Schritt, Atemzug, Besenstrich
Stimmung: ruhig, wohlig und rundum zufrieden
Musik: nur das monotone Geräusch des Entfeuchters
Ich liebe es, am Morgen Zeit zu haben. Keine auswärtigen Termine im Hinterkopf, kein Blick auf die Uhr, um nur ja die U-Bahn nicht zu verpassen, sondern einfach nur dem natürlichen Rhythmus meiner Seele folgen. Aufstehen und erst mal gemütlich unter die Dusche. Ein paar Yoga-Übungen, um den Körper zu wecken und zu beleben. Dann eine Kanne Pfefferminztee kochen und gemütlich frühstücken, während ich im Forum nachsehe, ob sich etwas Bemerkenswertes getan hat.
Meist hat es das nicht, um ehrlich zu sein. In den letzten Wochen ist wenig Aufregendes passiert und meine anfängliche Begeisterung ist deutlich abgeflaut. Dennoch ist diese virtuelle Community zu einem festen Bestandteil meines Alltagslebens geworden und ich möchte sie nicht missen. Auch im realen Leben ist nicht immer alles spannend und aufregend. Bisweilen plätschern die Wochen ganz harmlos und unspektakulär dahin. Allerdings nicht derzeit - zumindest nicht in meinem Leben.
In nahezu allen Bereichen meines Alltags stehen größere oder kleinere Umwälzungen bevor. Meine Wohnung muss nach einem Wasserschaden saniert werden, meine Mitbewohnerin hat mir dieser Tage eröffnet, dass sie ausziehen will, meine Chefin lässt in schöner Regelmäßigkeit bittere Vorwürfe auf ihr Team herniederprasseln und die Übernahme unserer Einrichtung durch einen anderen Träger ist auch noch nicht unter Dach und Fach. Und in meinem Herzen regt sich dieser Tage beharrlich ein alter Schmerz, der mich traurig und verletzlich macht.
Dennoch kann ich nicht behaupten, dass es mir schlecht ginge. Nein, keineswegs. Ich fühle mich wohl mit mir und meinem Leben. All diesen Widrigkeiten liegt das unerschütterliche Gefühl zugrunde, dass sich ein Weg finden wird, mit ihnen umzugehen. Schritt, Atemzug, Besenstrich. Was für einen Grund hätte ich, mich jetzt aufzuregen, mir die Haare zu raufen und mein Leid zu beklagen? Ich bin gesund und lebendig, stecke voller Pläne und Ideen und es ist Frühling. Vor allem aber habe ich nicht das Gefühl, dass die Dinge mir über den Kopf wachsen. Eins nach dem anderen. Das wird schon. Es besteht schließlich kein Grund zur Eile. Die Dinge entfalten sich in der für sie bestimmten Zeit, und wenn es soweit ist, dann werden sich vielleicht Lösungen und Möglichkeiten auftun, an die ich bislang noch gar nicht gedacht habe.
Das Wichtigste ist, die Verbindung zu meinen inneren Kraftquellen nicht zu verlieren - oder sie wiederzufinden, falls ich sie doch einmal aus dem Auge verloren haben sollte. Dann findet sich alles andere früher oder später von selbst.
