Sternentanz

31.03.2010 um 20:46 Uhr

Garden State

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Traurig, glücklich, sehnsüchtig, wehmütig - alles auf einmal
Musik: Robbie Williams - Morning Sun

Es war im November 2005, als ich den Mann meines Herzens, von dem ich damals noch gar nicht wusste, dass er es war, in einer Mail fragte, welche Filme er denn gerne mit mir schauen würde. Er dachte daraufhin laut und zählte eine ganze Reihe von Filmen auf, die er mochte und die ihn beeindruckt hatten. Seine Aufzählung endete so: "Ich würde einen Film nehmen, bei dem ich mich vom Anfang bis zum Ende wohl fühlen kann und von dem ich weiß, dass es dir wahrscheinlich nicht anders gehen wird. Ein Film, der trotzdem nicht (...) unnötig intellektuell ist, sondern für das so wunderbare Mädchen in dir, das ich so gerne habe. Ja, ich besinne mich bei meiner Wahl auf meinen Geschmack, uns beide und die Schönheit der Kleinigkeiten und nehme Garden State."

Tatsächlich war 'Garden State' der erste Film, den mein Liebster und ich je zusammen gesehen haben, damals in jenen denkwürdigen Tagen, als unsere Liebe begann und wir in der verwunschenen Zeit zwischen den Jahren eng umschlungen auf dem Bett in meinem Zimmer saßen. Doch weil ich müde war von all den sinnlichen Entdeckungen der vergangenen Stunden und auch gehörig abgelenkt von den noch ausstehenden Erkundungsreisen, blieb mir der Film nur sehr bruchstückhaft in Erinnerung. Heute Abend sah ich ihn zum zweiten Mal und eigentlich zum ersten Mal "richtig", also so, dass ich konzentriert der Handlung folgen konnte. Es ist ein wunderschöner, zauberhafter Film, liebevoll und herzerwärmend, ein Film, der alles in sich trägt, was ich an meinem Schatz so liebe und was unsere Geschichte so kostbar und einzigartig für mich macht. Und vielleicht war es ein gutes Vorzeichen, dass ich ihn ausgerechnet heute angeschaut habe, an einem Tag, der für uns beide so unendlich schwer ist und dessen Ausgang über unsere weitere Zukunft entscheiden wird. Der Film macht mir Hoffnung und er macht mir Mut, denn er erinnert mich an das, was wirklich wichtig ist.

31.03.2010 um 15:14 Uhr

Hexenschuss

von: Nimien   Kategorie: Heilsames

Stimmung: Gedrückt
Musik: Frédérik Chopin - Nocturne Nr. 8 in Des-Dur, op. 27/2

 (c) Tobias Bräuning/pixelio

Heute Morgen ist mir ganz unversehens und unvermutet die Hexe ins Kreuz gefahren. Da mir gleichzeitig der Kreislauf zusammengesackt ist, blieb mir nichts anderes übrig, als mich hinzulegen, wohl wissend, dass das bei beißenden Rückenschmerzen die denkbar schlechteste Strategie ist. Tatsächlich dauerte es dann auch Stunden und bedurfte einer gehörigen Dosis an Schmerzmitteln, bis ich überhaupt wieder in der Lage war, aus der waagerechten in die senkrechte Position zu kommen. Momentan laufe ich mit einem Umschlag mit Knoblauchtinktur und einem Katzenfell im Rücken durch die Wohnung, da sanfte Bewegung immer noch das beste Heilmittel gegen die Hex' ist. Zum Glück habe ich eine wahnsinnig liebe Familie. Meine Schwester, die mein Hilferuf heute aus dem Schlaf riss, kam sofort, um mir beizustehen, und nun, da sie andere Verpflichtungen hat, haben meine Eltern eine Schicht übernommen. Ich bin so dankbar für ihre tatkräftige Unterstützung und mehr noch für die Wärme und liebevolle Zuwendung, die sie mir angedeihen lassen. Die brauche ich nämlich gerade am allermeisten.

28.03.2010 um 17:54 Uhr

Warten

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Müde
Musik: Ludwig van Beethoven - Symphonie Nr. 7 in A-Dur, op. 92 - 2. Allegretto

  
(c) Lysann Morgenstern/pixelio

Warten ist ein Zustand der Untätigkeit, in dem wir Zeit verstreichen lassen, bis ein bestimmter Zustand oder ein Ereignis eintritt. Wir sind dieses Ereignisses gewärtig, d.h. wir erwarten es, rechnen damit, sind darauf eingestellt und halten es für wahrscheinlich. Wenn das, worauf wir gewartet haben, dann wider Erwarten doch nicht eintritt oder sich der erwartete Zeitpunkt nach hinten verschiebt, sich ein ums andere Mal verzögert und hinauszieht, erzeugt das eine lähmende Ruhelosigkeit, eine rastlose Unzufriedenheit, die uns innerlich zerfrisst und aushöhlt. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob wir auf unser Lebensglück, die Frühlingssonne oder eine verspätete Bahnverbindung warten. Der Effekt ist immer der gleiche.

28.03.2010 um 14:45 Uhr

Tränen gelacht

von: Nimien   Kategorie: Familiengeschichten

Stimmung: Vergnügt
Musik: Johannes Brams - Violinkonzert in D-Dur, op. 77 - 1. Allegro non troppo

 (c) jutta rotter/pixelio

Wieder mal meine Schwester (alles natürlich völlig aus dem Zusammenhang gerissen):

"Ich reihe in diesem Teil meiner Geschichte nicht nur ein erotisches Erlebnis ans andere. Dazwischen gibt es immer wieder Dialoge, zum Beispiel reden die beiden über Bücher."
"Ja, klar, wie man das halt so macht: 'Der Sex war toll, Schatz. Was hältst du eigentlich von Goethes Werther?' (...) Genug gefickt. Jetzt: Literatur!"

Ich hätte mich fast verschluckt vor Lachen. 

26.03.2010 um 23:27 Uhr

Der Sammler

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Bewegt
Musik: Natalie Cole - The Very Thought Of You

Ich las "Der Sammler" von John Fowles, die Geschichte eines gehemmten jungen Mannes, dessen einzige Leidenschaft das Jagen und Sammeln von Schmetterlingen ist - und die schöne Kunststudentin Miranda, die er jahrelang aus der Ferne anschmachtet. Als er überraschend im Toto gewinnt, kauft er ein einsames, abgelegenes Haus auf dem Land, renoviert das großzügige Kellergewölbe und bereitet alles vor, um sie als 'Gast' zu sich zu holen und sie dort unten einzusperren.

Ich hatte vor vielen Jahren einmal die Verfilmung dieses Romans aus den Sechziger Jahren gesehen, mit Samantha Eggar und Terence Stamp in den Hauptrollen. Schon der Film war ein eindringliches Kammerspiel, das Buch übertraf ihn jedoch noch bei weitem. Es ist ausgesprochen raffiniert aufgebaut: Im ersten Teil erzählt Frederik Clegg, der Entführer, die Geschichte aus seiner Sicht. Im zweiten Teil schildert Miranda in Tagebucheinträgen ihren erschütternden Leidensweg und das Geschehen erscheint plötzlich aus einer völlig neuen Perspektive. Dabei überzeugen auch die sprachlichen Unterschiede. Frederiks grober, etwas holpriger und sperriger Erzählweise stehen Mirandas intelligene, feinsinnige und in Wortwahl und Ausdruck geschliffene Analysen gegenüber.

Die beiden Protagonisten haben keine Chance, zu einer gütlichen Einigung zu kommen. Zu verschieden sind ihre Charaktere, zu unterschiedlich ihre gesellschaftliche Herkunft, zu emotional verkrüppelt und sozial inkompetent ist dieser Mann, dem es eigentlich nur darum geht, die Schönheit der jungen Frau zu besitzen, der ihrer Seele und ihrem Geist aber in keiner Weise gewachsen ist. Es ist eine leidvolle, verzweifelte Geschichte und sie hat kein Happy End. Frederik ist verliebt in eine schöne Hülle, deren lebendigen Inhalt er nicht zu fassen vermag. Selbst seine Sehnsucht, von ihr wiedergeliebt zu werden, erschöpft sich in statischen Phantasien eines perfekten, kleinbürgerlichen Ehelebens. Er ist nicht einmal in der Lage, sich seiner Angebeteten ernsthaft sexuell zu nähern. Im Grunde ist sie für ihn nur wie einer seiner seltenen Schmetterlinge, deren tote Schönheit er hinter Glas verewigt.

Gruselig fand ich übrigens den Hinweis auf Wikipedia, dass die Geschichte offenbar den einen oder anderen Serienkiller inspiriert zu haben scheint.

25.03.2010 um 20:18 Uhr

Kuriert

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Bitter
Musik: Leonard Cohen - Waiting For The Miracle

(c) Viktor Schwabenland/pixelio

Das beste Heilmittel gegen überbordende Sinnlichkeit ist kalte Ernüchterung.
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25.03.2010 um 07:16 Uhr

Den Tag begrüßen

von: Nimien   Kategorie: Alltagsallerlei

Stimmung: Heiter
Musik: Meine Schwester - Colours Of The Wind

 (c) Jens Bredehorn/pixelio

Eben war ich eine halbe Stunde walken auf meiner gewohnten Runde durch den Ostpark. Der Gesang der Vögel, die Morgensonne und das Glitzern des Hachinger Baches begleiteten mich auf meinem Weg. Die Rabatten vor dem Michaeligarten sind schon sauber geräumt. Hie und da spitzen die ersten Krokusse und Stiefmütterchen aus der grauen Erde. Eine duftende Tasse Tee, ein ayurvedisches Müdli, ein warmes Schaumbad und die neue EMMA werden mich nun weiter in den Tag hinein begleiten. Der Frühling ist doch etwas Wunderbares!

24.03.2010 um 21:09 Uhr

"Frau, komm!"

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Erstarrt
Musik: -

  
(c) Michael Werner Nickel/pixelio

Soeben las ich in der neuen EMMA zwei Artikel über die Massenvergewaltigungen der letzten Kriegstage 1944/1945, unter deren Folgen die Opfer zum Teil noch heute leiden. Da die Deutschen als 'Volk der Täter' galten, wurden diese Traumatisierungen lange Zeit tabuisiert. Chantal Louis berichtet über das 'Lebenstagebuch'-Projekt, das den betroffenen Frauen dabei helfen soll, ihr Lebenstrauma zu verarbeiten. Außerdem wurde ein gekürzter Auszug aus einem Buch von Ingo von Münch abgedruckt ('Frau, komm!' Die Massenvergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen 1944/1945). Beide Artikel waren erschütternd.

"Jede der Frauen wurde durchschnittlich 17 mal vergewaltigt. 'Das ist aber eben nur der Durchschnitt. Eine Frau zum Beispiel fiel ihren Vergewaltigern 70 mal zum Opfer.' Die jüngste Vergewaltigte war sieben Jahre alt." (Das vererbte Trauma, EMMA 02/2010)

"Für den von ihr gedrehten Film, der die Grundlage für das spätere Buch 'BeFreier und Befreite' bildet, hatte eine Marline von Werner ihrer Vergewaltigung geschildert. Dazu Helke Sanders: 'Jedes Mal bin ich wieder neu ergriffen von Marline von Werner, die beschreibt, wie der junge russische Vergewaltiger auf ihr einschläft und sie erkennt, dass er noch ein Kind ist und sie dann beginnt, ihn zu streicheln.'" (Verdiente Strafe für die Frauen der Täter?, EMMA 02/2010)

"Andrzej Szczypiorski, der polnisch-jüdische Schriftsteller, der nach dem Aufstand in Wahrschau 1944 in ein KZ deportiert worden war, erzählt in seinem 'Selbstportrait mit Frau' (...): 'Als der Franzose fertig war, begann der Holländer. Und als der Holländer fertig war, begann der Ukrainer. Und als der Ukrainer fertig war, begann der Pole. Und dann der zweite Pole. Und dann der Zigeuner. Und dann wieder ein Zigeuner. Und dann die anderen und noch andere und noch andere. Und am Ende, als die Frau aufgehört hatte zu atmen und ihr Körper mit dumpfem Gepolter aus der Kate gefallen war, nahmen die anderen die zweite Frau, die zunächst schrie und weinte, bettelte und fluchte, vielleicht sogar zu ihnen betete, als hätte damals irgendwer auf der Welt an Gott geglaubt und an die steinernen Tafeln, und das dauerte lange, bis alle außer mir und einem sterbenden alten Juden, der immerzu weinte, ihren Samen abgegeben hatten. - Die zweite Frau überlebte, sie lag später schweigend unter dem Fenster, das Mondlicht auf ihrem Gesicht wie der Verband auf einer Wunde, ihre Augen weit geöffnet und blind, die arme Deutsche, die arme deutsche Frau der letzten Kriegstage, der arme Mensch." (Verdiente Strafe für die Frauen der Täter?, EMMA 02/2010)

23.03.2010 um 20:58 Uhr

Küssen statt streiten

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Zaghaft hoffnungsvoll
Musik: John Williams - The Throne Room

 (c) Moni Sertel/pixelio

"Ich will nicht mit dir streiten. Ich will dich küssen", sagst du und mir fällt ein Stein vom Herzen. Solange du mich küsst, gibt es keinen Grund zu streiten.

21.03.2010 um 19:22 Uhr

Grammatikalisches Missverständnis

von: Nimien   Kategorie: Liebeszauber

Stimmung: Heiter
Musik: Sergei Rachmaninov - Klavierkonzert Nr. 2 in c-Moll, op. 18 - 3. Allegro Scherzando

 (c) RainerSturm/pixelio

Soeben habe ich festgestellt, dass eine anhaltende, vor sich hin schwelende Unstimmigkeit zwischen meinem Liebsten und mir einem grammatikalischen Missverständnis geschuldet war. Während ich eine Reihe von Sätzen, die er mit dem kleinen Wörtchen 'wenn' eingeleitet hatte, durchgehend temporal gedeutet hatte, hatte er sie ausschließlich konditional gemeint. Das löst nun zwar nicht unser Problem, erklärt aber zumindest, warum wir derart aneinander vorbeigeredet haben.

21.03.2010 um 17:02 Uhr

Schreibend die Welt neu erfinden

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Erleichtert
Musik: Alexandra - Illusionen

 (c) Rike/pixelio

Wenn ich das, was mir widerfährt, aufschreibe, erhält es eine neue Qualität. Es wird intensiver und distanzierter zugleich. Indem ich meine Geschichte erzähle, werde ich zur Gestalterin meines Schicksals, tauche bewusst ein in das Geschehen und gewinne gleichzeitig Abstand dazu. Es allein schon als Geschichte zu verstehen, verändert die Beschaffenheit des Erlebten. Vielleicht ist das der Grund, warum ich so gerne blogge und seit 25 Jahren Tagebuch schreibe.

20.03.2010 um 18:32 Uhr

Frühlingsäquinoktium

von: Nimien   Kategorie: Naturbetrachtungen

Stimmung: Voller Sehnsucht
Musik: Mari Boine - Balu BaDJel Go Vuoittán

 (c) AngelaL/pixelio

Seit ein paar Tagen ist mein Garten frei von Schnee. Der Frühling kommt spät dieses Jahr. Grau und kahl liegen die Blumenbeete zwischen dem fahlen Rasen. Nur ein paar Krokusse und Schneeglöckchen, das grüne Laub der Christrosen und die zarten Triebe der Tulpen und Narzissen malen Farbtupfer auf die graubraune Leinwand. Ich fürchte, der alte Lavendelbusch hat den grimmigen Winter nicht überstanden. Auch die Zwergrose auf meinem Balkon, die ich im Herbst in ihren Topf gepflanzt habe, wirkt äußerst mitgenommen. Es muss sich erst zeigen, ob sie austreiben wird. Ich hoffe inständig, dass wir von weiteren Kälteeinbrüchen verschont bleiben und der Frühling wiedergutmacht, was er uns so lange vorenthalten hat. Mein Herz sehnt sich nach Licht, Sonne und Wärme, nach dem zarten Grün der Bäume, nach Osterglocken und Blausternchen, nach Morgentau und lauer Luft. Winter war es lang genug. Jetzt wird es Zeit für die überbordende Sinnlichkeit des Frühlings. Und wenn ich sehe, wie die Tulpentriebe sich scharf durch das alte Laub vom Vorjahr bohren, dann ziehe ich meinen Hut vor seiner geballten Kraft.

20.03.2010 um 10:12 Uhr

Das literarische Duett

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Frühlingsfroh
Musik: Barbra Streisand - Ordinary Miracles

 (c) berwis/pixelio

Mittlerweile habe ich mich dazu durchgerungen, zwei sehr nahen, vertrauten Freundinnen meine Geschichte zu lesen zu geben. Das hat mich einiges an Mut gekostet und ich war doch ziemlich nervös, als ich die Texte losschickte. Immerhin liegt zweifaches Herzblut darin: Zum einen enthält die Geschichte inhaltlich eine hohe Selbstoffenbarungskomponente und zum anderen ist schon das Schreiben an sich eine ausgesprochen persönliche Angelegenheit. Ich entblöße mich nicht nur durch das, was ich erzähle, sondern auch dadurch, wie ich es tue. Die Worte und Formulierungen, die meiner Geschichte Gestalt verleihen, sind mindestens ebenso sehr Ausdruck meiner Persönlichkeit wie die Inhalte der Erzählung. Von daher bin ich ausgesprochen froh und erleichtert, dass ich bislang in erster Linie positive, ja, sogar begeisterte Rückmeldungen erhalten habe. Natürlich habe ich es mit wohlwollenden Leserinnen zu tun, aber da ich auch kritische Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge geerntet habe, gehe ich einfach mal davon aus, dass das Lob genauso ehrlich gemeint war.

Das größte Kompliment kam von jener Freundin, die meinte, dass sie beim Lesen streckenweise völlig vergessen habe, dass sie ja Korrektur lesen solle, so sehr sei sie ins Geschehen eingetaucht. Am Dienstag rief sie mich an und wir verbrachten Stunden damit, den Text durchzugehen, über ihre Anmerkungen und unsere Gedanken zur Geschichte zu reden, kleinere Unebenheiten zu glätten und lose Enden auszumerzen (von denen es zum Glück nicht allzu viele gab). Ich erzählte Anekdoten aus dem Entstehungsprozess und wir diskutierten gemeinsam über mögliche Hintergründe und Motive der handelnden Personen. Hach, was war das für ein vergnüglicher Abend! Unser literarisches Duett hat mir mindestens ebenso viel Freude bereitet wie das Schreiben selbst.

17.03.2010 um 07:51 Uhr

Frühlingserwachen

von: Nimien   Kategorie: Seelenspiegel

Stimmung: Sehnsüchtig
Musik: Loreena McKennit - Come By The Hills

 (c) Susanne Schmich/pixelio

Nun ist er also da, der Frühling. In meinen Adern fließt er ja schon lange. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt solch einen sinnlichen Hunger, so eine unstillbare Sehnsucht verspürt habe. Natürlich bin ich selbst daran keineswegs unschuldig, denn ich gebe ihr durch geeignete Lektüre, die kontinuierliche Überarbeitung meiner Geschichte und das Schwelgen in erotischen Phantasien beständig Nahrung. Angesichts der Tatsache, dass mein Liebster in der Ferne weilt, ist das nicht unbedingt die vernünftigste Strategie. Natürlich wäre es klüger, mich in der Zwischenzeit eher sachlichen Dingen zuzuwenden, etwa meiner Steuererklärung oder meiner Altersvorsorge oder ähnlich aufregenden Angelegenheiten. Der Frühjahrsputz, den ich kürzlich begonnen habe, ist zur inneren Abkühlung nur bedingt geeignet, da die Hausarbeit auf mich eher anregend wirkt und mich in erstaunlich sinnliche Stimmung versetzt. Aber ich will es ja nicht anders. Letztlich möchte ich auf die warme, wohltuende Lebendigkeit, die mein Verlangen mit sich bringt, gar nicht verzichten. Umso schöner ist es, dass die Natur sich endlich erbarmt und uns ein paar wärmere Tage schickt. Die klirrende Kälte und das ewige Eis wollten so gar nicht zu meinen Seelenregungen passen.

13.03.2010 um 22:47 Uhr

Lena singt in Oslo

von: Nimien   Kategorie: Gehört, gesehen, gelesen

Stimmung: Sehnsüchtig
Musik: Lena Meyer-Landrut - Mr. Curiosity


(c) Johannes Höntsch/pixelio

Dass der Grand Prix respektive Eurovision Song Contest eine absolut grottige Veranstaltung ist, darüber brauchen wir an dieser Stelle wohl nicht zu streiten. Ich gucke den eigentlich nur deshalb, weil meine Schwester in der Musikbranche tätig ist und es mir Spaß macht, anschließend mit ihr darüber zu lästern. Aber in diesem Jahr war ich ehrlich beeindruckt von den musikalischen Talenten, die Stefan Raabs Vorauswahl zu bieten hatte. Auch wenn ich damit gänzlich mit dem Mainstream fließe, oute ich mich an dieser Stelle mal als Lena-Fan. Diese junge Frau ist nicht nur hübsch und hat Esprit, sondern sie überzeugt auch durch eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Ich war hin und weg, als ich sie das erste Mal mit 'My Same' auf der Bühne sah, und mit den nachfolgenden Darbietungen hat sie diesen Eindruck nur bestätigt. Da ich dem eigentlichen Wettbewerb in Oslo keinerlei Bedeutung beimesse, stört es mich auch nicht weiter, dass der Siegersong nur mittelprächtig ausgefallen ist und den Songs, die Lena in den früheren Shows interpretiert hat, nicht das Wasser reichen kann. Das Mädel hat echt Talent!

12.03.2010 um 18:15 Uhr

Lesen

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Wochenendvorfreudig
Musik: Mary Black - Cut By Wire

 (c) kladu/pixelio

Als ich ein junges Mädchen war, war ich eine richtige Leseratte. Ich las und las und konnte gar nicht wieder damit aufhören – ob es nun die Leuchtreklamen über den Läden meiner Heimatstadt, das Kleingedruckte auf der Ketchup-Flasche oder eben richtige Bücher waren. Ich las alles, was mir in die Hände fiel. Nur zu gut erinnere ich mich an jenen Nachmittag, als ich aus der Schule kam und anfing, 'Die unendliche Geschichte' zu lesen. Ich schlug das Buch auf, sprang mitten hinein in die Buchstaben und klappte die Buchdeckel erst wieder zu, als ich spät nachts den letzten Satz entziffert hatte. Die Welt um mich herum hörte auf zu existieren. Ich versank vollständig in Phantásien, nahm nichts anderes mehr wahr. Dunkel erinnere ich mich, dass meine Mutter mir etwas zu essen hinstellte, aber ansonsten löste meine körperliche Existenz sich gänzlich auf.

Noch heute bin ich dem geschriebenen Wort verfallen. Nach eindringlich erzählten Geschichten bin ich geradezu süchtig. Vielleicht ist das der Grund, warum ich kaum noch Belletristik lese, sondern mich eher der Fach- und Sachliteratur verschrieben habe. Wenn ich tatsächlich auf eine Erzählung stoße, die mich packt, dann geht es mir nämlich noch ganz genauso wie damals: Ich kann das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Nein, ich bin nicht dafür geschaffen, in der U-Bahn zu lesen. Bücher, die für mich als U-Bahn-Lektüre in Frage kommen, dürfen höchstens mittelprächtig sein (und dann langweilen sie mich meist zu Tode). Ansonsten kann es passieren, dass ich auch während der Arbeit darin herumblättere, und wenn ich abends nach Hause komme, werfe ich mich auf die Couch, lese das Buch in einem Rutsch zu Ende, und dann wars das auch schon wieder mit dem U-Bahn-Lesestoff.

Mein Liebster mag es gar nicht, wenn ich neben ihm auf der Couch lese, während er fernsieht. Denn er spürt, dass ich dann, obwohl körperlich nah und präsent, doch innerlich ganz woanders bin, weit fort, auf einer Reise in unbekannte Welten. Ich habe den Dreh noch nicht raus, wie ich wahres Lesevergnügen auf Dauer mit meinem Alltagsleben vereinbaren kann. Deshalb gönne ich mir nur von Zeit zu Zeit den bibliophilen Rausch. Dann aber genieße ich ihn von ganzem Herzen.

08.03.2010 um 18:57 Uhr

Bielefeld gibt es doch

von: Nimien   Kategorie: Herzensbegegnungen

Stimmung: Verfrorene Finger
Musik: Niki Reiser - Tanz mit Gregor (Jenseits der Stille)

 (c) Conny Ermler/pixelio

In Bielefeld lebt ein Mann, den ich seit 14 Jahren kenne, in den ich einst - es ist lange, lange her - überaus hoffnungslos verliebt war und der mittlerweile zu meinem besten Freund geworden ist. Uns verbindet eine warme, in langen Jahren der Freundschaft vertrauensvoll gereifte Zuneigung. Wie immer begrüßten wir einander am Bahnhof mit großer Freude und Zärtlichkeit. Er überließ mir sein Schlafzimmer, während er selbst auf der Couch nächtigte, und war auch sonst rührend besorgt um mein Wohlergehen. Den Samstagvormittag verbrachten wir in diversen Möbelhäusern, da er auf der Suche nach einem neuen Sofa, einem Esstisch und dazu passenden Stühlen war. Wer mich kennt, der weiß, dass das Bummeln durch Möbelhäusern zu meinen bevorzugten Einkaufsvarianten gehört, und so hatten wir beide viel Spaß. Am Nachmittag gönnten wir uns eine kleine Pause. Während er seine Möbel bestellte und nebenher Fußball guckte, widmete ich mich meinen literarischen Ambitionen. Das ist auch eine Qualität unserer Freundschaft, dass wir es manchmal einfach genießen, im gleichen Raum zusammen zu sein, auch wenn wir beide dabei unterschiedlichen Beschäftigungen nachgehen.

Der Abend stand dann ganz im Zeichen seiner Feier, zu der er seine besten Freunde eingeladen hatte - allesamt ausgesprochen nette Menschen mit interessanten Lebensgeschichten und ungewöhnlichen Hobbies. Wir trafen uns zunächst zum Bowling, bei dem ich zwar nicht gerade absahnte, man mir aber bescheinigte, dass meine Wurftechnik ästhetisch außerordentlich ansprechend sei. Anschließend gingen wir beim ayurvedischen Inder essen. Der Abend verging in netter Gesellschaft mit angeregten Gesprächen und himmlisch leckerem Essen. Solltet ihr jemals nach Hamm kommen, kann ich euch das Restaurant "Maharani" nur wärmstens ans Herz legen. Beim unvermeidlichen Quiz, das unser Gastgeber auf jeder seiner Feiern veranstaltet, trug ich diesmal gar den Sieg davon, obwohl ich keine Ahnung hatte, dass es Haribo Goldbären bereits seit 1922 gibt, und auch nicht wusste, welcher Fußballer mal behauptet hatte, dass man ihm eine "Invasion" gelegt habe. Aber immerhin konnte ich das dritte Buch von Leonard Nimoy richtig benennen und war vertraut mit dem zweiten Vornamen von Elvis Presley. Alles in allem waren es nur 36 Stunden, doch ich kehrte mit einem bunten Strauß an vergnüglichen Eindrücken wieder nach München zurück. Schön war's! Und ansonsten könnte es jetzt endlich mal Frühling werden!

04.03.2010 um 23:43 Uhr

Auf Reisen

von: Nimien   Kategorie: Heim und Herd

Stimmung: Merkwürdig melancholisch
Musik: Johannes Brahms - Klavierkonzert Nr. 2 - 3. Adagio - Più adagio

 (c) Melanie Schaller/pixelio

Nachdem ich Mitte Februar bei meinem Liebsten in Graz und Klagenfurt und letzte Woche beruflich in Aachen war, steht an diesem Wochenende eine Fahrt nach Bielefeld an, um der Geburtstagseinladung eines lieben Freundes zu folgen. Ich mag es gar nicht, ständig durch die Weltgeschichte zu gondeln. Im Gegenteil: Ich brauche die ruhigen, unaufgeregten Wochenenden daheim wie die Luft zum Atmen. Und im Augenblick wird der Sauerstoff wegen meiner ständigen Herumreiserei gerade ein wenig knapp. Aber zum Glück habe ich die weiten Reisen und langen Zugfahrten dann erst einmal hinter mir und kann mich wieder ganz auf das Geschehen in meinen eigenen vier Wänden und in meiner Heimatstadt konzentrieren. 

01.03.2010 um 23:05 Uhr

E-Mails fliegen hin und her

von: Nimien   Kategorie: Herzensbegegnungen

Stimmung: Heiter und vergnügt
Musik: Barbra Streisand - Gentle Rain

 (c) Martin Müller/pixelio

Mit einer lieben Freundin verbindet mich gerade ein reger Mailwechsel. Ich kenne so etwas sonst nur aus den Zeiten, in denen ich verliebt war, und es ist nicht weniger schön. In der Innigkeit und Intensität unseres Austausches wächst ganz viel Wärme und Vertrautheit. Und dazwischen ruft immer mal wieder mein Liebster an und fragt ungeduldig, wann ich endlich mit der kleinen erotischen Szene fertig bin, die aufzuschreiben ich ihm versprochen habe. So gesehen spiele ich gerade weiter mit Buchstaben, aber diesmal nicht, um Traumwelten zum Leben zu erwecken, sondern um realen Beziehungen ein Zuhause zu geben. Auch eine bezaubernde Variante!