Anleitung zum Entlieben

05.01.2007 um 14:20 Uhr

Von Läufern und Säufern

von: Lapared

29.12.2007

Curd will ans Meer. Sein geliebtes Meer. Er bettelt seit Tagen. HK hasst das Meer, es macht ihn durstig, sagt er. „Aber Du könntest mich den ganzen Tag im Bikini sehen.“ Und Curd Rock splitterfasernackt. „Brauchst Du das? Die Geschichte mit Deinem Mr. Lass-uns-auf die-Camping-Toilette-gehen reicht Dir wohl nicht?!“ Oh! Oh. Gott scheint wohl doch nicht so über den Dingen zu stehen. (Und ich, Esel, warum musste ich auch für einen kleinen Lacher meine große Liebe 06 verraten?) Streit. Wir verletzen uns so gut wir können. Und wir können es gut, brillant. Kunststück, in dem Bemühen möglichst zackig Intimität und Vertrauen herzustellen, trugen wir seit Tagen unsere Verletzlichkeiten ungeniert vorm Anderen zur Schau, wie Paviane ihre roten Hintern. (Ein zweimal Hoch auf die Offenheit!). Jetzt dienen sie als 1a-Zielscheiben. Es wird bedrohlich laut, dann ungleich beängstigender... still. Keiner sagt etwas, zwei Stunden vergehen, nur die Hunde kläffen wieder, Gott sein Dank, es gibt sie also noch. Ich halte es nicht aus, und kein Stepper in der Finca, also gehe ich laufen. Als ich zurückkomme, trinkt er. Er trinkt. Glas um Glas. Wahnsinnig schnell, wahnsinnig viel, ich stehe keuchend vor Überanstrengung (laufen!) in der Küche und sehe ihm durchs Fenster dabei zu. Vom Spiegeltrinker zum Problemsäufer in fünf Tagen, wer sagt, dass Liebe einen Menschen nicht verändern kann. Ich beobachte das Muskelspiel auf seinem Rücken, wenn er sein Glas nachschenkt. Er ist dünner geworden, die Sonne hat seine Schultern verbrannt. Glückwunsch Lpunkt, denke ich, der Letzte lief zurück zu Mama, sobald es Konflikte gab, dieser braucht sein Fläschchen. Immerhin nimmt er es sich schon selbst. Plötzlich steht er auf und verschwindet ohne ein Wort in die Höhle. Ein paar Minuten vergehen und ich höre ihn schnarchen. Ich weiß, dass er nicht schläft. Ich kenne sein echtes Schnarchen, es ist viel leiser. Eigentlich kein Schnarchen, ein sanftes, unregelmäßiges Brummen. Wie von einer stotternden Hummel. Ich schreibe einen Zettel, nehme Curd und fahre ans Meer. Den Bikini lasse ich auf dem Bett liegen.

(Fortsetzung folgt)

P.S. Nichts Aktuelles. Ich versumpfe. Die TO DOs werden von Tag zu Tag erdrückender, deshalb stelle ich den Wecker immer früher... und stehe immer später auf. Pünktlich zum neuen Jahr habe ich auch wieder angefangen zu rauchen. Und Stöckchen liegt an der Costa Brava. Mist, wenn man sie EIN Mal braucht...

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenwalkunafraid schreibt am 05.01.2007 um 15:10 Uhr:Scheiß To-do-Listen! Du brauchst Struktur. Das hilft! (Immer diese guten Ratschläge, nicht wahr?) Adoptier ein Kind. Geht das nicht? Ich sehe, wie gut es CR bei dir hat. Das schmerzt mich. Aaaaargh, versteh mich recht!
  2. zitierenerphschwester schreibt am 05.01.2007 um 15:34 Uhr:adoptier, um himmels willen!, k e i n kind! wenn du ohne keine struktur hast, hilft auch das kind nichts.
    was mich angeht, bin ich froh, fast vollkommen strukturlos leben zu dürfen, nachdem ich die kinder rausgeschmissen hab. ;)
  3. zitierenwalkunafraid schreibt am 05.01.2007 um 15:37 Uhr:Oh, da hab ich andere Erfahrungen! Mir haben die Kinder gewissermaßen das Leben gerettet. Aber das gehört nicht h i e r h e r.
    Wahrscheinlich hast du wunderbare eigene innere Strukturen... deshalb kannst du ohne äußere leben. ;-)
  4. zitierenerphschwester schreibt am 05.01.2007 um 16:53 Uhr:redest du von lpunkt oder mir?
  5. zitierenwalkunafraid schreibt am 05.01.2007 um 17:22 Uhr:von dir :-)

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.