Mops rockt
Aber in der Masse hatten wir echt Glück. Es ist ein besonderes Gefühl wenn man als Musiker einen Auftritt vor vielen Menschen hat. Noch toller ist es wenn die Menge tobt und mit der Band eine gute Zeit hat.
Trotz meiner Jahre auf der Bühne habe ich immer noch mit dem Lampenfieber zu kämpfen. Es ist echt zum aus der Haut fahren. Auf der Bühne wirken wir immer so souverän und abgeklärt und tief in uns drinnen „rumort“ es.
In der Regel bin ich schon kurz nach dem Aufstehen (im Hotel oder Tour-Bus) nicht mehr ansprechbar. Ständig habe ich das Gefühl ich könnte die Texte nicht oder ich würde meinen Einsatz bei bestimmten Stücken „verpennen“. Dabei geht normalerweise alles glatt. Wir haben eine gute Mannschaft, die dafür sorgt, dass alles auf der Bühne passt. Selbst beim Soundcheck übernehmen unsere Roadies das „einmessen“, aufbauen etc. Wir müssen eigentlich nur auf die Bühne und unseren Job machen. Man sollte meinen, dass würde leicht von der Hand gehen?! Und natürlich tut es das auch. Wenn wir erst auf der Bühne stehen und alle „sauber“ in den ersten Song gekommen sind macht das Ganze einen Riesen Spaß und geht wie von selbst.
Ich erzähl mal wie so ein „typischer“ Auftritt abläuft.
Gewöhnlich treten wir bei größeren Konzerten oder Open Airs zur „Prime Time“ auf. Das heißt wir sind unter den „Headlinern“ oder zumindest ab 20 Uhr dran ( je nach dem wie viele Bands und Künstler im Billing sind).
22Uhr ist für uns meistens die Regel. 20 Minuten bevor wir auf die Bühne müssen trifft sich die Band hinter der Bühne, um mit der Staff (unser Mannschaft und die Leute des Veranstalters) letzte Details zu besprechen. Die Gitarristen legen schon ihre Sender an und obendrein bekommen wir die Empfänger für das „In-ear-Monitoring System“ angesteckt. Somit können wir über kleine Ohrhörer -ähnlich wie bei einem Walkman- unseren Bühnensound hören. Das erleichtert es ungemein auf großen Bühnen die Kontrolle über die Musik zu behalten. Ich checke dann ob alles funktioniert. Auch die Akkus meines Sendermikrophons werden überprüft. Allerdings ist das schon fast überflüssige Routine, da ich mich 100% darauf verlassen kann, dass unsere „Jungs“ alles penibelst geprüft haben.
Über Funk kommt die Info, dass Sound und Lichtmann grünes Licht geben. Nun wird auf der Bühen noch alles ein letztes Mal überprüft. Alle Amps haben „Saft“ und sind richtig eingestellt, alle Bühnenmikrophone und DI-Boxen funktionieren ohne „Brummen oder Aussetzer“
Grünes Licht für die Bühne!
Die Gitarristen haben ihre Gitarren umgehängt. Wir schauen
alle noch mal in den Spiegel, Maciela
küsst mich und wünscht uns viel Erfolg.
Auf der Bühne wird es dunkel, und die Nebelmaschinen „räuchern“ was das Zeug hält. An dieser Stelle möchte ich mal erwähnen was für eine „scheiß Erfindung“ Kunstnebel ist. Das Zeug kratzt immer so im Hals. Persönlich mag ich ja Trockeneis –Foggies. Aber egal, ich warte einfach Backstage, während die Band sich hinter der Nebelwand in Stellung bringt.
Das Publikum quittiert inzwischen jede Veränderung auf der
Bühne mit lautem Gejohle oder „Jetzt geht’s los“ Rufen.
Dann donnert unser Intro über den Platz und schlagartig
brandet tosender Aplaus und begeisterte Rufe aus der Menge auf. Meine Jungs und
ich kriegen nun das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Kein Zweifel: Die Menge
hat „Bock“ und will unterhalten werden. In genau diesem Moment bekomme ich
immer eine „Gänsehaut“ die mich frösteln lässt.
Das Intro verklingt die Bühne ist voll erleuchtet. Kaskaden
aus bunten Lichter flammen auf und Mein Gitarrist Steve steht ganz vorne am
Bühnenrand und hämmert die ersten Akkorde in die Menge. Meistens gibt es 1-3
Video-Großbildleinwände und ein Kamerateam, dass jede Bewegung der Band
einfängt uns auf die Projektionswände zaubert. Nach wenigen Sekunden setzen die
anderen Instrumente ein. Die Gitarristen rennen wie wild von einer Bühnenseite
auf die andere, sie heizen an „bis die Kuh im Kreis fliegt“. Zu diesem Zeitpunkt stehe ich als Einziger
noch hinter der Bühne. Dann kommt mein Einsatz. Ich fange an zu singen, ohne
die Bühne zu entern. Trotzdem tobt das Publikum. Unsere Single läuft zu diesem
Zeitpunkt sehr gut und wir haben den Song bewusst als „Opener“ gewählt. Ich
warte bis zum Ende der ersten Strophe bevor ich langsam die Bühne betrete. Auch
ich werde begeistert empfangen und wieder jagt mir eine Gänsehaut über den
Körper. Showtime! Beim
Refrain singt dann wirklich der Letzte mit. Maciela steht seitlich an der Bühne
und beobachte ruhig und entspannt wie eine Katze alles was wir machen. Sie
lacht nicht, tanzt nicht, steht einfach da wie eine Statue. Unergründlich hat
sie ihre faszinierenden Augen auf das Geschehen auf und vor der Bühne
gerichtet. Hinterher wird sie mir wieder ganz genau berichten, wie gut oder wie
schlecht wir gewesen sind. Ich haue jetzt mal auf den Putz und behaupte mal:
Meistens hat sie uns gute Noten gegeben (hi hi). Einige Mädchen sitzen auf den
Schultern ihrer Freunde und recken uns ihre Arme entgegen. Und immer wieder
hebt mal eine von ihnen ihr T-Shirt hoch und zeigt uns den blanken Busen. Im
Fachjargon heißt das „Titten-Show“. Als mir das erste Mal so etwas passierte
(vor ca 15 Jahren) habe ich glatt meine Einsatz verpasse (hi hi). Wer soll sich
den da noch konzentrieren? (hüstel).
-Youre love is teaching me
I can feel….
Play Rock an Roll
Gut ich erspare mir nun mal die „Selbstbeweihräucherung“. Nach 1 ½ Stunden und vier Zugaben ist der Gig gelaufen und wir sind klatsch nass. Nun heißt es runter von der Bühne rein in den Bus und Luft holen. Dann duschen und am Merch-Stand (dort wo CDs, und Shirts verkauft werden) Autogramme geben. Das kurbelt den Umsatz an und freut das Management. Die Fans kaufen dann Merch-Artikel und lassen sich diese von uns signieren. Das klingt „Geldgierig“ aber so ist das Geschäft und wir haben ja auch eine ganz schöne Mannschaft zu ernähren. Natürlich genieße ich den Kontakt zu den Fans- auch wenn mir fast jeder das selbe erzählt- und ich alles schon einmal gehört habe. Niedlich sind immer wieder die Mädels, die einem schöne Augen machen und ganz ungeniert rumflirten. Ich fragen mich gelegentlich ob die wirklich ernsthaft annehmen, dass sie so ihren „Traumprinzen“ abkriegen? Mein Blick geht suchend rüber zu Maciela, die sich bewusst etwas abseits hält. Schließlich will kein weiblicher Fan mitbekommen, dass der „Angeschmachtete“ in festen Händen ist. „Schlecht fürs Geschäft“ , sagt das Management. Enttäuscht Fans kaufen keine Platten! Manchmal geben wir zu diesem Zeitpunkt auch noch Interviews im Pressezelt- In der Regel für die kleineren Fanzines oder für Stadmagazine.....
Gegen 2 Uhr fahren wir dann ins Hotel, wo noch mächtig gefeiert wird. Entsprechend sehen wir am nächsten Morgen aus. Ich bin übrigens der Einzige aus der Band, der eine Frau mit genommen hat. Meine Jungs lassen ihre Ladys lieber zuhause und vergnügen sich anderweitig. Nun ja, jeder so wie er’s mag! Ich genieße es Maciela dabei zu haben. So bekomme ich alter Langweiler wenigstens etwas Schlaf.
Gegen Mittag trifft sich die Truppe dann beim Frühstück/ Mittagessen. Nun werden die Erlebnisse der letzte Nacht „zum Besten“ gegeben. Einige Leute aus dem „Tross“ sind noch ganz schön angeheitert oder eben entsprechend „verkatert“. Starker Kaffe ist nun das Getränk der Stunde. Und natürlich gibt es wieder tränenreiche Abschiede von den „Schönen der Nacht“. Es gehört übrigens schon zur Standard Frühstücksbekleidung, dass fast alle mit dunklen Sonnenbrillen am Tisch sitzen (hi hi) Mein Bassist Andy, der überhaupt nicht trinkt, trägt eigentlich immer eine Sonnenbrille. Auch wenn’s draußen schon dunkel ist. Ich glaube der schläft sogar mit dem Ding?! Maciela schweigt morgens immer vor sich hin. Sie hört sich die Geschichten der Anderen an und schmiert mir ganz beiläufig Brötchen mit Nutella und Marmelade. Oder sie schiebt mir schweigend eine Happen zwischen die Zähne. Sie weiß eben ganz genau, dass ich sonst kaum etwas essen würde. In der Regel nehme ich an jeden Tourtag mindestens ein Kilo ab. Leider habe ich wieder mit dem Rauchen angefangen, was ja gar nicht gesund sein soll. Entsprechend wenig Appetit habe ich.
Tja und dann geht die ganz Chose von vorne los. Mit dem Bus oder dem Flieger in die nächste Stadt. Dort geben wir bei den Radistationen noch Interviews und machen mächtig Werbung für das entsprechende Konzert oder eben für die CD. Und abends stehen wir wieder auf der Bühne, haben wieder Lampenfieber und lassen und am nächsten Morgen wieder „Nutella Brötchen“ schmieren.
Und ja: Ihr lieben ich habe Euch auch vermisst!
