So schön und so traurig
Stimmung: Ungemein romantisch
Musik: Nana Mouskouri - No Moon At All
"Then, Éowyn of Rohan, I say to you that you are beautiful. In the valleys of our hills there are flowers fair and bright, and maidens fairer still; but neither flower nor lady have I seen till now in Gondor so lovely, and so sorrowful." (aus dem Kapitel "The Stewart and the King" aus "The Lord of the Rings" von J. R. R. Tolkien)
"Sie war an jenem Morgen mit ihren nassen Locken und der Sonne im Gesicht so wunderschön und so erhaben, aber auch so traurig." (aus einem Brief meines Liebsten an mich, in dem er unsere erste Begegnung noch einmal nacherzählte)
Kennt ihr den "Herrn der Ringe"? Und daraus die wunderschöne Liebesgeschichte zwischen Éowyn und Faramir? Für alle die, denen diese Geschichte nicht vertraut ist, möchte ich die wesentliche Handlungselemente einmal kurz zusammenfassen. Man muss den Rest der Erzählung nicht kennen, um sie zu verstehen.
Éowyn ist die Nichte des Königs von Rohan, die sich bei ihrer ersten persönlichen Begegnung in einen Mann namens Aragorn verliebt, der durch Geburt Anspruch auf den Königsthron von Gondor hat. Sein Herz ist jedoch bereits gebunden und so bleibt ihre Liebe unerwidert. In ihrem Schmerz verkleidet sie sich als Mann und sucht den Tod in der Schlacht. Sie besiegt einen mächtigen Feind, wird dabei jedoch schwer verwundet. In den Häusern der Heilung gelingt es Aragorn, dessen Königswürde ihm heilende Kräfte verleiht, sie ins Leben zurückzuholen. Während er und seine Männer nun zur entscheidenden Schlacht davonreiten, bleibt Éowyn traurig und verzweifelt in den Häusern der Heilung zurück. Dort trifft sie auf Faramir, den Fürsten von Ithilien und Statthalter des Königs. Auch er wurde im Kampf verwundet und muss dem weiteren Kriegsgeschehen aus der Ferne zusehen. Bereits die erste Begegnung mit der schönen, aber zutiefst unglücklichen jungen Frau berührt den Fürsten tief und schon bald wird aus diesem zarten Gefühl Liebe. Mit sanften, freundlichen Worten umwirbt er Éowyn, doch diese trauert immer noch um Aragorn und öffnet sich Faramirs Werben nur widerstrebend - auch weil sie es für Mitleid hält. Doch als er ihr sein ganzes Herz offenbart und sie die Tiefe und Aufrichtigkeit seiner Gefühle erkennt, vollzieht sich in ihr ein entscheidender Wandel. Der Panzer, der ihre Seele umgab, schmilzt dahin und sie schenkt sich von neuem dem Leben und der Liebe.
"Then the heart of Éowyn changed, or else at last she understood it. And suddenly her winter passed, and the sun shone on her." (a. a. O.)
Ich liebe diese Geschichte. Schon immer hat sie mich berührt und bewegt. Doch erst vor ein paar Tagen ist mir bewusst geworden, dass sie gewisse Parallelen zu der Geschichte aufweist, die ich selbst gerade erlebe. Natürlich ist das eine ein epischer Fantasyroman und das andere "nur" mein Leben und ich maße mir nicht an, die Dimensionen des einen auf das andere übertragen zu wollen. Ich bin gewiss nicht Éowyn und mein Liebster ist nicht Faramir. Aber die Gemeinsamkeiten sind dennoch nicht zu übersehen. Denn als wir einander zum ersten Mal trafen, trauerte ich gerade um eine verlorene Liebe. Dieser Kummer lag wie ein Schatten über meinem Herzen und ich war gar nicht offen dafür, mich wirklich auf eine tiefe Begegnung einzulassen. Wie Éowyn wehrte ich mich mit einem Teil meiner Seele gegen die Liebe, die mit großer Macht zu mir heranbrandete, war noch umfangen von alten Erinnerungen und mir schien, dass das Wunder, das da seine Hand nach mir ausstreckte, im Licht der verlorenen Schönheit alter Gefühle verblassen musste. Doch mein Liebster blieb beharrlich. Er ließ sich nicht abschrecken - nicht von meinen Dornen, nicht von meinen Tränen und auch nicht von meiner manchmal unerbittlichen Ehrlichkeit. ("I wished to be loved by another," she answered.) Allen Schwierigkeiten zum Trotz schenkte er mir seine Liebe und umflutete damit mein Herz, bis es nicht länger widerstand und ihn mit überfließender Zärtlichkeit willkommen hieß.
An dieser Stelle enden vorerst die Gemeinsamkeiten. Während Éowyn und Faramir schon bald darauf heirateten, lassen mein Liebster und ich es eher langsam und behutsam angehen. Wir haben etliche Steine aus dem Weg zu räumen und sind beide vernünftig genug, unser Leben nicht an Fantasyromanen zu orientieren. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt, und ob diese Geschichte die Zeit überdauern wird, muss sich zeigen. Doch es gibt sie, diese Momente des Glücks, in denen ich staunend dastehe und mir die Augen reibe, weil ich immer noch nicht so recht weiß, wie mir geschieht.
Mein Freund findet den "Herrn der Ringe" übrigens banal. Insbesondere hasst er die Verfilmung und an die Éowyn-Faramir-Liebesgeschichte konnte er sich schon gar nicht mehr erinnern. Das nur als kleine Anmerkung, damit dieser Beitrag nicht zu sehr im Kitsch versinkt. :)

ich habe den Herrn der Ringe schon einige Male gelesen, lange bevor er verfilmt wurde. Und dann habe ich auch den Film gesehen, es ist sogar der einzige Film, den ich auf DVD besitze. Aber diese Liebesgeschichte ist mir erst durch dich aufgefallen. Ja, so ist das eben. Auch ich finde oft in Büchern Situationen beschrieben, die meiner eigenen entsprechen. Das ist ja auch mit ein Grund, wieso ich so gerne lese.
Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Glück mit deinem Liebsten. Ich beneide dich sogar ein wenig, soll aber nicht negativ klingen.
Außerdem entspricht das Geschriebene deinem Gefühl und dem, was du gerade erlebst, gesehen durch deine Augen und gefühlt mit allen Sinnen und klopfendem Herzen.
Schön zu lesen, es erwärmt das Gemüt und kann über manche trübe und bittere Stunde hinweg trösten...LG