Das war ja mal wieder ein zünftiges Fest, Mann o Mann. Los ging es eigentlich schon einen Tag eher, da konnt ich aber ni, hab mir sagen lassen, dass es ganz ok gewesen sein soll. Naja, wenn ich Metal aus der Konserve hören will, hau ich zu Hause ne Platte rein, is halt Ansichtssache.
Los ging es am Freitag mit TORTURE THE MASS , einer Slam/Grind-Formation aus der Region. Man hörte gleich eine Affinität zu Bands wie Devourment oder Waking the Cadaver heraus, nur noch etwas schleppender. Den Stil bezeichnen sie selbst als Napalm Mosh. Schade, dass ihr Studio-Termin nicht realisiert werden konnte, vielleicht wird es ja nochmal in naher Zukunft. Hier noch ein Video dieser Formation.
Danach kamen
THE ROTTED aus dem Reich der Queen, die für Incantation als Ersatz eingesprungen sind. Die Titel ihres neuen Albums "Get dead or try dying" wurden in Perfektion dargeboten, sowohl in technischer als auch jeglicher anderen Hinsicht. Nur konnte das Publikum nicht soviel damit anfangen, da die Songstrukturen zu abwechslungsreich waren. Früher, als die Band noch Gorerotted hieß, gefiel sie mir auf jeden Fall besser.
Als dritte Band des Abends war dann
VOMITORY dran, die ein Feuerwerk des gradlinigen, alles niederwalzenden Death Metal darboten. Auf jeden Fall waren die Schweden gut drauf und das Publikum zollte dies mit diversen Headbang-Einlagen. Das hauptsächlich Dargebotene kam vom neuen Album "Terrorize Brutalize Sodomize", aber auch ältere Klassiker waren zu hören. Ein echtes Highlight also.
Die vierte und abschließende Band am Freitag war
UNHOLY GRAVE aus Japan, die ordentlichen Grindcore zockten. Nur fehlte mir etwas der Wiedererkennungswert, es war im Prinzip normaler Grindcore, der schnell in das eine Ohr reingeht, genauso schnell aber wieder aus dem anderen Ohr verschwindet. Auch die Nettospielzeit von ca. 45 Minuten war für einen Headliner etwas dürftig. Vielen hat es aber gefallen, deshalb kann man doch zufrieden sein.
Ich kam noch mit Fisch von Braindead ins Gespräch, der mir prompt eine CD versprach. Leider war sie aber an diesem Abend nicht mehr verfügbar, naja, ein anderes Mal eben.
Am Samstag starteten
DYING HUMANITY aus Annaberg in den Abend. Sehr rhytmischer und technisch aufwendiger Death Metal ist ihr Ding. Auch Melodien können diese Jungs gekonnt mit einbauen. Sehr lustig war noch der Soundcheck der Band, als der Sänger sich ca. 5 Minuten allein die Seele aus dem Leib kotzen durfte. Auf jeden Fall sind die Songs des Albums "Fallen Paradise" eingängig und bleiben somit im Gehörgang sitzen.
Die zweite Band war
HELLISH CROSSFIRE , die soliden Trash Metal mit old school Death darboten. War schon gut gemacht, aber für mich war es leider nix. Trotzdem waren die Songs (Album: Slaves of the burning Pentagram") gut, es gab zahlreiche Gitarren-Solis, die jedem Fan von Sodom gefallen haben dürften. Eine Band, die mal ein bisschen Abwechslung in die Morbiden Festspiele reinbrachte. Vor zwei Jahren hatte diese Rolle ja die Black Metal-Kapelle Moribund Oblivion eingenommen.
Oldschool Death Metal mit Grind-Elementen spielte danach
INCARNATED aus Polen, jedoch war die Stimme des Sängers voll besch...en. Klang so wie gewollt und nicht gekonnt. Für mich sollte Grind mit einer vernünftigen Stimme dargeboten werden, das macht über 50 % des Gesamteindrucks aus. Der Rest war zwar gut, jedoch nicht überdurchschnittlich, so dass man sagen könnte, das war geil. Wer allerdings Grind kauft und diese Qualität in Ordnung findet, dem sei wärmstens das Album "Some old Stories" empfohlen.
Die vierte Band war dann
MALIGNANT TUMOUR aus Tschechien, die schon wie letztes Jahr beim NTEY-Festival stimmungsvollen Rock´n Roll mit Death Metal-Elementen darboten. Für die Fans war dies wahrscheinlich das Highlight des Abends, anders kann ich mir den Moshpit vor der Bühne nicht erklären.
Vor und nach der Band wurde dieses Niveau kaum mehr getoppt. Für Fans dieser Band und für alle anderen Interessierten empfehle ich das neue Album "In full swing".
Als fünfte Band spielten dann
DEAD INFECTION aus Polen auf. Ihr Grindcore war schon in Ordnung, aber nicht zu eingängig. Trotzdem kann man als Grindcore-Liebhaber bedenkenlos beim Album "Corpses of the Universe" zugreifen. Viel hab ich aber von der Band eh nicht mitbekommen, da ich mich mehr auf mein Bier konzentrierte.
Aus Schweden kommen
DEMONICAL , die soliden Death Metal spielen können. Trotzdem müssen sie sich den Vergleich zu ihren Landsmännern Vomitory vom Vortag gefallen lassen, was nichts Gutes verheißt, denn Vomitory waren einfach besser. Diese Band (Album: "Servants of the Unlight") hatte für mich wenig Eigenständiges, somit kann ich nur das neutrale Urteil fällen, es war nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut, Punkt.
Die vorletzte Band des Abends war dann
ROMPEPROP aus Holland, die sehr krassen Gore-Grind spielten. Ein besonderes Hightlight war der Sänger, der mittels Stimmverstärker die krassesten Effekte in seine Stimme legen konnte. Schon wenn er normal sprach, klang er wie der Leibhaftige persönlich, Wahnsinn! Die Songs waren sehr krank, was ja in das Konzept dieses Festivals passt. Auf jeden Fall ist diese Band ein Ereignis und all ihre Alben sind zu empfehlen, Topp.
Den Abschluss der Morbiden Festspiele gestalteten dann noch
BEGGING FOR INCEST aus Köln, die eigentlich schon als zweite Band am Samstag spielen sollte. Aufgrund arbeitstechnischer Gründe konnten sie aber erst so spät anreisen. Musikalisch wurde feinster Slam/Grind geboten, der sich auch an Größen wie Waking the Cadaver orientiert. Erwähnenswert ist noch der sehr gute Schlagzeuger, mit dem ich danach noch einen netten Plausch von Drummer zu Drummer hatte, allgemein war die ganze Band sehr offen und freundlich. Ich hab mir dann gleich noch ihre CD "Awaiting the Fist" gekauft, die wirklich extrem geil ist. Für mich waren neben TORTURE THE MASS, VOMITORY und ROMPEPROP eben besagte Band BEGGING FOR INCEST ein Highlight.
Ansonsten war die Location und die Versorgung mit Getränken und Essen wieder erste Sahne. Die einzige Absage der Festspiele von INGROWING aufgrund eines Besetzungswechsels störte nicht weiter. Viele neue Bands gesehen und neue Leute kennen gelernt, was will man mehr. Ich freu mich schon auf nächstes Jahr, mal sehen, welche Bands der Veranstalter dann aus dem Hütchen zaubern wird ...