Paht twentie
Ich möchte mich nicht selber loben, aber diese Location ist wirklich grandios... Ich wusste immer, dass ich genau hier feiern möchte, wenn ich mal heirate, aber in der goldenen September-Sonne kriegt das Ganze doch nochmal einen anderen ... Glanz.
Wir befinden uns auf einem alten Fachwerkhof, mittendrin in grünen Wiesen (und nur ein paar hundert Meter weg von der stark befahrenen Bundesstraße, aber hey - wir sind im 2. Jahrtausend, da machste nix...) Die Scheune, in der wir die nächsten Stunden hoffentlich ordentlich ausgelassen verbringen ist riesig und superschön: dunkle Holzbalken an der Decke, niedrige Fensterchen an den Seiten, schickes Holzparkett und weiße Blumengebinde überall. Meine Dekorateurin hat sich auf den Tischen selbst übertroffen: auf den silbernen Untertellern befindet sich exqusites weißes Porzellan, neben den dreiarmigen Kerzenleuchtern stehen cremefarbene Gerberas in reichhaltiger Fülle, weiße Luftballons schweben über den Stühlen - diese Mischung aus urgemütlich und elegant haut mich um. Ich renne die ganze Zeit durch den Saal und rufe "Ist das schön!! Nein, ist das schön..."
Nachdem ich auch diese Freudenorgie hinter mich gebracht habe gibt es endlich den ersehnten Kuchen. Ein lockeres Rumsteh-Tasse und Teller in der Hand-Ding. Und schon wieder haben sich Tims Jungs was ausgedacht: Passend zum lockeren Stehcafé bauen sie sich in einer kleinen Ecke auf und geben zu Dritt lässig-coole Lounge-Mucke zum Besten. Die nächsten zwei Stunden gehen rum wie im Flug. Ein bisschen Konversation hier, ein bisschen Lästern und Gackern mit der besten Freundin dort, Geschenke gibts auch noch (und was für schöne...!!) und ruck zuck ist Zeit fürs Abendessen. So Freunde, und wer es bis hier geschafft hat, der wird jetzt leider mit noch mehr Dekadenz bombardiert: Was thront da, würdevoll und feucht glänzend über dem vom Spitzenhotel des Ortes angelieferten Buffet? Rrrrichtig... Eine Eis-Skulptur. Wir hatten eine Eis-Skulptur... eine E-I-S-S-K-U-L-P-T-U-R!!!!
Ich habe das selbst nicht gewusst, dass so etwas in unserem Provinznest möglich ist und bin baff! Hat sich der Hotelierssohn heute nacht noch hingesetzt und die Venus von Milo geschnitzt? Gibt es da so riesengroße Formen zum Gießen? Und wer klopft dann das Eis da fehlerfrei raus? Dieses Rätsel habe ich leider bis heute nicht lösen können, aber mal wieder bestätigt sich meine inzwischen zur Weisheit festgeklopfte Erfahrung, dass man viel mehr Freude erfährt und viel schönere Überraschungen erlebt, wenn man die Sache im Vorfeld nicht zu sehr durchplant. Mit Grausen denke ich da an die 13000 (in Worten dreizehntausend) Euro teure Hochzeit, auf der ich mich unlängst wiederfand. Die Braut hatte über ein Jahr geplant und nichts dem Zufall überlassen. Das Fazit war, dass alle recht angespannt auf ihren Stühlen saßen und Programmpunkt für Programmpunkt über sich ergehen ließen. Stimmung wollte bis zum Schluss nicht so recht aufkommen...
Nun aber zur Speisenfolge: Ich möchte nicht langweilen, aber die Highlights müssen genannt werden (es sind doch sicher auch Gourmets unter den Lesern, oder?) Bitte sehr: Schweinefiletköpfe mit Spinat-Frischkäse-Füllung, vor Ort flambiertes argentinisches Rinderhüftsteak (ein bisschen Feuer für die Show - so arbeiteten doch Siegfried und Roy auch, oder?) und eine mediterrane Fischpfanne bilden die Essenz; Steinpilzsuppe oder dreifaltiger Dessertteller mit Pistazienmousse, einem schokoladigen Obstspieß und einem Stück Apfeltarte den Rahmen. Hach, herrlich! Ich kann das Essen genießen, freue mich immer noch so vor mich hin und schaffe es sogar, die Suppe zu löffeln, ohne mich zu bepladdern.
So kann es weitergehen...
