Sternentanz

25.01.2010 um 20:56 Uhr

Schreiben als Kommunikationsersatz

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Übernächtigt
Musik: Leonard Cohen - Hallelujah

 (c) wrw/pixelio

Im Grunde trifft es sich ganz gut, dass ich so in meinen Wortwolken versunken bin. Mein Liebster hat nämlich gerade überhaupt keine Zeit für mich. Er ist gänzlich abgetaucht, hat nur noch Augen und Ohren für seine Verpflichtungen und ist so wortkarg wie schon lange nicht mehr. Das erste, was ich höre, wenn ich ihn anrufe (oder er anruft), ist der Satz "Ich hab nicht viel Zeit", und wenn ich versuche, ihm freundlich zu entlocken, was er eigentlich den lieben langen Tag so macht, dann weicht er mir so kunstvoll aus, dass es eine helle Freude ist. Mein Schatz ist in der Lage, eine Frage derart einsilbig und unbestimmt zu beantworten, dass unsere Wortwechsel nicht einmal mehr den Begriff 'Gespräch' verdienen. Es handelt sich dann nur noch um Rudimente eines Gespräches.

Ich meine das gar nicht böse. Ich kenne ihn mittlerweile gut genug, um diese Reaktion einordnen zu können, und nehme sie nicht persönlich. Aber nichtsdestotrotz sind solche Phasen oft bittere Durststrecken für mich, lange, unerquickliche Fastenzeiten, die meiner wortverliebten Seele allerhand abverlangen. Nicht so in diesen Tagen. Wenn mein Schatz mich mal wieder mit einem lakonischen Brummeln abspeist, setze ich mich einfach hin und schreibe einen geschliffenen Dialog. Gerade unterhalten sich meine Protagonisten beispielsweise über ein Buch, das ich kürzlich gelesen habe, und tauschen ihre Ansichten darüber aus. Meinem Liebsten bräuchte ich mit so etwas gar nicht erst zu kommen. Aber das Schreiben bietet mir die ideale Ersatzbefriedigung, um ein mangelndes Gegenüber zu kompensieren. *g*


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