Mein Mentor und ich
Yeah, heut hab ich meine Englischnachprüfung gerockt, obwohl ich fast den Heldentod gestorben wäre. Hab ein Gedicht bekommen und ÜBERHAUPT mal gar nich verstanden, worums da eigentlich ging. Naja gut, jetzt übertreib ichs grad n bisschen. Schließlich stand ja drüber, dass es um Zukunftspläne und Entscheidungen geht, aber das Gedicht war mal oberkacke. Habs zu erst versucht, zu übersetzen und musste viel im Wörterbuch nachschlagen und manchmal hats geholfen und manches Mal auch nicht. Am Ende wusste ich wichtige Dinge aus dem Gedicht immer noch nicht. Jedenfalls gab es 4 Aufgaben dazu und ich hab in der Vorbereitungszeit auch nur 3 geschafft, was man mir wohl voll angesehen hat. Ich musste zwischendurch auch echt ein paar Mal kämpfen, dass ich nicht los weine, hab mich aber ganz tapfer zurück gehalten. Und als ich in den Prüfungsraum kam, erwartete mich eine große Überraschung
. Da saß nämlich meine Mentorin noch mit drin, obwohl ich vorher schon bedauerte, dass sie gar nich zur Prüfungskommission gehört. Ich hab sie vorher auch nicht gesehen, aber sie hat mich nicht im Stich gelassen. Irgendwie, ich mein, ich habs nicht von ihr abhängig gemacht, aber es hat Mut gegeben und ich hab meine erforderlichen 12Notenpunkte bekommen und nun kann auch ich endlich sagen, dass ich mein Abi mit nem Schnitt von 1,8 bestanden hab
.
Naja und somit neigen sich wohl 3 Jahre dem Ende entgegen und das möchte ich doch nutzen, um diese 3 Jahre einmal Revue passieren zu lassen, ganz besonders unter dem Gesichtspunkt von Frau W. und meinem Verhältnis zu ihr... also, wie das schon wieder klingt
.
Immer wieder, wenn ich so drüber nachdenke, fällt mir ein, was Goethe über seine Freundschaft zu Schiller sagte und wie er am Anfang über ihn dachte: "Er war mir verhasst!", und nichts passt besser, als dieses Zitat für den Anfang von Frau W. und meine Gedanken über sie.
Am ersten Schultag haben M. und ich die drei Klassenlehrer schon an der Seite gesehen - 2 Frauen und ein Mann. Den Mann wollten wir nicht haben, der sah etwas unfreundlich aus und den bekamen wir auch nicht, denn er wurde Technikerlehrer. Ja, und dann standen da noch Frau W. und Frau Kürbis, die ich nicht so nenne, weil sie aussieht wie ein Kürbis, sondern, weil ihr Name ähnlich klingt. Na jedenfalls, wollten wir auch nicht Frau W. haben, sondern Frau Kürbis, nur ganz allein vom ersten Eindruck her. Bekamen wir aber auch nicht und so wurde es Frau W. Das war uns zu Beginn noch relativ egal, denn im Grunde sah sie ja auch ganz "nett" aus (und über die Bedeutung dieses Wortes lernte ich erst später was).
Und so ging die Gesundheitsklasse geschlossen in einen Raum und dann fing sie an mit ihrer "großen Rede" und mit dem Austeilen bildlich gesprochener Ohrfeigen.
Da waren so viele Dinge und nicht eins war positiv, an das ich mich erinnern kann. Dinge wie:
"...Ihr ward vielleicht die Besten in der Regelschule (innerliches Kopfschütteln einiger Schüler), aber das hier ist wie ein Teich voller Fische, die alle gleich sind und ihr werdet hier ganz bestimmt nicht mehr die Besten sein..." - oder so ähnlich,
"...Alle, die noch keine zweite Fremdsprache gelernt haben müssen jetzt Russisch lernen..." - keinerlei Erklärungen wieso, weshalb, warum - es war eben einfach so. Nimms hin, eine andere Wahl hast du eh nicht,
"...Freizeit? Das wird ein Fremdwort für sie werden. Denken sie bloß nicht, dass hier ist wie die Regelschule." - Und jedes negative Wort über die Regelschule, egal von welchem Lehrer, war eine innerliche Abwertung unseres Könnens und unseres Abschlusses.
Ja, das sind die drei großen Punkte, an die ich mich im Zusammenhang mit Frau W. noch erinnern konnte.
Sie war mir einfach unsympathisch. Dann kam der nächste Hammer, wir bekamen sie in Russich, Deutsch und Seminarfach!!! Und ich dachte nur, dass ich sterben werde, wenn sie in Deutsch genau so schlimm ist, wie jetzt. Russisch hatten wir dann auch immer gleich am Montag, Dienstag und Mittwoch in der NULLTEN Stunde - das war ganz "primafein". Ja und was soll ich sagen? Sie war in Deutsch genauso schlimm, wie an jenem ersten Tag.
In Russich kam sie morgens rein und prabbelte auf Russisch los, dass entweder einige lachen mussten oder verdutzt schauten, denn montags nullte Stunde hat man einfach nicht mit sowas gerechnet. In Deutsch mussten wir uns zu aller erst vor versammelter Mannschaft vorstellen, Schwächen und Stärken von uns nennen und all sowas eben. Dann wiederholten wir die Wortarten und allein das war beschämend. Niemand packte es, alle 10 Wortarten aufzuzählen und dabei war das doch simpelster Regelschulstoff. Also beschäftigten wir uns die ersten Wochen nur damit. Und meine 1 auf dem Zeugnis in Deutsch, die ich seit der 6. Klasse hatte, sah ich schon damals in den ersten Wochen flöten gehen.
Dann kam großen Schimpfen in der Klasse, als es hieß, dass wir nun "Nathan, der Weise" mit ihr lesen würden... "Dass haben wir doch alle schon in der Regelschule gelesen" und "Müssen wir das jetzt nochmal unbedingt lesen?" und und und... Aber Frau W. ließ nicht locker und NICHT EIN EINZIGES MAL VORHER habe ich ein Buch so gelesen, wie ich es bei Frau W. tat, nicht einmal. Und das meine ich als Kompliment. Wir haben dieses Buch gelesen und auf irgendeine Art und Weise auch gleich interpretiert. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob wir es uns damals kaufen mussten, aber ich hatte ein gekauftes Buch und das war mein Glück, denn ich hab bestimmt nochmal ein Buch daneben geschrieben über den Inhalt. Noch nie vorher habe ich ein Schulbuch so verstanden nach dem Lesen, aber auch so gehasst. Ich wusste ab dem Zeitpunkt, dass ich mit dieser Deutschlehererin jedes Buch, das wir mit ihr lesen, verstehen, wahrscheinlich aber auch hassen werde, wenn ich aus dem Unterricht rausgehe.
Mein ganzes Bemühen und Streben war aber umsonst, denn ich schaffte es in der 11. Klasse nicht einmal eine supertolle Note bei ihr zu bekommen und ich versuchte ihr zu verdeutlichen, wie wichtig mir Deutsch sei. Als wir am Ende des Jahres nach vorne gebeten wurden, damit sie uns unsere Note sagen kann, sagte ich ihr, dass ich in Deutsch immer eine eins auf dem Zeugnis hatte und dass mir das sehr wichtig sei und ich weiß noch ganz genau, wie sie mich damals ansah und zu mir sagte, dass eine eins in Deutsch so gut wie unmöglich sei und da ich ja den Deutschleistungskurs gewählt habe, für das kommende Jahr, sei es gleich noch viel unmöglicher das zu schaffen. Ich ließ sie auch wissen, dass ich ja keine 15NP anstrebe sondern, dass 13NP auch schon reichen würde, aber sie gab mir weiterhin zu verstehen, dass das so gut wie gar nicht möglich sei und da könne ich auch die anderen Deutschlehrer fragen. Dafür wisse ich aber, was ich könne, wenn ich aus ihrem Unterricht rausgehe. Ich wusste auch über die anderen Deutschlehrer Bescheid. Wenn man es genau nimmt, gibt es zwei leichte und zwei schwere Deutschlehrer an unserer Schule von der Abstufung her war die leichteste Frau M. - und leider kam ich nie in den Genuss ihren Unterrich live zu erleben, was eigentlich schade ist. Die Zweite, die leicht zu beeindrucken ist, ist Frau Dr. D. und auch ihren Deutschunterricht durfte ich nie erleben, dann kommt Frau W. und die Schwierigste von allen ist Schmidtzilla.
Und ich wusste, dass es sehr gut möglich war bei Frau M. und Dr. D. eine eins zu bekommen, das haben schließlich etliche andere auch bekommen und bei Frau W. und Schmidtzilla ist das wirklich so gut, wie ein unmögliches Unterfangen gewesen.
Na jedenfalls wählte ich damals den Deutschleistungskurs, weil ich noch immer der Überzeugung war, dass ich es gut kann und die Hoffnung hatte, nicht Frau W. zu bekommen...
Erster Tag in der 12. Klasse - ich ging an den Plan, um zu schauen, wer nun Stammkursleiter ist, hoffte auf Frau M. oder Dr. D. und wollte um Himmelswillen NICHT Frau W. haben, aber unglücklicherweise, aus damaliger Sicht betrachtet, stand Frau W. nun dran
. Das bedeutete, dass sie für weitere zwei Jahre mein Deutschlehrerin blieb.
Umso größer war meine Freude, als mein erster Aufsatz in der 12. Klasse 13NP wurden, als einzige von allen. Das hat mich so umgehauen, dass ich am liebsten vor Freude geweint oder mindestens aufgesprungen wäre, machte sie mir doch erst vor ein paar Monaten deutlich, dass dies so gut wie unmöglich sei. Leider bliebs dann aber auch dabei. In der Regelschule hasste ich interpretieren und liebte erörtern und aufm Gym machte mir Frau W. klar, dass meine Stärke doch eher im interpretieren liegt, als im erörtern. Noch so ein Grund, warum ich sie schon in der 11. gehasst habe. Im Endeffekt war das Erörtern auch der Grund, warum ich meine 13 Punkte wieder zu nichte machte und am Anfang mochte ich vielleicht die Beste gewesen sein, aber es zeigte sich ein ganz anderer Stern am Deutschhimmel, mit dem ich nie und nimmer mithalten konnte, den ich aber für sein sprachliches Können und Talent bewunderte. Er war derjenige, der regelmäßig 15NP bei Frau W. bekam, nicht unbedingt in Klausuren, aber mindestens auf jede vorgelesene Hausaufgabe. Und ich war sicherlich auch ein bisschen neidisch auf ihn, schaffte er doch das bei Frau W. innerhalb von Wochen, was ich schon seit über einem Jahr versuchte. Aber größtenteils brachte ich doch Bewunderung für ihn auf.
Und dann kam mein Schlüsselerlebnis mit Frau W., irgendwann in der 12. Klasse, mittendrin. Da wurde meine Abneigung gegen sie auf einmal in eine vollkommen neue Richtung gelenkt. Und zwar geschah folgende Situation. Ich kann mich dran erinnern, dass ich nicht ein einziges Mal je zu einer Klausur gefehlt habe, aber wir hatten vor ein paar Tagen Tag der offenen Tür oder sowas gehabt und da brachte unsere Gesundheitslehrerin Gehacktsbrötchen mit und am nächsten Tag hatte ich soooo fürchterliche Bauchschmerzen, dass ich wirklich dachte, ich müsse sterben. So schlimme Schmerzen hatte ich in meinem ganzen Leben nocht nicht. Ein Besuch beim Arzt brachte das Ergebnis, dass ich Salmonellen hatte. Nach ein paar Tagen wars auch schon wieder okay und mein Fehlen in der Schule machte mir auch große Sorgen, denn ich war immer schon der Meinung, dass man es sich an unserer Schule nicht leisten kann, krank zu sein. Also verpasste ich die Sozial-und Rechtskundeklausur und war somit ein Nachschreiber. Als ich wieder in die Schule kam, ich glaube es war ein Do oder Fr, war ich der felsenfesten Überzeugung, dass ich erst nächste Woche nachschreiben müsse. Bis eine Mitschülerin, dumm wie Brot, am Freitag zu mir kam und sagte "He, Sarah, heute nachschreiben, wa?!" und ich sagte ihr, dass ich heute nicht nachschreibe, sondern erst nächste Woche und sie sagte, dass ich aber am Plan stehen würde. Also ging ich hin und schaute nacht und tatsächlich stand ich dran, für diesen Tag... und ich hatte KEIN WORT GELERNT. Das konnte einfach nicht wahr sein. Es war ganz klar, dass ich in dem Moment in Tränen ausbrach. Nach der Pause hatten wir dann Deutsch und da saß ich nun, weinend und da sprach Frau W. mich an fragte, was denn los sei und dass sie mich noch nie so gesehen habe. Ich schilderte ihr die Situation und sie sagte, dass ich in der nächsten Pause mal zu Frau H. gehen sollte und mich jetzt erstmal beruhigen. Also beruhigte ich mich für den Augenblick, ging in der nächsten Pause guter Dinge zu Frau H, schließlich is sie ja eine von den netten Lehrerinnen und bekam bildlich gesehen eine aufs Maul.
Das geht nicht, sie könne die Klausur nicht verschieben, sie kann mir allerhöchstens ein Buch geben, damit ich damit lernen kann (so nach dem Motto, ich solle dankbar sein, dass ich das Buch von ihr bekomme) und ich hätte ja im Grunde voll im Stoff stehen müssen, denn der Klausurplan hinge ja nicht erst seit gestern aus und man bereitet sich ja nicht erst ein paar Tage vor der Klausur auf diese vor. Dass ich aber wirklich krank war und kein bisschen nebenbei lernen konnte, weil ich WIRKLICH Schmerzen hatte, interessierte niemanden. Und ich heulte, und heulte und kam gar nicht mehr raus, aus dem Heulen. Von meinem besten Freund bekam ich den SRK-Hefter, denn er hatte immer einen dicken Aktenordner mit allen Fächern drin, das war mein Glück. Aber ich kam trotzdem nicht mehr weg vom Heulen. Ich sollte Klausur schreibe, heute und ich hatte noch kein Wort gelernt. Danach hatten wir Russisch, wieder mit Frau W. und auch da musste ich ununterbrochen weinen, da fing der Unterricht nich mal richtig an.
Frau W. kam stillschweigend in die Klasse, sagte uns, dass wir das Buch auf Seite so und so aufschlagen sollen und die und die Aufgabe lösen sollen. Dann sagte sie, ich solle mit ihr mitkommen und wir gingen raus auf den Gang und setzten uns hin. Sie sagte mir, ich solle mich beruhigen und erklärte mir, warum Frau H. so handelte, wie sie handelte. Es gäbe immer ein paar Schüler, die für eine bevorstehende Klausur nicht lernen würden und an dem Tag krank machen, um so ihre Klausuren zu schieben, wie sie es gerne wollten, um das zu unterbinden, ist immer gleich der erste Freitag der Nachschreibetermin für solche Leute. Dass es in diesem Falle jemanden, wie mich trifft, wäre ärgerlich, aber nicht zu ändern, denn dann könnte ja jeder kommen. Ich glaube, sie hat damals versucht mit Frau H. zu reden, ob sie meine Klausur nicht doch nochmal verschieben kann, aber da Frau H. Oberstufenleiterin ist, musste sie hart bleiben, ohne Ausnahme. Na jedenfalls sagte Frau W. zu mir, dass sie mich für 2 Std vom Russischunterricht befreien würde, wenn ich ihr verspreche, mich jetzt zu beruhigen.Und dass ich somit noch ca. 4 Unterrichtsstuden zum Lernen haben würde, dass sie sowas nicht für jeden machen würde und dass ich natürlich den Russischstoff nachzuholen hätte, dass ich ihr auch den Gefallen tun solle und auf keine dummen Ideen, wie Spickerschreiben, kommen soll und das wars. Also beruhigte ich mich und wir gingen zusammen zurück in die Klasse. Sie machte die Tür auf, als sei nichts gewesen sagte noch beim Reingehen "So und wen machen wir jetzt fertig?", sodass ich sogar grinsen musste. Ich packte meine Sachen und hab mich in die Mensa gesetzt und gelernt. Nach den zwei Russischstunden kam Frau W. nochmal in die Mensa, um nach mir zu schauen und machte mir nochmal Mut, indem sie sagte, dass ich das alles schon könne, ich müsse es mir nur wieder ins Gedächtnis rufen. Am Ende kamen "nur" 08NP raus, aber es wären null ohne Frau W. gewesen. Das war mein ganz persönliches Schlüsselerlebnis mit ihr und so begann ich doch tatsächlich, sie zu mögen, weil sie mir zum 1. Mal zeigte, dass sie ein Herz besitzt.
In der 13. Klasse freute ich mich besonders darauf, mit ihr den Faust zu lesen. Schließlich mochte ich den ja schon sehr in der Regelschule. Ich war drauf gefasst, auch dieses Buch nach dem Lesen mit ihr zu hassen, aber ich freute mich drauf, den Faust endlich zu verstehen und was in der Regelschule großzügig weggelassen wurde, behandelten wir mit Frau W. ganz genau, die ersten beiden Zugänge zum Stück. Dann behandelten wir auch noch Faust 2 und es kam die Klausur mit... dem Prolog im Himmel, das wurden 14NP und ich war überglücklich und wahnsinnig stolz. Eins meiner Lieblingsbücher, bei Frau W., in der Klausur - unfassbar.
Und auch in der 13. bewies sie, dass sie eine Seele hat. Vorhin schrieb ich, dass ich meinen Mitschüler für sein Können bewunderte und genau das war derjenige, der sich das Leben nahm. Das war wahnsinnig schwer für uns alle. Ich fand ihn faszinierend und mich ihm unglaublich nahe, nicht durch Liebe oder sowas, eher durch Vertrauen. Ich wusste von seiner Schizophrenie und ich war die einzige, sagte er zumindest. Kurz vorher sollten wir selbst Gedichte schreiben, die wir dann untereinander austauschten, um sie zu unterpretieren. Er und ich mussten tauschen. Zur Wahl fürs Thema des Gedichtes hatten wir drei Kriterien: Schule, Liebe, Abschied. Er wählte Schule und beschrieb in seinem Gedicht, den langen mühseligen Weg dorthin und dass er einfach keinen Bock drauf hat. Als nichts anderes hab ich es auch interpetiert. Die Gedichte wurden alle im Deutschraum ausgehangen. An dem Tag, als man uns wissen ließ, dass er sich umbrachte standen einige aus unserem Kurs an der Pinnwand vor seinem Gedicht und sagten, dass er es darin geschrieben habe. Das war mein Ende. Ich war so schon fertig, aber ICH war diejenige, die dieses Gedicht interpretierte, im Grunde war ich Zweitbeste im Leistungskurs. Ich hätte es erkennen müssen. Und sie wiederholten es immer und immer wieder, es stände drin, in seinem Gedicht. Dann schrie ich sie an, dass es ganz sicher nicht darin steht. Und dann kam Frau W. und sagte ebenfalls, dass es nicht darin stände, ganz egal, ob sie es auch dachte oder nicht oder ich, sie war da, um mich ein bisschen aufzufangen. Sie sagte auch, dass sie überlegt hätte, das Gedicht abzunehmen, aber es würde ja nur die Annahme, dass er es angekündigt habe, verstärken, also ließ sie es hängen.
An dem Tag saßen wir dann noch alle zusammen im Klassenraum, stellten eine Kerze auf seinen Platz und redeten. Das kam mir endlos vor. Ich wollte nur alleine sein, für mich und nicht im Klassenzimmer gemeinsame Erinnerungen aufleben lassen. Frau W. fragte jeden, was er an dem Tag noch so machen wolle und alle sagten sowas wie reden oder schlafen oder eben andere Dinge, wenn sie nicht viel mit ihm am Hut hatten und ich sagte, dass ich allein sein wolle und das machte ihr, glaube ich, Angst. Sie sagte, dass ich danach nochmal kurz dableiben solle. Als alle weg waren redeten wir dann allein und ich versuchte ihr klarzumachen, dass ich mir ganz sicher nichts antun würde. Sie ließ mich an diesem Tag etwas spüren, dass mich stolz und nachdenklich zugleich machte. Wir wussten alle, dass er der Beste im Kurs war und sie sagte zu mir, dass es nun an mir sei in seine Fußstapfen zu treten und dass sie froh sei ihm in der letzten Klausur 15NP gegeben zu haben. Das habe sie vorher noch nie gemacht.... Frau W. war also tatsächlich der Meinung, dass ich das Zeug in Deutsch habe genauso gut zu sein, wie er. Das machte mich stolz, zugleich wusste ich aber, dass ich niemals an ihn rankäme. Er war so... unerreichbar. Sie fragte mich auch, wie ich nach Hause komme. Ich hätte schwören können, wäre ich nicht mit M. gefahren, dann hätte sie mich zu Hause abgeliefert, nur, um sicherzugehen, dass ich mir nichts antue. Ich glaube, dass ich Frau W. an diesem Tag zum ersten Mal umarmt habe, weil sie eine der Personen war, die mir in erster Linie Halt gegeben haben. Wir hatten auch Schulpsychologen an diesem Tag mit in der Schule und ich weiß noch genau, dass Frau D. mich fast zwingen wollte, dahinzugehen, aber Frau W. nicht. Ich wollte auch nicht mit irgendeinem Psychologen reden, sondern lieber für mich sein oder mit meiner Mama drüber reden. Das war der Moment, in dem ich das Gefühl hatte, dass Frau W. mir näher steht, als irgendein anderer Lehrer und ganz besonders nicht Frau D.
Seit diesem Tag, mal vollkommen abgesehen von meinen Deutschnoten, hab ich Frau W. endgültig in mein Herz geschlossen und "lieben" gelernt. Seitdem ist sie eine meiner Lieblingslehrerinnen, die mich in Deutsch trotzdem immer auf Trab hielt. Ich hab da nichts geschenkt bekommen. Und dann kam mein großes Finale im Deutschabi mit Faust und meinen 15NP. Und es war ein gutes Gefühl, das zu wissen, denn ich musste daran denken, wie sie mal sagte, dass man eben wisse, was man kann, wenn man bei ihr rausgeht mit der Note. Das war soviel mehr überwältigend, als 15NP bei Frau M. oder Dr. D. je hätten sein können. Ich hatte 3 Jahre lang dieses Ziel vor Augen - 15NP bei Frau W., hiel sie für unerreichbar und "sogut wie unmöglich" und habe sie am Ende bekommen. Das macht mich unglaublich stolz.
Und es ist so unglaublich überwältigend, dass ich die Lehrerin, die ich am Anfang bestimmt am meisten von allen gehasst habe, heute unbedingt in meiner Prüfung dabei haben wollte und sie auch mit drin saß.
Es ist unglaublich toll, dass ich so einen Menschen, wie sie kennelernen durfte.
Und ich muss gestehen, dass sie ein bisschen was an Charakterzügen von meiner Mama hat. Denn die Prüfungsergebnisse zu bekommen, die 15 in Deutsch zu sehen, sie anzuschauen und gesagt zu bekommen "Ich bin enttäuscht von Ihnen. In Gesundheit hätte ich echt mehr erwartet.", das hätte auch von meiner Mama kommen können. Und ich war nicht traurig drüber, nein, ich musste sogar schmunzeln, denn nichts anderes hätte ich erwartet von Frau W. - das war eben einfach typisch sie
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Und im Grunde ist das hier ein Beitrag mit dem ich einfach nur DANKE in diese große weite Welt sagen möchte. Danke, dass ich bei einer der härtesten und besten Lehrerinnen, die ich kenne, lernen durfte und danke, dass ich ihre menschliche Seite kennelernen durfte und sie mir so lieb geworden ist.
Wer hätte das vor drei Jahren schon gedacht?
Ich jedenfalls nicht...








Diese Geschichte ist so wunderschön...
Und vorallem ist sie Realität.
Ich freu mich für dich, dass du das erleben durftest.
Und ich freu mich für dich, dass du 1.8 als Durchschnitt hast.
Vielleicht klappt es mit Leipzig ja dieses Jahr schon :)
Ich drück dir aufjeden Fall die Daumen.
Ganz liebe Grüße
Ich lese deinen Eintrag erst jetzt, weil Blogigo ihn mir irgendwie nicht angezeigt hatte. Zum Weinen wollte ich damit eigentlich niemanden bringen *Taschentuch reich*, aber es freut mich, dass dir die Geschichte gefällt :)
Und danke fürs Däumchen drücken, ich hoffs ja, dass es dieses Jahr schon klappt. Das wär echt primafein :)
Liebe Grüüüße^^
Nichts zu danken. Sehr gerne. Es ist ja nur die Wahrheit.
Die Geschichte gefällt mir sehr, ja.
Liebe Grüüüüüüße zurück :)
Glùckwunsch zu deinem Abi.
Es stimmt schon was Angelmagia sagt..du solltest Tempos diesem Eintrag beilegen.
Eine Geschichte, die wahr ist, die du erlebt hast, die den Leser ins Herz trifft, Gefùhle auslöst.
Und dieses im emotionale berùhrt sein, macht sie ja gerade so schön.
Ich freue mich, dass du dieser Lehrerin begegnen durftest und letztendlich doch einen Draht zu ihr fandest.
Liebe Grùsse
Hm, ich war mir gar nicht so bewusst, dass er so zu Tränen rührt^^'. Aber ich freue mich ebenso, dass ich Frau W. begegnen durfte und vor allem aber auch feststellen, dass sie menschliche Züge hat :D
Liebe Grüüüße^^
Denn dir ist jetzt klar: "Nicht für die Schule sondern für das Leben lernen wir"
Liebe Grüße von nasoetwas
Aber ja, wir lernen fürs Leben und dazu denke ich, brauchen wir immer wieder Menschen, die uns begleiten.
Liebste Grüüße