Stimmung: Frühlingputzig
Musik: Mary Black - Fields of Gold
(c) Lars Wichert/pixelio.de
Heute mache ich mal eine Anleihe bei Galahad :
1. Würden Sie sich selbst heiraten?
Einerseits ja: Das Zusammenleben mit mir wäre außerordentlich praktisch. Wir wären mit dem Hausputz und der Gartenarbeit in der Hälfte der Zeit fertig, könnten uns gegenseitig unsere Texte vorlesen, würden uns für dieselben Themen interessieren und hätten genau dieselben Vorstellung von Ordnung und denselben Geschmack. Andererseits wäre das auf Dauer wahrscheinlich schrecklich langweilig. Und ob ich wirklich in der Lage wäre, auf meine eigenen Macken angemessen zu reagieren, ist fraglich.
2. Was richtet mehr Schaden an: schonungslose Aufrichtigkeit oder Unehrlichkeit?
Mir gefällt das Wort "schonungslos" an dieser Stelle nicht. Im Prinzip halte ich Aufrichtigkeit für eine unabdingbare Voraussetzung jeder Beziehung. Das muss aber nicht bedeuten, dass Wahrheiten knallhart und ohne jede Rücksicht ausgesprochen werden. Aufrichtigkeit in Kombination mit Achtung und Feingefühl ist wohl die ideale Kombination. Und das beinhaltet durchaus, manche Dinge, unausgesprochen zu lassen. Trotzdem glaube ich an den Satz: Die Wahrheit ist jedem zumutbar.
3. Welchen Ersatz haben Sie für den Verlust Ihrer Schönheit?
Was heißt hier Ersatz? Meinen wachen Verstand, mein warmes Herz, meine Lebensfreude und meine Lebendigkeit werde ich mir hoffentlich bis ins hohe Alter bewahren. Und all das macht schließlich auch heute schon einen großen Teil meiner Schönheit aus.
4. Was tun Sie als erste in einer fremden Stadt?
Ich kaufe mir einen Stadtplan, eine Übersicht übers öffentliche Verkehrsnetz und eine Drei-Tages-Netzkarte.
5. Sie müssen wählen: Ihr Heimatland für immer zu verlassen - oder es nie wieder verlassen zu können. Was tun Sie?
Falls die Frage das Mauer-Szenario heraufbeschwört, fällt es mir wahnsinnig schwer, sie zu beantworten. Ich hänge sehr an meiner Heimat und fühle mich pudelwohl. Aber das wäre vermutlich anders, wenn Deutschland eine Diktatur wäre und jemand vorhätte, mich hier einzumauern. Meine Freiheit ist mir sehr wichtig. Aber ob ich bereit wäre, alles andere - meine Arbeit, meine Wohnung, meine Familie und meine Freunde - aufzugeben, nur um in Freiheit zu leben? Letztlich hinge es wohl davon ab, wo mein Liebster sich zu diesem Zeitpunkt gerade befindet. Wenn ich befürchten müsste, ihn nie wiederzusehen, würde ich sicher zu ihm fliehen. Bin ich froh, dass ich das nicht entscheiden muss!
6. Was denken Sie: Haben Sie den schönsten Tag Ihres Lebens bereits hinter oder noch vor sich?
Es gibt viel zu viele "schönste Tage des Lebens", als dass ich diese Frage zufriedenstellend beantworten könnte. Ich habe schon viele davon erlebt und hoffe, dass mindestens noch ebenso viele auf mich warten.
7. Sie könnten eine Million für sich bekommen oder zehn Millionen für einen guten Zweck spenden.
Ehrlich? Ich hätte lieber die Million. Dann kann ich in aller Ruhe entscheiden, was ich damit anfange.
8. Welcher Tag der Woche ist Ihnen am liebsten?
Der Sonntag. Da sind meist alle Pflichten des Alltags schon erledigt, die Geschäfte sind zu und ich kann tun und lassen, was ich will.
9. Was finden Sie an sich banal?
Meine Haarfarbe. (Trotzdem färbe ich nicht. Es muss ja nicht alles an mir außergewöhnlich sein.)
10. Wonach riecht Ihre Kindheit?
Puh, schwierige Frage. Der Geruchssinn war noch nie sonderlich prägend für meine Wahrnehmungen und Erinnerungen. Mir fällt gerade überhaupt nichts ein (außer dass ich diese Frage mal zum Anlass für eine Schreibübung nehmen könnte).
11. Welches Lied würden Sie Ihrem liebsten Menschen vorsingen?
"Sommermorgen" von Reinhard Mey
12. Wofür würden Sie in zehn Jahren gern mehr Zeit haben?
Zum Schreiben, für die Gartenarbeit und für die Menschen, die ich liebe.
13. Lachen Sie auch, wenn Sie allein sind?
Ja, z.B. bei Filmen oder beim Lesen. Aber doch wesentlich seltener als in Gesellschaft.
14. Haben Sie in Ihrem Leben genug Liebe bekommen?
Bisher ganz sicher, ja. Was aber nicht heißt, dass ich nun genug davon habe.
15. Wie sehen Sie sich auf alten Fotografien?
Auf Kinderfotografien sehe ich ein sehr lebhaftes, blond gelocktes kleines Mädchen, im Teenageralter eher ein schüchternes Mauerblümchen mit unmöglichem Kleidungsstil.
16. Würde Ihre Partnerschaft es überstehen, wenn einer von Ihnen für ein Jahr am anderen Ende der Welt leben würde?
Grundsätzlich bin ich geneigt zu sagen: Ja. Andererseits habe ich es mittlerweile so satt, Beziehung auf Distanz zu leben, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich mich auf so ein Modell (das ja noch wesentlich extremer wäre als das derzeit von uns gelebte) wirklich einlassen würde.
17. Ist Erfolg eine Illusion?
Nein. Ich verstehe die Aussage nicht.
18. Haben Sie heute schon etwas geteilt?
Meine Gedanken ... mit euch.
19. Was wünschen Sie sich für Ihr Leben?
Das es so erfüllt und glücklich bleibt, wie es gerade ist.
20. Macht es die Tatsache, dass Sie etwas vorher noch nie getan haben, reizvoller oder weniger reizvoll, sich darauf einzulassen?
Das kommt völlig darauf an, worum es sich handelt. Ob mich etwas reizt oder nicht, hängt weniger davon ab, ob ich es schon mal gemacht habe, sondern was ich mir davon verspreche. Generell bin ich wohl eher ein Gewohnheitstier und bevorzuge Dinge, von denen ich weiß, dass sie gut sind. Aber es gibt auch Bereiche meines Lebens, in denen ich gelegentlich Lust auf Neues verspüre.