Anleitung zum Entlieben

20.06.2005 um 00:01 Uhr

Wochenend und Sonnenschein

von: Lapared

Grandios. Ein Meilenstein in meinem Entliebungsgedingse: Eben hab ich ihn - nach einem gemeinsamen Wochenend (heute war strahlender Sonnenschein, ich, wie gesagt, bin seine Fahrkarte ans Meer) - zu Hause abgesetzt."Wir telefonieren morgen früh", sagte er (morgen soll wieder Sonnenschein sein, und er muss nicht arbeiten), und ich sagte: "Nee, morgen will ich mal für mich ein bisschen einfach so rumpuschern". Hallo! Nicht zu ihm zwar, aber zu mir selbst hab ich das gesagt, innerlich sozusagen und ganz ehrlich, das war genau das, was ich in dem Moment dachte. Gesagt habe ich "okay", ein gewohnheitsmäßiges "okay", weil "okay" das ist, was ich zwei Jahre lang auf jeden seiner Vorschläge gesagt habe, und - und da liegt der Unterschied - GEDACHT.

Was "rumpuschern" bedeutet? Na ja, ich sach mal, das kann eigentlich alles bedeuten, und in der Regel meint es ein wenig zielgerichtetes, völlig unsystematisches und überwiegend in Puschen (will sagen den eigenen vier Wänden) stattfindendes Erledigen irgendwelcher Dinge, die man nicht erledigen muss, aber von denen man immer schon mal gedacht hat, dass man sie bei Gelegenheit vielleicht erledigen könnte. So. Insofern ist es eigentlich kein Rumpuschern im strengeren Sinne, was mich morgen bei Sonne mehr reizen würde als 119 in die Dünen zu chauffieren (Handtuch-, Schnittchen-, Getränke- und Sonnenmilchservice inklusive, denn 119 reist gerne ohne Gepäck, und während ich auf unseren Ausflügen beladen bin wie eine 18-fache Mutter beim Wochenendeinkauf, hat Mr. "Ich verlass mich da ganz auf Dich!" höchstens die eigenen Hände in den Taschen). Also das Rumpuschern morgen...
Das Rumpuschern morgen wäre eigentlich ziemlich eher eine ganz strategisch angelegte Maßnahme zur kalkulierten Kontaktaufnahme mit… jawohl, dem netten Mann. Der hat nämlich, das weiß ich, montags immer frei. Und morgen ist Montag und die Sonne scheint. Und deshalb möcht ich morgen gerne ins Freibad gehen, und ich möchte, dass 119 NICHT ins Freibad geht, aber ich fürchte das wird schwierig, wie gesagt, er hat den sieben Sinn, und nach diesem Wochenend erst recht. Hätte ich doch bloß meine Klappe gehalten...

119 und ich führen eigentlich keine Beziehungsgespräche, und wenn doch, dann höchstens beim Sex, denn atmungsbedingt gerät man dabei nicht so ins Schwafeln wie in normalen Beziehungsgesprächen und das Ganze dauert nicht so lang. Gestern hatten 119 und ich zwei Mal Sex. Einmal vor und einmal nach dem Länderspiel. Dialog während der Nummer vor dem Länderspiel:

Ich: Das wird mir fehlen!
Er: Wieso?
Ich: Wenn wir nicht mehr zusammen sind!
Er: Wieso?
Ich: Na, wir wissen doch beide (schnauf)... dass das nicht mehr lange so geht!
Er: Wieso denn nicht?
Ich: Weil Du mich nicht liebst!
Er: Gerade deshalb wird es halten!
Ich: Aber ohne mich!
Er: Liebe ist keine Basis für eine Beziehung.
Ich: Sondern?
Er: Das, was wir haben!
Ich: Sex?
Er: Nein, wir haben viel mehr!
Ich: Liebe würde mir schon völlig reichen!
Er: Wir bleiben zusammen (keuch)... wirst schon sehen!
Ich: Ich werde einen finden, der mich liebt (schnauf)... und ich werde Dich verlassen (schnauf)... und ein Kind mit ihm haben (schnauf)... wirst schon sehen!
Er: Du wirst nicht glücklich sein mit ihm!
Ich: Und ob!
Er: Du wirst zu mir zurückkommen (keuch)... mit dem Kind (keuch)... und ich werd es lieben als wär´s meins!
Ich: Scheiß drauf, mich sollst Du lieben, nicht das blöde Blag!
...

Eine kleine Textanalyse dieses gut gelaunten Dialogs beweist wohl vor allem Eins: dass künstliche Beschränkung (bald ist Schluss!) ein sehr probates Mittel ist, die Nachfrage anzuheizen (wir gehören zusammen). Aber letztlich ist es nur ein Spiel, 119 hat mitgespielt, er war nicht wirklich beunruhigt. Leider konnte ich jedoch der Versuchung nicht widerstehen, ihm nach dem Länderspiel anzudeuten, dass nicht allein die Tatsache, dass er mich nicht liebt, zum Ende unserer Beziehung führen könnte, sondern dass auch die Möglichkeit besteht, dass ich ihn möglicherweise nicht mehr ganz so toll finde:

Er: Du bist irgendwie anders.
Ich: Bin ich nicht.
Er: Es war nicht so doll auf Sylt, was?
Ich: Es war gut, dass wir es gemacht haben.
Er: Wie meinst Du das?
Ich: Jetzt weiß ich, dass Du Recht hast!
Er: Womit?
Ich: Wir sollten unsere Beziehung so lassen wie sie ist.
Er: Wie?
Ich: So! Für mehr reicht es nicht.
Er: Warum das denn nicht?
Ich: Weil es nicht reicht, wenn einer sich anstrengt. Du warst scheiße.
Er: Ich war krank.
Ich: Du hattest Schnupfen.
Er: Einen schlimmen.
Ich: Du warst wehleidig und launisch, das ist unerotisch… (schnauf) Ich will einen Mann, kein Kind.
Er: Ich dachte, Du willst Mann UND Kind.
Ich: Nicht in Personalunion.
Er: Na warte...
Ich: Ich warte…

Ist es ein Wunder, dass 119 nicht mehr von meiner Seite weicht? Er ist alarmiert. Das Undenkbare ist eingetreten: Ich habe ihn nicht mehr begehrt. Ich fand ihn scheiße. Und wenn es auch nur für die Dauer eines Schnupfens war. Ich muss ihm seine Sicherheit zurückgeben. Sonst komme ich nie allein ins Freibad.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenLeidensgenossin schreibt am 20.07.2008 um 13:34 Uhr:Wenn ich Euren Dialog lese wiederholt sich vor meinen Augen selbsterlebtes. Dieser Mann liebt Dich. Er hat nur nicht die Möglichkeit es auszudrücken. Hat er mitlerweile irgendeine andere Frau? Nein, nicht wahr. Er hat ANGST!!! Angst vor Nähe. Er kann nur mit einer Frau die genauso desinteressiert tut wie er. Wenn mann die Distanz erträgt kann man den besten Sex und den besten Mann genießen. Kinder kriegen kann man mit denen übrigens auch. Sie sind nur nicht da wenn man sie braucht. Ich bin gespannt wie lange Deine engere Beziehung halten kann nachdem ich denke das Du genau wie er eigentlich die Distanz suchst.Liebe Grüße und alles Gute.
  2. zitierenfen schreibt am 27.11.2009 um 07:56 Uhr:das hab ich mir auch schon so oft gesagt. er liebt mich doch, er kanns nur nicht zeigen, ich muss die distanz aushalten. wär gut, wenn ich mir auch glauben würde.

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