Mops- Rock n Roll Boulevard

10.03.2005 um 20:56 Uhr

Snake-Eater

von: Mops

Snake-Eater
Vor 11-12 Jahren trieb ich mich im Anschluss an eine Tournee in Mittel und Südamerika rum. Ich befand mich damals (wie so oft) in einer echten Sinnkrise. Wir wurden rumgereicht und natürlich echt verheizt. Ich wollte ausbrechen und was bot sich besser an als Südamerika, wenn man schon mal dort war. Ich will nun gar nicht alle aufzählen was ich dort getrieben haben :-) Aber eines Abend saß ich mit einigen Kumpels in einer Bar, trank und feierte. Plötzlich gab es einigen Tumult, weil eine der Barfrauen eine wohl sehr giftige und gefährliche Schlange zwischen den Getränkekisten entdeckt hatte. Sofort gab es ein großes Durcheinander und einige Aufregung. Ich hatte damals einen Heiden Angst vor allem was dort so im Jungel kreuchte und fleuchte. Und sah zu, dass ich außer Reichweite des giftigen Reptils kam.

Ein etwas 12 Jahre alte Junge erschien nach einer Weile in der Bar und fing die Schlange sehr geschickt ein und verstaute dieses sich windende Viech in einem schmutzigen Beutel. Er Band den Beutel zu und verlies die Bar wieder mit seiner Beute. Dabei war seine Haltung, stolz und unbeeindruckt. Ich erhaschte einen Blick aus seinen dunklen Augen und hatte das Gefühl ein jämmerlicher Wicht zu sein. Es waren die Augen eines Menschen, der mit dem Tod umzugehen gelernt hatte....

Ich war damals sehr beeindruckt von der Routine und der Kaltblütigkeit des jungen „Mannes“.

Ich fragte einen der Männer in der Bar wohin der Junge mit der Schlange gehen würde?! Man erklärte mir, dass es in der Nähe eine Farm gab, wo man für die  Schlangen bezahlte. Und, dass viele der Kinder professionelle Schlangenfänger waren, die mit dieser gefährlichen
Arbeit ihre Familien unterstützten.
Am nächsten Morgen ließ ich mir den Weg zu dieser „Schlangenfarm“ zeigen und fuhr mit einem alten Pickup-Track dorthin. Der Betreiber der Farm war ein lederhäutiger Niederländer, der dort für die Pharmaindustrie und natürlich für einige Schlangenliebhaber die gefährlichsten Giftschlangen der Welt hielt. Also auch Tiere aus Indien, Afrika, und anderen Regionen. Er verkaufte das Gift und die Jungtiere und leistete sich damit einen recht guten Lebensstil. Dazu muss man wissen, dass Schlangengift zum Teil in Gold aufgewogen wird und wurde.
Der Holländer mochte mich und war über etwas Abwechslung sehr dankbar und so quartierte ich mich bei ihm auf der Farm ein.
Eigentlich sollten es nur einige Tage sein aber schlussendlich blieb ich einen ganzen Monat auf der Farm, bis mich endlich (leider) ein Mitarbeiter der Plattenfirma im Regenwald aufspürte und wieder zurück nach Deutschland schleppte (hi hi).

Bei dem „Holländer“ lernte ich einiges über Schlangen und Giftschlangen im speziellen. Irgendwann musste ich unter seiner Aufsicht eine Königskobra (Ophiophagus hannah) aus ihren Käfig holen und das Gift melken. Wer nun denkt, das wäre einfach der sollte folgendes wissen: Die Königskobra ist die größte Giftschlange der Welt. Sie kann um die 5,5 Meter lang werden. Trotz ihres schlagkräftigen Giftes vermeidet die Königskobra im Allgemeinen einen Biss. Trifft man jedoch auf eine Mutter, die das Nest ihrer Jungen beschützen will, ist ein Angriff höchstwahrscheinlich. Dann kann man sich nur noch durch sofortiges Zurückweichen vor einem Biss retten, der ohne medizinische Sofortmaßnahmen innerhalb von nur 30 Minuten zum Tod führen kann. Die Giftdosis, die pro Biss verabreicht wird, ist so hoch, dass ein Biss einer Königskobra ausreicht um einen Elefanten oder etwa 20 Menschen zu töten.

Natürlich war die Cobra relativ friedlich, aber ich schwitzte damals trotzdem Blut und Wasser. Und mein Körper produzierte Adrenalin ohne Ende. Mit der Zeit wurde ich etwas sicherer und zum Abschied ließ ich es mir nicht nehmen, mit einem der jungen Schlangenfänger auf Schlangenjagd zu gehen. Ich wollte dem Holländer zum Abschied ein ganz besonderes Geschenk da lassen. Eine „Fer-de-Lance Die gefährlichste Schlange in Mittel- und Südamerika, die größte Lanzenotter (Bothrops asper). Sie kommt dort im feuchten Regenwald, aber auch in den trockenen Gebieten der Plantagen vor. Die meisten tödlichen Schlangenbisse dieser Region sind auf diese Schlange zurück zu führen. Sie gilt als hochaggressiv und beißt sofort zu, wenn sie sich bedroht fühlt. Die Fer-de-Lance verspritzt durchschnittlich 105 mg Gift pro Biss. Es reichen jedoch schon 50 mg ihres Giftes aus um für einen Menschen tödlich zu sein.

Ihr könnt Euch vorstellen, dass hätte mich eines der Biester damals gebissen, es heute kein Mops geben würde.  Aber dank meines jungen Begleiters, der mich damals „tatkräftig“ unterstützte gelang es uns sogar 5 Stück von den Lanzenottern einzufangen und dem Holländer zu bringen. Ein Abenteuer war es aber allemal. Der Holländer nannte mich dann zum Abschied „Snake Eater“ so wurden nämlich die Schlangenfänger in der Gegend bezeichnet. Dieser Name aus seinem Mund bedeutete mir mehr als jeder Erfolg als Musiker. Und so ist es auch noch heute. Privat habe ich nur ungiftige Schlangen gehalten. Weil mir eines nach den Erlebnissen in Südamerika und später auch in anderen Ländern klar war: Es ist keine Frage ob Du gebissen wirst sondern nur: Wann Du gebissen wirst. Besonders wenn die Schlange in ihrem Käfig keine Möglichkeit zur Flucht hat....Und ich kann nur allen „Interessierten“ raten, die Finger von Giftschlangen zu lassen....

Hier ein Bild der Lanzenotter