Leitmotiv

18.09.2007 um 10:40 Uhr

Death Proof

Genauer betrachtet ist Death Proof, Quentin Tarantinos bisweil fünftes und aktuellstes Werk, eigentlich ein Frauenfilm. Sieht man mal von dem thematischen Schwerpunkt der Muscle-Cars, der rohen Gewalt und Kurt Russell als gemeinem Frauenmörder ab, so sind die Hauptpersonen doch eher sieben bzw. acht junge, hübsche Frauen.

Ohne jetzt viel vom Inhalt vorweg nehmen zu wollen, was denjenigen, die diesen Film noch nicht gesehen haben den Spaß verderben würde, beschränke ich mich in dieser Hommage an eine Hommage auf das, was einem Tarantino-Fan in freudiger Erwartung auf seine neueste Schöpfung ohnehin schon längst klar gewesen sein dürfte.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht schon am Tag der Kinopremiere ganz vorne in der Schlange gestanden, sondern erst gestern dieses furiose Werk gesehen habe. Aber ich bin hin und weg - wieder mal hat QT was ganz anderes als das gemacht, was man eigentlich von ihm erwartet hätte, und dennoch erkennt man ganz deutlich seine Handschrift.
Da wären zum Beispiel die ständig wiederkehrenden Elemente: was wäre ein Tarantino-Streifen ohne die endlos-sinnlos dahinfließenden Dialoge, die typische Kofferraum-Szene, einen Auftritt des Regisseurs selber, Big Kahuna- und Red Apple-Zitate und diverse Querverweise auf seine anderen Filme. Auch seiner Vorliebe für Füße, nicht zuletzt durch den Fußmassagendialog aus Pulp Fiction glorifiziert, wird er auf seiner ihm eigenen Art gerecht.
Was Death Proof gegenüber seinen anderen Machwerken abhebt ist zunächst offensichtlich die Besetzung. Neben Kurt Russell als Stuntman Mike, dem wohl ähnlich wie John Travolta nach Pulp Fiction einige neue Rollenangebote ins Haus fliegen dürften, jene oben angesprochenen Frauen die Hauptpersonen: Jungle Julia, Butterfly, Shanna, Abernathy, Kim, Lee und Zoe. Da QT bisher stark auf UT fixiert war, würde ich dieses Element an dieser Stelle als Neuerung darstellen.
Wie man schon der Presse entnehmen konnte, ich verrate also an dieser Stelle nicht zu viel, geraten diese Frauen an den Frauenkiller Stuntman Mike, drehen den Spieß aber um - das soll es nun an Inhaltlichem gewesen sein.
Wie man ebenfalls der Presse entnehmen kann, halten einige den neuesten Tarantino-Streifen für seinen schlechtesten. Waren einige nach dem fulminanten "ersten Teil" von der zweiten, Story-lastigeren Hälfte von Kill Bill enttäuscht, so halten Kritiker QT nun gegenüber seinen vorherigen Filmen eine gewisse Sinnlosigkeit vor. Diesen scheint entgangen zu sein, dass Death Proof eben genau diesem Ideal der Nicht-Story der Grindhouse-Filme gerecht werden will. Die dabei attestierte Selbstreferenz des Regisseurs und Autors kann in meinen Augen als eine große Stärke des Neulings gelten. So wird man durchweg mit Hints und Querverweisen auf Reservoir Dogs, Pulp Fiction, Jackie Brown und Kill Bill konfrontiert, was aus der Hommage an das Grindhouse-Kino eigentlich eine Hommage an den Regisseur selber macht. Dies wiederum in Bezug auf die von Tarantion selbst an Death Proof angelegte Maxime, den besten schlechten B-Films aller Zeiten drehen zu wollen, bedeutet konsequent zuende gedacht, dass man in Death Proof einen Tarantino at its best bewundern kann. Gerade die oft langweilig anmutende Storyführung (die eigentlich ja keine ist) dient als riesiger Spielplatz, auf dem sich das meiner Meinung nach größte Spielkind der amerikanischen Regisseursgilde, das immer das macht auf was es gerade so Lust hat und dafür auch gerne mal andere Filme auf Eis legt, so richtig austoben kann.

Die Dramaturgie spannt sich während der ersten Hälfte des Films sehr langsam auf, um genau am Scheidepunkt unerwartet und plötzlich innerhalb weniger Minuten in blutiger Gewalt zu eskalieren - nur um dann wiederum in scheinbar öder aber eigenständigen Storyführung zu verwässern, die ihrerseits gegen Ende von einer ausgiebigen und gut in Szene gesetzten Verfolgungsjagt aufgeschreckt und beendet wird.
Leider konnte ich Death Proof nicht im Grindhouse-Doublefeature gemeinsam mit Robert Rodriguez' Planet Terror und den zum Gesamtwerk gehörenden Fake-Trailern sehen, was laut Informationen eigentlich unabdingbar zum Verständnis des Gesamtwerks beiträgt, freue mich aber schon jetzt auf die hoffentlich irgendwann erscheinende Grindhouse-DVD-Box. Der Soundtrack jedenfalls, der während des Verfassens dieser Zeilen aus meinen Boxen strömte, ist wieder mal die Bombe - besonders "Baby it's you" von Smith geht mir einfach nicht aus dem Kopf.

Ein genialer Film, den jeder Tarantinofan sich vorbehaltlos anschauen sollte. 

17.04.2007 um 09:44 Uhr

Bedingt motivationsbereit

An Motivation fehlt es mir wohl gerade ein bisschen. Ich hänge irgendwie in der Luft. Das Semester läuft zwar seit nunmehr drei Wochen, aber passiert ist irgendwie noch nicht allzu viel. Die meisten Veranstaltungen, so sind die Philosophen halt, haben noch nicht einmal stattgefunden sondern sind für diese oder nächste Woche angekündigt. In einer Veranstaltung jedoch durfte ich mich um ein paar einleitende Worte zu Platon im Rahmen eines Referats bemühen, welches ich bloß angenommen habe, um endlich was zu tun. Aber wie das bei "Kurzreferaten" so ist, erfordern diese nicht allzu viel Mühe, weshalb die Beschäftigung mit dem wehrten Herrn Philosophen zwar recht kurzweilig war, dann aber auch nur von kurzer Dauer die zeitweilige Motivation heben konnte. Wenn das so weiter geht werde ich dieses Semester wohl verschlafen, oder, noch besser, einige Veranstaltungen auf der Hofgartenwiese verpennen: das Wetter lädt dazu ein.
Meine einzige Hoffnung war ein Hauptseminar zu Friedrich Kittler: Aufschreibesysteme 1800/1900. Doch wie der Zufall es wollte ist aus dem recht beschaulichen Kurs von 15 Leuten ein Monsterkurs geworden: 40 Leute in einem Hauptseminar, zusammengepfercht in einem Raum für maximal 20 Leute.
Jetzt ist die Zeit, an der ich mich zum ersten Mal über die Studiengebühren auslassen muss. Eigentlich dachte ich, mir für die 500 Mücken ein Anrecht auf halbwegs leistungsorientierte Lehre und Veranstaltungen „erkauft“ zu haben. Stattdessen muss ich mir Drohungen einer Dozentin anhören (nicht die Kittler-Veranstaltung), die alle Magister aus ihrer Veranstaltung rauswerfen will, da die Bachelors, die diesen Kurs ebenfalls bevölkern, ein Anrecht auf kleine, leistungsintensive Kurse haben. Also wenn die Leistung der Bachelors darin besteht, ihre Abschlussarbeit auf 30 Seiten zu verfassen, die wir Magister schon fast in stinknormalen Seminaren schreiben, müssen die Ersties wohl von der Pike auf gefördert werden. Als hätten wir jetzt nicht auch bezahlt. Hinzu kommt, dass es sich bei diesem für Magister bedrohten Seminar um die einzige Veranstaltung der Erkenntnistheorie in diesem Semester handelt, die im Kanon der Zwischenprüfungsthemen auftaucht und somit auf jene Prüfung vorbereitet. Aber egal.
Nach dieser ganzen Motzerei werd ich wohl mal in die Uni gehen. Wenn der Kurs ausfällt krieg ich immerhin noch einen schönen Schlafplatz auf der Hofgartenwiese.

22.02.2007 um 13:54 Uhr

Traumschaum, gefrorene Rote-Beete-Klötzchen und Nuttenfrühstück

Heute Morgen bin ich fünf Minuten vor meinem Wecker aufgewacht und war, wie so oft, immer noch total müde, woraufhin ich mich noch mal umgedreht hab. In diesen lediglich fünf Minuten hatte ich aber einen total verwirrten Traum: ich wollte mir einen schönen, leckeren, schwarzen Kaffee kochen. Mein Onkel war irgendwie auch im Raum und gab mir den Tipp, dass Pulver doch sofort in die Tasse zu tun, ganz so wie bei einem türkischen Kaffee. Das ganze sei dann aber in die Spülmaschine zu stellen. Noch nicht genug des ganzen sollten zum Verfeinern der Note noch einige „gefrorene Rote-Beete-Klötzchen“ in die Spülvorrichtung und dann ab dafür...Gott sei Dank bin ich rechtzeitig aufgewacht!

Was bitte hab ich da geträumt? Normalerweise kann ich mich überhaupt nicht an meine Träume erinnern, diesmal aber wahrscheinlich genau deshalb, weil es nur fünf Minuten waren an die ich mich erinnern musste, von denen ich auch noch gerade eben aufgewacht war.

Alles in allem wars ein sehr ereignisreicher Morgen. Neben dem verrückten Traum ist heute der erste Tag vom Rest meines Lebens: ich nehme mir die Fastenzeit zum Anlass um endlich mit dem Rauchen aufzuhören und sitze hier am Blogg mit tierischer Schmacht. Natürlich hab ich gestern noch mal alles geraucht was so da war, damit das ganze auch zu einem feierlichen Abschluss gerät – jetzt hab ich Halsschmerzen und der übrige Tabak liegt immer noch, rückfallgefährdend, in meiner Schublade. Das Kaffeetrinken will ich mir auch entwöhnen. Kaffee und Zigarette passen einfach viel zu gut zusammen. Ein Ersatz ist aber schon gefunden: Bellarom Cappuccino Karamell vom Lidl – total Porno.

20.02.2007 um 10:01 Uhr

Was machen eigentlich...

...Roxette? Vorweg oute ich mich als ehemaliger Fan dieser Schwedischen Combo. Dies wird allerdings wohl nicht die übliche Resonanz a la "Boa wie übel" oder "Wie kannst du nur" nach sich ziehen, denn wenn ich mich an alte Zeiten erinnere war ich seinerzeit wohl nicht ganz allein: Roxette zählte wohl zu den beliebtesten Teenie-Bands bevor es Gruppen wie BackstreetBoys, No Angels etc. gab. Damit gehören sie für mich ganz klar in die Sparte von Künstlern wie David Hasselhoff, Michael Jackson oder Maria Carey. Diese erwähne ich hier, da sie in meinen Tagen des Entdeckens von Musik neben Roxette in meinem CD Player auf Heavy Rotation liefen und ein entscheidender Bestandteil meiner Kindheit waren. David Hasselhoffs Platte „David“ habe ich mir als erstes Album bewusst selber gekauft, Michel Jackson lief auch bei meinen Eltern und ihn find ich auch nach seinen ganzen Eskapaden immer noch prima und Maria Carey, naja, die kann weder singen noch sieht sie gut aus: total überschätzt. Aber immerhin haben sie es geschafft in den Schlagzeilen zu bleiben. Aber was ist bitte mit Roxette? Von denen ist seit langem nichts mehr zu hören. Bis gestern: wir saßen im Auto um uns nach einem langen Anti-Karnevals Wochenende (was mir nur teilweise gelungen ist ;-)) zum Bahnhof bringen zu lassen und da fand ich diese uralte CD „Roxette live in Zürich“ in der Ablage…ich bin fast ausgeflippt. Nahezu alle Titel konnte ich immerhin von der Melodie mitsummen, an manchen Stellen kannte ich sogar den Text noch, was mir einige unglaubliche Blicke schenkte. Leider war die Aufnahme in miserabler Qualität, aber sie hat es dennoch geschafft dass ich mir ernsthaft Gedanken um Per und Marie gemacht habe. Meiner Meinung sind nämlich nicht ABBA der erfolgreichste Exportschlager Schwedens sondern Roxette. Wer hat sie damals nicht gehört? Umso unglaublicher fand ich es, dass sie plötzlich scheinbar spurlos verschwunden waren und niemand mehr von ihnen erzählte. David Hasselhoff hat immerhin noch tolle Serien gedreht, Michael Jackson war zwischenmenschlich sehr aktiv und Maria Carey hat durch plastisch-chirurgische Eingriffe von sich hören gemacht. Gut, dass mag daran liegen, dass diese Künstler dank des enormen PR-Apparats in Amerika nie wirklich von der Bildfläche verschwinden konnten und immer irgendwie präsent waren, wohingegen Roxette, aus good ol’ Europe stammend, sich wohl durch Musik im Gespräch halten mussten. Ich erinnere mich noch, dass Roxette eine Babypause machen mussten weil Marie schwanger geworden war. Das hat mich damals sehr enttäuscht, denn als ich erfuhr, dass Per nicht der Vater ist brach eine kleine Welt für mich zusammen. Fragt mich nicht warum, aber für mich waren die beiden immer auch abseits der Bühne ein Paar. Wahrscheinlich hat das auch mit dazu beigetragen dass ich aufgehört habe Roxette zu hören. Das, die Aversion gegen deutschen Schlager und das Bewusstsein, dass Roxette zwar auf Englisch sangen, wahrscheinlich wohl aber für einen Englischsprachigen ebenso als Schlager gelten mussten führte dazu, dass die ganzen CDs, die ich mir mühsam zusammengespart hatte, in meinem CD-Ständer verstaubten, vergessen und irgendwann auf dem Flohmarkt verhökert wurden. Aber haben Roxette tatsächlich nie wieder ein Album gemacht? Eigentlich unvorstellbar dass das alles, wenn es denn der Fall wäre, an mir vorüber gezogen ist. Nach Welthits wie „The Look“, „Listen to your heart“, „It must have been love“, „Joyride” und endlos weiteren Songs kann man doch nicht einfach so verschwinden. Gut, im nachhinein betrachtet würde ich mir jetzt wahrscheinlich keine Platte mehr von ihnen kaufen, aber immerhin haben sie einen Platz in meiner persönlichen Hall of Fame sicher, waren sie doch für meine Musikentwicklung enorm wichtig.
Abgelöst wurden Roxette sowie oben erwähnte Künstler im Übrigen von Green Day und anderen Punk-Größen, die ebenfalls verstaubten und durch dubiose Handelstransaktionen schließlich aus meinem CD-Regal verschwanden.

05.02.2007 um 17:08 Uhr

Der Beischlaf der "Emilia Galotti"

Wer mir den Titel nicht abkauft, der sollte ins Bonner Theater gehen und sich dort die Inszenierung des Kay Voges ansehen. Er hat das Unglaubliche wahr gemacht und Emilia die Unschuld genommen. So jedenfalls verstehe ich diverse Andeutungen die dieser Junge Regisseur auf der Bühne darbot. Einen detaillierten Erfahrungsbericht findet ihr bei meiner lieben Freundin Kiddolu. 

Aber alles schön der Reihe nach. Nennt mich konservativ, aber eigentlich bin ich eher der Fan von klassischen Inszenierungen. Als ich dann erfuhr, dass vor der Vorstellung Ohrstöpsel verteilt werden dachte ich mir schon: OMG, was soll denn da passieren. Das kann ja nicht mit rechten (Lessing-)Dingen zugehen. Naja, aber die Karten waren gekauft und auf den Abend mit Kiddo hab ich mich auch gefreut, was soll da also schiefgehen? (Achtung: rhetorische Frage) Natürlich (fast) alles. Die komplette Vorstellung war nur so durchtränkt von subtilen "Die-habens-getan" Figuren. So schon die Penisszene vom Anfang (siehe Link). Diese sollte wohl den Prinzen als Lustmolch brandmarken. Der der nichts anbrennen lässt.

Machen wir einen gewaltigen Satz zur Schlussszene. Bis dahin hätte man das Stück gerade noch so als ausreichend durchgehen lassen können, aber dieses Ende, welches sich Herr Voges da zusammengesponnen hat, geht komplett gegen meine Lesart des Stücks. Bis dahin hatten die ganzen kleinen subtilen Kommentare zur verlorenen Unschuld Emiliens noch keinen gewaltigen Schaden angerichtet. Doch spätesten als sie ihr Kleidchen vor ihrem Vater hochhebt, ihm quasi gesteht wie es um ihre Erfahrungen bestellt ist, ging bei mir gar nichts mehr. Grottenschlecht. Ich will mich jetzt gar nicht in Kleinigkeiten a la Die hat doch grad eben erst ihren geliebten Mann verloren! verlieren sondern zum Wesentlichen kommen: die Tötung Emiliens. Spätestens an diesem Zeitpunkt hab ich mich verflucht, dass ich nicht die zwei Euro ins Programmheftchen samt Ohrstöpsel investiert hab. Ja, Odoardo hat Emilia erschossen. Und das ganze auch noch gegen ihren Willen. Lessing wird sich wohl im Grabe umgedreht haben. Doch dem ganzen die Krone aufgesetzt hat her Voges mit seinem kleinen aber folgenschweren Eingriff in den letzten Dialog. Emiliens wunderschöne letzte Worte während sie stirbt: "Eine Rose gebrochen bevor der Stur sie entblättert" werden auf Nachfrage des Prinzen "Was haben sie denn da gemacht", VON ODOARDO GESPROCHEN. Zum Glück war das Stück kurz darauf vorbei, denn länger hätte ichs nicht mehr ausghalten.

Danach gabs erstmal Redebedarf. Das Stück war grauenhaft, da waren wir beide uns einig. Und sich gemeinsam über ein verhunztes Stück aufzuregen macht einfach Spaß, insofern hat sich die Vorstellung schon gelohnt. Aber das Geld wars einfach nicht wert. Als wir während der Heimfahrt das Theaterkäseblättchen durchblätterten fanden wir eine kleine Ankündigung in der ein Matinee zur Vorstellung angeboten wurde. Also die ideale Anlaufstelle um seinen ganzen Frust von der Seele zu diskutieren. Angemerkt war außerdem, dass dem ganzen auch einer meiner Dozenten, ein Bruder im Geiste, beiwohnen würde. Die Sache war quasi beschlossen: da musste ich hin.

Also am Sonntagmorgen früh aus dem Bett gepellt (eine Urzeit zu der eigentlich nur Senioren wach sind wie ich später feststellen durfte) und wieder zum Theater. Das Foyer wa reichlich besucht, und angesichts dessen und meiner Mission hab ich mir tatsächlich ein bischen ins Höschen gemacht. Aber da musste ich wohl durch. Nachdem mein Dozent seine Theorie vom Phallus und der Inzest zum besten gegeben hatte ("Emilia wird durch den Dolch von ihrem eigenen Vater physisch perforiert und psychisch defloriert...") sah ich mich in meinem Plan bestärkt und stand auf um meine Frage zu stellen. Warum er denn die Endszene so umgeschrieben habe, dass Emilia nicht darum bittet erdolcht zu werden und warum Odoardo ihren letzten Satz "Eine Rose gebr.....". Weiter kam ich nicht, da der werte Herr Regisseur die Unbequemheit der Frage erkannt hatte und mich in meinem Redefluss unterbrach. Bis dato gab es lediglich Redebeiträge von etwas älteren Semestern, die alle gehört wurden, aber als sich da so ein Jungspund von Student meldet um etwas zum Verständnis der etwas eigenwilligen Neuinterpretation des klassischen Stoffs zu fragen geht dem Starregisseur offenbar die Düse und er fühlt sich in seiner Ehre gekränkt. Ein bischen mehr Achtung wenn ich bitten darf, Herr Voges, auch wenn ich nicht die (Lebens-)"Erfahrung" wie einige der Teilnehmer habe. Immerhin sah ich mich in der Wesentlichkeit meiner Frage durch meinen Dozenten bestätigt der, die Sache offensichtlich so einschätzend wie ich, umerklich nickte während ich meine Frage, um die richtigen Worte ringend, formulierte.

Was hab ich aus der ganzen Sache gelernt? Ich werde sicherlich weiter ins Theater gehen, aber einen großen Bogen um Neuinterpretationen und Regisseure mit Allüren machen.