Anleitung zum Entlieben

30.05.2007 um 22:14 Uhr

Zwei Jahre

von: Lapared

Heute habe ich mit Emmi und dem Dackel einen Ausflug gemacht. Der Dackel, Knut, hatte noch nie das Meer gesehen, das geht natürlich nicht. Ich halte den Anblick des Meers, insbesondere der Nordsee, für ausgesprochen charakterbildend (und der Filmfreund weiß außerdem, dass man im Himmel - auch im Dackelhimmel, nehme ich an - sonst nicht mitreden bzw. -kläffen kann*). Mensch wie Dackel beschleicht angesichts dieses elementaren Schauspiels eine Ahnung seiner eigenen Bedeutung (kleiner als das Meer aber größer als ein Sandkorn), je nach Typ vielleicht auch Hoffnung (so wat Heeeerrliches kann doch kein Zufall sein, dat hat doch wer gemacht) und die Ahnung, dass in jedem von uns ein potentieller Mörder steckt (zumindest dann, wenn so ein Drachenheinz sein Teil drei Zentimeter weiter blöde lachend in die Düne rammt). Also, charakterbildend. Wichtig für Knut.

Ich weiß zwar nicht, wie Knuts Charakter vor unserem Ausflug war, aber an der Nordsee war Knut Choleriker. Knut kläffte jede einzelne Welle an. Jede Möwe. Jeden Wattwurm. Alles, was sich wagte zu bewegen (nur den Drachen nicht, da war er - wie wir – einen Moment geschockt). Und ich habe doch versprochen, ihn zu nehmen! Diese Kläffmaschine! Wenn seine Frauchen irgendwann im Himmel von den Meereswellen plaudern, sitze ich zuhause, weil man mit diesem cholerischen Dackel nirgendwo hingehen kann. Wie komme ich nur raus aus dieser Sache...?

Plötzlich muss ich an 119 denken, und unseren kleinen Nordseeurlaub vor fast zwei Jahren. Wir haben uns zwar nicht angekläfft, wir kacken ja auch nicht in Rabatten, wir sind kultivierte Menschen. Aber irgendwie außer uns waren wir. Und angebellt, wenn auch stumm, haben wir uns auch. „Reizklima...“ sagte 119 damals, und damit war das Thema ausführlich besprochen, keine Diskussionen. Stunden sind wir quasi wortlos hintereinander her gestapft. Nichts, kein Ton, nur Meeresrauschen. „Knut ist übrigens nicht immer so,“ sagt Emmi vorsichtig, sie ahnt wahrscheinlich meine finsteren Gedanken. „Schon o.k.“, sage ich, „das macht das Reizklima…“ Ich lausche Knuts Gekläffe und erfreue mich an diesem direkten Ausdruck von Emotionen. Und ich denke, Mensch Lpunkt, zwei Jahre... und so weit bist du nun gekommen.

*Auflösung: Knockin´on Heaven´s Door

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