Anleitung zum Entlieben

20.01.2006 um 15:20 Uhr

Von Sternen und Staubsaugern

von: Lapared

Wenn ich meine Wohnung so durchschreite, stieben links und rechts von mir die Wollmäuse in die Höhe. Das macht im Prinzip nichts, welche Frau sorgt nicht gern für ein bisschen Aufruhr. Aber weil D. doch heute kommen will (Säugling ist schließlich nicht Arschgeige oder so), dachte ich, ich sollte mal wieder saugen. Pustekuchen. Staubsauger kaputt. Mit lautem Fanfarenchor erschließt sich mir endlich, in meinem auslaufenden dritten Lebensjahrzehnt, der Sinn eines Besens. Aber ich habe keinen. Und Zeit für Einkäufe erst recht nicht.

Schlimm, schlimm, denke ich. Doch schon packt mich wieder der alte, gut gelaunte Optimismus. Aber dafür haste einen Mann, der dich liebt, sag ich mir. Der alles für dich tun würde. Der dir die Sterne vom Himmel holen würde. Schick ihn einfach einen neuen Staubsauger kaufen! Gesagt, versucht. „Dick“, flöte ich, „Du fährst doch an diesem Makro-Markt vorbei, kannst Du mir einen Staubsauger besorgen? Ich komme nicht dazu und es wäre doch hübsch, wenn wir beim Knutschen keine Atemmasken tragen müssten.“ Ich fand meine Argumentation genial.

Aber irgendwie… irgendwie war das ein Riesenproblem. Irgendwie war es ihm unmöglich. Einen neuen Staubsauger kaufen, irgendwie gehört das nicht zu Dicks natürlichemVerhaltensrepertoire. Stattdessen entwickelte er zahlreiche Theorien, was dem kaputten Sauger wohl fehlen könnte und begann gedanklich schon, ihn auseinander zu bauen. Was hatte ich erwartet, er ist ein Mann. „Dick“, versuche ich es dennoch, denn ich bin eine Frau, „Dick, mein Sauger ist schon ziemlich alt, nächstes Jahr kommt er auf´s College, hol mir bitte einen Neuen, bitte! Das Geld kriegst du selbstverständlich sofort zurück.“ Aber D. sträubt sich: „Vielleicht liegt es nur an dem x, dann kostet die Reperatur fast nichts, oder an dem y oder an dem z, das ist wirklich nur ein Klacks!“. – „Bestimmt“, sage ich, „bestimmt. Aber kauf doch trotzdem einen Neuen, wenn der Alte wieder heile ist, freut er sich über Gesellschaft.“ – „Das ist doch Blödsinn!“ sagt Dick - und ich muss zugeben, dass er Recht hat. Natürlich hat er Recht. Sehnsüchtig schaue ich hinauf zu den Sternen. Aber es ist ja schon heller Tag, da gibt´s keine Sterne. Natürlich nicht...

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenkunstseiden schreibt am 21.01.2006 um 18:13 Uhr:Hättest Dick fragen sollen, ob er dir einen Besen mitbringt. Ansonsten gibt es da doch noch die sensible Nachbarin mit den empfindlichen Ohren. Die tauscht einen Staubsauger doch bestimmt mal für eine WEile gegen anständige ear plugs :-]

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