Lauras Veilchen

22.10.2008 um 07:07 Uhr

Abend

von: Laurali



Abend

Der Abend wechselt langsam die Gewänder,
die ihm ein Rand von alten Bäumen hält;
du schaust: und von dir scheiden sich die Länder,
ein himmelfahrendes und eins, das fällt;

und lassen dich, zu keinem ganz gehörend,
nicht ganz so dunkel wie das Haus, das schweigt,
nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend
wie das, was Stern wird jede Nacht und steigt;

und lassen dir (unsäglich zu entwirrn)
dein Leben, bang und riesenhaft und reifend,
so dass es, bald begrenzt und bald begreifend,
abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn.


Rainer Maria Rilke
(1875 - 1926)

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenleo14 schreibt am 23.10.2008 um 16:11 Uhr:Rilke ist immer wieder zu lesen

    leo

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