Sternentanz

31.10.2009 um 16:50 Uhr

Was es ist

von: Nimien   Kategorie: Herzensbegegnungen

Stimmung: Zart und leise
Musik: Howard Shore - Many Meetings

 (c) Ibefisch/pixelio 

Manchmal ist das Bild, das Menschen sich voneinander machen, derart weit von der Realität entfernt, dass jede Chance auf einen offenen, lebendigen Kontakt verblasst. Mir selbst ist dieser Fehler schon mehrfach unterlaufen und ebenso kenne ich die Erfahrung, mit einem Zerrbild meiner selbst konfrontiert zu werden. Die Verzerrung der Wirklichkeit ist dabei in beide Richtungen möglich, zum einen als Idealisierung und zum anderen als Unterstellung. (Besonders abstrus wird es, wenn beides zusammenfällt.) Selbst Komplimente und Zuneigungsbekundungen bleiben merkwürdig schal, wenn sie dem Wesen des Gegenübers überhaupt nicht gerecht werden.

Wie wohltuend indes sind jene Begegnungen, in denen die achtsame Wahrnehmung regiert. Mein Liebster hat sie, diese besondere Begabung, andere Menschen mit schlichtem Blick wahrzunehmen, ohne sie zu verklären oder herabzuwürdigen. Mit dieser Gabe hat er mich damals tief berührt. Nie zuvor habe ich mich von einem Mann so klar und liebevoll gesehen gefühlt. Der Brief, den er mir in unseren Anfangstagen schickte, ging mir direkt unter die Haut. Vier Jahre ist das nun schon her. Seine Worte haben sich in meinen Zellen verankert und wirbeln bis heute durch meine Adern. Ich fühle mich so wohl und geborgen in seiner Liebe, so zärtlich eingehüllt und so unsagbar zu Hause. Ich will endlich mit diesem Mann leben - an seiner Seite, Tag für Tag! Verflixt noch eins!

31.10.2009 um 09:32 Uhr

Traumnebelland

von: Nimien   Kategorie: Heilsames

Stimmung: Warm und wohlig
Musik: John Williams - Binary Sunset

 (c) dagmar zechel/pixelio

Dem Zauber von Samhain habe ich es wohl zu verdanken, dass ich heute Nacht von einer alten Liebe geträumt habe. Mein Schatz und ich besuchten den jungen Mann, den ich einst geliebt hatte, und seine langjährige Freundin. Es war ein schöner, versöhnlicher Traum, der vieles von dem erfüllte, was in der Realität unerfüllt blieb. Mit einem Lächeln auf den Lippen wachte ich auf und freute mich, nach so langer Zeit noch so liebevoll von ihm träumen zu können. Besonders berührt hat mich die Selbstverständlichkeit, mit der mein Traum die beiden Menschen, denen mittlerweile unsere ganze Liebe gehört, ins Geschehen miteinbezog. Es zeigt mir, wie sehr ich meinen Frieden geschlossen habe mit dem Lauf der Dinge, wie dankbar ich bin, dass alles so gekommen ist - und auf welch wunderbare Weise unsere damalige Geschichte heutigem Glück den Weg bereitet hat.

28.10.2009 um 22:22 Uhr

Satz mit X

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Bedröppelt
Musik: Howard Shore - The White Rider

 (c) Rolf Kühnast/pixelio

Es ist, als hätte ich es geahnt: Mein Schatz ist krank und kann nicht kommen. Zwar werden wir unser Treffen in einer Woche nachholen, doch durch die Terminverschiebung schrumpfen die vier Tage, die wir ursprünglich gehabt hätten, auf karge 48 Stunden zusammen. Immerhin spare ich mir dadurch einen Urlaubstag, den ich irgendwann einmal später unserer Zweisamkeit widmen kann. Das ist aber auch der einzige Vorteil daran.

27.10.2009 um 06:48 Uhr

Nachtrag

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Vorfreudig
Musik: Barbra Streisand - Pieces of Dreams

 (c) Ute Vinzens /pixelio

Über all dem sehnsüchtigen Seufzen möchte ich nicht vergessen zu erwähnen, dass es derzeit mehr Anlass zur Hoffnung gibt als je zuvor und ich mit meinem Liebsten überaus glücklich bin. Doch solange wir noch getrennt leben, gehören solche Sehnsuchtsanflüge wohl einfach dazu.

26.10.2009 um 20:48 Uhr

Am Ende des Regenbogens

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Leise, sehnsüchtig, seufzend
Musik: John Williams - Princess Leia's Theme

 (c) Gerald B./pixelio

Als mein Liebster Anfang September nach Graz aufbrach, rechnete ich damit, ihn schon wenige Wochen später wiederzusehen. Das war ein Irrtum, wie sich bald herausstellen sollte. Mittlerweile sind fast zwei Monate vergangen und selten zuvor sind mir acht Wochen so lang vorgekommen. Zum Glück hat das zermürbende Warten nun bald ein Ende. Schon in wenigen Tagen werde ich meinen Schatz wieder in die Arme schließen können. Meine Vorfreude wächst stündlich - und doch ist sie überzogen von Traurigkeit. Denn leider ist dies noch nicht das endgültige Wiedersehen, sondern nur eine kurze Unterbrechung in unserer weiterhin andauernden Fernbeziehung. Ich traue mich schon gar nicht mehr, mir überhaupt noch irgendwelche Hoffnungen auf eine baldige Nahbeziehung zu machen, weil sie sich bislang alle zerschlagen haben. Irgendwann, da bin ich mir ganz sicher, wird er mit Sack und Pack hier vor der Tür stehen. Wann immer ich traurig am Telefon seufze: "Ich wünsche mir so sehr, dass endlich unsere gemeinsame Zukunft beginnen kann", entgegnet er entschieden: "Aber die hat doch schon längst begonnen!" Seine Worte trösten und wärmen mich. Es gibt keinen Zweifel, dass er sie ernst meint. Und dennoch ... *SEUFZ*

20.10.2009 um 00:05 Uhr

Nur nicht nostalgisch werden!

von: Nimien   Kategorie: Herzensbegegnungen

Stimmung: Zärtlich-sehnsüchtig
Musik: Mary Black - Fall At Your Feet

 (c) Rainer Sturm/pixelio

Ich lese nur selten in alten Tagebüchern. Heute Abend jedoch habe ich es getan. Der Brief eines Menschen, der mir einmal sehr nahestand, hat mich dazu veranlasst. Erstaunt habe ich festgestellt, wie verzerrt und verfälscht meine Erinnerungen in manchen Punkten sind. Und ich habe gemerkt, dass ich zur Nostalgie nicht tauge. Die Gegenwart ist der Ort, an dem ich am stärksten verwurzelt bin - und die Zukunft lenkt meine Schritte. Das betrifft auch meine Beziehungen. Diejenigen, die nur aus der Erinnerung an längst vergangene Zeiten leben, bieten mir hier und heute keine Nahrung mehr. Selbst wenn ich einen Menschen treffe, der Spuren in meinem Herzen hinterlassen hat, möchte ich diese nicht jedes Mal wieder abschreiten, wenn wir uns begegnen. Sofern keine neuen Spuren mehr entstehen, ist es besser, die Vergangenheit ruhen zu lassen.

Im Lichte dieser Überlegungen bin ich ganz froh, dass es nach dem Ende meiner letzten Liebesgeschichte keine weiteren Begegnungen mehr gab. Diese Geschichte hat ihren Platz genau da, wo sie hingehört: in meiner Erinnerung. In meinem jetzigen Leben gäbe es gar keinen Raum dafür. Ich kann dem Mann, der meinen vorsichtigen Wiederannäherungsversuch damals so entschieden ignorierte, in Gedanken nur lächelnd zunicken: Gut gemacht! Klug gewählt!

Einen entscheidenden Nachteil haben diese Betrachtungen der Vergangenheit allerdings: Sie wecken meine Sehnsucht nach intensiv gelebter Gegenwart. Ich vermisse ihn so!

17.10.2009 um 10:20 Uhr

Frühling, Sommer, Hochsommer, Winter

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Wohlig verschlafen
Musik: Sting - Englishman In New York

 (c) echino/pixelio

Nachdem es letzte Woche noch 27 °C hatte, stürzten die Temperaturen kurz darauf in den Keller und es fing an zu schneien. Es sieht merkwürdig aus, wenn auf grünem Laub Schnee liegt. Mir graut davor, dass ich heute bei Regen, Wind und Temperaturen unter 5 °C Rosen pflanzen muss. Der Wettermensch hat gestern im Fernsehen erklärt, dass um diese Jahreszeit eigentlich Goldener Oktober mit Temperaturen um die 20 °C angesagt sei. Aber das Wetter hält sich offenbar nicht an Traditionen. Also werde ich heute mit Handschuhen, Wollmütze und Regenjacke ausgestattet im Garten buddeln. Die Rosen werden nämlich wurzelnackt geliefert und müssen rasch in die Erde, weil sie sonst vertrocknen.

Ansonsten hatte ich gestern einen sehr vergnüglichen Abend mit meinem Schwesterlein und der a-capella-Gruppe "Six Pack" im "Spectaculum Mundi". Mein persönliches Highlight war die Interpretation von Prince's "Kiss" durch den überkandidelten Countertenor. Ich habe Tränen gelacht!

07.10.2009 um 23:24 Uhr

Die letzte Sommernacht

von: Nimien   Kategorie: Meine Stadt

Stimmung: Dankbar
Musik: Mary Black - I Live Not Where I Love

 (c) Renate Tröße/pixelio

Meine liebe C. verfiel heute Nachmittag spontan auf die Idee, dass wir beim Inder essen gehen könnten. Also trafen wir uns beim "Ganga" in der Baader-Straße und speisten gar köstliche Thalis zu süßem Lassi. Als wir satt und zufrieden das Besteck beiseite legten und uns an Mango-Likör und Fenchel mit Zuckerkügelchen verköstigten, war unser Gesprächsstoff noch lange nicht zu Ende. Also beschlossen wir, noch ein wenig durchs Glockenbachviertel zu flanieren. Um neun Uhr abends war es noch so warm, dass ich kurzerhand meine Jeansjacke über die Handtasche hängte und nur mit einer leichten Bluse bekleidet durch die erleuchteten Straßen bummelte. Überall saßen die Leute hemdsärmelig in den Straßencafés, die Windlichter flackerten in ihren Gläsern und sowohl das Rondell auf dem Gärtnerplatz als auch die Treppe vor dem Theater quollen über vor Menschen. Heiter und ausgelassen feierten sie die letzte Sommernacht dieses Jahres. 27 °C im Oktober: Herz, was willst du mehr! (Da soll noch einer sagen, München trüge seinen Titel als "nördlichste Stadt Italiens" nicht zu Recht.)

06.10.2009 um 21:25 Uhr

Altweibersommer

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Zufrieden
Musik: Pia Douwes - Ich gehör nur mir

 (c) AngelaL/pixelio

Vorgestern haben meine Nachbarn ihren Garten winterfest gemacht. Sie haben alle Stauden gekappt, das Beet schön leer geräumt und die Rosen zurückgeschnitten. Der Kontrast zu meinem Garten könnte größer kaum sein, denn in meinen Beeten herrscht dieser Tage noch immer bunte Üppigkeit. Die Rosen tragen dicke Knospen, die Astern blühen in Wolken aus Weiß, Rosa und Lila, die Himbeerranken biegen sich unter den letzten prallen Früchten und die Fetthenne streckt ihre braunen Samenstände der Sonne entgegen. Irgendwann werde auch ich die Gräser zusammenbinden, die empfindlichen Pflanzen mit Reisig schützen und getrocknetes Laub auf die Beete streuen. Aber doch nicht jetzt! Die Sonne scheint dieser Tage noch so warm und freundlich, das ich an den Winter gar nicht denken mag, und die Bäume fangen gerade erst an sich zu färben. Ein paar Rosen und Stauden wollen noch in die Erde, und die Blumenzwiebeln habe ich auch erst in den letzten beiden Wochen gesetzt. Außerdem soll mein Garten auch im Winter noch einen hübschen Anblick und den Insekten und Nutztieren ein schützendes Zuhause bieten. Deshalb schneide ich viele Stauden gar nicht zurück, sondern lasse sie bis zum Frühjahr stehen. Dann bleiben auch bei Eis und Schnee die Erinnerungen an ein beglückendes Gartenjahr lebendig und nähren meine Vorfreude auf die kommende Saison.

"Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten." (Rabindranath Tagore)