Mops- Rock n Roll Boulevard

09.05.2005 um 16:14 Uhr

Ein Mädel steht im Regen und Mops auch ODER Lisa auf dem AB

von: Mops

Eigentlich wollte ich das Thema „Lisa“ hier nicht mehr so behandeln, weil es mir einfach zu sehr nach „jammern und wehklagen“, ausschaut. Da Ihr aber auch an den schönen Dingen dieser Geschichte Teil hattet, denke ich, dass es nur fair ist Euch zu erzählen wenn es etwas neues gibt.
Die ganze Geschichte habe ich aus Zeit und Platz Gründen etwas gekürzt.

So hier geht es los

Vor einigen Tagen, fuhr ich nach Hamburg um an einer Besprechung in einem Hotel teilzunehmen. Die Ganze Sache ging sehr lange und ich saß danach noch eine Weile in der Hotellobby um meine Gedanken zu sortieren. Ich mag es nicht abgelenkt durch  die Nacht zu fahren. Jedenfalls mochte ich es nicht mich mit Business-Müll zu belasten. Seit dem ich meinen neuen Wagen habe fahre ich ja selbst und lasse mich nicht von unserem Fahrer kutschieren. Für mich ein ganz neues Gefühl, besonders auf längeren Touren oder eben spät abends. Früher, wenn der Fahrer gefahren ist habe ich oft mit geschlossenen Augen Musik gehört und bin dabei nicht selten eingeduselt. Das kann ich mir nun beim selber Fahren schlecht erlauben.
Ich trank noch einen Kaffee und startete, dann meinen Heimweg. Wie zufällig drehte ich noch eine Runde um die Reeperbahn. Ich liebe das Lichtermeer und das kunterbunte nächtliche treiben. Ich überlegte kurz ob ich noch einige alte Bekannte besuchen sollte, entschied mich dann jedoch dafür auf die Autobahn Richtung Bremen zu fahren. Eine Weile hörte ich dem langweiligen Radio-Fuzzi zu, dann drückte ich die CD-Taste und gab bei „Its my Live“ von Bon Jovi, noch mal richtig Gas. Bei „Bed of roses“ wurde mir dann doch ziemlich schwer ums Herz und meine Gedanken kreisten in einer Intensität um Lisa, dass ich wütend über mich selbst eine Tankstelle ansteuerte, eine kurze Pause einlegte und mir erst mal einen Red Bull genehmigte. Mit Rammstein ging es dann weiter. Dennoch ließ mich der Gedanke an Lisa nicht mehr richtig los. Ich wählte die Nr. Meines Anrufbeantworters und hörte meine Nachrichten ab. „Sie haben 8 neue Nachrichten“ teilte mir die emotionslose Stimme der Maschine mit. Zunächst waren es die „üblichen Verdächtigen“: Manni mit einer Einladung zu einem Abend im Travesti-Club, Didi der mich bat ihm beim abholen eines Schrankes zu helfen, meine Sekretärin mit „Bla bla“, Rita, die mich auf das Essen im Backofen hinwies und mir einen schönen Abend wünschte. Dann kam die erste Überraschung: Maciela fragte mich ob ich am „Tag der Väter“ nicht morgens zum Frühstücken kommen wollte. Obwohl ich ja in der Firma mit ihr zusammenarbeitete erfuhr ich erst jetzt, dass sie sich während meiner „Inselreise“ ein Haus in Fischerhude gemietet hatte. Ich war völlig „perplex“. Maciela hatte sich ein Haus gemietet?! Für sich und ihren Hundi (die Geschichte mit ihrem Hund habe ich immer noch nicht erzählt). Sie hatte doch gar keinen richtigen „Hausstand“ schoss es mir fragend durch den Kopf.!?!?!?

Und dann höre ich plötzlich ihre (Lisas) Stimme. Ich kann das kaum erklären aber es war wie ein Stich in die Magengrube. Sie kling sanft und süß - so wie ich sie immer geliebt habe. Sie spricht ganz ruhig - kein Stück aufgeregt-. „Mops, bitte, wir sollten mal reden. Ich weiß, dass ist für Dich alles nicht so leicht zu verstehen....Ich verstehe es ja selbst kaum... Ich weiß nur, dass es mich belastet und wir dringend reden müssen.“ Sie macht eine kurze Pause. „Du hast eine neue Handy-Nr und dann bist Du ja eine Weile abgetaucht....“ Wieder eine Pause..“ Na ja, meine Nr. ist noch die Alte also melde Dich bitte mal...Ich denke nach allem was war, haben wir beide ein Recht auf dieses Gespräch.“ Ich höre sie noch eine Weile stumm atmen. Ganz offensichtlich überlegt sie ob sie noch etwas hinzufügen sollte... Doch sie sagt nur:“ Ruf mich an!“ Dann ist das Gespräch beendet und die Stimme meines Chefs, reißt mich aus meiner Verblüffung. Ich drücke ihn weg und höre die restlichen Nachrichten im Schnelldurchlauf ab.....

Herrje wie konnte mich ein einzelner Anruf von ihr so in Aufruhr versetzen? Ich sollte gar nicht darüber nachdenken. Schließlich hatte ich mich gerade erst mit einigem Aufwand wieder „auf Kurs“ gebracht. Was sollte es auch noch zu bereden geben? Es war aus- und gut! Tief in mir drin spürte ich allerdings, dass ich mir etwas vormachte.
Den Rest der Fahrt, setze ich in Gedanken versunken fort.

Ich drehte und wendete es aber ich kann mir keinen Reim auf Lisas Anruf machen. Was soll das jetzt noch? Die Sache ist doch klar?!

Kurz vor dem Bremer Kreuz fängt es an Sinnflutartig zu regnen. Ich fahre in Ottersberg von der Autobahn und schleiche bei schlechter Sicht über düstere Landstraßen. In einem kleinen Dorf fahre ich an einer völlig durchnässten jungen Frau vorbei, die mit Jeans und einer leichten Lederjacke beleidet, eine Reisetasche schleppend, durch den regen geht. Ich fahre weiter und sehe im Rückspiegel, die nassen blonden Haare klatschnass am Kopf kleben. Nun komme ich mir schäbig vor. Genervt von meinem „Helfersyndrom“ trete ich auf die Bremse lege den Rückwärtsgang ein und fahre ein Stück zurück. Ich stoppe den Wagen neben der jungen Dame. Nun ist es schon spät, die Straßen sind dunkel, nass und menschenleer- Ich erkenne Unsicherheit an ihrer Haltung. Sie tritt von dem Wagen weg und beugt sich etwas seitlich herab um einen Blick ins Wageninnere zu werfen. Ich  schalte die Innenbeleuchtung ein und fahre das Beifahrerfenster ein Stück herunter. Um nichts in der Welt währe ich ausgestiegen :-)

Sie ist von sehr zarter, zerbrechlicher Statue, blass mit makelloser weißer Haut und sehr hellen blonden Haaren. Sie hat hübsche blaue Augen und gerötete Wangen. Die junge Dame kann man getrost als niedlich bezeichnen. Das Wasser läuft ihr in Strömen in den Nacken und übers Gesicht. Ich setze mein freundlichstes Lächeln auf und sage: „ Sie  sind ganz  schön nass!“

Sie rollt die Augen: „Es regnet!“

Ich nicke: „Stimmt. Wo wollen Sie hin?“

Sie ist vorsichtig und fragt: „Wo fahren Sie denn hin“

Ich nenne Ihr mein Fahrtziel und sehe wie sie kurz überlegt. Sie scheint unsicher, ob sie zu einem fremden Kerl ins Auto steigen soll. „Ich muss einen Ort weiter. Aber ich werde Ihnen die Sitze versauen. Ich bin durch bis auf die Knochen.“

Ich zeige ihr meine Zähne. „Die Sitze müssen das abkönnen! Steigen Sie ein ich bringe sie eben hin.“ Sie will sich noch zieren, sieht dann aber ein, dass sie sich den Tod holen würde, wenn sie weiter so durch die Nacht marschierte.

Unsicher haut sie sich auf den Beifahrersitz und hält dabei ihre Tasche mit beiden Armen vorm Bauch umschlungen.

Ich setze schweigend die fahrt fort und registriere wie sich eine kleine Pfütze auf dem Boden zu ihren Füßen bildet. Sie mustert mich abschätzend von der Seite. „Schicker Wagen!“ Ich zucke die Schultern was soll ich dazu sagen? “Sie sind bestimmt Junggeselle!“, stellt sie scharfsinnig fest. „Wie kommen Sie darauf?“ Frage ich überrascht. „Familienväter fahren Van oder irgendwas solides. Passat oder so etwas in der Art.“ Sie sieht sich abschätzend um. „Das ist ne Aufreißerkarre!“ Ich ziehe schweigend die Augenbrauen hoch und sehe sie kurz irritiert an. Offensichtlich versucht sie Tough und abgebrüht zu wirken. Trotzdem trifft mich das was sie sagt. „Hey das ist kein Golf GTI, oder eine hochgetunte Teen-Kiste“ gebe ich beleidigt zurück. „Dieser Wagen hat Stil...Klasse...So ist das.“

Sie lächelt wissend.“ Klar, das ist schon einige Nummern besser. Trotzdem brauche ich sie nur anzuschauen, dann weiß ich, dass  Sie einer von diesen Kerlen sind wo zuhause garantiert, kein Kinderwagen im Hausflur steht.“ Sie hebt abwehrend die Arme. „Aber ich will sie nicht beleidigen.  Ist ja echt nett, dass Sie angehalten haben. Andere sind einfach vorbeigerauscht.“

Sie holt ein zerknittertes Päckchen Zigaretten hervor. „Darf man hier rauchen?“ Ich überlege kurz, bisher hatte in dem Wagen noch niemand geraucht. „Tun Sie sich keinen Zwang an“.

Sie lächelt entschuldigend. Und zündet sich eine an. „Ich wollte Sie echt nicht hochziehen,“ beginnt sie zwischen zwei Zügen zu sprechen. „Aber machen wir uns mal nichts vor, mit der Kiste gabeln sie junge Frauen auf, die Sie sonst nicht mehr beachten würden. Die Frauen spekulieren dabei auf ihre Kohle und sie auf einen heißen Hintern.“ Sie grinst böse. „So läuft das doch oder? Ein Beschiss auf Gegenseitigkeit. Oder hätten Sie etwas angehalten wenn ich ein Mann währe?“

Irgendwie bereue ich gerade, sie nicht im Regen stehen gelassen zu haben. „Glauben sie mir, sie liegen falsch!“

„Na ja, ist ja auch ihr Ding!“ lenkt sie ein. „Vielleicht bin ich auch nur zu angefressen.“ Sie wirft mir einen vielsagenden Blick zu. “Habe gerade, einen „Mörder Zoff“ mit meinem Freund“ Sie pustet den Rauch gegen die Windschutzscheibe. “Exfreund.. der sieht mich garantiert nicht wieder.“

„Marschieren Sie deshalb mitten in der Nacht durch den Regen?“

Sie  nickt vielsagend.

„Ich will bei meiner Schwester pennen. Erst mal, bis ich eine neue Bleibe gefunden habe.“

Ich nicke unbeeindruckt. „Beziehungsstress, verstehe!“

Sie zieht an der Kippe und mustert mich böse. „Einen Dreck verstehen Sie“, antwortet sie spröde. Na gut denke ich. Dann habe ich mal wieder überhaupt keine Ahnung. Was weiß ich schon über Beziehungen? Und was interessiert mich diese Ziege, die mir die Sitze einsaut? Ich verkneife mir eine Antwort und konzentriere mich auf die Straße. Eine Weile schweigen wir.

„Sie sind doch ein Mann?“ Nimmt sie das Gespräch wieder auf. „Vielleicht können sie mir erklären warum Ihr Kerle immer so verdammte Arschlöcher sein müsst, so bald man sich in Euch verliebt hat?“ Sie wartet gar nicht auf eine Antwort sondern fährt fort ihren Frust abzuladen. Ich verlege mich derweil aufs „ fahren und schweigen“.

„Ich meine, reicht denn eine Frau nicht? Müsst Ihr immer gleich der nächsten Tussi hinterher steigen? Zählen denn nur noch Arsch, Titten und der nächste Stich? Was ist denn mit Liebe? Könnt Ihr so etwas überhaupt empfinden?“

Ich schaue sie kurz freundlich und verständnisvoll an. „Hören Sie, Sie sind frustriert und enttäuscht. Der Kerl hat Sie verletzt und nun sind Sie auf alle Männer sauer. Das ist es! Sie sind nass unterkühlt und schlecht drauf. Und nun laden Sie ihren Frust beim erst besten Typen ab, der nicht rechtzeitig flüchten kann. Das kann ich verstehen... ist ja auch einfach. Wir sehen uns nach dieser Fahrt nie wieder und sie müssen kein schlechtes Gewissen haben oder sich entschuldigen. Aber würden Sie bitte zur Kenntnis nehmen, dass mich ihr Frust nicht wirklich interessiert. Als Blitzableiter eigne ich mich nicht so gut. .... Glauben Sie mir es wird nicht alles so heiß gegessen wie es gekocht wird. Und morgen sieht die ganze Sache bestimmt schon wieder etwas „freundlicher“ aus. Also warum entspannen Sie sich nicht etwas? Wir sind sowieso in wenigen Minuten, da.  Und dann schlafen Sie sich aus und überdenken alles mal in aller Ruhe.“

Sie ist einen Augenblick irritiert, scheint über das Gesagte nachzudenken. Dann schürzt sie trotzig die Lippen. „Ist schon klar! Was langweile ich sie auch mit meinem verfranstem Leben?“ Das war eigentlich zu viel und mir lag eine böse Entgegnung auf der Zunge als sie mich bat, links in eine Straße einzubiegen. „Dort vorne ist es,“ erklärte sie. „Und schon sind sie mich los und können sich wieder angenehmeren Dinge widmen.“ Ich hielt an der angegeben Stelle. Das Haus ihrer Schwester lag im Dunkeln und ich nahm an, dass die Bewohner schon schliefen. Sie kramte ihr Zeug zusammen und rang sich ein Lächeln ab. „Danke fürs bringen!“ Ich nickte nur schweigend und sah ihr hinterher wie sie zum Haus ging. Da ich ein gut erzogener Kerl bin wartete ich noch vor dem Haus, bis jemand die junge Dame herein ließ.... Was aber nicht geschah. Sie drückte mehrfach den Klingelknopf und sah immer unsicherer nach oben, vermutlich um zu sehen ob sich in dem oberen Stockwerk etwas rührte. Aber das Haus blieb dunkel. Ich ahnte schon was nun kommen würde und schalt mich und meine „guten Manieren“ einen Idioten....

Unsicher und ganz  offensichtlich am Ende ihrer Nerven, schlurft sie wieder auf meinen Wagen zu. Genervt öffnet Sie die Beifahrertür. „Ich verstehe das nicht! Wo kann die denn jetzt noch sein“, höre ich die Dame sagen. „Was mache ich denn jetzt?“

Ganz sicher nicht bei mir übernachten, denke ich im stillen. Alles bloß das nicht. „Ich kenne eine Pension, in der Nähe, dort finden Sie sicher ein Quartier für diese Nacht“, höre ich mich sagen und bin froh, dass mir diese Variante eingefallen ist. „Ich hab aber kein Geld dabei!“, mault sie.

„Dann zahlen sie eben mit Karte.“

„Habe ich auch nicht dabei. Ich habe mein Börse bei meinem Ex in der Wohnung gelassen.“ Sie verzieht das Gesicht. „War ein schneller Aufbruch!“

„Ok, dann leihe ich ihnen das Geld, steigen Sie ein! Ich fahre sie schnell zur Pension.“

Ein strahlendes Lächeln zeigt sich  auf ihrem Gesicht. „Echt? Cool, das hätte ich jetzt nicht gedacht. Ich zahles auch bestimmt zurück.“

Sicher denke ich und habe nur den Wunsch, die Dame endlich los zu werden.
Zu meinem und ihrem Glück, öffnet die Pensionswirtin noch so spät und für 30 Euro hat die junge Frau endlich ein Dach über dem Kopf. Ich drücke ihr insgesamt 50 Euro in die Hand, damit sie sich am Morgen ein Taxi zu ihrer Schwester leisten kann. Dann gebe ich ihr eine Visitenkarte und mache mit ihr aus, dass sie das Geld einfach in einen Umschlag steckt und per Post an mich schickt.

Wieder zu hause, habe ich mich vor den Anrufbeantworter gesetzt und immer wieder Lisas Nachricht abgespielt. Schlafen konnte ich in dieser Nacht nicht.