Menstruationshütte
Stimmung: Seufzig
Musik: Silje Nergaard - There's Always A First Time
Im Blog der Mädchenmannschaft war ein ironischer Kommentar über die Menstruationshütte verlinkt, die nun schon zum dritten Mal in Folge während der Adventszeit in Wien aufgestellt wird. Die Bloggerin kritisierte den esoterischen Hintergrund dieser Aktion und die biologistisch geprägten Denkansätze der Differenzfeministinnen, die der weiblichen Menstruation per se ein besonderes Potential zusprechen. Für mich war der Artikel Anlass, mich auf der Homepage des Projekts "Menstruationshütte" näher umzusehen. Vor allem unter "Events" gibt es zahlreiche Fotos zur Ansicht. (Auf einigen davon ist auch Luisa Francia zu sehen.) Die Bilder sprechen mich an: Rote Tücher und Gewänder, Rasseln, Kerzen und Granatäpfel zaubern eine magische, kraftvolle Stimmung. Diese Art der Würdigung und Zelebrierung von Weiblichkeit ist mir sehr vertraut, da ich jahrelang Frauenrituale gefeiert habe, in Frauenprojekten tätig war und die Bücher von Luisa Francia geradezu verschlungen habe. Ich mag solche Rituale und die Atmosphäre, die in Frauenräumen entsteht. Und dennoch verstehe ich die Kritik der Universalistinnen an solchen Veranstaltungen. Die magische Verklärung biologischer Tatsachen und die daraus entstehende Abgrenzung weiblicher von männlicher Wirklichkeit zementieren leider die Mauern in unseren Köpfen und erlauben es uns, Frauen weiterhin als das "andere Geschlecht" zu verstehen. Nicht umsonst erfreut sich der Differenzfeminismus auch bei manchen Männern großer Beliebtheit.
Meine Menstruation geht Monat für Monat völlig unspektakulär über die Bühne. Keine PMS, keine Menstruationsbeschwerden, keine Stimmungsschwankungen, kein hormongeschwängertes Verhalten. Blutung, Tampon, fertig! Natürlich habe auch ich schon Menstruationsrituale gefeiert, bin aber wieder davon abgekommen, weil die Monatsblutung einfach keine große Relevanz in meinem Leben hat. Sie gehört so selbstverständlich zu meinem Alltag wie Zähne putzen und Haare kämmen. Hätte ich eine Tochter, würde ich ihr dies vermutlich genauso vermitteln wollen. Früher dachte ich mal, wie toll es doch wäre, mit jungen Mädchen Menarcherituale zu feiern, wenn sie zum ersten Mal ihre Menstruation bekommen. Mittlerweile bin ich da ziemlich skeptisch. Ich habe schon von einigen Mädchen gehört, deren Mütter das gemacht haben und denen das eher peinlich war. Schließlich stimmt es auch nicht, dass Mädchen mit Einsetzen der Menstruation zur Frau werden. Der Weg vom Mädchen zur erwachsenen Frau ist lang und beginnt zwar in der Pubertät, reicht aber bis weit in die Zwanziger, manchmal sogar bis in die Dreißiger hinein. (Wie auch Jungen eine ganze Weile brauchen, um wirklich zu erwachsenen Männern zu werden.) Die Menarche ist der Beginn der Fruchtbarkeit, die jungen Mädchen sollten also über die Vorgänge in ihren Körpern und die sich daraus ergebenden Konsequenzen Bescheid wissen. Alles andere dürfen sie ganz in Ruhe im Laufe der folgenden Jahre selbst entdecken. Wenn sie dabei liebevolle Bezugspersonen an ihrer Seite haben, mit denen sie sich vertrauensvoll austauschen können, umso besser. Das muss aber nicht zwangsläufig in Menstruationshütten oder Frauenkreisen stattfinden, sondern gelingt durchaus auch im Dialog zwischen Männern und Frauen.Â
Ansonsten gilt: Jede nach ihrer Faςon. Ich finde es gut, dass es solche Frauenräume gibt, weil sie für einige Mädchen und Frauen genau der richtige Zugang sind, Stolz und Selbstbewusstsein zu entwickeln. Und gleichzeitig habe ich überhaupt kein Problem damit, wenn Frauen so rein gar nichts mit diesem "esoterischen Krimskrams" anfangen können und vielleicht sogar lieber ein Hormonpräparat schlucken, das sie völlig von der Monatsblutung entbindet. Frau-Sein hat eben so viele Facetten, wie es Frauen gibt.
