Würd' es mir fehlen
Heute früh, nach gut durchschlafener Nacht,
Bin ich wieder aufgewacht.
Ich setzte mich an den Frühstückstisch,
Der Kaffee war warm, die Semmel war frisch,
Ich habe die Morgenzeitung gelesen
(Es sind wieder Avancements gewesen).
Ich trat ans Fenster, ich sah hinunter,
Es trabte wieder, es klingelte munter,
Eine Schürze (beim Schlächter) hing über dem Stuhle,
Kleine Mädchen gingen nach der Schule -
Alles war freundlich, alles war nett,
Aber wenn ich weiter geschlafen hätt´
Und tät´von alledem nichts wissen,
Würd´ es mir fehlen, würd ich´s vermissen?
Theodor Fontane
* * *
Die Phantasie
Im Reich der Phantasie
spanne ich mein Schirmchen auf.
Ich beginne zu schweben, zu fliegen,
erst sachte, langsam,
dann schneller, höher.
Auf und ab geht meine Reise,
ich sehe alles von oben,
betrachte Dinge aus einer Perspektive,
die ich bisher nicht kannte.
Ein Wunsch wurde mir mitgeschickt,
ein Wunsch zu grüßen, dort wo ich lande,
zu wachsen, mich zu verbreiten
ist meine Aufgabe.
Wenn es geht, lasse ich mich nieder
und verweile ein Weilchen.
Gefällt es mir nicht -
lasse ich mich wieder aufnehmen vom Wind,
lasse mich treiben
und suche ein Plätzchen
zum Niederlassen.
Gefällt es mir -
verankere ich mich dort
und beginne meine Aufgabe.
Im Reich der Phantasie
suchte ein Löwenzahn-Schirmchen sein Ziel.
unbekannt
