Mops- Rock n Roll Boulevard

18.05.2005 um 22:29 Uhr

Arschloch Mops

von: Mops

Stimmung: Im Eimer
Musik: City-Am Fenster

Manch einer/ eine mag vielleicht den Eindruck gewonnen haben, dass ich immer nett ruhig und ausgeglichen bin. Vielleicht denkt auch jemand, dass ich tolerant bin. Ich kann Euch versichern, das ich der intoleranteste Mensch der Welt bin. Ich kann mich über viele Sachen aufregen und ich bin kaum bereit etwas hinzunehmen oder zu tolerieren. Ich hasse dumme Menschen, die sich für superschlau halten und mit ihrer vermeintlichen Bildung protzen. Ich könnte jedem Autofahrer eine rein hauen, der wie eine Wildsau fährt und den Bürgermeister meines Wohnortes würde ich am liebsten mit einer Walze überfahren. Nur um mal die wichtigsten drei Dinge zu nennen. Auch werde ich schnell wütend und in der Folge unausstehlich.

Wenn es nicht so läuft wie ich es will, kann ich ziemlich fies und verletzend werden. Ich weiß das alles und kann da eigentlich gut mit leben. Ich will nicht everybody’s Darling sein. Ich will zu bestimmten Dingen einfach nein sagen dürfen, auch wenn es gerade sehr unpopulär  ist. Ich will nicht für die EU sein müssen und ich will keinen Euro (na ja zu spät). Ich will keine Globalisierung und ich will, dass alle Politiker mit Blei-Badehosen schwimmen gehen. Aber das nur am Rande. Was ich wirklich sagen will ist, dass meine Woche beschissen war....Und heute ist erst Mittwoch-

Ihr kommt gerade nicht mit? Also gut von vorn:  

Oh man ich hasse es... Die Woche fing irgendwie schon bescheiden an. Zuerst würgt mir diese blöde Kuh von „Journalistin“ an Pfingsten in einem eigentlich ganz netten Interview eine rein, indem sie völlig ohne Warnung damit raus kommt, dass sie spitz gekriegt hat, dass NG mir das Mädchen ausgespannt hat (womit das neue Album eigentlich nur noch Nebensache wurde- ich freue mich schon auf den Artikel.) Mein Manager hat bei der Redaktion durchblicken lassen, dass wir dieses Interview nicht autorisieren würden wenn da so ein Müll, publiziert werden würde. Was natürlich nicht bedeutet, dass die Story nicht trotzdem kommt. In Gedanken habe ich die Ziege schon einige Male mit der Kettensäge zerlegt....Grmmlll.

Beim wöchentlichen Wiegen stelle ich  fest, dass ich viel zu viel wiege und beim „Anziehen“ wird das auch noch von der zu engen Hose und dem auftragenden T-Shirt bestätigt. Tja auch Männer haben ab 40 so ihre Problemzonen.

Dann entscheiden gestern Manager, Produzent und Band, dass aus einem schon fertigen schmuse Song (mein Lieblings Stück)  plötzlich ein Duett werden soll! Was nicht nur  bedeutet, dass der komplette Text umgestrickt werden muss, nein ich muss alles noch mal einsingen. Natürlich mit Duett-Partner/rin.  Dabei hinke ich bei einigen Songs eh schon hinterher. Mal ganz zu schweigen davon, dass ich kein Duett singen will. Schon gar nicht, weil sich da jemand aus der Pop-Ecke als „Rocker/in profilieren möchte. Weiterhin kann es passieren, dass dieses Duett dann auf dem Album des Duett-Partners/rin erscheint. Was mich und meine Band dann ja zum Gast auf einem fremden Album machen würde. Andersherum bedeutet das aber, weil wir ja den Song geschrieben haben und auch eingespielt, dass wir mächtig viel Geld dafür in die Kasse bekommen könnten. Ein Umstand der besonders das Management freut.
Mich kotzt es aber an und ich war mächtig angesäuert. Wütend bin ich (kleiner Dickkopf) dann ins Auto gestiegen und habe alle schön im Studio sitzen lassen. Ich hasse es wenn in einer Band „Demokratie“ herrscht und das zur Folge hat, dass ich immer überstimmt werde. Es fielen so nette Worte wie: “Leckt mich doch am A**** oder „sing Du doch das Sch*** Lied“. Ich glaube ich habe meinen Standpunkt ziemlich deutlich gemacht und erntete natürlich nur entsetztes Kopfsschütteln. „Na und?“ denke ich. Sollen sie denken was sie wollen. Ich bin Künstler und werde mich jetzt mal wie einer „aufführen“. Schließlich hängt auch von mir etwas „Herzblut“ an unseren Songs. Was habe ich mich gequält als meine Stimme eine Weile lang nicht mehr „mitspielte“.  Zumal ich mir die Gesangs-Linien einfallen lasse und auch die Texte schreibe. Wobei mir gerade einfällt, dass meine Texte immer ziemlich blöd sind. Was aber offensichtlich noch niemand gemerkt hat.....
Ich  fahre also nach Hause, habe Wut im Bauch, und stelle zu allem Überfluss fest, dass Lisas fetter BMW in der Auffahrt steht und natürlich Mannis Benz. Nun klingt das vielleicht alles ganz lustig, aber in diesem Moment war es genau so „günstig“ wie ein Streichholz mit Benzin zu löschen.
Manni hatte also tatsächlich Lisa in mein Haus gelassen. Boa, ich kann gar nicht sagen wie sauer ich in diesem Moment auf alle Beide war. Ich blieb einen Moment in meinem Auto sitzen und versuchte mich zu sammeln. Ich fühlte mich überhaupt nicht dazu in der Lage Lisa so „unvorbereitet“ und „unvermittelt“ gegenüber zu treten. Ich war nicht darauf gefasst und schaffte es nicht meine Gefühle unter Kontrolle zu bringen. Ich wusste nur, dass wenn ich jetzt das Haus betrat, es ein „Unglück“ geben würde..... Was mache ich „Held“ also? Rückwärtsgang rein, rauf auf die Autobahn Richtung Hamburg. Wie ein unreifer Bengel jage ich beschissene BMWs und hochgezüchtete „Keksdosen“ über die Piste. Und ja ich weiß genau, das es nicht richtig und äußerst unreif ist. NA UND? Zumindest verzichte ich auf Lichthupen und Blinker links. Der Motor brüllt, Motörhead singen „Ace of spade“ und ich habe das Gefühl nie wirklich zu begreifen worum es im Leben wirklich geht. Ich stelle mir vor, dass Gott ein Sadist ist, der es liebt unsere schlechtesten Eigenschaften nach außen zu kehren.

Bei 160 trete ich das Gas durch und habe Mühe die Hinterräder hinter mir zu halten. Zum Glück ist die Strecke relativ frei. Ein Kribbeln macht sich in meinem Bauch breit und über meine Arme rennt eine Gänsehaut.  

Motörhead sind fertig und Falco singt „Out of the dark“ und ich gehe in Erinnerung seines Endes, vom Gas...... 

U2“ singen „Hello hello“ und ich fahre wieder ganz brav durch das Lichtermeer der Stadt. Auf der Reeperbahn Parke ich meinen Wagen in einer „Nebenstraße“ vor dem Laden eines „Freundes“. Es gibt ein großes „Hallo“ und ich entdecke einige Bekannte und unbekannte  beim Pokerspielen in einem „Hinterzimmer“. Natürlich alles ganz legal mit Chips ;-). Ich schiebe meinem Freund meine Plastikkarte rüber und lasse mich mit Bargeld einer Flasche Whisky  und Spiel-Chips versorgen. Einer der Spieler fragt ob ich Pokern könnte. Ich sage. “Das spielt man doch mit Karten oder??“
„Alles klar“, sagt der Spieler,“ Sie können pokern.“ Und das machen wir dann auch. Und die Flasche leeren wir gleich mit, und dann noch eine. Und so schaffe ich es nicht darüber nachzudenken, was gerade alles so schief läuft und warum man immer Glück im Spiel hat, wenn’s in der Liebe nicht so läuft.

Es ist schon weit nach Mittag, als ich auf einem nicht mehr ganz so neuen Sofa in einem Hinterzimmer der Bar erwache. Kaffeeduft zieht mir in die Nase und ich höre die Stimme meines besten schwulen Freundes. Ich öffne die Augen und sehe Manni, der mit einem Becher Kaffee vor meiner Nase rumschwenkt. Mir ist schlecht und mein Kopf tut mir weh. Mein Freund der Barmann, schmeißt mir ein Bündel Geldscheine auf den Bauch. „Habe ich für Dich aufbewahrt“, sagt er lässig und unterstreicht damit diskret, dass er ein Ehrenmann ist, bei dem man nicht ausgenommen wird. Manni schaut mich schuldbewusst an und schiebt mir den Kaffeebecher zwischen die Hände. Ich sehe, dass er sich mit seinem schlechten Gewissen quält. Er grinst schief. „Ich hab Mist gebaut was?“ sagt er unsicher. Ich ziehe mich mit dem Kaffee in der Hand in eine sitzende Position und nehme vorsichtig einen Schluck von der starken Brühe. Ich schaue ihm schweigend einen Moment in die Augen, dann höre ich mich leise sagen: „Ich auch Manni. Ich auch.“