Sternentanz

05.07.2007 um 20:44 Uhr

Geschwätzigkeit kennt kein Geschlecht

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Übersprudelnd vor Liebe
Musik: Dan Ar Braz - Mi Le M'Uilinn

 (c) qay/pixelio

Eine aktuelle amerikanische Studie hat herausgefunden, dass Frauen keineswegs mehr reden als Männer. Sie verfügen offenbar auch nicht über einen ausgefeilteren Wortschatz. In beiden Punkten konnten bei den untersuchten Personen keinerlei Geschlechtsunterschiede nachgewiesen werden. Womit wieder einmal ein Klischee aus der männlich-weiblichen Klamottenkiste vom Tisch wäre...

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenPaulinchen schreibt am 05.07.2007 um 20:48 Uhr:Ich habe das schon immer behauptet: Die größten Waschweiber sind Männer ;-)
  2. zitierencrystal_wings schreibt am 05.07.2007 um 20:49 Uhr:na das beruhigt doch^^
  3. zitierenleo14 schreibt am 05.07.2007 um 21:16 Uhr:geniale Information - hervorragend umgesetzt und illustriert. Dein Blog ist die Entdeckung des MOnats !!!
    leo14
  4. zitierenNimien schreibt am 05.07.2007 um 22:30 Uhr:Es freut mich, dass ich euch mit dieser kleinen Mitteilung derart den Abend versüßen konnte. *artigknicks*
  5. zitierenPaulinchen schreibt am 05.07.2007 um 22:56 Uhr:Dieses Verhalten war aber nun sehr damenhaft. Oder Knicksen auch Herren?
  6. zitierenNimien schreibt am 05.07.2007 um 22:59 Uhr:Kommt drauf an, wie progressiv sie sind. *g*
  7. zitierenLyriost schreibt am 05.07.2007 um 23:03 Uhr:Ich wäre da nicht so voreilig: Eine Studie mit ein paar hundert Teilnehmern aus nur zwei Ländern ist wohl kaum repräsentativ.
  8. zitierenNimien schreibt am 05.07.2007 um 23:29 Uhr:Oh, eine Stichprobe von 400 Personen ist gar nicht mal so schlecht für eine derartige Studie, zumal das Merkmal innerhalb der Stichprobe offenbar weit gestreut war. Natürlich reicht eine einzige Studie niemals aus, um eine Theorie zu bestätigen oder zu widerlegen. Sie ist einfach nur ein weiterer Mosaikstein, der aber in dieselbe Richtung weist wie die überwältigende Anzahl der Studien aus dem Bereich der Genderforschung: Die wenigsten (psychologischen) Geschlechterunterschiede, die in unseren Köpfen herumspuken, lassen sich tatsächlich empirisch belegen.
  9. zitierenLyriost schreibt am 05.07.2007 um 23:30 Uhr:Wenn man die Studie, Science, Vol. 317, 6. Juli 2007, p 82, DOI 10.1126/science.1139940, genauer betrachtet, kann man feststellen, daß es sich ausschließlich um studentische Probanden handelt. Teilnehmer: insgesamt 210 männliche und 186 weibliche Studierende. Was sagt uns das, wenn man ehrlich ist? Nichts Konkretes. Bestenfalls etwas über das Redeverhalten an einer amerikanischen Uni. "Anhand der Aufzeichnungen schätzten die Forscher ..." Außerdem wurden bei diesen "Schätzungen" nicht, wie hier behauptet wird, "keinerlei Unterschiede" festgestellt, sondern gerinfügigere als bisher angenommen. Mit Wissenschaft hat das Ganze wohl eher weniger zu tun. Ich habe mir angewöhnt, nicht alles ungeprüft zu glauben, was wissenschaftliche Studien angeblich erbringen, dazu hatten wir in den letzten Jahrzehnten zu viele gegensätzliche Ergebnisse. Und was in der Zeitung steht, nun ja ... Schöne Grüße
  10. zitierenPaulinchen schreibt am 05.07.2007 um 23:36 Uhr:Dem muss man allgemein wohl zustimmen. Studien haben wenig Aussagekraft. Formuliert man es überspitzt, könnte man auch in einer Studie belegen, dass Maulwürfe ein größeren Wortschatz haben als Menschen.
    Wenn aber etwas allgemein bekannt ist, ich gehe mal davon aus, es ist allgemein bekannt, dass es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede im Wortschatz und im Redeverhalten gibt, dann braucht man dazu auch keine Studien.
    Wir brauchen doch in vielen Dingen einfach nur unseren Alltag zu betrachten, um das konkret nachgewiesen zu bekommen. Warum machen wir es uns nur immer so schwer?
  11. zitierenLyriost schreibt am 05.07.2007 um 23:42 Uhr:@ Paulinchen: Leider ist natürlich auch allgemein bekannt, daß je nach Standpunkt und Interesse die Meinungen darüber, was "allgemein bekannt" ist, außerordentlich differieren. ;-)
  12. zitierenNimien schreibt am 05.07.2007 um 23:46 Uhr:Oh, wenn du den Artikel vorliegen hast, wäre ich dir sehr verbunden, wenn du ihn mir zukommen lassen würdest. Ich kann ihn leider via Internet nicht abrufen. Mir bleibt nur der Scienceticker, der ja leider auch keine Originalquelle ist.

    Die Schätzungen der Forscher beziehen sich auf die Hochrechnungen der täglich gesprochenen Wörter anhand der erhobenen Messungen. Natürlich muss man das hochrechnen, wenn man keine 24-Stunden-Aufzeichnungen vorliegen hat. Aber auch hier: Stichproben, die alle 12 Minuten erhoben werden, halte ich für gar nicht so schlecht. Und das "keinerlei Unterschiede" bezieht sich natürlich - wie immer - auf statistisch relevante Unterschiede. Wurden denn die 550 Wörter bei einem Mittelwert von 16.000 Wörtern tatsächlich statistisch signifikant? Das würde mich bei dieser großen Varianz sehr erstaunen. Aber wie gesagt: Für den Original-Artikel wäre ich dir sehr dankbar. Dann könnten wir unsere Diskussion auf einem ganz anderen Niveau fortsetzen.

    Schöne Grüße zurück!
  13. zitierenNimien schreibt am 05.07.2007 um 23:51 Uhr:Oh, ich finde schon, dass wissenschaftliche Studien eine gewisse Aussagekraft haben. Sie sind natürlich keineswegs unfehlbar und können immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit widerspiegeln. Aber bei einer sauberen Methodik vermögen sie die Evidenz einer Theorie zumindest zu stützen oder zu schwächen. Selbst wenn in der oben genannten Studie nur Studierende untersucht wurden, so müssten sich biologisch bedingte Geschlechtsunterschiede im Redeverhalten auch in einer derartigen Stichprobe nachweisen lassen.

    Und das Problem ist ja nun gerade, dass unsere Alltagswahrnehmung leider diversen Verzerrungen unterliegt. Das, was "allgemein bekannt" ist, hängt ganz davon ab, mit welchem Stereotyp im Kopf wir herumlaufen. Da gebe ich Lyriost völlig recht.
  14. zitierenLyriost schreibt am 06.07.2007 um 00:25 Uhr:Liebe Nimien, ich habe zur Zeit auch keine anderen Daten vorliegen als du, die Quellenangabe ist nur für dich und für den Fall, daß du demnächst mal genau nachlesen möchtest, ob die verallgemeinernden und wirklich sehr allgemeinen und globalen Schlüsse, die du aus der Presseveröffentlichung ziehst: "Geschwätzigkeit hat kein Geschlecht" und "dass Frauen keineswegs mehr reden als Männer", eine seriöse Grundlage haben und wirklich gerechtfertigt sind. Ich bezweifle, daß die Ergebnisse dieser Studie zu solch gewagten Schlüssen berechtigen. Und "keinerlei Geschlechtsunterschiede" sind nun mal wirklich "keinerlei Geschlechtsunterschiede" und nicht keinerlei signifikante.
    Wie schon gesagt. Möglich ist vielleicht der Schluß, an einer amerikanischen Hochschule gibt es im studentischen Milieu keine signifikanten Unterschiede im Sprachverhalten. Das sagt aber ganz und gar nichts darüber aus, wie es in einer italienischen Kleinstadt oder in einem deutschen Dorf um das Sprachverhalten der Geschlechter bestellt ist.

    Oder wenn man es zum Beispiel astrologisch betrachtet, dann vermute ich mal ganz ohne Studie, daß Männer viel mehr reden als Frauen, wenn es sich bei den Männern überwiegend um widdergeborene Alkoholkonsumenten und bei den Frauen um mehrheitlich abstinente Steinböcke handelt. Daraus kann man jedoch ebensowenig ableiten, daß Männer mehr reden als Frauen.

    Wir neigen zu sehr zu voreiligen Schlüssen, wenn es uns ins Konzept paßt.
  15. zitierenNimien schreibt am 06.07.2007 um 07:06 Uhr:Lieber Lyriost, dies ist ein Weblog, keine wissenschaftliche Fachzeitschrift, und genau wie du nehme ich mir das Recht heraus, meine Ansichten zu einem bestimmten Thema bisweilen pointiert zum Ausdruck zu bringen. Natürlich ist mir bewusst, dass eine einzelne Studie nichts beweist oder widerlegt (wie ich ja auch schon mehrfach zum Ausdruck gebracht habe). Nach dem derzeitigen Stand der Dinge und auf der Grundlage der Informationen, die mir bislang vorliegen, gibt es für mich keinen Grund, an der Seriosität der Studie zu zweifeln - unter anderem auch deshalb, weil ich die Forschungsarbeiten von James Pennebaker sehr gut kenne und mich sein sauberes und fundiertes wissenschaftliches Vorgehen bislang stets überzeugen konnte. Weniger fundiert erscheinen mir hingegen deine Zweifel und Kritikpunkte. Selbstverständlich bedeuten in der empirischen Forschung "keinerlei Unterschiede" immer "keinerlei signifikante Unterschiede", da wir hier mit Stichproben arbeiten und die niemals völlig deckungsgleich sein können. Die Signifikanz gibt Auskunft über die Wahrscheinlichkeit, mit der ein solcher Unterschied rein zufällig, also ohne Wirkeinfluss des Gruppenmerkmals zustandegekommen ist. Bei nicht-signifikanten Unterschieden ist die Wahrscheinlichkeit im allgemeinen 95%, dass es so ist. (Das heißt, selbst wenn zwei unterschiedliche Stichproben männlicher Probanden untersucht worden wäre, hätte sich ein Unterschied dieser Größe zwischen den beiden Gruppen zeigen können.)

    Und natürlich mag es in einer italienischer Kleinstadt oder in einem deutschen Dorf anders sein. Das aber wäre nur ein Hinweis darauf, dass Geschlechtsunterschiede in der Redseligkeit Folge kultureller Einflüsse sind, nicht aber, dass sie biologisch vorgegeben sind. Denn wären sie das, dann müssten sie sich auch an einer amerikanischen Hochschule zeigen. Dein astrologisches Beispiel ist insofern völlig absurd, als du hier mit der Konfundierung verschiedener Variablen arbeitest. Wenn ich männliche Alkoholiker mit weiblichen Abstinenzlern vergleiche und Unterschiede zwischen den beiden Gruppen findet, weiß ich natürlich nicht, ob diese auf das Geschlecht oder den Alkohol zurückzuführen sind. Was um alles in der Welt hat das mit der vorliegenden Studie zu tun?

    Für mich ist diese Studie insofern wichtig und interessant, als sie zum ersten Mal fundierte Zahlen zu einem Klischee liefert, das seit Jahren durch die Köpfe der Menschen spukt und dort ebenfalls gerne mit Zahlen (20.000 vs. 7000) unterlegt wird, die im Gegensatz zur vorliegenden Studie keinerlei wissenschaftliche Grundlage haben. Um meine Aussage von oben also angemessen wissenschaftlich zu formulieren: Der Stand der wissenschaftlichen Forschung stützt derzeit die Annahme, dass hinsichtlich der Redseligkeit keinerlei Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen. Ich bin durchaus in der Lage, meine Ansichten derart seriös zu formulieren, hatte aber schlicht keine Lust dazu, als ich den Beitrag schrieb. Wie gesagt: Dies ist ein privates Tagebuch, kein Wissenschaftsjournal. (Wobei ich einer wissenschaftlichen Diskussion keineswegs abgeneigt bin. Aber vielleicht wäre diese hier gar nie zustande gekommen, wenn ich meinen Beitrag zu Beginn nicht so überspitzt abgefasst hätte.)
  16. zitierenLyriost schreibt am 06.07.2007 um 08:03 Uhr:Die einen glauben an die Wissenschaft, die andern an Allah. Für mich macht das keinen wesentlichen Unterschied. Mein astrologisches Beispiel ist übrigens ein – offensichtlicher – Scherz. Und noch was: Von Biologie war nirgendwo die Rede.

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