In meinem eigenen kleinen Drama ist es natürlich ganz, ganz furchtbar, dass du
dich so gar nicht meldest. Dass du nicht angerufen hast, obwohl wir gestern
telefonieren wollten. Dass du dich auf meine –wie ich finde– mit Liebe geschriebene Knallpuffpeng-SMS nicht
meldest. Dass du dich von mir distanzierst, obwohl du weißt, dass es schmerzt. Die
Folge ist Grummeln im Bauch und ein Zurückziehen meinerseits und eine noch
größer werdende Kluft zwischen uns. Näher bringt uns das jedenfalls nicht. Und
in meinem eigenen kleinen Drama werde ich wütend darüber, so missachtet zu
werden und ich beginne mich zu fragen, was ich an dir, der offenbar ein
emotionales Wrack zu sein scheint, finde. Was es ist, was mich zu dir treibt
und was es ist, was mich trotzdem die Liebe spüren lässt.
Mit diesen verzweifelten Fragen bombardiere ich meine Schnatti und lasse ihr kaum
Raum, weil ich sie gerade so brauche. Ich dröhne uns mit Kuschelrock 1 – 4 voll,
wälze mich in „Oh, er liiiieehiiiiebt mich niiiihiiiiicht!“ und erinnere mich an
Teenie-Liebeskummerzeiten. So war das, also. Ist länger her.
Nachdem ich das ausgiebig getan habe und mich so langsam frage, ob du bereits aus
den Ohren blutest, besinne ich mich wieder. Ja, mal so eine problematische
Phase ist ja ganz nett und ein bisschen Wirbel mag ich auch, weil das Versöhnen
und Näherkommen doch so schön ist. Aber wenn das ein Dauerzustand ist, dann
macht das echt keinen Spaß mehr. Ich möchte doch nur irgendwo hin mit meiner
vielen Liebe und ich möchte doch auch nur ein bisschen Zuneigung zurück! Den
Anspruch habe ich und die Erwartung habe ich, weil ich es mir selbst wert bin.
Und mitten im White Snakes „Is this love“ kommt mir ein Bild. Dieses Bild
scheint unbefangen und gedankenfrei durch meine Synapsen gerutscht zu sein. Dieses
Bild zeigt dich, wie du dich gerade fühlst. Ich fühle dein Unbehagen. Ich
fühle, dass du mich als Lichtwesen siehst und Angst hast mir weh zu tun. Ich
fühle deine Lähmung und Verwirrungen, die dich dazu veranlassen lieber nicht anzurufen,
um mich irgendwie zu schützen. Da ist wieder diese Starre, die dich unfähig
werden lässt, irgendwas zu tun. Dieses Bild hat mich förmlich rauskatapultiert
aus meinem eigenen kleinen Drama. Es hat mich weit gemacht für einen Moment. Es
hat mich dich gezeigt, wie du bist. Es war nichts Schöngeredetes oder
Tröstendes, obwohl mir das kurze Zeit später, mein sich einmischender, zweifelnder
Verstand weismachen wollte. Es war einfach anders, als die projizierten Bilder.
Es war eine zarte Art Wissen, die in mein Herz drang. Und die Liebe war wieder
da. Und der Raum zwischen uns war wieder da. Ich kann dich so lassen, weil ich
einen Moment du war.
Und dann las ich eine Stunde lang einen Blog von einer jungen Frau, die seit
langer, langer Zeit schon vor Liebeskummer zerbricht. Depressionen, körperliche
Leiden, eine täglich graue Umschleierung ihres Seins, ewig blutende Tränen. Mir
zog sich mein Herz zusammen und ich weinte meine Tränen mit ihr zusammen. Das
ist tragisch. Und ich war sogleich dankbar, dass sich mein Liebeskummer nur auf
das bezieht, was gerade ist und nicht in alle Ecken meiner Seele kriecht und
tötet. Und ich dankte, dass ich einen so heilsamen Schlaf habe, der mich immer wieder
zu mir führt. Und ich wünschte mir für sie, loslassen zu können und wiederzufinden, was
sie aufgegeben hat.
Und mein eigenes kleines Drama schrumpft für einen Augenblick zu einer rosa Erbse.