Sternentanz

26.12.2008 um 22:02 Uhr

Once

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Verliebt
Musik: Glen Hansard & Marketa Irglova - Falling Slowly

Die Tatsache, dass mir mein Liebster die Special Edition von "Once" zu Weihnachten geschenkt hat, möchte ich zum Anlass nehmen, endlich die ausführliche Rezension zu schreiben, die ich ihm schon so lange versprochen habe. Achtung: In meiner Review verrate ich den Ausgang der Liebesgeschichte!

Mann trifft Frau und dazwischen wird musiziert. So ließe sich der Inhalt des irischen Musikfilms "Once" in einem Satz zusammenfassen. Wer eine besondere Vorliebe für hoch emotionale Dramen, schmissige Broadway-Songs oder grandiose Schauspielkunst hat, ist in diesem Film definitiv falsch. Doch wer Filme liebt, die mehr von ihrer zarten Atmosphäre als von der dramaturgischen Schützung des Knotens leben, wird sich über das kleine Juwel "Once" sehr freuen. Der Film erzählt in leisen, unaufgeregten Tönen von der Begegnung eines irischen Straßenmusikanten mit einer tschechischen Pianistin, die ihr Geld als Blumenverkäuferin verdient. Die Handlung spielt in Dublin. Wir sehen Schaufenster und Toreinfahrten, Cafés mit bunten Holztüren, Staubsaugerreparaturwerkstätten, verregnete Straßenzüge im nächtlichen Laternenschein und ärmlich eingerichtete Wohnungen - und dazwischen zwei Menschen, die sich auf zarte, unaufdringliche Weise näherkommen, einander berühren und verwandeln, ohne sich wirklich zu kennen. Das verbindende Element zwischen den beiden ist die Musik und tatsächlich wird im gesamten Film weit mehr gesungen als gesprochen. Er spielt dazu auf seiner alten, ramponierten Gitarre, sie auf einem Klavier in einer Musikalienhandlung. In der Sprache der Musik verstehen sich die beiden auf Anhieb und finden zu einer Nähe, die sich nicht in die Welt der gesprochenen Worte übertragen lässt. Im Grunde wären die beiden wie füreinander geschaffen, doch vor dem Wagnis einer großen Liebesbegegnung, die alle Hindernisse zu überwinden bereit wäre, scheuen sie zurück. Vielleicht haben sie den Glauben an eine solche Liebe längst verloren. Er trägt noch die vernarbten Spuren einer vergangenen Liebesbeziehung mit sich herum und sie hat Verpflichtungen, denen sie sich nicht entziehen will. Deshalb beschränken sie sich letztlich auf ihre Verbundenheit in der Musik, die nur dem Augenblick gehört. Selbst in den heiteren Momenten durchzieht ihre Begegnung eine leise Traurigkeit. "Es wäre schön", sagt die junge Frau am Ende, "aber es wäre sinnlos." Und so bleibt ihnen nur die Musik, die sie einander zum Geschenk gemacht haben. Alles in allem ein wunderschöner, leiser und zarter Film, der mir als einer der wenigen in diesem Jahr wirklich im Gedächtnis geblieben ist. (Der Song "Falling Slowly" wurde mit einem Oscar ausgezeichnet.)

15.12.2008 um 18:36 Uhr

Alice im Interview

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Sinnlich, sehnsüchtig und überaus vorfreudig
Musik: Tina Turner - Go Ahead

 (c) Klicker/pixelio.de

Gestern veranstaltete 3sat den Thementag "Frauen an die Macht" mit einer ganzen Reihe interessanter Dokumentationen. Besonders angesprochen hat mich die Wiederholung eines Interviews mit Alice Schwarzer, das bereits im Januar dieses Jahres erstmals gesendet worden war. Da ich mich mit der Emma-Herausgeberin in letzter Zeit oftmals kritisch auseinandergesetzt hatte, war ich überrascht und überaus beeindruckt von der klugen. sachlichen und differenzierten Art, mit der sie während des Interviews ihre Positionen darlegte. Insbesondere ihre Ansichten zu Pornographie und weiblichem Masochismus klangen aus ihrem Mund so ganz anders, als ich das beim Lesen diverser Emma-Artikel wahrgenommen hatte. So findet sich beispielsweise noch heute bei Wikipedia die Aussage, dass Alice Schwarzer das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung im Zusammenhang mit BDSM ablehne: "Die Propagierung des weiblichen Masochismus durch den Mann ist ein Angriff, durch Frauen ist es Kollaboration mit dem Feind."

An solchen und ähnlichen Zitaten hatte ich mich in der Vergangenheit immer gestoßen, da sie mir viel zu pauschal und dogmatisch waren. Doch im gestrigen Interview war davon überhaupt nichts zu spüren. Zwar setzte sich Alice Schwarzer durchaus kritisch mit weiblichen Vorlieben auseinander, die Lust mit Unterwerfung verbanden, doch stellte sie es ausdrücklich jeder Frau frei, sexuelle Vorlieben dieser Art auszuleben. Ihre Kritik richtete sich einzig und allein gegen die öffentliche Darstellung von Frauen als sexuellem Objekt (wobei sie Pornographie als die Verknüpfung von Sexualität mit Unterwerfung und Gewalt definierte und damit von der allgemein gängigen Definition abwich). Im Interview stellte sich mir Alice Schwarzer keineswegs als männerhassende, polemisierende Kampfemanze dar, sondern als kluge, gebildete und charismatische Frau, die ihre Positionen wohlüberlegt und argumentativ überzeugend darlegen konnte. Nach wie vor ist es mir Inspiration und Ermutigung, dass es Frauen wie sie gibt.

13.12.2008 um 15:08 Uhr

Countdown

von: Nimien   Kategorie: Stöckchen & Co.

Stimmung: Gedankenverloren
Musik: Sarah McLachlan - Push

 (c) Sandra Melicchio/pixelio.de

Gesehen bei Stina , wobei ich das "ohne die du nicht leben könntest" gerne auf ein "auf die du nicht verzichten möchtest" reduziert sehen würde.

10 Dinge, auf die du dich immer wieder aufs Neue freust:

  • Nach Hause kommen
  • Das Wiedersehen mit meinem Liebsten
  • Begegnungen mit geliebten Menschen
  • Freie Tage ohne Termine und Verpflichtungen
  • Neu gekaufte Bücher lesen
  • Ein neues Tagebuch beginnen
  • Der erste Urlaubstag
  • Besuche bei Ikea
  • Meine Schwester singen hören
  • Frühlingsbeginn

9 Dinge, ohne die du nicht leben könntest:

  • Stift und Papier
  • Bücher
  • Blumen, Bäume, Wiesen, Bäche und Seen
  • Geliebte Menschen
  • Öffentliche Verkehrsmittel
  • Computer mit Internetanschluss
  • Musik
  • Körperliche Nähe und Zärtlichkeit
  • Sonnenschein

8 Dinge, die dich ärgern:

  • Bevormundung
  • Psychologisches oder esoterisches Schubladendenken
  • Wenn ich es nicht schaffe, klare Grenzen zu setzen oder mich zu behaupten
  • Festgefahrene Geschlechtsrollenklischees
  • Wenn mir jemand in der U-Bahn einen Sitzplatz wegschnappt
  • Die Abhängigkeit meines fachlichen Handelns von wirtschaftlichen Erwägungen
  • Vor dem Fernseher oder dem Computer verplemperte Zeit
  • Der Inhalt von Frauenzeitschriften (die "Emma" ausgenommen)

7 Serien/Filme, die du immer wieder sehen könntest:

  • Billy Eliot - I Will Dance
  • Drei Haselnüsse für Aschenbrödel
  • Robin of Sherwood
  • Cyrano von Bergerac
  • Ganz oder gar nicht
  • Die "Herr der Ringe"-Trilogie
  • Star Trek - The Next Generation

6 Dinge, die du (fast) jeden Tag tust:

  • Im Internet surfen
  • Zähne putzen
  • Frühstücken
  • Lesen und Schreiben
  • An meinen Liebsten denken
  • Meine Körpertemperatur messen

5 Lebensmittel, ohne die du nicht leben könntest:

  • Joghurt
  • Bananen
  • Schokoladenkekse
  • Pasta
  • Brot

4 Dinge, die du täglich anfasst:

  • Computermaus
  • Türklinken
  • Zahnbürste
  • Kugelschreiber/Füller/Bleistift

3 Dinge, die deine Laune fast immer verbessern:

  • Tolle Bücher
  • Die Begegnung mit geliebten Menschen
  • Meine frisch geputzte Wohnung

2 deiner momentanen Lieblingslieder:

  • "Falling Slowly" (Glen Hansard & Marketa Irglova)
  • "Gabriellas Song" (Helen Sjöholm)

1 Wort/Satz, das/den du in letzter Zeit häufig verwendest:

  • "Ich liebe dich." (Nicht nur in letzter Zeit)

12.12.2008 um 21:03 Uhr

Urlaub *seufz*

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Traurig
Musik: Kate Bush - Moments of Pleasure

 (c) cheelz/pixelio.de

Morgen beginnt mein Weihnachtsurlaub. Und eigentlich hätte morgen auch mein Liebster anreisen sollen. Aber leider ist ihm nun kurzfristig etwas Wichtiges dazwischen gekommen und er wird bis Dienstag noch in Graz bleiben müssen. Ich selbst habe ihm zugeraten, der Pflicht den Vorrang zu geben, und bin mir auch sicher, dass das richtig war. Trotzdem macht es mich traurig. Ich bin so urlaubsreif wie schon lange nicht mehr, bis obenhin angefüllt mit sorgenvollen Gedanken und Grübeleien. Es wäre einfach schön gewesen, von Beginn an in Nähe und Zweisamkeit zu versinken und an nichts anderes mehr zu denken. Aber es lässt sich nun mal nicht ändern und so werde ich nun das Beste daraus machen. Vielleicht tut es mir ja ganz gut, ein paar Tage für mich zu sein und erst mal in aller Ruhe bei mir selber anzukommen.

07.12.2008 um 11:10 Uhr

Minga, i mog di!

von: Nimien   Kategorie: Meine Stadt

Stimmung: Wohlig-verschlafen
Musik: Katie Melua - Blame It on the Moon

 (c) Fricus/pixelio.de

Ich war beruflich für drei Tage in Berlin. Bei meinem letzten Besuch in der deutschen Hauptstadt stand die Mauer noch (und die westdeutsche Hauptstadt war ein kleines Dorf namens Bonn). Obwohl der Mauerfall mittlerweile zwanzig Jahre zurück liegt, war es berührend und bewegend, durch das Brandenburger Tor und Unter den Linden zu flanieren und endlich mit all meinen Sinnen zu sehen, zu spüren und zu erleben, wie viel sich hier seit der Wende verändert hat. Ansonsten ist mein Eindruck von Berlin noch derselbe wie vor zwanzig Jahren: zu groß, zu laut, zu dreckig - und viel zu anstrengend. Ich bin überhaupt kein Großstadtmensch und Berlin ist eine Stadt, die mich komplett erschlägt. Außerdem bin ich wohl schrecklich verwöhnt, weil ich in einer der reichsten und blühendsten Städte Europas lebe. Die Armut ist in Berlin deutlich spürbar und der Kontrast zu den protzigen und überladenen Konsumtempeln am Kurfürstendamm und in der Friedrichstraße umso drastischer. Doch es ist in erster Linie die Größe der Stadt, die mich überfordert. In Berlin dauert es ewig, von A nach B zu kommen, und nicht selten muss man dabei dreimal umsteigen. Zum Glück hatten wir eine sehr schöne Unterkunft in einem ruhigen Viertel am Stadtrand, so dass ich mich abends von der ständigen Reizüberflutung erholen konnte. Trotzdem war ich froh, dem Großstadtbetrieb nach drei Tagen entfliehen zu können. Als unser Flieger am späten Nachmittag auf dem Münchner Flughafen aufsetzte, machte mein Herz einen kleinen Freudensprung.

 (c) Heiko/pixelio.de

München, das ist Heimat. Der warme, durchaus kantige, aber liebenswerte bayerische Dialekt. Das bunte und vielfältige Stadtbild, das nicht von futuristischen Wolkenkratzern dominiert wird, sondern zahlreiche historische und moderne Stilrichtungen harmonisch in sich vereint. Die weltberühmten Münchner Biergärten, die das sommerliche Großstadtleben entscheidend prägen. Das südländische Flair und die winterliche Weihnachtsstimmung. Das grüne Band der Isar, das die Stadt von Süden nach Norden durchzieht. Die schmucken Passagen entlang der Einkaufsmeilen und die kleinen Seitenstraßen in Haidhausen oder im Glockbachviertel. Der Viktualienmarkt und das Tollwood-Festival. Die blauen Wagen der MVG. Die Möglichkeit, ganze Stadtviertel zu Fuß zu erkunden. München ist groß genug, um mir jede nur erdenkliche Anregung zu bieten, und doch so überschaubar, dass ich mich hier noch heimisch fühlen kann. In keiner anderen Stadt habe ich mich so schnell zu Hause gefühlt. München hat mich vor sieben Jahren freudig willkommen geheißen und mich seither nicht wieder losgelassen. Es hat mir einen Traumjob und eine wunderbare Wohnung beschert, ich habe ihm das Wiederaufleben einer wunderbaren Freundschaft und letztlich sogar den Zauber einer großen Liebe zu verdanken. Denn es war die Aussicht auf ein Wochenende in München und einen Besuch auf dem Oktoberfest, die meinen Liebsten vor drei Jahren in mein Leben lockte. Und so ist München längst nicht mehr nur meine, sondern auch und vor allem unsere Stadt. Das ist das Allerschönste daran.