Anleitung zum Entlieben

27.02.2007 um 17:59 Uhr

Zurück zum Film

von: Lapared

Vielleicht machen wir einfach mal mit einem DVD-Tipp weiter. Das hatten wir, im Gegensatz zu manchem anderen, lange schon nicht mehr.

Real ist der Film irgendwie auch, scheiße, langweilig und für manchen sicher eine endlose Reihe von Luxusproblemen, aber da sind wir ja zuhause, jedenfalls ich fand ihn gut.

„Friends with Money“ heißt der kleine Streifen und ist von Nicole Holofcener, die übrigens auch ein paar hübsche „Sex and the City“-Folgen inszeniert hat. Es geht auch hier wieder um vier Freundinnen und wie ihre alltäglichen Krisen im Leben und in der Liebe sie mal voneinander entfernen, aber dann auch wieder zusammen führen. Nur, dass diese vier Damen schon ein bisschen älter, gefangener und betuchter sind.

Bis auf Olivia, gespielt von Jennifer Aniston, deren Image vielleicht ein wenig mit der Rolle kollidiert, in der sie die Schicksalsgebeutelte, die ewig Scheiternde mimt, die als einzige aus dem Quartett keinen Mann hat, sich von den Männern anderer ausnutzen lässt, und nach ihrem Kapitulieren als Lehrerin Putzen geht. Sie gerät immer an die Falschen, was es mir persönlich schwierig macht, sie als Identifikationsfigur zu akzeptieren. Ha.

Großartig ist aber Frances McDormand, die als Frau am Rande einer prämenopausalen Depression (das kommende Filmthema, garantiert!) alle zusammenscheißt und sich nie die Haare wäscht. Im Gegensatz zu ihrem irgendwie bisexuellen Mann und Sonnenschein, der am liebsten die ganze Welt umarmt. Wunderbar.

Schön ist auch das Ende, die letzte Szene, in der die planlose Olivia doch noch bei Mr. Right gelandet ist. Schön, weil dieser Mr. Right wirklich ein Mann ist, an dem auf den ersten Blick nichts richtig wirkt. (Sie denken, ich steuere auf die Zielgerade, endlich sagt sie was zu ihrem streunenden Alk. Noch nicht.)

Erst noch schnell die Schlussszene. Also, der Typ, Mr. Right, ist ein bisschen schmierig, ziemlich fett und lange hielt Olivia ihn für deprimiert und vielleicht arbeitslos, weil er sie für´s Putzen seines Saustalls so im Preis gedrückt hat. Sie geht trotzdem mit ihm aus. Sie gewinnt ihn trotzdem lieb.

Und nun, am Ende, erfährt sie, dass er eigentlich reicher Sohn ist und im Geld nur schwimmt. Und sie fragt ihn, aber ganz vorsichtig: Warum? Wieso hast Du das gemacht?

Und er sagt: Weil ich irgendwie ein paar... Macken hab. Aber er sagt das auf eine besondere Weise, nicht unterwürfig, aber auch nicht mit dieser achselzuckenden Arroganz. Er sagt es und schaut dabei auf seine dicken Finger, er bedauert es und man spürt seine Angst, dass er Olivia doch wieder verliert. Und sie nimmt seine dicken Fingerchen und sagt: Ich auch. Klingt kitschig, aber im Film sieht es nicht so aus.

Vielleicht ist es das - Achtung, jetzt steuere ich auf die Zielgerade - was uns, HK und mir, ein bisschen fehlt. Ich will keine Tränen, kein reuiges Gewinsel, ich finde Stolz in jeder Lage durchaus sexy. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass er sich zumindest… auf irgendeine Art…gefühlt… entschuldigt, wenn er besoffen eine andere begrabscht und bei ihr schläft. Aber das kam ihm in den letzten fünf Tagen, in denen ich zuhause war (ich wusste dann doch nicht recht wohin) nie in den Sinn. Und ich hab nicht, und schon gar nicht vorsichtig, gefragt. Warum hab ich eigentlich nie gefragt.

Von ihm kam nur eine Mail: „Ich bin alkoholabhängig, das hab ich Dir gesagt. Ich kann mich nicht für was entschuldigen, über das ich keine Kontrolle hab.“ Das verstehe ich, das verstehe ich sehr gut. Und ich muss nicht alles hinnehmen, was ein anderer – egal aus welchen Gründen - macht. So abhängig bin ich, das hoffe ich zumindest, nicht. Ich hätte schon sehr gern nach seiner Hand gefasst... aber so krieg ich das irgendwie nicht hin.

Klingt ein bisschen rotzig, hm? Ja, so langsam nähere ich mich meinem etwas zackigen Titel an... „Anleitung zum Entlieben“. Ich kann jedenfalls sagen, dass zumindest Loslassen - wie wohl Vieles - mit etwas Übung (oder vielleicht auch nur durch die Ermüdung?) leichter fällt. Auch wenn ich nicht sicher bin, ob es nicht genau den Falschen trifft. Ob er vielleicht der Richtige, aber zum falschen Zeitpunkt ist, ob ich vielleicht noch etwas warten sollte... Aber irgendwie hab ich dafür die Puste diesmal einfach nicht.

Ich setze mich auf´s Sofa, ruhe ein bisschen aus und schau mir die Happy Ends von Filmen an. So wird´s gemacht.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierennadine schreibt am 27.02.2007 um 19:44 Uhr:schön das du wieder da bist. waren zwar nur wenige tage, aber trotz dem jeden tag große traurigkeit nichts von dir zu lesen. lg
  2. zitierenB. Trift schreibt am 27.02.2007 um 21:52 Uhr:Nein. Das must Du nicht hinnehmen. Das solltest Du auch nicht. Es gibt für alles Grenzen. Und jeder muss seine eigene finden.
  3. zitierendieFee schreibt am 27.02.2007 um 21:58 Uhr:…and right you are!

    Nicht für alles kann Alkoholsucht als Rechtfertigung dienen. Er sagte doch mal du hättest keine Nachteile durch seine Sucht. SO schon. Und da lassen wir den nichtvollzogenen Sex (mit dir) noch weit aussen vor. Was ist mit Vertrauen? Oh, sorry, du hast zwar keine Nachteile, aber vertrauen kannst du mir natürlich nicht, das habe ich ja von Anfang an gesagt, also beschwer dich nicht… Yesss, bla, bla. Wahrscheinlich zieht er das alles nur auf, damit er noch ein wenig arschlöchriger wirkt, um dich nicht zu verlieren!! Zeig ihm, dass du NICHT auf Arschlöcher stehst und zieh es durch, sonst glaubt ers dir eh nie.
  4. zitierensnufkyn_blues schreibt am 28.02.2007 um 00:26 Uhr:hab mir mal in ruhiger minute (plural) mal dein blog so richtig durchgenommen..

    maan.. TU DIR DAS DOCH NICHT IMMER WIEDER AN gute frau!
    liebst DU dich eigtl nicht?
  5. zitierenTuni schreibt am 28.02.2007 um 03:19 Uhr:Lass es Dir einfach gut gehen und kuemmer Dich um Dich selbst. Wenn du uebrigens einen tollen Film sehen willst, schau mal "The Royal Tenenbaums" an... :-)
  6. zitierenPasiphae schreibt am 28.02.2007 um 16:37 Uhr:Man entschuldigt sich nicht, weil man was schlimmes in voller Absicht getan hat. Dafür gibt es sowieso keine Entschuldigung. Man entschuldigt sich, weil man jemanden verletzt hat und weil es einem leid tut.
  7. zitierentakamine schreibt am 28.02.2007 um 18:54 Uhr:Hallo Laparedsche,
    schön, dass Du mal wieder gebloggt hast. Ich hätte Deinen Blog vielleicht nicht so schnell lesen sollen, dann hätt ich jetzt noch was davon außer das ständige Warten auf den nächsten Eintrag *nerv* :-)
    Naja, die Kommentare zu Deiner derzeitigen Situation sind ja recht einstimmig und ich kann mich dem nur anschließen. Schieß den Typen in den Wind. Allerdings dürfte Dir das schwer fallen. Außer Curdchen und Deiner Schwester scheinst Du nicht so besonders viele gute Freunde zu haben. Mir geht's da im Prinzip ähnlich: bin am liebsten in den vertrauten vier Wänden vorm PC. Aber vielleicht probierst Du doch mal rauszukommen aus Deinem Haus und jemanden kennenzulernen, mit dem man einfach mal so was unternehmen und reden kann ohne das daraus gleich irgendeine Beziehungskiste entsteht.Bei mir hat's ganz gut über kijiji und alleine-kochen-ist-doof geklappt.Oder einfach mal einen Sportkurs (kein Gerätetraining) mitmachen. Du bist doch noch im Fitnessstudio angemeldet, oder?

    Denke jedenfalls, Du bist so witzig, hübsch und kultiviert, dass Du Dir so'nen Schund wie mit 119, dem Käskopp und Cocktail Kurt nicht geben musst.
    Bin gespannt wie's bei Dir weitergeht.
    Grüßle, Taka
  8. zitierenChaotin schreibt am 12.05.2007 um 10:15 Uhr:Eindeutig, du bist völlig unschuldig ... ich kenne nur solche Chaos Emotionskisten und es ist eindeutig nur bei verkorksten Jungfrauen so, sich immer die falschen anzulachen.
    Chaos Jungfrauen vermurksen sich dabei auch gleichzeitig ihr Berufsleben, ziehen sich in ihr Schneckenhaus zurück ... bis sie auf den nächsten Blender reinfallen.:(

    Gruß von der Chaos Jungfrau

    P.S. 2-Minuten Sex läßt man besser aus, dann doch lieber Handarbeit statt sich mit der Vorspeise abzufinden.

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