Anleitung zum Entlieben

22.12.2005 um 00:17 Uhr

Unvergessliche Momente

von: Lapared

Ich weiß noch, als 119 mir am Telefon sagte, dass er mich nicht liebt. Er hatte gerade Geburtstag gehabt und von mir ein Geschenk bekommen, für dessen Gegenwert ich zehn russische KGB-Pensionäre hätte beauftragen können, ihn zu bearbeiten, bis ihm bei meinem Anblick Englein aus dem Hintern fliegen. Das wäre effektiver gewesen.

Mein Geschenk hingegen war manipulationstechnisch ein Flopp. Statt rektaler Engelchen ein telefonisches „Ich liebe Dich nicht“. Ich denke, man könnte auch sagen: ein Superflopp. Und ein Moment, den ich nie vergessen werde.

Ich neige nicht zu körperlichen Reaktionen. Meine Katastrophen finden in eng umgrenzten Regionen des zentralen Nervensystems statt, meine vegetativen Körperfunktionen bleiben davon unbeeindruckt. Keine Schweißausbrüche, keine Ohnmacht, kein Schwindel. Und auf den Magen schlägt mir prinzipiell gar nichts, essen könnte ich immer.

Aber bei diesen vier Worten blieb mir die Luft weg. Ich fühlte mich wie unter Wasser, ich konnte seine Stimme kaum noch hören, plötzlich gab es kein Oben und kein Unten mehr. Als er aufgelegt hatte, wurde mir schwarz, und dann musste ich kotzen.

Warum mir das jetzt wieder einfällt? Naja, wegen des Flackerns halt. Bei dem Gedanken, dass ich Dick womöglich irgendwann dasselbe antun muss, zerreißt es mir das Herz. Ich könnte das nicht, nie. Niemals brächte ich das über mich. Am Telefon wäre es sicher leichter.

Aber vielleicht mache ich mir schon wieder viel zu viele Sorgen. Bevor ich damals mit Curd Rock nach Amsterdam fuhr, war da genau dasselbe Flackern. Noch viel, viel flackeriger sogar. Und als er dann am Bahnhof stand… Pling! Das schönste, hellste Strahlen.


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