Happy Birthday. Naja, etwas zu spät, aber besser spät als nie, woll?1?
Heute hat der Ex Geburtstag. Er hasst diesen Tag so sehr. In den letzten knapp vier Monaten hat er jeden Tag darüber nachgedacht, wie er endlich irgend etwas in seinem Leben gut finden könnte. Aber das ist nicht gelungen. Er vermisst die schönen Augenblicke mit mir, er würde sich so sehr wünschen, dass alles wieder gut würde. Das sagte er heute Morgen am Telefon, als ich anrief, um zu gratulieren.
Wir haben uns zuletzt am Sonntag gesehen, waren spazieren. Er war liebevoll, nett und zuvorkommend, wie immer, seit er von meinen Problemen weiß. Er sagte, dass er vorhabe nach der Arbeit an seinem Geburtstag bei seinen Eltern zu essen - die bestünden darauf. Ich habe vorgeschlagen, dass wir uns danach noch sehen. Aber er hat mir mal wieder abgesagt. Per sms, wie immer. Wenn auch auf schonende Art und Weise. Er hat vorgeschlagen, dass wir uns am Donnerstagabend treffen.
Daraufhin habe ich ihn heute morgen angerufen, habe gratuliert und klar gestellt, dass er mich wirklich nicht aus Sorge oder Mitleid treffen muss. Ich habe genug Freunde, das ist das Letzte, was ich brauche. Er hat sich mal wieder unklar ausgedrückt. Er will mich sehen, weil er mich mag. Er hofft, dass alles wieder gut wird. Er sucht nicht nach einer anderen. Er hat in der letzten zeit so oft gedacht, dass er mich einfach schnappen solle, und dass dann für uns gemeinsam alles gut würde. Aber ich solle erstmal mit meiner Krankheit klar kommen. Ich solle wieder gesund und glücklich werden, dann würde man schon sehen. Und an seinem Geburtstag sei er eh so schlecht drauf, dass er lieber nach dem Familienessen mit ein paar Bekannten Fußball gucke und Bier trinke. Denn wenn er mich sehen würde, sei er danach immer so nachdenklich, das sei anstrengend....
Aber er möchte mich noch sehen, bevor ich in die Klinik gehe (ich habe einen vorläufigen Aufnahmetermin am 27.10., er ist ab Samstag bis dann im Skiurlaub). Das ist echt Mist! Ich denke schon wieder viel zu viel über ihn nach. Vier Monate! Er weiß, dass er nur mit den Fingern schnipsen müsste. Mir ist klar, dass er nicht die Ursache meines Problems ist. Er hat nur den Stein ins Rollen gebracht. Klar, er hat Schuldgefühle, vielleicht ist er nur deshalb freundlich zu mir. Aber das will ich wirklich nicht. Es ist nicht seine Schuld. Die Beziehungssache ist nur ein winziger Baustein meiner Probleme. Aber er muss doch wissen, was er will, oder? So langsam könnte sich bei ihm doch zumindest eine Tendenz entwickeln. Aber er lässt mich weiterhin im Dunkeln tappen. Er weiß wohl wirklich gar nicht, was er will... Ich sollte ihn streichen, die Zeit für mich nutzen. Gerade, wenn das mit der Klinik jetzt klappt. Aber irgendwie hoffe ich noch immer. Ich habe in der letzten Nacht sogar wieder von ihm geträumt. Ich schreibe wirr, aber ich denke auch wirr. Irgendwie habe ich gar keine klare Linie mehr.
Ich habe in den letzten Tagen so oft gedacht, dass ich am liebsten nicht mehr wäre. Aber mein süßer Hund ist acht und er klebt förmlich an mir. Ganz zu schweigen von meiner Mama, die mehrmals täglich anruft und hysterisch erzählt, wie leid ich ihr täte. Ich werde mir nichts antun. Ich werde die Chance in der Klinik nutzen. Viel schlimmer kann es ja eh nicht werden. Verdammt! Alles was ich schreibe klingt bestimmt sehr schwachsinnig. Ich habe auch wirklich Angst, dass meine Freunde sich von mir abwenden, weil ich so gestört bin. Gleichzeitig ist mir das auch irgendwie egal, oder ich finde es sogar gut, weil ich dadurch weniger Menschen emotional verpflichtet bin.
Die einzigen Momente, die noch halbwegs erträglich sind, sind die betrunkenen. Ich schlafe bis zum Nachmittag, dann gehe ich mit dem Hund in den Garten, und dann trinke ich, um frei zu sein. Das Aufstehen ist das Schwierigste. Ohne den Hund würde ich wahrscheinlich einfach durchgehend im Bett bleiben. Ich spreche nur noch mit den engsten Freunden und meinen Eltern. Und das auch nur aus Pflichtgefühl. Damit sie sich keine Sorgen machen. Ich wünsche mir, dass alles einfach zu Ende ist. Aber ich will auch durchhalten. In zwei Wochen kann ich in diese Klinik gehen, in der ich nicht trinken, nicht rauchen, nicht lesen, nicht telefonieren,..., gar nichts darf. Mich mit mir beschäftigen muss. Das ist mein Strohhalm, meine Hoffnung. Und es wird zunächst die Hölle werden. Aber vielleicht bringt es mich dann weiter...
Ich bin verängstigt, verwirrt, panisch und so müde.