwei Stunden war er damit beschäftigt. Erst hat er an dem einen Ende des Brettes einen großen leeren weißen Kanister mit einem dünnen Tau sturmflutsicher verschnürt (der sollte das Brett später im Wasser tragen), dann hat er das andere Brettende oben an der Treppe fest gemacht.

Als er damit schon fast fertig war, fing Mr. Popolos plötzlich an zu sprechen. Sprechen ist zuviel gesagt, er artikulierte vier Buchstaben, er sagte: „K T R B“. Und als ich nicht sofort reagierte noch mal lauter: „K T R B!“. Ich verstand, er hatte nicht mit sich selbst gesprochen, nach zwei Stunden friedlich schweigenden Nebeneinanders lief es nun rasant auf Kommnikation hinaus. „K T R B?“ fragte ich also, durch die Milde des Nachmittags gewillt mitzuspielen. „Klein-tier-rettungs-brücke“, sagte er stolz. Ich nickte, und er fügte hinzu: „Manchmal fallen Kaninchen rein!“ – „Kaninchen?!“, lächelte ich, „das ist nett, dass sie an die Kaninchen denken.“ Er kratzte sich am Kopf, er schien ein bisschen verlegen. „Und Sie passen hier auf das Bad auf?“ fragte ich. Er nickte, und nach einer Weile, „... da bin ich wohl nicht der Einzige“. Sprachs und schlurfte ab. Dabei grinste er wieder so, und grüßte ohne zu mir hin zu sehen. Ich finde ihn hinreißend.

Als er weg war, sah ich mir die K T R B genauer an. Ich weiß nicht, ob sie einem Nichtschwimmer-Kaninchen das Leben retten wird, ehrlich gesagt denke ich, das sie eher als Kleintierrutsche taugt, denn als Notausstieg. Aber ich finde es eine feine Geste. Vielleicht sollte ich in meinen 119-Gefühlspool auch eine solche Rettungsbrücke legen, eine Kleinteilrettungsbrücke für die unvorsichtigen kleinen Teile von mir, die manchmal noch aus Versehen hinein fallen, Kleinteile nicht größer als ein Herz oder ein Curd Rock.

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(KTRB – fimd ich gut!)

Dann hatte ich plötzlich den dringenden Impuls eine SMS zu schreiben: „Sit where we met... glad that we did.“ Und für einen Moment war ich es auch, so glücklich, Dick getroffen zu haben. Und vielleicht, wer weiß, nächstes Jahr, wenn das Wasser neu und hellblau ist, hier mit ihm zu schwimmen.

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(Näcjstem Sommer brauche ich eime Badehose...)

Kitschig? Ja nun... ich bin halt doch ein scheiß Romantiker.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenEllaken schreibt am 13.10.2005 um 00:29 Uhr:Nee, nicht kitschig. Scheiß schön.
  2. zitierenschnuff schreibt am 13.10.2005 um 09:42 Uhr:Lapared,

    fang bitte endlich an Bücher zu schreiben! (Und zu bebildern, natürlich.)

    Oder zumindest eine Kolumne einer der bekannteren Zeitungen zu übernehmen.



    Honestly!

  3. zitierenchero schreibt am 13.10.2005 um 16:06 Uhr:Sehr stimmungsvoll. Alles.

    Und - bitte hier weitermachen, oder Buch nur parallel dazu.
  4. zitierenAlgiedi schreibt am 13.10.2005 um 17:39 Uhr:Den Vergleich Gefühle zu dem Wasser finde ich echt gelungen ...
  5. zitierenlucha schreibt am 13.10.2005 um 19:58 Uhr:Überhaupt nicht kitschig! Es macht mich ganz sentimental und sehnsüchtig....Adieu Sommer!

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