Anleitung zum Entlieben

14.01.2006 um 19:47 Uhr

Working Girls

von: Lapared

„Vielleicht sind wir einfach diese Generation Frauen, die noch nicht auf lebenslängliches Arbeiten programmiert ist", sage ich. „Unsere Mütter waren noch ganz selbstverständlich Hausfrauen, unsere Töchter werden ganz selbstverständlich ihr Leben lang ihre Jobs machen, nur wir, wir sind diese Hybriden dazwischen“. Meine Schwester seufzt, sie ist genauso erledigt wie ich. „Stimmt“, sagt sie, „uns hat man zwar beigebracht, dass Frauen genauso einen guten Beruf und Erfolg haben sollten, das schon, aber nur bis wir dann irgendwann einen Mann mit noch besserem Beruf und noch mehr Erfolg gefunden haben, der uns ernährt, während wir uns zurücklehnen, und schnell, bevor die Zeit ausläuft, noch ein paar Stammhalter rauspressen.“ – „Eben. Und deshalb geht uns auch um die 40 irgendwie die Puste aus im Job, wir sind auf länger nicht eingestellt, wir haben unser Pulver verschossen, wir sind abgegangen, wie die Raketen, haben bewiesen, was zu beweisen war, aber nun möchten wir bitte für den Rest unseres Lebens leise summend Kackwindeln wechseln. Und endlich Frieden haben.“ – „Ich bin so müde“, sagt meine Schwester. – „Ich auch“, sage ich. – „Hast Du wenigstens morgen frei?“ – „Nee, Du?“ – „Nee.“ – „Vielleicht haben wir auch einfach nur die falschen Jobs.“ – „Kann auch sein.“ – „Weißte noch, früher, da wollten wir Skilehrerin werden!“ – „Und einen Skilehrer heiraten, mit dem wir dann eine kleine Pension irgendwo hoch in den Bergen hätten“ – „Und zwei kleine Mädchen, die morgens den entzückten Gästen das Frühstück servieren.“ – „Während wir noch pennen! Mensch, warum haben wir das eigentlich nicht gemacht?“ …

Ja, so hört sich das an, wenn working girls langsam in die Jahre kommen. Aber nach diesem Anruf gestern von M., fühle ich mich in der Tat plötzlich sehr erschöpft. So als wenn dich in der Nacht nach dem Supermarathon plötzlich einer weckt und sagt: Aufstehen! Weiter laufen! Ich meine, dass D. nicht der Mann ist, der mich vom Joch der Erwerbstätigkeit befreit… okay, gebongt. Ich werde schon einen Job finden, für den die Puste auch die nächsten zwanzig Jahre noch reicht. Vielleicht, weil er einfach Spaß macht. Aber das Bedürfnis, mich zurückzulehnen, das hatte ich trotzdem. Nicht zum „Nachkommen rauspressen“ unbedingt. Sondern, weil ich nach all den Jahren wirklich müde bin und gehofft hatte, ich wäre endlich angekommen. Endlich zuhause, das wär zu schön gewesen. Aber ich weiß nicht, ob es ein gutes Zuhause ist, in dem von Anfang an die Nachbarin stört. Frau M. von nebenan, die mich an meinem heiligen Freitagabend rausklingelt und behauptet, dass mein Zuhause ihr Zuhause ist. Und dabei so verzweifelt ist, so herzergreifend traurig, dass ich sie beinahe rein bitten möchte, ich blöde Kuh. Anstatt mein Zuhause zu verteidigen. Anstatt ihr die Tür vor der Nase zuzuhauen. Wie man das tut, wenn man sich wirklich sicher ist, dass es das eigene verdammte Zuhause ist.

Genial. Wie schaffe ich das nur? Am Ende bin immer ich das Problem. He, Lpunkt, das ist immer noch seine Affäre nicht Deine. Und das eigentlich Interessante ist doch, ob ER ihr die Tür vor der Nase zuhaut, oder?

Umd vor allmen ist das keim Grumtd, Deim Mitbewohmer zu vergipftem umd wieder zu raucchem. Das schadet meim teint und aucch dem kleim Baby bom Nil.

Ich lass es wieder Curd, versprochen.

Umd das Saupfme auch.

Das auch.

Und morgem stehs tu um sechz auf umd gehst vorm Arbeit mit mir zum alt Wasser.

Um sechz. Jawohl.

Höm.

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