Das Recht auf Muße
Stimmung: Wohlgemut
Musik: Robbie Williams - Come Undone
(c) Gerhard Giebener/pixelio
Auf sueddeutsche.de las ich gestern ein interessantes Plädoyer für das bedingungslose Grundeinkommen und den modernen Sozialstaat. Ausgehend von der uralten Devise "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen", die in ihrer heutigen Form "Wer nicht arbeitet, dem sei wenigstens die Muße versalzen" lautet, erläutert der Autor (oder die Autorin) die Crux der modernen Gesellschaft, die ihr Selbstverständnis auf Arbeit gründet, jedoch nicht genug Jobs für alle hat. Als mögliche Lösung des Dilemmas taucht erneut das bedingungslose Grundeinkommen auf, doch B. Müller bricht auch eine Lanze für den bereits bestehenden Sozialstaat. Entlang des Artikels entspann sich eine hitzige Diskussion unter den Kommentatoren, die von düsteren "Trabi und Rotkäppchen"-Rufen bis hin zu begeistertem Applaus für den Artikel alles zu bieten hatte.
Ich persönliche finde ja die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens höchst inspirierend. Insbesondere gefällt mir die Philosophie, die dahinter steht: Jeder Mensch bekommt genug Geld, um zu leben, und wird dadurch frei, sein Leben darüber hinaus nach seinen Wünschen und Visionen zu gestalten. Niemand mehr muss einer Arbeit nachgehen, die ihm zutiefst widerstrebt, oder bekäme für unangenehme Arbeiten zumindest so viel Geld, dass er sie nicht 40 Stunden pro Woche ausüben müsste. Der fremdbestimmten Leistung stünde die eigenengagierte gegenüber. Ich sehe in meiner Arbeit, welch großen Einsatz Menschen zu bringen bereit sind, die sich für eine Sache begeistern können, die sich einer Idee verbunden fühlen, die motiviert sind, weil sie selbst Verantwortung übernehmen und das Geschehen aktiv mitgestalten dürfen, und die sich von den Führungskräften geachtet und wertgeschätzt fühlen. Gleichzeitig böte ein bedingungsloses Grundeinkommen den Menschen auch die Möglichkeit, ihr Leben - zumindest phasenweise - der Muße und dem Nichtstun zu widmen, ohne sich dadurch nutz- und wertlos zu fühlen. Schöne Idee.

Ich finde ja dieses System, dass wenige (zu) viel Arbeiten, dafür andere keine Arbeit haben und somit auch (meist) sozial ausgegrenzt werden ... ähm, nicht gerade prickelnd. Außerdem kenn ich das aus eigener Erfahrung, dass es ziemlich schwer ist, sich für einen Beruf zu entscheiden, wenn man bedenken muss, dass man sich sein restliches Leben damit befassen wird, wofür man sich in "jungen Jahren" entschieden hat. Irgendwie sollte das Arbeitsleben etwas flexibler zu gestalten sein ;).
Gut zu wissen, dass sowas auch möglich ist :).