Die Dixgard’sche Stehlampe...
Stimmung: faul-gut...gut faul?;-)
Musik: öhm...ihr werdet lachen...GAR KEINE! unfassbar, oder?
...oder: Bring along your favourite Möbelstücke!
Nachdem ich nun seit mehreren (in Worten: ‘zwei’, in Ziffern: ‘2’) Wochen diverse Konzertberichte zu schreiben verpennt habe und über eine hohle Androhung eines Ärzte- Konzert- Reviews nie hinausgekommen bin, weil ich viel zu sehr damit beschäftigt war, im musikalischen Paralleluniversum den Die Fantastischen Vier zu huldigen (zu Recht!!! Wie ich finde!), überspringe ich, deren zweiter Vorname doch eigentlich ‚Konsequenz’ ist, nun unbemerkt die letzten beiden Konzerte in textlicher Hinsicht, freue mich fürderhin im Stillen an ihnen und kompensiere mein in dieser Hinsicht ausuferndes Mitteilungsbedürfnis mit einem Text über ein kleines, feines Akkustikgitarrenfest einer nunmehr einsam durch die Lande tingelnden ‚Schwedenbombe’ ( by the way: sagen das eigentlich alle Österreicher, oder wieder nur die Jecken, die ich kenn?;-), die aus ihrem Knabenchor auszog, das E-Gitarren-Zölibat zu vollziehen.
Ein nobles Ansinnen, werden manche denken und es ist nur gerechtfertigt zu sagen, dass die Umsetzung dieses Vorhabens sich (zumindest in Köln) zu weiten Teilen ebenso nobel gestaltete.
Die Vorband, deren Namen mir entfallen ist, von denen ich glaube, dass sie sich The Killians nannten, von denen ich aber mit Gewissheit nur sagen kann, dass sie definitv nicht Pete Doherty oder Michael Jackson waren, war besser, als das meiste, was man auf größeren Konzerten als Vorband präsentiert bekommt. So kann man also außerdem sagen: Schade, dass sie auch kürzer spielten, als die meisten, die schlechter sind als sie;-)
Herr Dixgard als solches ließ sich allerdings bitten. Mehrfach und lautstark. Und nachdem Auftritt zweier seiner Freunde, die für Herrn D. das übliche schnöde ‚Musik-vom-Band’- Intro ersetzen sollten kam erstmal…Musik vom Band. Ohne nun genau zu begreifen, was derartiges Getue für den weiteren Verlauf eines gemütlichen Abends unter Freunden bei fröhlichen, mittelschwedischen Volksweisen bringen soll, und in wie weit es besagten Verlauf positiv zu beeinflussen vermag, war ich doch nach einem kurzen ‚Unsympath-Intermezzo’ gänzlich versöhnt, als Herr D. –wohl zu dem Zeitpunkt, an welchem er sich als genügend gehuldigt und lautstark genug gefordert empfand- mit seiner Gitarre die Bühne betrat und zu spielen anfing.
Anfangs noch etwas ungewohnt, war ich doch sehr schnell überzeugt von der ganzen Angelegenheit, auch, wenn der ein oder andere bemängeln wird, dass sich einige Mando Diao –Stücke nicht mehr wirklich nach Mando Diao oder sich selbst anhörten. Aber gerade das machte die Sache in meinem Augen spannend. Immerhin habe ich (ich glaube zumindest, dass es bei dem Stück war) „Motown Blood“ erst am Refrain erkannt, allerdings, ohne mir zu diesem Zeitpunkt dann vollends sicher zu sein. Grandios waren meiner Meinung nach auch die Versionen von „Long before Rock n Roll“ und „Down in the Past“. „Ochrasy“ brauche ich denke ich an dieser Stelle überhaupt nicht gesondert erwähnen, denn das dieses Stück als Akkustik- Titel prima funktionieren würde, war relativ klar abzusehen. Neu verliebt habe ich mich allerdings dann doch in „All my Senses“: „Puuuuuull the triggeeeeeer, break down in a love affair!“ Liebe Leute, WAS für eine Stimme! Spätestens ab diesem Punkt entglitt mir dann jegliches Verständnis für die –vornehmlich- Damen in den Reihen vor mir, die jeden Handgriff Dixgards mit ihren Digi-Cams dokumentieren zu wollen schienen. Ich meine, abgesehen davon, dass es relativ unmöglich ist, jeden Handgriff einer gitarrespielenden Person im Bilde festzuhalten, mag Herr D. ja optisch ansprechend sein ( um es mal vornehm zu formulieren;-)…aber dennoch vertrete ich auch im digitalen Zeitalter moderner Technik die althergebrachte, konservative These, dass Konzerte in erster Linie auch etwas mit ‚Hören’ zu tun haben. Und ehrlich: ‚in echt’ hinsehen is’ außerdem viel schöner, als ein komplettes Konzert auf dem Display einer Digi- Cam zu verfolgen;-) Wobei bei einer solchen Stimmfarbe dann auch das Hinsehen an sich vollkommen unwichtig wird. Aber wer weiß, vielleicht bin ich auch einfach zu sehr von der Wichtigkeit der Akustik- Gitarre für die Schaffung des Weltfriedens überzeugt. Fest steht allerdings, dass viele, die sich bereits bei der berühmtem MTV Unplugged Serie profilieren durfte, angesichts solcher Stimmgewalt einpacken können. (Campino, zum Beispiel…ups, habe ich tatsächlich nun schon wieder laut gegen den gehetzt?)
Jedenfalls wurde seitens der meisten Mädels dann auch lautstark geschrieen, als er zur Zugabe ohne Hemd wieder auf der Bühne erschien. Ich persönlich bin ja der Meinung, dass dieser Schritt eiskalt kalkuliert war;-) Schön nur, als jemand aus den ersten Reihen sinngemäß so etwas wie „Zieh dich wieder an!!!“ brüllte. Aber vermutlich war das dieselbe Person, die gleich zu Beginn auch schon „ You’re drunk!!!“ gen Bühne gerufen hatte….*gg*
Um zurück zur Musik zu kommen, muss ich allerdings auch zugestehen, dass bei bestimmten Liedern ein wenig das Hysterische, Unruhige (oder wie auch immer sich das nun wieder am besten beschreiben lässt) der Norén’schen Stimme als Kontrast fehlte. Vielleicht ist es also bei den beiden Schweden- Frontmännern, wie bei so vielen anderen: Allein kann man schon sehr gut sein, aber optimal ist es dann in nur in dieser Konstellation. (Also quasi so, wie Bela B. und Farin U. auch nur zu zweit richtig lustig sind, während sie alleine bestenfalls so dreiviertel lustig sind….wobei Dixgard allein schon besser war, als nur dreiviertel gut;-)
Aber wie gesagt: Man konnte bei bestimmten Stücken schon mal ein paar Beinahe-Tränchen der Rührung in den Augen haben. („ Puuuuuull the triggeeeeeeer“ *sing* z.B. ..oder auch „Flying on the ground is wrong!“ oder…die unsterbliche “Ochrasy” undundund…)Beeindruckend neben der Musik war allerdings auch die zu Beginn von Björn Dixgard selbst erleuchtete Stehlampe! Während einige, minderjährige, hysterische Groupies nun in diesem Moment in ihren Träumen realisierten, dass „ihr Björn“ vielfältige Begabungen hat, sogar Stehlampen anschalten kann und dies –nach ihrer Interpretation- auch noch außergewöhnlich sensibel, gefühlvoll, zärtlich und romantisch tut, möchte ich zum Abschluss eines tollen Konzertes drei Fragen stellen:
1. Warum bringt der Mann Mobiliar mit zu seinen Konzerten?
2. Was sollte das??
und 3. War diese Lampe von Ikea?
In diesem Sinne: Das nächste Mal hätten wir statt der Stehlampe gerne den persönlichen Lieblingskleiderschrank mitgebracht, lieber Björn;-) Achja, und die anderen vier vielleicht auch noch mal. Die Akustikgitarren dürft ihr dann aber gerne beibehalten und immer wieder mitbringen!
