I am Psycho
Stimmung: sonnig
Musik: I Am Kloot - No Direction Home
Wie ärgerlich. Unglaublich ärgerlich.
Beinahe fertig ein grandioser Eintrag, der der Menschheit nun für immer vorenthalten bleiben wird, weil Klein Madita versehentlich auf den falschen Knopf drückte und das, was ihr Kopf soeben ersponnen hatte, gleich wieder ins digitale Jenseits beförderte. Zumindest aber werde ich mich bemühen, den Inhalt des verloren gegangenen Geschwafels ungefähr zu rekonstruieren.
Meine Konkurrenz hat sich erübrigt, da anscheinend die betreffende Lehrkraft, die das Fräulein so zu unterstützen gedacht hatte, zwar engagiert, aber wenig organisiert dabei agiert hatte und sich somit einer der üblichen Konkurrenten an die Schreibarbeit machen durfte. Was zwar nicht bedeutete, dass ich nun etwas zu schreiben hatte, aber immerhin nicht das Fräulein, und so gerne ich sie auch habe, ich ertrage keine Konkurrenz auf dem gleichen Level. Werde ich von studierten, gebildeteren und vor allem älteren Menschen übertroffen oder belehrt, so kann ich das noch einigermaßen hinnehmen, da ich gegen diese noch nicht konkurrieren kann, noch nicht muss (obwohl ich durchaus vorhabe, das zu ändern). Mich gegenüber gleichgestellter Schulkameraden herabgewürdigt zu fühlen geht mir jedoch wesentlich mehr an die Leber.
Verglichen mit meinem mickrigen Selbstbewusstsein habe ich allerdings relativ hoch gesteckte Ziele, von denen mich auch der Berufsberater, der heute unsere Stufe zu beraten versucht hatte, nicht abbringen konnte, schon gar nicht, indem er mir unter die Nase rieb, welch großartige praktische Vorerfahrungen man in diesem Berufsfeld benötigte! Gut, es hatte zwar einen kleinen Anstoß von einem geliebten Menschen, der selbst für die meisten Dinge meinen kleinen Anstoß benötigt, gebraucht, um meinen inneren Schweinehund (oder besser: das Brot in mir) zu überlisten und mich an die praktische Journalistenarbeit zu wagen - trotz der Befürchtung, fehlzuschlagen.
Das Gefühl, gescheitert zu sein, ist wohl fast noch schlimmer, als vom Partner betrogen worden zu sein, weil man sich beim Scheitern selbst betrügt, und wenn man sich selbst schon nicht mehr vertrauen kann, wem dann? Ich habe sicher nicht in allen Bereichen meines Lebens diesen verdammten Ehrgeiz, der mich dazu bringt, mich selbst nicht mehr leiden zu können und der die Panik verursacht, die mich überfällt, wenn ich einen Berg voll Arbeit vor mir sehe und nicht vermag, diesen zu koordinieren. Lediglich wenn mir etwas wirklich wichtig ist, wenn ich etwas GERNE tue, breitet er sich allzu schnell in meinen Eingeweiden aus und vermag mir selbst das höchste Glück der Erde zu versauern aus Anst, dass ich es nicht gut/schnell/exakt/vollständig/oft/schön genug gestalten könnte.
Glücklicherweise gibt es in mir auch noch etwas anderes, das mich dazu bringt, diese Dinge trotzdem zu tun, und das dieses nagende Gefühl, diese Angst vorm Versagen zum Schweigen bringt. Das muss noch nicht einmal der Enderfolg sein, auch wenn der natürlich erheblich dazu beiträgt. Manchmal ist es einfach auch das Glücksgefühl, das man beim Machen, beim Denken und beim Schreiben also, emfpindet, und der Ausblick auf das Große, das man selbst noch vollbringen möchte und wovon man sich auch von diesem zickigen, panischen Ehrgeiz nicht abbringen lassen möchte.
Was mir noch eher im Weg stehen könnte, wäre meine Ungeschicktheit, meine Vergesslichkeit und meine Unorganisiertheit. Für letzteres habe ich einen wundervollen Menschen an der Seite, der sich meiner Organisationsprobleme annimmt, mir einen Tagesplan vorlegen kann, wenn ich mal wieder selbst überhaupt keinen Plan mehr habe und der Klarheit in meinen manchmal vor Panik oder Verwirrtheit vollgestopften Kopf bringt. Noch nie habe ich einen Menschen getroffen, der so ruhig und abgeklärt an Dinge herangehen kann, die mich schon längst zum Verzweifeln gebracht hätten, er ist meine Stütze und mein Koordinator zugleich, ohne den ich allzuoft in ein schwarzes Loch völliger Planlosigkeit gefallen wäre. In Punkte Ungeschicktheit steht er mir allerdings in nichts nach, und es ist fast ein Sport, sich mit ihm zu messen, wer die schlimmere Sauerei und das gröbere Durcheinander veranstalten kann, wobei ich, den Inhalt meines Kaffeebechers über meine Hose verteilend, heute wohl den Preis für oberste Schussligkeit für mich einheimsen darf. Allerdings gibt es ja auch nicht umsonst diesen Spruch vom zerstreuten Professor. Ohne eingebildet wirken zu wollen, zur Proffesur reicht es bei mir bei weitem noch nicht - aber muss Unordentlichkeit und Verpeiltheit denn gleich mangelnde Fähigkeiten oder gar Dummheit ausdrücken? Körperliche Koordination und geistige Planlosigkeit sind schließlich kein Zeichen für fehlende Intelligenz oder Kreativität, auch wenn ich das Gefühl habe, von manchen Wesen in meiner Umgebung manchmal gerade deshalb irgenwie geringschätzig angeguckt zu werden.
Ist es nicht eher... charmant, eine gewisse Verpeiltheit auszustrahlen? Gut, es kann schon nerven, wenn man zum zehnten Mal sein Deutschbuch vergisst, keine Stift oder Kleingeld dabei hat oder dem Banknachbarn den Sprudel über den Block sabbelt. Aber leider gehört auch das zu meiner (weit gefächerten?) Persönlichkeit, die man einfach ertragen und vielleicht sogar mögen muss, um mit mir auszukommen. Ich finde nicht, dass ich daran arbeiten muss, denn es ist okay, so wie es ist.
Wow.. dieses Selbstbewusstsein sollte ich mal in anderen Bereichen meines Lebens aufweisen.
