@Home
Wieder zu Haus. Meinen liberianischen Arztausweis habe ich mitgenommen. Seit diesem Jahr sind die dortigen Behörden etwas pingeliger, haben alle Mercyships-Ärzte registriert und mit einem vorläufigen Arztausweis ausgestattet, mit pompösem Stempel und Signatur, wie es sich gehört. Dr. Toni, Plastiker, mit dem ich im vergangenen Jahr so gern gearbeitet habe, ist am vergangenen Wochenende auch wieder an Bord eingetroffen. Er leidet allerdings unter der Situation auf dem neuen Schiff, ohne Fenster in Kajüte und OP. Möglicherweise wird er versuchen, in Zukunft eher an Landeinsätzen für Mercyships teilzunehmen, die es hier und da einmal gibt.
Am Sonntag habe ich mich nicht mehr getraut, morgens von Bord zu gehen, um in der Stadt einen Gottesdienst zu besuchen. Das Risiko, zur Abfahrt des Landrovers nicht pünktlich zurück zu sein, war mir zu hoch. Stattdessen habe ich den Gottesdienst für die Patienten auf der Station besucht. Auch hier gab es afrikanische Stimmung und Rhythmen. Die Ansprache hat ein Crewmitglied gehalten, ein Lehrer von den Färöer-Inseln, auf Englisch. Damit die Einheimischen ihn verstehen, wurde in „Liberian English“ übersetzt. Das ist ein Pidgeon-Englisch, also ein afrikanisch verballhorntes Englisch, das vor allem sehr verfremdet und vernuschelt ausgesprochen wird. Wenn ich weiß, worum es geht, kann ich einen Großteil verstehen. Interessant war nun die Tätigkeit der einheimischen Übersetzerin, sie redete nämlich im Schnitt doppelt so lang wie der trockene Skandinavier, schmückte aus und unterlegte ihre Rede mit viel Gestik. Gelegentlich überholte sie ihn und nahm mit ihren Ausschmückungen vorweg, was er erst im nächsten Abschnitt sagen wollte. Oder sie erzählte in eine falsche Richtung und er musste sie korrigieren. Ein sehr amüsanter Gottesdienst, allemal.
Fazit von Monrovia/Liberia 2007: Natürlich war vieles für mich nicht mehr so aufregend wie beim ersten Mal. Sicherlich hört man aus dem Weblog auch heraus, dass ich nicht so enthusiastisch bin wie 2006. Es gab ja auch in diesen zwei Wochen keine dramatischen Krankheitsverläufe wie im vergangenen Jahr, sondern es war „nur“ Africa Mercy-Routinebetrieb. Es hat sich aber gelohnt, wieder die Tour nach Afrika zu machen. Die Dankbarkeit einiger Patienten hat mich stark beeindruckt. Der Einzelne zählt, nicht die Tatsache, dass ein paar hundert Operationen im Jahr keine afrikanische Verhältnisse umkrempeln. Ich denke, dass Mercyships dort eine wichtige und gute Arbeit macht, die man unterstützen sollte. Und nebenher macht diese Arbeit viel Freude und hat einen Hauch von Abenteuer auf dem fernen Kontinent. Sollte mich nicht wundern, wenn ich in den nächsten Jahren noch einmal aus Westafrika zu berichten hätte...
