Death Proof
Genauer betrachtet ist Death Proof, Quentin Tarantinos bisweil fünftes und aktuellstes Werk, eigentlich ein Frauenfilm. Sieht man mal von dem thematischen Schwerpunkt der Muscle-Cars, der rohen Gewalt und Kurt Russell als gemeinem Frauenmörder ab, so sind die Hauptpersonen doch eher sieben bzw. acht junge, hübsche Frauen.
Ohne jetzt viel vom Inhalt vorweg nehmen zu wollen, was denjenigen, die diesen Film noch nicht gesehen haben den Spaß verderben würde, beschränke ich mich in dieser Hommage an eine Hommage auf das, was einem Tarantino-Fan in freudiger Erwartung auf seine neueste Schöpfung ohnehin schon längst klar gewesen sein dürfte.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht schon am Tag der Kinopremiere ganz vorne in der Schlange gestanden, sondern erst gestern dieses furiose Werk gesehen habe. Aber ich bin hin und weg - wieder mal hat QT was ganz anderes als das gemacht, was man eigentlich von ihm erwartet hätte, und dennoch erkennt man ganz deutlich seine Handschrift.
Da wären zum Beispiel die ständig wiederkehrenden Elemente: was wäre ein Tarantino-Streifen ohne die endlos-sinnlos dahinfließenden Dialoge, die typische Kofferraum-Szene, einen Auftritt des Regisseurs selber, Big Kahuna- und Red Apple-Zitate und diverse Querverweise auf seine anderen Filme. Auch seiner Vorliebe für Füße, nicht zuletzt durch den Fußmassagendialog aus Pulp Fiction glorifiziert, wird er auf seiner ihm eigenen Art gerecht.
Was Death Proof gegenüber seinen anderen Machwerken abhebt ist zunächst offensichtlich die Besetzung. Neben Kurt Russell als Stuntman Mike, dem wohl ähnlich wie John Travolta nach Pulp Fiction einige neue Rollenangebote ins Haus fliegen dürften, jene oben angesprochenen Frauen die Hauptpersonen: Jungle Julia, Butterfly, Shanna, Abernathy, Kim, Lee und Zoe. Da QT bisher stark auf UT fixiert war, würde ich dieses Element an dieser Stelle als Neuerung darstellen.
Wie man schon der Presse entnehmen konnte, ich verrate also an dieser Stelle nicht zu viel, geraten diese Frauen an den Frauenkiller Stuntman Mike, drehen den Spieß aber um - das soll es nun an Inhaltlichem gewesen sein.
Wie man ebenfalls der Presse entnehmen kann, halten einige den neuesten Tarantino-Streifen für seinen schlechtesten. Waren einige nach dem fulminanten "ersten Teil" von der zweiten, Story-lastigeren Hälfte von Kill Bill enttäuscht, so halten Kritiker QT nun gegenüber seinen vorherigen Filmen eine gewisse Sinnlosigkeit vor. Diesen scheint entgangen zu sein, dass Death Proof eben genau diesem Ideal der Nicht-Story der Grindhouse-Filme gerecht werden will. Die dabei attestierte Selbstreferenz des Regisseurs und Autors kann in meinen Augen als eine große Stärke des Neulings gelten. So wird man durchweg mit Hints und Querverweisen auf Reservoir Dogs, Pulp Fiction, Jackie Brown und Kill Bill konfrontiert, was aus der Hommage an das Grindhouse-Kino eigentlich eine Hommage an den Regisseur selber macht. Dies wiederum in Bezug auf die von Tarantion selbst an Death Proof angelegte Maxime, den besten schlechten B-Films aller Zeiten drehen zu wollen, bedeutet konsequent zuende gedacht, dass man in Death Proof einen Tarantino at its best bewundern kann. Gerade die oft langweilig anmutende Storyführung (die eigentlich ja keine ist) dient als riesiger Spielplatz, auf dem sich das meiner Meinung nach größte Spielkind der amerikanischen Regisseursgilde, das immer das macht auf was es gerade so Lust hat und dafür auch gerne mal andere Filme auf Eis legt, so richtig austoben kann.
Die Dramaturgie spannt sich während der ersten Hälfte des Films sehr langsam auf, um genau am Scheidepunkt unerwartet und plötzlich innerhalb weniger Minuten in blutiger Gewalt zu eskalieren - nur um dann wiederum in scheinbar öder aber eigenständigen Storyführung zu verwässern, die ihrerseits gegen Ende von einer ausgiebigen und gut in Szene gesetzten Verfolgungsjagt aufgeschreckt und beendet wird.
Leider konnte ich Death Proof nicht im Grindhouse-Doublefeature gemeinsam mit Robert Rodriguez' Planet Terror und den zum Gesamtwerk gehörenden Fake-Trailern sehen, was laut Informationen eigentlich unabdingbar zum Verständnis des Gesamtwerks beiträgt, freue mich aber schon jetzt auf die hoffentlich irgendwann erscheinende Grindhouse-DVD-Box. Der Soundtrack jedenfalls, der während des Verfassens dieser Zeilen aus meinen Boxen strömte, ist wieder mal die Bombe - besonders "Baby it's you" von Smith geht mir einfach nicht aus dem Kopf.
Ein genialer Film, den jeder Tarantinofan sich vorbehaltlos anschauen sollte.
