In der Wüste
Stimmung: Ein wenig müde, aber glücklich
Musik: Rachelle Ferrell - You Don't Know What Love Is
Den gestrigen Abend verbrachte ich in einem kleinen Städtchen am Inn. Ich besuchte dort eine Frau, die dieses Weblog in mein Leben geweht hat und deren Gedanken und Gefühle mich seither berühren und inspirieren. Wir kennen uns erst ein paar Monate und können unsere Treffen noch an einer Hand abzählen, doch unsere Bekanntschaft fühlt sich bereits ganz nah und vertraut an. Trotz der Verschiedenartigkeit unserer äußeren Erscheinung - lodernd und feurig die eine, zart und pastellig die andere - gibt es bei unseren Interessen und Eigenarten und auch in unserer persönlichen Geschichte erstaunliche Parallelen, die es uns leicht machen, eine gemeinsame Ebene zu finden. So verging auch der gestrige Abend in Windeseile, während wir Fleisch und Gemüse schnippelten, uns das daraus zubereitete Mahl genüsslich schmecken ließen, in der kühlen Abendluft auf dem Balkon oder mit einem Gläschen Wein auf der Couch im Wohnzimmer saßen und dabei ununterbrochen ratschten und plauderten. Es war ein sehr schöner Abend!
Der heutige Vormittag führte uns dann nach Rosenheim, wo wir die Wüsten-Ausstellung besuchten. Ich war zutiefst beeindruckt von der Schönheit der Landschaftsformen aus Sand, Fels und Geröll, von der Findigkeit der Natur, wenn es darum geht, minimale Wasservorräte optimal auszunutzen, und der Fähigkeit der Menschen, in dieser Kargheit zu überleben. Doch konfrontierte uns die Ausstellung auch mit der Tatsache, dass die Wüsten sich überall auf unserem Planeten rasant ausbreiten und es oft genug der Mensch selber ist, der diese "Verwüstung" der Erde verursacht. Wieder einmal wurde mir die enge Verwobenheit allen Lebens, die unmittelbare Verknüpfung aller Dinge miteinander bewusst - und ich verspürte einerseits ein Gefühl von Hilflosigkeit und Ohnmacht angesichts der Größe unserer globalen Probleme, aber andererseits auch so etwas wie Demut und ein tiefes Vertrauen in die Natur. Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist, dass wir unsere eigene Lebensgrundlage vernichten. Die Erde selbst jedoch wird daran nicht zugrunde gehen. Ihre Weisheit ist älter und umfassender als jedes menschliche Wissen, so viel ist sicher. Und nur da, wo wir uns dieser Weisheit beugen, haben wir auf lange Sicht eine Chance.
