Geschwätzigkeit kennt kein Geschlecht
Stimmung: Übersprudelnd vor Liebe
Musik: Dan Ar Braz - Mi Le M'Uilinn
(c) qay/pixelio
Eine aktuelle amerikanische Studie hat herausgefunden, dass Frauen keineswegs mehr reden als Männer. Sie verfügen offenbar auch nicht über einen ausgefeilteren Wortschatz. In beiden Punkten konnten bei den untersuchten Personen keinerlei Geschlechtsunterschiede nachgewiesen werden. Womit wieder einmal ein Klischee aus der männlich-weiblichen Klamottenkiste vom Tisch wäre...

leo14
Wenn aber etwas allgemein bekannt ist, ich gehe mal davon aus, es ist allgemein bekannt, dass es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede im Wortschatz und im Redeverhalten gibt, dann braucht man dazu auch keine Studien.
Wir brauchen doch in vielen Dingen einfach nur unseren Alltag zu betrachten, um das konkret nachgewiesen zu bekommen. Warum machen wir es uns nur immer so schwer?
Die Schätzungen der Forscher beziehen sich auf die Hochrechnungen der täglich gesprochenen Wörter anhand der erhobenen Messungen. Natürlich muss man das hochrechnen, wenn man keine 24-Stunden-Aufzeichnungen vorliegen hat. Aber auch hier: Stichproben, die alle 12 Minuten erhoben werden, halte ich für gar nicht so schlecht. Und das "keinerlei Unterschiede" bezieht sich natürlich - wie immer - auf statistisch relevante Unterschiede. Wurden denn die 550 Wörter bei einem Mittelwert von 16.000 Wörtern tatsächlich statistisch signifikant? Das würde mich bei dieser großen Varianz sehr erstaunen. Aber wie gesagt: Für den Original-Artikel wäre ich dir sehr dankbar. Dann könnten wir unsere Diskussion auf einem ganz anderen Niveau fortsetzen.
Schöne Grüße zurück!
Und das Problem ist ja nun gerade, dass unsere Alltagswahrnehmung leider diversen Verzerrungen unterliegt. Das, was "allgemein bekannt" ist, hängt ganz davon ab, mit welchem Stereotyp im Kopf wir herumlaufen. Da gebe ich Lyriost völlig recht.
Wie schon gesagt. Möglich ist vielleicht der Schluß, an einer amerikanischen Hochschule gibt es im studentischen Milieu keine signifikanten Unterschiede im Sprachverhalten. Das sagt aber ganz und gar nichts darüber aus, wie es in einer italienischen Kleinstadt oder in einem deutschen Dorf um das Sprachverhalten der Geschlechter bestellt ist.
Oder wenn man es zum Beispiel astrologisch betrachtet, dann vermute ich mal ganz ohne Studie, daß Männer viel mehr reden als Frauen, wenn es sich bei den Männern überwiegend um widdergeborene Alkoholkonsumenten und bei den Frauen um mehrheitlich abstinente Steinböcke handelt. Daraus kann man jedoch ebensowenig ableiten, daß Männer mehr reden als Frauen.
Wir neigen zu sehr zu voreiligen Schlüssen, wenn es uns ins Konzept paßt.
Und natürlich mag es in einer italienischer Kleinstadt oder in einem deutschen Dorf anders sein. Das aber wäre nur ein Hinweis darauf, dass Geschlechtsunterschiede in der Redseligkeit Folge kultureller Einflüsse sind, nicht aber, dass sie biologisch vorgegeben sind. Denn wären sie das, dann müssten sie sich auch an einer amerikanischen Hochschule zeigen. Dein astrologisches Beispiel ist insofern völlig absurd, als du hier mit der Konfundierung verschiedener Variablen arbeitest. Wenn ich männliche Alkoholiker mit weiblichen Abstinenzlern vergleiche und Unterschiede zwischen den beiden Gruppen findet, weiß ich natürlich nicht, ob diese auf das Geschlecht oder den Alkohol zurückzuführen sind. Was um alles in der Welt hat das mit der vorliegenden Studie zu tun?
Für mich ist diese Studie insofern wichtig und interessant, als sie zum ersten Mal fundierte Zahlen zu einem Klischee liefert, das seit Jahren durch die Köpfe der Menschen spukt und dort ebenfalls gerne mit Zahlen (20.000 vs. 7000) unterlegt wird, die im Gegensatz zur vorliegenden Studie keinerlei wissenschaftliche Grundlage haben. Um meine Aussage von oben also angemessen wissenschaftlich zu formulieren: Der Stand der wissenschaftlichen Forschung stützt derzeit die Annahme, dass hinsichtlich der Redseligkeit keinerlei Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen. Ich bin durchaus in der Lage, meine Ansichten derart seriös zu formulieren, hatte aber schlicht keine Lust dazu, als ich den Beitrag schrieb. Wie gesagt: Dies ist ein privates Tagebuch, kein Wissenschaftsjournal. (Wobei ich einer wissenschaftlichen Diskussion keineswegs abgeneigt bin. Aber vielleicht wäre diese hier gar nie zustande gekommen, wenn ich meinen Beitrag zu Beginn nicht so überspitzt abgefasst hätte.)