Paht sikss
Tim war noch nicht weit gekommen, denn drei Minuten später stand er vor mir. Noch im Arbeitsanzug, also im feinsten Zwirn für diesen Anlass. Immerhin...
Wir lachten uns an und umarmten uns. Ich guckte ihm in die Augen, küsste ihn und sagte Ja. Dann allerdings hatte ich als erstes meine typischen Zweifel.
"Hast du das jetzt nur gemacht, weil du wusstest, was ich will? Weil du dich unter Druck gefühlt hast? Hast du das gemacht, weil du mir einen Gefallen tun wolltest?"
Tim verdrehte die Augen und schaute mich tadelnd an:
"Das hat jetzt ein Ende, Süße, verstanden? Du musst mal begreifen, dass ich ein erwachsener Mann bin, der seine eigenen Entscheidungen trifft, klar?! Und jetzt gibts keine weiteren Diskussionen. Du hast Ja gesagt und dabei bleibts!"
Ich nickte nur grinsend. Tim küsste mich noch einmal und sah auf die Uhr. Ich wusste, dass er nach einem 12-Stunden-Tag noch 200 Kilometer gefahren war, um diesen Schritt zu machen. Und ich wusste, wenn er morgen früh um acht wieder im Büro sein will, und wenn er davor noch fünf Stunden schlafen will, muss er sich jetzt auf den 200 Kilometer langen Heimweg machen. Nichts mit leidenschaftlichem Flur-Sex, nichts mit Candle-Light-Dinner und nicht mal was mit auf dem Sofa kuscheln. Da machte man nix - das war und ist unser Leben.
Immerhin schlüpfte ich stante pede in die Rolle der treusorgenden Ehefrau (als hätte ich nie etwas anderes getan...) und bestimmte:
"Ich mache dir jetzt erst noch einen Kaffee. Ich hab keinen Bock drauf, dass du mir jetzt kurz vor knapp noch wegen Sekundenschlaf an die Leitplanke fährst! DA hab ich dann ja wirklich gar nichts von..." feixte ich.
Die Ehefrau-resp.-Witwen-Witze gingen mir also schon leicht von der Hand, bemerkte ich mit Erleichterung. Und noch etwas bemerkte ich: Ich war kein bisschen nervös. Nicht die Bohne. Als hätte ich tief in mir das sichere Wissen, dass es so richtig ist. So und nicht anders.
Noch konnte ich nicht glauben, dass das alles Realität ist. Dass Tim tatsächlich wieder abfahren musste, machte es auch nicht einfacher. Bei der Verabschiedung konnte ich ihn beinahe nicht loslassen, das Ganze kam einer Umklammerung näher als einer Umarmung.
Zwei Tage schwelgte ich in allerhöchster Verzückung... Selbst bei der Arbeit musste ich alle zehn Sekunden auf meine Hand sehen und den Ring bewundern. Jedes, aber auch wirklich jedes Mal trat ganz ungefragt ein breites Grinsen auf mein Gesicht. "Ich bin eine Brahaut" flötete es unentwegt in meinem Kopf. Nach zwei Tagen stiller, ehrlicher und tiefer Freude wurde es jedoch Zeit...
Die Familien mussten ja schließlich irgendwann auch erfahren, was da Großes ansteht. Das war jedoch keine gute Idee, wirklich gar keine gute Idee....
