Anleitung zum Entlieben

29.11.2006 um 21:50 Uhr

Wegen des großen Erfolgs verlängert: die Modestrecke, Teil 2

von: Lapared

(Heute… mit Mann.)

Mit dem Zelten halten sich wohl alle Männer dran. Bei unserem italienischen Abend hatten HK und ich um die Anprobe eines Yamamoto-Wigwams gewettet, ob in einem Risotto alla milanese traditionell Erbsen beheimatet sind oder nicht. HK wettete ja, ich wettete nein. Und der uritalienische Ober schwor, Erbsen seien im Risotto ein - wie er es uritalienisch ausdrückte – „absolutes must“. Mußten sie wohl auch, denn in der senfgelben Restepfanne, die er uns als Risotto alla milanese servierte, sorgten murmelgroße Tiefkühlerbsen für farbliche Akzente. Ich wette – nein ich wette lieber nicht, nie mehr - HK aß dieses Risotto nicht zum ersten Mal. Wieder puhlten wir Erbsen, Lpunkt hatte verloren.

Heute, beschloss ich dann, wäre ein guter Zeitpunkt, meine Schuldigkeit einzulösen. Ich verband einen Zahnarztbesuch mit einer Verabredung im Wigwamladen, Wettschulden sind Ehrenschulden.

Der Verkäufer, ein graziler naturblonder Asiate, war entzückt. HK und ich sahen für ihn viel versprechend aus. Wie bei jedem Paar mit Attraktivitäts- oder Altersgefälle wittert sein feines Verkäufernäschen den süßen Duft von Verlustangst und kompensatorischer Großzügigkeit, er spekuliert, dass der Hässlichere oder Ältere in dem Gespann für seine Begleitung tüchtig latzt, und verplant im Hinterkopf schon seine Provision. Sie lief zu Höchstform auf, die kleine Hyäne.

„Oh mein Gott! Mein Gott! Das ist toll, toll, ganz WUNDERBAR!“

Ich stehe in einem monströsen grauen Gewand inmitten des puristisch cremeweißen Showrooms und sehe aus wie ein Findling.

„Wie fühlen Sie sich?“ Warum lügen. „Wie ein Findling.“ Sein System erkennt kein Nein. „Ein Findling, ja! Wahnsinnig archaisch, skulptural…“ Hoho, ein Verkäufer erklärt mich zur Kunst. „…Was sagen Sie?“ Ja, was sagt der vermeintliche Financier? HK verzieht keine Miene. „Toll, darf ich es auch mal anprobieren?“ Für einen winzigen Moment scheint Mr. Wunderbar irritiert. Er streicht eine goldene Strähne hinter sein kleines Ohr. „Ähhh… Das ist ein Kleid speziell für Frauen, aber ich habe etwas ganz Ähnliches für Männer!“ HK steht auf. „Ich möchte es anprobieren, ich liebe Frauenkleider!“ Das ist HK, er liebt Peinlichkeiten. Ich nicht.

Der Verkäufer nickt und springt. Ein paar Minuten vergehen und wir stehen beide in denselben Kleidern da. Zwei Findlinge, ein großer und ein etwas kleinerer, in einem riesigen cremeweißen Designer-Showroom. „In ein Risotto alla milanese gehören keine Erbsen“, sagt der große Findling. „Zu blöd, dass die Erbsen nichts davon wussten“, sagt der kleine Findling. Ich fühle mich albern und hasse es. Jemand wittert doppelte Provision und schlägt entzückt die Hände vors Gesicht: „Zwei Findlinge, die sich gefunden haben!“ Verkäufer und Romantiker, wer hätte das gedacht. „Wir überlegen es uns noch mal!“ lächle ich. „Wir überlegen, ob wir es hässlich finden oder abscheulich!“ lächelt HK.

Das ist der Unterschied zwischen HK und mir. Er sagt, was ich denke. Auf den ersten Blick scheint sich das zu ergänzen, aber eigentlich ist es eine Kluft.

Na, und wieder eine Zeltepisode überstanden.

(Das große Plätzchenspezial verschiebt sich auf… unbestimmt.)

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenLucha schreibt am 30.11.2006 um 15:44 Uhr:Ich hätte sooo gerne als kleiner unscheinbarer Kieselsplitter diese Szene live miterlebt! Zum Schreien komisch!
  2. zitierenElRayo schreibt am 30.11.2006 um 16:57 Uhr:Das kannst Du nicht bringen, L.
  3. zitierensunnysightup schreibt am 04.12.2006 um 12:52 Uhr:Wow. Ein toller Mann, meine Begeisterung kennt keine Grenzen. 119 fand ich unheimlich, Dick langweilig, aber DAS ist ein Mann! Bin jetzt schon HK-Fan.

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