Sternentanz

22.04.2008 um 23:09 Uhr

Last

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Ruhelos und sorgenvoll

 (c) Claudia Brefeld 090/pixelio.de

In letzter Zeit spüre ich die Kehrseite der Verantwortung, die ich übernommen habe. Zum ersten Mal sehe ich mich ganz unmittelbar mit den ökonomischen Anforderungen konfrontiert, die auf unserer Arbeit lasten, und mitunter stürzt mich das in gewaltige Gewissenskonflikte. Denn nicht immer ist das, was gutes Geld einbringt, auch das, was therapeutisch ratsam ist. Oft stehe ich im Konflikt zwischen finanziellen Erwägungen und meiner fachlichen Überzeugung. Damit bin ich bestimmt nicht allein. Unser gesamtes Gesundheitssystem ist gepflastert mit halsbrecherischen Drahtseilakten. Doch erst jetzt begreife ich, was es heißt, das ganze Gewicht einer solchen Entscheidung zu tragen - einer Entscheidung, die ich nicht nur vor mir selbst zu verantworten habe, sondern auch vor meinen Vorgesetzten und meinem Team. Und ich fürchte, ich werde das Tragen solcher Lasten erst noch eine Weile üben müssen, ehe meine Schultern stark genug sind, ihnen standzuhalten. Im Augenblick rauben die Sorgen mir noch allzu oft den Schlaf.

18.04.2008 um 19:36 Uhr

Schattenspringen für Anfänger

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Musik: Queen - The Miracle


(c) KoelnStory/pixelio.de

Ich habe mir einen weißen 40-Zoll-Flachbildschirmfernseher gekauft. Es war schon lange der Wunsch meines Liebsten, dass ich mein altes Gerät gegen eine moderne Großversion eintausche. Er schaut sich nämlich sehr gerne Filme auf DVD an und geht deswegen sogar jede Woche in die Videothek, um sich die wichtigsten Neuerscheinungen auszuleihen. Bei mir musste er nun mit einer uralten, hässlichen, kleinen und klobigen Kiste vorlieb nehmen, die noch dazu das Wohnzimmer verschandelte (wesewegen ich sie ursprünglich ins Arbeitszimmer verbannt hatte). Ich selbst sehe nämlich nur selten fern und habe mich auch monatelang beharrlich dagegen gesträubt, dem Fernseher einen derart exponierten Platz in meiner Wohnung einzuräumen. Am Ende aber siegte die Liebe. Wenn ich durch den Kauf eines Hyper-Dyper-Mega-Ultra-Bildschirms dazu beitragen kann, dass sich mein Liebster hier gleich wohler und heimischer fühlt, dann springe ich doch gerne über meinen Schatten. (Es war ein gewaltiger Sprung, das sage ich euch!)

07.04.2008 um 23:06 Uhr

Tasten und Federn

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Schlaflos

 (c) Véro/pixelio.de

Meine Arbeit ist anstrengend und nimmt mich sehr in Anspruch. Derzeit haben wir mit einem massiven Personalmangel und einem mehrwöchigen Ausfall unserer PCs zu kämpfen. Es frustriert mich, dass ich unter diesen Umständen oft das Gefühl habe, nur gerade eben das Nötigste zu schaffen. Nie hätte ich gedacht, dass ich so angewiesen auf meinen Rechner bin. Aber ich brauche ihn, um meine Gedanken zu ordnen und Ideen, Konzepte und Überlegungen in einer sinnvollen Form abzulegen, damit ich sie vorübergehend vergessen und an etwas anderes denken kann. Papier und Stift ersetzen diese Funktion nur unzureichend, da sie die stete Drohung in sich tragen, dass das Geschriebene zu einem späteren Zeitpunkt noch in die Tastatur getippt werden will. Das erschwert das Loslassen ungemein.

Nebenbei lese ich ein wunderbares Buch, das mir Artemisia vor rund einem Jahr geschenkt hat. "Schreiben in Cafés" heißt es - eine Lektüre über das kreative Schreiben, die mich ungemein berührt und inspiriert. Doch während ich mich in der Arbeit ungeduldig nach meinem PC sehne, lässt dieses Buch mich an den Abenden eher zu meinem Füllfederhalter greifen, um meine Gedanken in geschwungenen Linien aufs Papier fließen zu lassen. Es tut so gut, ihnen in der Stille und Abgeschiedenheit meiner Wohnung Form und Gestalt zu geben und mich dadurch vom Ballast meines Arbeitsalltags zu befreien. Mein Blog indess verwaist darüber zusehends. Dabei gäbe es durchaus einiges zu erzählen, doch mag ich mir derzeit nicht die Mühe machen, darüber zu bloggen. Es gibt für alles eine Zeit. Diese hier gehört eindeutig Stift und Papier (wenn auch nicht immer ganz freiwillig).