MannBar

19.09.2011 um 16:30 Uhr

Über das Aussehen und die Erkennbarkeit von Geisterfrauen.

Über das Aussehen und die Erkennbarkeit von Geisterfrauen.

Friedrich de la Motte Fouqués meisterhafte Erzählung Undine (geschrieben 1809, veröffentlicht 1811), hat großen Einfluß auf die weitere Bearbeitung dieses Sujets ausgeübt und u.a. zwei Opern den Titel verliehen (E.T.A.Hoffmann: "Undine, Romantische Zauberoper" 1816; ebenso von Albert Lortzing, 1845). Gerade diese Undine ist aber, im Unterschied zu vergleichbaren Wasserfrauen wie etwa der Melusine, als Elementarwesen nicht ohne weiteres erkennbar.

Zumindest körperlich ist Undine durchgehend unauffällig. Bevor sie durch die Heirat mit dem Ritter Huldbrand von Ringstetten eine eigene Seele erwirbt, fällt sie allerdings durch gewisse Verhaltensweisen auf, die für Elementarwesen typisch sind, vor Allem durch ihre bisweilen erheiternde, meist aber lästige, wenn auch nie ausgesprochen bösartige Neigung zu allerhand Neckereien. Nach dem Erwerb ihrer Seele verschwinden diese Eigentümlichkeiten, und Undine wandelt sich zu einem geradezu engelhaften Wesen, an moralischer Reinheit ihrer menschlichen Nebenbuhlerin Berthalda weit überlegen.

Gleichwohl behält sie auch dann noch gewisse Eigentümlichkeiten, die ihre Herkunft aus dem Elementarreich verraten. Diese zeigen sich in ihrer Umgebung ingestalt von spukhaften Erscheinungen und immer wieder in dem Auftreten ihres sehr verwandlungsfähigen Oheims Kühleborn, eines mächtigen Wasserfürsten, der von Anfang an Mißtrauen gegen ihre Heirat hegt und seine Abneigung gegen die Menschen unverhohlen zur Schau stellt. Erstaunlich ist dabei die Souveränität, mit der Undine alle Elementarwesen, darunter die noch weniger sympathischen Erdgeister, in die Schranken weist.

Die unheimlichste Außenwirkung ihrer elementarischen Herkunft kommt jedoch im Seelenleben ihres menschlichen Gatten Huldbrand zum Ausdruck. Dieser wird in der Hochzeitsnacht durch grausige Träume gequält, "von schönen Frauen, die mit einem Male Drachenangesichter bekamen". Nur Undines körperlichen Anblick vermag ihn jedesmal wieder zu beruhigen. Später, im Verlaufe seiner Hinwendung zu Berthalda, treten diese Ängste auch in seinem Wachbewußtsein auf. Dabei bleibt unklar, welchen Anteil die äußeren und welchen die inneren Vorgänge daran haben. Den Höhepunkt des Grauens für Huldbrand und alle Anwesenden, den Höhepunkt aber auch des gemeinsamen Liebesrausches bildet die Begegnung Undines mit ihrem untreuen Gatten in dem Moment, da sie ihn in seinen Tod und damit in ihr Wasserreich "hinüberküßt".

In Zusammenhang mit diesem Tod sei der Liber de nymphis, sylphis, pygmaeis et salamandris et de caeteris spiritibus des Paracelsus (erschienen etwa um 1500) erwähnt. Darin wird unter Verweis auf ein historisches Beispiel hervorgehoben, daß ein Mensch, der eine Nymphe geehelicht, dann aber aber, infolge nachlassender Liebe und gleichzeitiges Aufdämmerns der Einsicht, mit einem ursprünglich elementarischen Wesen verbunden zu sein, sie verstößt, bald darauf sterben muß. Auf die Anwendung dieses Elements in seiner Erzählung hat sich Fouqué ausdrücklich berufen. Übrigens ist es für die Vertragsbindung (die nicht unbedingt in einer Ehe bestehen muß) zwischen Mensch und Elementarwesen charakteristisch, daß sie den Tod nicht nur vorzeitig herbeiführen kann, sondern in diesem Fall auch über ihn hinaus weiterwirkt.

Doch kehren wir zur Frage der Erkennbarkeit von Geisterfrauen zurück. Warum sind Elementarwesen halb tier-, halb menschengestaltig? Und warum haben etwa die Nixen oft Fischschwänze, aber stets menschliche Oberkörper, und nicht umgekehrt? Letzteres ließe sich damit erklären, daß mit wandelnden Fischköpfen schlecht zu reden ist und sie auch nicht gerade anziehend auf uns wirken. Aber es gibt noch einen tieferen Grund.

Im südlichen Benin (Westafrika, Voodoo-Gebiet) wurde mir von der Madame Sabot erzählt. Das französische Wort sabot bedeutet u.a. (Tier-)Huf, aber, in der Redewendung "faire quelque chose comme un sabot", auch soviel wie "pfuschen, schludern, stümpern". Daher auch "Sabotage" für eine Pfuscharbeit. Dies zusammengenommen beschreibt das Wesen der "Madame Sabot" sehr gut.

Sie begegnet einem nachts als schöne und begehrliche Frau. Allerdings begehrt sie keine Ehe, sondern Sex; und dies auch nur bis Mitternacht, denn danach verschwindet sie. Hat man den Verdacht, daß es sich um eine "Madame Sabot" handelt, dann soll man auf ihre Füße achten. Macht sie Anstalten, ihre Füße dem direkten Blick zu entziehen, etwa, indem sie auf der Straße dicht am Bordstein wandelt, dann hat sie sich fast schon verraten; ansonsten tut es oft ein Leichengeruch, den sie trotz ihres Parfüms nicht immer verdecken kann.

Was hat sie zu verstecken? Einen Kuhfuß! Ja, warum denn hat die Schlampe das Pfuschwerk von einem Fuß? Von verschiedenen Bekannten bekam ich die gleichlautende Erklärung: Es handle sich bei der "Madame Sabot" um eine Sammelbezeichnung für junge Frauen, die durch einen Unfall vorzeitig aus dem Leben gerissen wurden. Damit können die Entkörperten sich nicht abfinden. Nun aber ist die Verbindung zwischen Lebenden und Toten in Afrika ohnehin eine sehr viel engere ist als bei uns. Die Verkörperten weben und schweben immer ein wenig auch im Elementarreich (anderer Ausdruck: Mondsphäre), daher die große Verbreitung der Magie; und die Entkörperten finden oft schon in der zweiten Generation ins Diesseits zurück. Hinzu kommt, daß früh Verstorbene meist noch viel unverbrauchte Lebenskraft haben. Zu bestimmten Zeiten gelingt ihnen daher eine wenigstens teilweise Materialisierung. Unterstützt, eventuell vervollkommnet kann sie werden durch die Säfte der Lebenden, also durch Blut oder Samenflüssigkeit.

Eine Antwort auf die Frage, warum die Materialisierung an den Extremitäten, vor Allem an den Füßen, am wenigsten leicht gelingt, ergibt sich meines Erachtens aus der Betrachtung des umgekehrten Vorganges, nämlich des Absterbens des Körpers durch Alter oder bestimmte Krankheiten. Bekannt ist der Gangrän bei Diabetikern, der immer mit den Füßen beginnt, sodaß zunächst ein Fuß entfernt werden muß, dann oft auch der andere, und von da an aufsteigend. Das Sterben, die Entkörperung, schreitet also fort von der Peripherie zum Zentrum.

Die Materialisierung der "Untoten" ist der Versuch der Umkehrung, welcher durch eine Art Parasitismus an Menschen periodisch gelingt, aber selten wohl in vollkommener Art. Jedenfalls scheint dies eine der Ursachen sowohl von Vampyrismus als auch der auszehrenden sexuellen Verbindung zu sein. Wie mir gesagt wurde, sind es oft weiße Touristen, die auf die "Madame Sabot" hereinfallen, weil sie das Phänomen nicht kennen oder nicht anerkennen. Den Einheimischen erfaßt grundsätzlich Todesangst. Er sei noch niemals in seinem Leben so schnell vor etwas davongerannt, erzählte mir ein Bekannter über seine erste Begegnung mit einer Untoten.

Bei Elementarwesen, die sich bewußt den Menschen nähern, handelt es sich freilich um andere Motive, so etwa um die Gewinnung einer eigenen Seele. Aber die Materialisierung scheint ihnen ebenfalls Schwierigkeiten zu bereiten. Melusine etwa, eine andere bekannte Wasserfrau, muß sich jeden Samstag zurückziehen, um unerkannt einen Fischschwanz anzunehmen und in einem Bottich unbesehen zu baden. Lange kann sie ihr Geheimnis aber nicht wahren, und das Unglück beginnt. Der Undine gelingt zwar (als einziger?) die von Kindheit auf vollständige und dauerhafte Materialisierung, aber auch sie bleibt dem Elementarreich immer noch soweit verhaftet, daß sie in dieses infolge menschlicher Untreue (und unterstützt durch ihren Oheim) zurückgetrieben wird und den Menschen mit sich zieht.

Männer, ich kann euch nur bitten: Paßt besser auf!

16.07.2011 um 23:07 Uhr

Politische Anbetung der Geschlechtskranken: Der neue Baalskult.

Politische Anbetung der Geschlechtskranken: Der neue Baalskult.

Es ist falsch, das Wort "Geschlechtskrankheit" auf den Bereich des sichtbaren Leibes zu reduzieren. Der sichtbare Leib eines Geschlechtskranken kann durchaus gesund sein. Die Reduktion auf das Sichtbare und Funktionelle ist Biologismus, eine Haltung, die jeder, der sich seiner menschlichen Bestimmung bewußt ist, ablehnen wird.

Geschlecht als binäre Wirklichkeit von männlich und weiblich ist also mehr als das, was in der leiblichen Gestalt zum Ausdruck kommt. Diese ist erst ihre letzte mögliche Ausprägung und das Feld, auf dem es über das Geschlecht zu einer Entscheidung kommt. Kommt es zu dieser Entscheidung nicht, m.a.W., haben wir es mit einem Hermaphroditen zu tun, so liegt Mißbildung, also Krankheit vor. Ebenso liegt Krankheit vor, wenn die seelische Ausstattung ein geschlechtliches Verhalten erzwingt, das mit dem physischen Leib nicht in Einklang steht.

Wer es anders sieht, der leugnet den Sündenfall, der Krankheit erst ermöglicht hat. Er leugnet vielleicht nicht die Feindschaft zweier göttlicher Prinzipien, aber er leugnet die Priorität des himmlischen Gottes gegenüber dem irdischen oder unterirdischen Gott. Er schlägt sich, bewußt oder nicht, auf die Seite der chthonischen Götter, repräsentiert in den Muttergottheiten archaischer Kulturen, wie sie als Atavismen, als Gespenster der Vergangenheit, im Feminismus wieder aufleben.

Das vormals auserwählte Volk, von dem im Alten Testament die Rede ist, war seit Moses' Zeit ständig hin- und hergerissen zwischen dem Einen Gott, der sich an das Ich wandte und die Zehn Gebote in das taghelle Bewußtsein schrieb, und den kinderfressenden Gottheiten des Blutes und Rausches, den Baal, Moloch, und anderen. In diesen aufständischen Kulten liegt der Ursprung heutiger Massenpsychosen; der Ursprung des Klassismus, Rassismus, Sexismus (Feminismus) mit seinem pränatalen Massenmord-Kult und schließlich des Genderismus mit seiner Sexualisierung des Alltäglichen.

"Ich bin der Ich-bin" - das war der Name des Gottes, in dessem Volk das Gewissen erstand. Nur im tagwachen Bewußtsein, im Ich des Menschen, konnte dieser Gott erkannt werden. In Jesus Christus nahm er menschliche Gestalt an. Durch ihn kam die Kraft zur Erlösung vom Übel, zur Heilung von der Sündenkrankheit in die Welt. Sündenkrankheit? Geschlechtskrankheit! Denn selbst der äußerlich gesunde Mensch ist krank, und zwar durch Vererbung. Er ist sterblich. Er muß nicht individuell etwas verbrochen haben. Das menschliche Geschlecht als solches ist krank. Dies, aber auch die Möglichkeit der Heilung, ist die Botschaft des Christentums.

Für den Anhänger des modernen Baalskultes ist das natürlich vollkommen lächerlich. Für ihn ist selbst der verhaltensmäßig Geschlechtskranke nicht krank, vielmehr "die Gesellschaft" ist es, genauer gesagt: die Gesellschaft, die sich noch einen Rest des Gewissens bewahrt hat, wie es das Christentum durch eine Jahrhunderte währende Kultur entwickelt hat. Therapeutische Kritik an einer totalitären Politik wird somit ihrerseits pathologisiert, die Anhänger der Heilsreligion als "homophob" und therapiebedürftig gebrandmarkt.

Wir stehen vor einem Weltbürgerkrieg. So wie im Kommunismus die Heilung des Menschen durch Christus verworfen und durch das Modell des revolutionär zu schaffenden "Neuen Menschen", eines klassenlosen Massenmenschen ersetzt wurde; so wie im National-Sozialismus der individualisierende "Ich bin der Ich-bin" als Feindbild in einem Volk verfolgt wurde, das ihn seit seiner Menschwerdung vor neunzehnhundert Jahren gar nicht mehr repräsentierte; so wie im Feminismus das Gespenst der erd-entquollenen Muttergottheit, Herrin über Leben und Tod der Ungeborenen, heraufbeschworen wurde; - so wird jetzt, im Genderismus, der von aller himmlischen Befruchtung entblößte satanische Vulkanismus der Erde, die polymorph perverse Sexualität, zum politischen Leitbild erklärt.

Und natürlich wird uns das als ethisches Leitbild eingebläut, als "Toleranz", der christlichen Menschenliebe zum Verwechseln ähnlich. Wer das nicht hinnimmt, wer das auch nur ansatzweise zu kritisieren wagt, der wird als und als Nazi, bestenfalls als christlicher Fundamentalist - tendenziell als Terrorist - gebrandmarkt. Der Begriff Terrorismus ist heute bereits soweit entstellt, daß er nicht mehr auf eine volkswidrige Staatsgewalt angewandt, sondern als Synonym für den selbstdenkenden, zuletzt gewalttätigen Einzelmenschen mißbraucht wird.

Warum rede ich ständig von Gott und von Göttern? Geht es nicht ohne? Nein, nicht wirklich. Es liegt in des Menschen gottgegebener Freiheit, sich gegen den Gott zu entscheiden, der von sich sagte: "Ich bin die Auferstehung und das Leben." In diesem Falle entscheidet er sich aber nur für eine ebenfalls göttliche Gegenmacht - egal, ob er sich dessen bewußt ist, oder nicht. Atheisten sind Selbstbetrüger; Agnostizisten sind zumindest ehrlich.

Selbstverständlich können auch Atheisten und Agnostizisten ansatzweise aufwachen, denn graduell werden heute viele Menschen, nicht nur ungeborene, zu Opfern der modernen Baalskulte. Wer aber nicht nur reflexhaft sich wehren will, wer vielmehr erkennen will bis in die Hintergründe, der wird an einer bewußten Entscheidung für oder gegen den heilenden Gott, der sich in Liebe für uns opferte, nicht vorbeikommen.

26.11.2010 um 19:07 Uhr

Vom Vater über den Großen Bruder zum "warmen Bruder".

Vom Vater über den Großen Bruder zum "warmen Bruder". 21-11-2010

Bild rechts:

Vatermord und inzestuöse Erhöhung der Mutter als "Befreierin" in Eugène Delacrois' "Die Freiheit führt das Volk".

Die Ordnung des Vaters, das Patriarchat, war eine vertikale Ordnung. Ihr Sturz schuf die horizontale Ordnung der Brüder.

Das Ideal der Brüderlichkeit, wie es hervortrat mit der Französischen Revolution, war gekoppelt mit dem Ideal der Gleichheit und mit dem Ideal der Freiheit - vom Vater. Doch diese Revolution führte in den Bürgerkrieg, einer der grausamsten Schlächtereien auf Gegenseitigkeit, die es im Okzident bis dahin gegeben hatte.

Schon der biblische Brudermord von Kain an Abel weist den Ursprung aller Kriege aus als die Folge einer verlorenen Hierarchie. Das behauptet jedenfalls Valentin Tomberg in seinen "Großen Arcana des Tarot":

Es ist dies auch die allererste Revolte, die es in der Welt gab, der Archetyp (das "Urphänomen" Goethes) von allen späteren Revolutionen, die stattgefunden haben und die in der Menschheitszukunft stattfinden werden. Denn die eigentliche Ursache aller Kriege, aller Revolutionen - kurz: jeglicher Gewalttätigkeit - ist immer die gleiche: die Verneinung der Hierarchie. (S.14f.)

Wenn dies wahr ist, dann beweist es, daß Brüderlichkeit - in der Folge des Vatersturzes - ein falsches Ideal darstellt, nämlich ein Idol. Bestes Beispiel ist der Große Bruder in George Orwells Roman "1984", einer Vision des Stalinismus. Dieser "Große Bruder" ist seiner Vorbildlichkeit nach ein Vater, aber ein konstruierter Vater, den niemand gesehen hat, und der, als Element einer Gleichheits- oder Brüderlichkeits-Ideologie, ein schlechthin unmenschliches, liebloses und lügenhaftes Regime errichtet. Schwerlich kann ein Vater dermaßen lieblos sein wie rivalisierende Brüder es sein können!

Nicht zufällig aber tritt mit der französischen Revolution und ihrem Idol der Brüderlichkeit auch die Freiheit in Weibsgestalt auf. So hat sie Eugène Delacroix in seinem bekannten Bild von der "Freiheit, die das Volk anführt", dargestellt - mit nackten Brüsten! Das ist nun nicht mehr die Freiheit des Christenmenschen, der in Einsamkeit dem Ruf des Vaters folgt, oder auch nicht. Das ist eine Mutter-Gottheit des kollektiven Blutrausches und der sexualisierten Mordlust, die heute, mit kälterem Atem, weiterlebt als Inspiratorin des Massenmordes an Ungeborenen.

Mag sein, daß Delacroix seinerseits an die Bauerstochter Jeanne d'Arc gedacht hat, welche den Befreiungskrieg gegen die Engländer zum siegreichen Ende geführt hatte. Die war allerdings gottgläubig und keineswegs vatermörderisch; und sie erbrachte ein Opfer, nämlich sich selbst, anstatt, wie die "Freiheit" in der Französischen Revolution, unzählige Opfer des Hasses zu fordern, und diese auch noch in den eigenen Reihen!


Nun also ist die vertikale Ordnung zwischen Vater und Sohn ersetzt durch eine horizontale (Un-)Ordnung, nämlich der Verbund unter Gleichen, insofern von Brüdern. Von daher kommt der Gleichheits-Fetisch, der fortan den Sozialismus bis in seiner feministischen Variante, ja in seiner animal-liberation-Bewegung bestimmt. Ungleichheit ist jetzt Unterdrückung; ist Kollektivschuld der Väter, die als künstliche Dämonen weiterleben und ingestalt alles Männlichen unterdrückt werden müssen.

Doch was ist mit der Mutter? Ist die nicht auch vertikal zu ihren Söhnen positioniert? Vertikal schon, aber nicht oben, sondern unten. "Das Mütterliche zieht uns hinan". Während der Vater das Gewissen öffnete und seine Söhne in ihrer geistig-schöpferischen Potenz befreite, "befreit" - besser: entfesselt - die Mutter die Zone unter der Gürtellinie. Das ist zunächst sehr angenehm, später schmerzhaft, ja tödlich. Umgekehrt ist die Initiation durch den Vater anfangs schmerzhaft, später bereichernd, und gewährt - was allerdings noch zu erläutern wäre - Unsterblichkeit.

Somit sind wir angehalten, zwei völlig verschiedene Freiheitsbegriffe zu unterscheiden. Vom matriarchalen und sozialistischen Standpunkt aus ist das Verhältnis des Menschen zum Vater bzw. zu Gott ein solches der reinsten Sklaverei. - Vom patriarchalen Standpunkt dagegen ist vielmehr sein Verhältnis zur Muttergottheit ein solches der zerstörerischen Rausches, des Triebzwanges, der Sucht, ganz allgemein gesagt: der "Abhängigkeit", also ebenfalls der Sklaverei, aus der einen zuletzt nur noch, wenn überhaupt, der Arzt, der Psychotherapeut oder der Priester befreien kann. Es ist eine Krankheit zum Tode, anfangs lustbringend, letztlich zerstörend.


Mit der Befreiung durch die Mutter, diesem Vorgang, den Delacroix in seinem Revolutionsbild so aufreizend dargestellt hat, verändert sich auch die Sexualität. Sogar die Homosexualität wird eine völlig andere: Der warme Bruder wird gesellschaftsfähig. Bedenken wir: Der "Große Bruder" in Orwells Stalinismus-Vision war ja noch fast wie ein Vater, zwar nur als Bild real, aber als solches immerhin "vorbildlich". Der ist gewissermaßen eine Übergangserscheinung. Hingegen der "warme Bruder" - soll ich "warme" groß schreiben? -, also der Warme Bruder ist ein reines Mutterprodukt. Er ist weibisch.

Es sollte aber vielmehr beachtet werden, daß die (männliche) Homosexualität zwei völlig verschiedene Gesichter hat, je nachdem, welchen Ursprungs sie ist. Bei den Spartanern war sie eigentlich übersteigerte Männlichkeit. Es hieß, man müsse die Krieger paarweise aufstellen, in Liebespaaren. Das würde ihre Kampfkraft erhöhen, denn der eine würde sich unmöglich vor dem anderen blamieren wollen. Ähnlich müssen die Athener die Homosexualität bewertet haben. In Platons "Gastmahl" lesen wir nämlich, wie der schöne Alkibiades mit den Worten höchster Bewunderung die soldatischen Tugenden des Sokrates preist, und wie diese Bewunderung ihn veranlaßt habe, sich zu dem nunmehr alten, häßlichen Mann aufs Bett zu legen und um seine Gunst zu werben. Vergeblich übrigens: Sokrates war ein Meister der Selbstbeherrschung.

Wenn wir dagegen das heutige, krass konträre Ideal der Homosexualität kennenlernen wollen, dann sollten wir zum Beispiel Dieter Otten lesen. Im folgenden Abschnitt zitiere ich der Einfachheit halber eine Pasage aus meiner Rezension seines Buches "MännerVersagen". Otten meint, wir hätten von den (verweiberten) Homosexuellen viel zu lernen:


Man muß einfach die Chance sehen, die sich eröffnet, wenn man weibliche Verhaltenselemente innovativ in die Männerrolle integriert und Männern so die Möglichkeit gibt, ihr eigenes Verhalten im Wege der Normübernahme, der Verinnerlichung und der Verhaltensadaption zu verändern. (S.318)

Denn der Versuch, Jungen zu Sitzpinklern zu erziehen, ist, wie Otten richtig feststellt, gescheitert. Die Jungen haben einfach nicht einsehen wollen, daß das Sitzpinkeln für sie gut sei. Was hilft? Das Vorbild einer "nennenswerten Referenzgruppe", wie Otten sich ganz soziologisch ausdrückt, nämlich die der Homosexuellen.

Es gibt eine Reihe von Männern, die zeigen, daß es auch anders geht. Sie sind damit ein alltägliches Vorbild und Innovationsträger. (S.319)

Der Missionseifer, den Otten hier an den Tag legt, ist beinahe erschreckend:

Diese Emanzipation geht sicher nicht ohne eine proaktive Bekämpfung der Vorurteile gegenüber Homosexuellen vonstatten, insbesondere nicht bei jungen Männern. (S.326)

Grenzüberschreitungen sind notwendig, wenn wir etwas für die evolutionäre Innovation des Männlichen tun wollen. Männer müssen akzeptieren, daß man auf verschiedene Weise Mann sein kann.

So etwas zu akzeptieren verlangt auch, es zu propagieren. (S.327)

Dabei beruft Otten sich u.a. auf die Autorinnen Faith Popcorn und Lys Marigold, welche diesen Innovationstrend mancipation nennen. Damit ist gemeint,

daß sich nach den Frauen nun auch die Männer zu emanzipieren begännen. Natürlich nicht von der Macht oder Vorherrschaft der Frauen (was die Analogie zur Frauenemanzipation wäre), sondern von ihrem eigenen Männlichkeitsbild [...] (S.320)

Ist Ihnen, lieber Leser, die Ungeheuerlichkeit dieses Anspruches bewußt? Stellen Sie sich vor, wir Männer würden uns von den Frauen emanzipieren und dann, um das Werk komplett zu machen, auch noch eine Emanzipation der Frauen fordern - von sich selbst. Und das mittels proaktiver Bekämpfung der Vorurteile und mittels Grenzüberschreitungen. Da wäre aber der Teufel los!


Soweit das Zitat aus meiner Rezension.

Vergleichen wir die beiden Arten der Homosexualität, nämlich die der Antike, und die nach der Vorstellung Ottens, so stellen wir fest, daß jene zum Vorbild die Männlichkeit hat, diese aber die Weiblichkeit. Die Griechen wollten die Männer auf diese Weise mannhaft, das heißt kriegstüchtig, ehrbar und lebenstüchtig machen. Entscheidend war der Vorbehalt gegenüber dem Weiblichen.

Otten hingegen - ich nehme ihn hier nur als Sprachrohr des Zeitgeistes - will die Männer verweibern. Das "MännerVersagen", wie er sein Buch überschreibt, ist ihm ein Ereignis, dem er nach Möglichkeit zum Endsieg verhelfen will. Sein Ideal ist der Geist-Kastrat, dessen Körper in Widerspruch zu seinem Bewußtsein steht.

Ein zweiter Unterschied fällt auf. Bei den Griechen stand die Päderastie in höherem Ansehen als die Homosexualität zwischen Männern - wenn wir von der Paarliebe der jungen Krieger einmal absehen. Allein die Päderastie galt als kulturförderlich, weil als selbstverständlich angenommen wurde, daß die Liebe des alten Mannes zum Knaben seinen "pädagogischen Eros" beflügelte. Die Knabenliebe aber steht in der vertikalen Ordnung.

Heute hingegen gilt die Päderastie als extrem schädlich und bestrafungswürdig; dafür gilt die Homosexualität zwischen Erwachsenen als Zukunftsmodell männlicher Sexualität überhaupt. Letztere aber ist horizontal - also weiblich - orientiert.

Wie ist eine so verschieden, ja konträre Bewertung möglich? Können beide Auffassungen zugleich "richtig" sein? Die Antwort hängt davon ab, welche Kulturform man bevorzugt. Wer sich die altgriechische Hochkultur, wohl der Gipfel in der Kulturgeschichte überhaupt, zum Vorbild nimmt, wird es auch so handhaben müssen, wie die Griechen es taten - sofern dafür heute überhaupt noch die Voraussetzungen bestehen. Wer letzteres bezweifelt, oder wer die Verweiberung des Mannes für erstrebenswert hält, der wird jede Vertikalität, jede Hierarchie, jede natürliche Unterschiedlichkeit zwischen Menschen verteufeln und bekämpfen.


Zum Schluß sei die Frage aufgeworfen, ob die Verweiberung des Mannes Schicksal sei. Ich sage: Nein! Denn Gott hat es gewiß nicht so gewollt. Der Sturz der hierarchischen Ordnung kommt nicht von Ihm. Das ist Menschenwerk. Wir können zwar resignieren, aber wir müssen es nicht. Damit will ich nicht sagen, daß wir nun ausgerechnet die altgriechische Päderastie wieder institutionalisieren müßten. Vielmehr gilt es, jede Form der "Horizontalisierung", der Ent-Hierarchisierung, entschieden Widerstand entgegenzusetzen, also auch die Institutionalisierung der verweibernden Homosexualität zu ächten.

Denn die "Homo-Ehe" dient ja nicht wirklich der "Befreiung" unterdrückter Begierden. Das allein wäre zwar schon schlimm genug. Sie dient vielmehr der Verhöhnung der wahren Ehe und der Entfremdung des Menschen von seinem göttlichen Urbild; seiner Vertierung, die er, anders als das natürliche Tier, nicht dauerhaft überleben kann. Es würden Katastrophen eintreten, die alles Bisherige in den Schatten stellen, sozusagen Französische Revolution permanent und global.

Soweit müssen wir es nicht kommen lassen. Die Apokalypse ist nicht Schicksal, zumindest nicht für uns Alle.


02.10.2010 um 22:53 Uhr

Karriere (2).

Karriere (2).

Soeben beim Einkauf kurz vorm Ladenschluß sah ich eine Ausgabe vom "Stern" mit dem Titel:

Karriere?
Das tue ich mir doch nicht an!
Warum gut ausgebildete Frauen das Spiel der Männer um Macht und Status nicht mitmachen

Klingt ziemlich frech. Doch diese Frechheit ist modern. Sie beweist, daß wir in einer Gynokratie leben, also in einerm Staat, in dem die Frauen auf Kosten von Männern leben. Tatsächlich findet ein riesiger Geldtransfer von Männern zu Frauen statt. Für die Schweiz ist der genau beziffert; ich habe ihn auf die Schnelle nicht zur Hand.

Mannbar werden, das muß heißen, daß angehende Männer diese Frechheit auch als Frechheit empfinden. Es muß ein Bewußtsein, ein Gefühl, eine Wahrnehmung hierfür aufkommen. Nicht nur, daß Frauen die patriarchale Wirtschaftskraft bewußt mißbrauchen und dies ganz offen zugeben. Es kommt noch hinzu, daß Frauen sich beschweren, sie würden 23 % weniger Lohn für die gleiche Arbeit kriegen! Natürlich weiß jeder, daß das  Unsinn ist. Kein Unternehmen könnte sich dann noch leisten, Männer einzustellen, die ja viel zu teuer wären. Und natürlich würde es sofort gesetzlich geahndet. In Wirklichkeit verdienen Frauen darum weniger, weil sie weniger arbeiten, z.B. weniger Überstunden machen. Gemäß der obigen Überschrift kann daran ja auch kein Zweifel mehr bestehn.

Natürlich ist es ein durchaus diskutabler Gedanke, "das Spiel um Macht und Status" nicht mitzumachen. Ich mache es auch nicht mit. Aber mit meinen 60 Jahren muß ich das wohl auch nicht mehr, und als später Studienabbrecher bin ich auch nicht gut ausgebildet.

Genauer besehen gibt es aber gar kein "Spiel um Macht und Status". Denn für Spiel gibt es kein Geld. Den Trieb nach Macht und Status gibt es schon, doch der ist für Männer nicht schädlicher als die Eitelkeit für Frauen.

Parasitismus hat ein Geschlecht - das ist es, was wir unseren Jungen beibringen müssen. Und wie sie sich davor schützen können. Sagt den Frauen: "So geht es nicht - jedenfalls nicht mit uns!" 

02.10.2010 um 21:05 Uhr

Karriere - nicht um jeden Preis.

Karriere - nicht um jeden Preis.

Ein richtiger Mann will vorankommen. Hat er ein Ziel erreicht, dann muß er weiter, sonst wird es langweilig.

Gewöhnlich sucht man den Erfolg im Berufsleben. Dort ist Erfolg nämlich für Alle sichtbar; folglich findet man Anerkennung. Doch es gibt auch Nachteile, zumindest dann, wenn die eigene Entwicklung auf dem Erkenntnisweg gesucht wird. Man macht nämlich die Erfahrung, daß die Meinungsfreiheit nicht so ist, wie das Grundgesetz sie einem verspricht, und ihre Anwendung die Karriere beenden kann. In dem Falle stößt man schmerzhaft an eine Grenze. Ferner komt man in einen Gewissenskonflikt. Muß man alles sagen, was man denkt oder weiß? Das kommt drauf an. Unter Umständen besteht eine moralische Verpflichtung, die Wahrheit zu sagen. Dann folgt der Fall.

Ich bin als junger Mann nicht weit gekommen. Erst mit 54 Jahren habe ich das Abitur nachgemacht, sogar mit einer guten Note (1,9) abgeschlossen, und dann ein Studium begonnen. Nach der bestandenen Zwischenprüfung im Hauptfach (Philosophie) habe ich es allerdings "hingeschmissen". Ich bin gescheitert an einem Nebenfach, dem Hocharabisch. Gut, die Prüfung hätte ich wiederholen können, zweimal sogar. Aber der Widerwille war unüberwindlich, und hinzu kamen ernsthafte finanzielle Probleme. 

Natürlich habe ich mir die Entscheidung ernsthaft durch den Kopf gehen lassen. Den Abschluß machen, nach Möglichkeit sogar promovieren, das wäre "die Krönung" auf meinem offiziellen Bildungsweg. Aber dann? Mit annähernd 60 hat man kaum noch die Möglichkeit einer Berufstätigkeit in diesem Fach. Selbst im Erfolgsfalle hätte ich anfangs kaum mehr zu erwarten als es dem Grundeinkommen entspricht, und bald darauf würde ich ohnehin die Pensionsgrenze erreicht haben. Sollte das Einkommen denoch höher ausfallen als zu erwarten, dann würde der Mehrwert durch meine Unterhaltsschulden wieder aufgefressen. 

Aber der Prestigewert? Man genießt doch als angestellter Akademiker etwas mehr Respekt auch in seiner Meinungsäußerung?

Pustekuchen! Im Nachhinein habe ich zur Kenntnis genommen, was gestandene Professoren auszustehen haben, die eine politisch nicht korrekte Meinung äußern. Vorlesungen werden durch Antifa-, gleichsam SA-Trupps gestört, teilweise unmöglich gemacht. Erst wer wirklich sehr hoch kommt, so wie Thilo Sarrazin, der kommt halbwegs ungeschoren davon und kann wirklich etwas bewegen.

Letztlich bin ich froh um meine Entscheidung. Ich kann meine ganze freie Zeit nutzen, um meine Erkenntnisziele zu verfolgen und um mich gezielt zu bilden. Auch das ist ernsthafte Arbeit. Ich komme voran, auch wenn das kaum einer sieht. Totgeschwiegen würde ich bei meinen unzeitgemäßen Ansichten sowieso - vorerst.

Mein Vorteil ist: Niemand kann mich aufhalten in dem, was ich tue. Selbst im Gefängnis hätte ich die Möglichkeit, mich weiterzubilden, zumindest die Bibel zu lesen. Ohnehin gleicht mein Leben ein wenig dem in einem Kloster. Frauen, Fleisch, Alkohol, Zigaretten, all das brauche ich nicht. Dennoch: Ich bin ja Mensch, somit unvollkommen und niemals fertig. An Aufgaben wird es mir also nicht fehlen. Wirkliche Grenzen gibt es kaum. 


Ein Nachwort noch zum späten Bildungsweg. "Hat es Ihnen Spaß gemacht?" werde ich bisweilen gefragt. Nun, auf dem Abendgmnasium hat es mir wirklich noch Spaß gemacht. Wir waren eine Gemeinschaft, wir machten Klassenfahrten. Und zumal die ersten Semester waren berauschend, weil echte Erfolgserlebnisse. Anfangs wußte ich nämlich gar nicht, ob ich es überhaupt schaffen würde! Immerhin war ich, anders als in meinem Jugendalter, motiviert. Und nun ging es plötzlich. Es war ein wunderbares, erhebendes Gefühl. Und das brauchte ich auch, denn gleichzeitig mit meinem Besuch des Abendgymnasiums war die Zeit meiner Trennung von der Ehefrau, somit zu einem gewissen Gerade auch von meinem Kind. Das waren aufwühlende Ereignisse, aber die Erfolge auf dem Abendgymnasium gaben mir die Kraft des Bestehens. Ein glücklicher biografischer "Zufall"!

Auf der Universität gab es keine derartige Gemeinschaft mehr. Am ehesten noch bestand sie während des landwirtschaftlichen Semesters, mit dem ich in Bonn begann. Leider mußte ich wechseln, denn die gerade anfangs stark naturwissenschaftliche Ausrichtung sagte mir nicht zu. Übrigens ist die sehr hohe Durchfallquote in den ersten Semestern vieler Studiengänge durchaus beabsichtigt. Im Fach Philosophie hatte ich insofern keine Probleme. Aber hier, und besonders nach meinem Wechsel nach Köln, erlebte ich fast keine Gemeinschaft mehr. Zum Teil lag das wohl auch an dem Alter der Studenten, von denen gar nicht wenige so alt waren wie ich, und zudem Gasthörer. Zuletzt, nach all den Anstrengungen im Arabisch-Lernen (Persisch kam auch noch hinzu), war ich geradezu froh, mich zum Abbruch des Studiums durchgerungen zu haben. 

Hat mir das Studium wenigstens etwas "gebracht"? Karrieremäßig nicht. Eine Berufskarriere strebe ich auch nicht mehr an. Und mehr gelernt, als ich lerne, wenn ich zuhause bin, habe ich auch nicht. Eigentlich lernt man aus Büchern und aus dem Internet sogar viel schneller. Dann sucht man sich nämlich das heraus, was man wirklich gerade braucht, und wofür man aufgeschlossen ist. 


Ein Gefühl des Unbehagens will ich noch erwähnen, das mich im Laufe des Studiums befiel. Es stellte sich ein, wenn ich an das Ende dachte. Dann wäre ich also "fertig", erwachsen, "mannbar". Eigentlich wollte ich aber gar nicht fertig werden. Das war in gewisser Weise der Tod. Die Abiturfeier war deswegen so schön für mich, weil ich wußte: Ich kann jetzt auch noch ein Studium wagen, muß es aber nicht.

Im Grunde wollte und will ich unabgeschlossen bleiben. Ist das ein Widerspruch zum Titel meines Weblogs? Vielleicht. Ich muß noch darüber nachdenken! 

01.10.2010 um 12:29 Uhr

Die Baustelle.

Die Baustelle.

Als ich studierte, und ebenso in den Jahrzehnten davor, verdiente ich mir mein Geld als Lastwagenfahrer. Von den angenehmen Eindrücken, die mir geblieben sind, gehen viele auf die Erfahrung reizvoller, mir bis dahin unbekannter Landschaften und Ortschaften zurück. Die deutlichsten Erinnerungen aber habe ich an ganz banale Szenen, wie sie sich in jeder Fabrikhalle und auf jeder Baustelle ereignen: Männer, die ihrer Arbeit nachgehen. Einer männlichen Arbeit. Ich muß es betonen, weil es nicht mehr selbstverständlich ist, Arbeit mit Männlichkeit zu verbinden. 

Eine Schlüsselerfahrung hatte ich vor gar nicht langer Zeit auf einem Platz, wo ich Stahlträger anzuliefern hatte. Wie üblich meldete ich mich in der Baracke, wo ich die Bauleitung anzutreffen hoffte. 

Wen traf ich? Eine junge Frau mit Helm und der üblichen Arbeitskleidung. Und das war auch die zuständige Person. Ich war irritiert. Eine innere Empörung ergriff mich. Ich ahnte zudem, was mich erwartete: Inkompetenz.

Und so war es auch. Als Frau konnte ich diese Person nicht nehmen; sie hatte ja eine Funktion. Rücksichtnahme  war folglich nicht angebracht. Ich fragte sie also nach der Stelle, wo ich den Stahl abzuladen hatte, und als ich merkte, daß sie es mir nicht genau sagen konnte, stellte ich mich absichtlich dumm. Ich forderte sie auf, mich zu der Abladestelle zu begleiten. Das tat sie auch, nun ihrerseits sichtlich irritiert, kam aber nicht herum, andere Männer, die wir antrafen, zu fragen. Sie bloßzustellen, das bereitete mir Genugtuung. Sollte sie ihre Entscheidung, eine Männerdomäne zu besetzen, möglichst bald bereuen!

Nach der Abladung unterhielt ich mich mit einem der Poliere über diese merkwürdige Person und ihre Inkompetenz. Er wirkte verunsichert, ja beinahe verstört. Zunächst wollte er dem Thema ausweichen, dann sagte er leise: "Da mußte aufpassen." An seine weiteren Aussagen kann ich mich nicht deutlich erinnern, aber es ging um Diskriminierung. "Deinen Chef kannste, wenn es sein muß, anschreien", sagte er. "Aber hier kriegste es mit höheren Stellen zu tun." Ich hatte das Gefühl, im Gulag zu sein, und so fühlte er es offenbar auch.

Seitdem weiß ich mehr als zuvor die Atmosphäre zu schätzen, die dort herrscht, wo Männer unter sich sind und die Arbeit machen, die nur sie machen können. Ich weiß, das klingt "frauenfeindlich", aber es ist nicht frauenfeindlich, sondern männerfreundlich. Man kann unverdorbene Frauen mögen, und trotzdem, solange man arbeitet, allein unter Männern sein wollen. Es geht eine eigentümliche Stimmung von arbeitenden Männern, gerade von Handwerkern, aus. Man spürt Verläßlichkeit, Ernsthaftigkeit, wohlwollendes Interesse am Gegenstand und am Gesprächspartner. Das alles gibt Sicherheit und Halt. 

Es ist ein Segen, wenn Jungen im Milieu der Handwerker aufwachsen können. Geben wir ihnen die Chance!

 

01.10.2010 um 11:00 Uhr

Mannbarkeit - das verlorene Reifeziel.

Mannbarkeit - das verlorene Reifeziel.

"MannBar", das klingt nach "Bar", wo man Männer trifft (was sonst; Frauen sollten sich in Bars ohnehin nicht aufhalten), aber auch an "Mannbarkeit". Beides verträgt sich: Der mannbar gewordene Junge ist reif unter Anderem auch für die Bar, das heißt, er muß etwas vertragen können.

In meinem Weblog "Sexismuskritik" kritisiere ich den Sexismus, also den Feminismus. Hier will ich vorwiegend positive Gefühle vermitteln, und zwar, indem ich gelungene Mannbarkeit und Männlichkeit darstelle. Das ist nicht mehr so einfach. Männer sind heute von tiefem Selbstzweifel erfüllt, auch wenn sie das nicht reflektieren. Sie spüren als entsorgte Väter und als Arbeitssuchende natürlich die gynokratischen Strukturen. Es scheint aber, daß sie sich damit weitgehend abgefunden haben.

Freilich sind die Feministinnen damit auch nicht glücklicher geworden. Auch sie (ver)zweifeln. Sie machen die Erfahrung: Der Parasit stirbt mit dem Wirt. Sie können ohne Männer, die sie bekämpfen, nicht leben. Männer hingegen können natürlich ohne den Feminismus leben, nicht aber ohne hinausgreifende Ziele. Darum hilft es uns nicht, wenn wir ausschließlich die Folge eines Problems bekämpfen, ohne auch die Ursache aufdecken. Die liegt im Verlust männlicher Orientierung. 

Ich habe einen Sohn, der in die Pubertät gekommen ist. Da ich als Mann diesen Zustand kenne, vermag ich mich in meinen Jungen also hineinzuverstzen. Die Mutter kann das naturgemäß nicht, und sie weiß es. Was kann ich tun, um meinen Jungen auf sein Leben als erwachsener Mann vorzubereiten? Aufklärung über den Feminismus ist das Eine. Ich möchte meinem Sohn nach Möglichkeit einige sehr unangenehme Erfahrungen ersparen, die ich durchmachen mußte. Ermutigung zum Leben ist das Andere, ist die Hauptsache. In den folgenden Beiträgen werde ich mich etwas persönlicher dazu äußern, als ich es in meinem anderen Weblog bisher getan habe. Ich will versuchen, mehr zu "erzählen".