Anleitung zum Entlieben

09.09.2005 um 15:58 Uhr

Weg damit

von: Lapared

Als der Holländer wieder weg war, empfand ich im Wesentlichen zweierlei: Erleichterung. Und das Bedürfnis aufzuräumen. Ein großes, riesiges Bedürfnis aufzuräumen. Gestern konnte ich es so eben noch unterdrücken, die Sonne rief zu einem allerletzten Freibadbesuch, und ich folgte. Aber heute, heute hat es mich mit überwältigender Macht gepackt.

Ich bin Jungfrau. Jungfrauen sind ordentlich. Aber seit... seit... seit es aus ist mit 119 (Gott, ist es das? Ist es das wirklich? Ich selbst habe es akzeptiert, aber meine Hände weigern sich noch, es zu schreiben) seit es aus ist mit 119 seit es aus ist mit 119 seit es aus ist mit 119 seit es aus ist mit 119 seit es aus ist mit 119 (kleines Training!) also seit es aus ist mit 119, habe ich mich - für mein Empfinden - von einer Jungfrau in einen Messy verwandelt. Nichts wurde erledigt, entschieden, wegsortiert. Einfach alles nur abgelegt. Und dadurch ist meine nicht sehr große Wohnung - bis auf einige aufgeräumte Inseln wie zum Beispiel Curds Couch - mittlerweile unerträglich überfüllt.

Also Schluss damit. Im Laufe eines einzigen Vormittags habe ich sieben 120 Liter-Säcke aus meiner Wohnung herausgeschafft. Überflüssigen Müll wie zum Beispiel den Karton von meinem Digitalcamera, die Garantie von meiner Digitalcamera im Karton von meiner Digitalcamera, die Steuerunterlagen für August und – wie ich nach drei Stunden Suchen dringend annehmen muss – meine Visa-Karte und den Fahrzeug-Schein von meinem Auto. So eine Scheiße. Aber ich war wie im Rausch. Ich habe alles weggeworfen, was mit zwischen die Finger kam. Schuhe, Geschirr, Bücher, Kleidung, selbst eine Tafel Sarotti No. 1 Papua Neuguinea Orangen-Edelbitterschokolade, deren einziger Makel es war, zur falschen Zeit am falschen Platz zu liegen... weg, weg, nur weg mit dem ganzen Zeug. Und doch scheint mir immer noch alles genauso voll.

Und was die Erleichterung beim Abflug des Holländers angeht. Es war so eine komische Art der Erleichterung. Also, schon zu circa 90 Prozent normale Erleichterung, wie man sie spürt, wenn etwas Unangenehmes aufhört. Aber auch zu circa 10 Prozent jene spezielle Erleichterung. Erleichterung, die man manchmal empfindet, wenn etwas Schönes endlich vorbei ist. Wenn etwas Gutes endet, bevor es schlecht werden konnte. Auch wenn man es dafür selbst kaputt machen musste.

Allerdings scheint der Holländer diese Erleichterung nicht ganz zu teilen. Noch eine SMS und ich schmeiße auch mein Handy weg.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenlucha schreibt am 10.09.2005 um 01:59 Uhr:hey Lapared, ich trau Dir nicht ganz über den Weg! Hast Du den 119er-Müll auch wirklich schon runtergebracht und war die Müllabfuhr schon da, hoffentlich!



    Ist doch alles ganz normal:

    Trennung schmerzt, selbst wenn das Zusammen-bleiben noch viel mehr schmerzen würde;

    wie im Rausch alles Alte aus dem Leben befördern und dann neu ordnen bzw, neu anfangen - melde Karte und Schein verloren, i.ü. ist nicht der Schein, sondern der Brief das wichtige Dokument!;

    na ja, mit dem Holländer kanns doch noch nicht zu Ende sein, ich warte auf Fotos mit Curd und Hope in einer Gondel oder zumindest vom Käsemarkt in Holland!



    Lapared, stell Dein Handy doch einfach mal auf lautlos, vielleicht nervsts dann nicht so; denn eigentlich ist es doch toll, wenn sich jemand so um einen bemüht.

Diesen Eintrag kommentieren

Bitte beachte: Gästebucheinträge in diesem Weblog werden erst nach Freigabe durch den Autor angezeigt.