Sternentanz

13.11.2009 um 19:55 Uhr

Das Politische ist privat

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Wochenendlich
Musik: Mary Black - Moments

 (c) Oliver Weber/pixelio

Stephanie Mayfield beschäftigt sich im Blog der Mädchenmannschaft mit dem Aufeinanderprallen zweier feministischer Generationen (der so genannten zweiten und dritten Welle der Frauenbewegung) und den Problemen, die sich daraus ergeben. Als Parole der dritten Welle formuliert sie den Slogan "Das Politische ist privat", da sie den Schwerpunkt der jungen Feministinnen in dem Bemühen sieht, Gleichberechtigung im Privatleben durchzusetzen. Im letzten Absatz ihres Artikels stellt sie fest, dass die dritte Welle keine Bewegung im eigentlichen Sinne sei, da ihr dafür der notwendige Druck fehle, und fragt sich, wie sich das ändern ließe. Für mich folgt das eine zwingend aus dem anderen. Wer sich aus dem politischen Geschehen zurückzieht und den Feminismus zur Privatangelegenheit erklärt, kann nun einmal keine Breitenwirkung erzielen. Das Kuriose ist, dass die Autorin mit dieser Parole eben jene Kritik an der dritten Welle argumentativ untermauert, die sie ein paar Absätze weiter oben als unverständlich und nicht nachvollziehbar anprangert. Genau darum geht es ja bei der guten, alten Parole "Das Private ist das Politische": Ich will nicht einfach nur mit meinem Partner streiten, wer von uns den Abwasch macht, wer nach der Geburt eines Kindes zu Hause bleibt und wer weiter arbeiten geht, ich möchte gesellschaftliche Strukturen schaffen, die es uns ermöglichen, das Ganze tatsächlich gleichberechtigt zu lösen. (Dass wir uns dann trotzdem noch darum streiten werden, wer den Abwasch macht, ist sowieso klar, hat aber nicht mehr viel mit Feminismus zu tun.)

08.11.2009 um 10:34 Uhr

Menstruationshütte

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Seufzig
Musik: Silje Nergaard - There's Always A First Time

Im Blog der Mädchenmannschaft war ein ironischer Kommentar über die Menstruationshütte verlinkt, die nun schon zum dritten Mal in Folge während der Adventszeit in Wien aufgestellt wird. Die Bloggerin kritisierte den esoterischen Hintergrund dieser Aktion und die biologistisch geprägten Denkansätze der Differenzfeministinnen, die der weiblichen Menstruation per se ein besonderes Potential zusprechen. Für mich war der Artikel Anlass, mich auf der Homepage des Projekts "Menstruationshütte" näher umzusehen. Vor allem unter "Events" gibt es zahlreiche Fotos zur Ansicht. (Auf einigen davon ist auch Luisa Francia zu sehen.) Die Bilder sprechen mich an: Rote Tücher und Gewänder, Rasseln, Kerzen und Granatäpfel zaubern eine magische, kraftvolle Stimmung. Diese Art der Würdigung und Zelebrierung von Weiblichkeit ist mir sehr vertraut, da ich jahrelang Frauenrituale gefeiert habe, in Frauenprojekten tätig war und die Bücher von Luisa Francia geradezu verschlungen habe. Ich mag solche Rituale und die Atmosphäre, die in Frauenräumen entsteht. Und dennoch verstehe ich die Kritik der Universalistinnen an solchen Veranstaltungen. Die magische Verklärung biologischer Tatsachen und die daraus entstehende Abgrenzung weiblicher von männlicher Wirklichkeit zementieren leider die Mauern in unseren Köpfen und erlauben es uns, Frauen weiterhin als das "andere Geschlecht" zu verstehen. Nicht umsonst erfreut sich der Differenzfeminismus auch bei manchen Männern großer Beliebtheit.

Meine Menstruation geht Monat für Monat völlig unspektakulär über die Bühne. Keine PMS, keine Menstruationsbeschwerden, keine Stimmungsschwankungen, kein hormongeschwängertes Verhalten. Blutung, Tampon, fertig! Natürlich habe auch ich schon Menstruationsrituale gefeiert, bin aber wieder davon abgekommen, weil die Monatsblutung einfach keine große Relevanz in meinem Leben hat. Sie gehört so selbstverständlich zu meinem Alltag wie Zähne putzen und Haare kämmen. Hätte ich eine Tochter, würde ich ihr dies vermutlich genauso vermitteln wollen. Früher dachte ich mal, wie toll es doch wäre, mit jungen Mädchen Menarcherituale zu feiern, wenn sie zum ersten Mal ihre Menstruation bekommen. Mittlerweile bin ich da ziemlich skeptisch. Ich habe schon von einigen Mädchen gehört, deren Mütter das gemacht haben und denen das eher peinlich war. Schließlich stimmt es auch nicht, dass Mädchen mit Einsetzen der Menstruation zur Frau werden. Der Weg vom Mädchen zur erwachsenen Frau ist lang und beginnt zwar in der Pubertät, reicht aber bis weit in die Zwanziger, manchmal sogar bis in die Dreißiger hinein. (Wie auch Jungen eine ganze Weile brauchen, um wirklich zu erwachsenen Männern zu werden.) Die Menarche ist der Beginn der Fruchtbarkeit, die jungen Mädchen sollten also über die Vorgänge in ihren Körpern und die sich daraus ergebenden Konsequenzen Bescheid wissen. Alles andere dürfen sie ganz in Ruhe im Laufe der folgenden Jahre selbst entdecken. Wenn sie dabei liebevolle Bezugspersonen an ihrer Seite haben, mit denen sie sich vertrauensvoll austauschen können, umso besser. Das muss aber nicht zwangsläufig in Menstruationshütten oder Frauenkreisen stattfinden, sondern gelingt durchaus auch im Dialog zwischen Männern und Frauen. 

Ansonsten gilt: Jede nach ihrer Faςon. Ich finde es gut, dass es solche Frauenräume gibt, weil sie für einige Mädchen und Frauen genau der richtige Zugang sind, Stolz und Selbstbewusstsein zu entwickeln. Und gleichzeitig habe ich überhaupt kein Problem damit, wenn Frauen so rein gar nichts mit diesem "esoterischen Krimskrams" anfangen können und vielleicht sogar lieber ein Hormonpräparat schlucken, das sie völlig von der Monatsblutung entbindet. Frau-Sein hat eben so viele Facetten, wie es Frauen gibt.

24.09.2009 um 22:12 Uhr

Aufgeschnappt

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Müde
Musik: Robbie Williams - Come Undone

 (c) Maike Kaute/pixelio

"Wenn Freier Sätze von sich geben wie 'So eine Hure freut sich doch auch, wenn mal ein junger, hübscher Mann dabei ist' oder 'Diesmal war es aber nicht gespielt, das war so echt, das kann gar nicht gespielt sein', erinnern sie an elfjährige Mädchen, die auch felsenfest davon überzeugt sind, ihre Ponys wären froh und glücklich, von ihnen geritten zu werden."

~ Karen Duve in SPIEGEL Wissen (Der Rest des Artikels ist ebenfalls lesenswert.)

21.09.2009 um 22:57 Uhr

Es juckt mich in den Fingern ...

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Aufgekratzt
Musik: Robbie Williams - Revolution

 (c) Unknown/pixelio

Wir hatten heute Abend ein wunderschönes Telefonat - erotisch, zärtlich, liebevoll und heiter. Er hat mir von einer Diskussion über Gleichberechtigung in seinem Forum erzählt, deren Grundlage die grotesken Klagen von MANNdat über die Benachteiligung der Männer in der heutigen Gesellschaft sind. "Willst du nicht auch einen Beitrag dazu schreiben?", fragte er mich. Nun liegen meine großen Forendiskussionen schon eine Weile zurück, und ich verspüre wenig Bedarf, sie wiederzubeleben. Wenn ich sie ernst nehme und sachlich diskutiere, nehmen sie sehr viel Zeit in Anspruch, und am bloßen Austausch polemischer Halbsätze habe ich wenig Freude. Zudem bleiben die in Foren geführten Wortgefechte in den meisten Fällen fruchtlos und unergiebig. Aber mein Liebster zeigte sich hartnäckig: "Letztlich ist so ein Forenbeitrag doch sinnvoller als ein Tagebucheintrag, weil ihn mehr Menschen lesen. Du leistest damit echte Aufklärungsarbeit. Tu's für die Sache!" Und jetzt habe ich doch tatsächlich Blut geleckt und überlege, mich drüben zu registrieren, um meinen Senf dazuzugeben.

17.02.2009 um 10:55 Uhr

Autorität im Matriarchat

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Wohlig

 (c) erwinfurger/pixelio.de

Beim Durchsehen meiner Dateien habe ich eben den folgenden Text entdeckt, den ich vor vielen Jahren (2003) während meiner Zeit in einer ökofeministisch-heidnischen Gemeinschaft verfasst habe. Da mir einzelne seiner Passagen noch immer erstaunlich aktuell erscheinen und ich ihn gerne vor dem erneuten Vergessen bewahren würde, habe ich mich entschlossen, ihn zu bloggen.

Seit vielen Jahren beschäftigt mich das Thema Frau-Sein, für sich genommen und in der Beziehung zu Männern. Immer wieder merke ich, dass dieses Thema mich tief berührt, aufwühlt, umtreibt. Eine wichtige Informationsquelle sind dabei für mich die Aufsätze von Heide Göttner-Abendroth über das Matriarchat. Manches davon stärkt und inspiriert mich sehr. Allerdings habe ich ein großes Problem damit, dass viele ihrer Aussagen stark ideologisch eingefärbt sind. Sie behauptet, Ideologie sei nur eine Sache der patriarchal orientierten Geschichtsforschung, doch ihre eigene Wortwahl und ihr Tonfall klingen oft genug ideologisch, wertend und mitunter sogar aggressiv. Zudem bin ich skeptisch, was ihre Behauptung angeht, dass es in matriarchalen Gesellschaften keine "Macht-über", also hierarchische Macht, gab.

Heide Göttner-Abendroth beschreibt anhand von Beispielen, wie die Sippenältesten ihre Entscheidung durchsetzten, und führt die Akzeptanz der anderen auf die "natürliche Autorität" der Sippenältesten zurück. Dabei verschweigt sie meiner Ansicht nach das Phänomen der sehr subtil wirkenden psychologischen Macht und des sozialen Gruppendrucks. Was zum Beispiel geschieht, wenn jemand tatsächlich die Entscheidung der Sippenältesten nicht anerkennen will und sich beharrlich dagegen sträubt? Was geschieht, wenn jemand ihre "natürliche Autorität" in Frage stellt? Gab es in den Matriarchaten keine Pubertät, kein Bestreben der Jugend, neue, andere Wege zu gehen, anstatt der Tradition zu folgen?

 (c) Barbara Frolik/pixelio.de

Alter allein ist für mich noch lange kein Argument für Autorität. Die Begriffe, mit denen Heide Göttner-Abendroth die natürliche Autorität definiert, erkenne ich an, bezweifle aber, dass sich alle Sippenältesten automatisch durch diese hehren Qualitäten ausgezeichnet haben. Warum sollten die Menschen damals weniger fehlbar gewesen sein als heute? Selbst eine Sippenmutter sieht die Welt immer nur durch ihre eigenen Augen. Und die Wirklichkeit, die sich ihrer Tochter darbietet, mag ganz anders aussehen. Gerade als Astrologin weiß ich, wie verschieden die Menschen sind, wie verschieden auch das ist, was sie brauchen und was ihnen gut tut. Es ist schwer genug, den Blickwinkel eines anderen Menschen einzunehmen und die Welt aus seinen Augen zu betrachten.

Ich liebe die Idee des Konsensprinzips, die Würdigung der Vielfalt, aber ich glaube, dass es auch in Matriarchaten nicht so leicht war, es umzusetzen. Was machten eine Tochter oder ein Sohn, wenn sie das Gefühl hatten, ein "hässliches junges Entlein" zu sein und so gar nicht in ihre Sippe zu passen? Wenn es sie zu völlig anderen Ufern hinzog, als dies in der Sippe üblich war? Die heutige Möglichkeit, dann eine neue Wahlfamilie zu suchen, gab es offensichtlich nicht. Die existentielle Abhängigkeit von der Sippe muss damals extrem hoch gewesen sei. Und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass alle Konflikte und Schwierigkeiten, die heutzutage in den menschlichen Beziehungen entstehen, allein eine Folge patriarchaler Prägungen sind - auch wenn ich deren Bedeutung gar nicht leugne. Es ist wichtig und notwendig, diese patrarchalen Prägungen zu verstehen, aber ich halte nichts davon, das Matriarchat zu idealisieren und alle Schwierigkeiten des menschlichen Daseins dem Patriarchat in die Schuhe zu schieben. Das aber tut Heide Göttner-Abendroth.

 (c) doro52/pixelio.de

Für mich ist eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Thema unter anderem deshalb wichtig, weil ich die beschriebenen Tendenzen durchaus auch in unserer Gemeinschaft bemerke. Mich stört die Art und Weise, wie hier manchmal abfällig über Männer geredet wird oder Witze über sie gemacht werden - auch dann, wenn die Männer selbst darüber lachen. Mich stört die Art und Weise, wie Menschen, die sich für eine andere Art zu leben, zu denken und zu handeln entschieden haben, mit psychopathologischen Begriffen belegt werden, auch wenn mir diese Leute bisweilen genauso auf die Nerven gehen.

Mich stört es, dass es in unserer Gemeinschaft für meinen Geschmack zu viele fertige Antworten gibt und zu wenige Fragen. Die Suche scheint mir an zu vielen Punkten bereits abgeschlossen zu sein. Mich aber fasziniert der Wandel, das immer wieder neue Suchen und Fragen, Annehmen und Verwerfen. Jede Wahrheit hat ihre Zeit, jede Weisheit hat ihre Grenzen. Wenn ich eine Frage stelle, dann finde ich es am schönsten, wenn diese Frage Blüten treibt, wenn ihre Äste sich verzweigen, neue Gedanken und Gefühle hinzukommen und aus diesem Prozess des Suchens und Fragens plötzlich ein Bild entsteht. Kein fertiges Bild natürlich, aber eines, das mein Leben eine Zeitlang bereichert. Wenn ich in unserer Gemeinschaft eine Frage stelle (vor allem wenn es eine spirituelle oder psychologische Frage ist), dann bekomme ich in der Regel eine Antwort. Punkt. Fertig. Alles schon geklärt. Wie langweilig! Außerdem glaube ich nicht an Wahrheiten, die immer und für alle Menschen gleichermaßen gelten. Dazu ist das Leben viel zu komplex, zu bunt und zu vielfältig.

 (c) Dieter Schütz/pixelio.de

Ich merke, dass ich große Angst habe, meine Gedanken jemandem aus der Gemeinschaft mitzuteilen. Mich beunruhigen all die Erzählungen gescheiterter Zusammenarbeit sehr, die ich im Laufe der Zeit schon gehört habe. In diesen Erzählungen waren immer die anderen schuld daran, dass es nicht klappte. Wenn jemand mit der "Grande Dame" der Community Probleme hatte, dann hatte er oder sie garantiert eine "negative Mutterübertragung". Wenn jemand den Menschen aus der Gemeinschaft aggressiv oder feindselig begegnete, hatte er bestimmt eine pathologische Grundstruktur. Das ermutigt mich nicht gerade, einen Konflikt vom Zaun zu brechen. Diese Übertragung psychotherapeutischer Begriffe auf Alltagsbeziehungen finde ich sowieso fatal. Mir wird hier zu oft mit "Einsern", "Sechsern" und "Dreiern" herumgeworfen. (Anm. d. Verf.: Diese Zahlen beziehen sich auf die Charakterstrukturen nach Alexander Lowen.)

Epilog: Nur wenige Monate später brach ich tatsächlich einen Konflikt vom Zaun, der mir allerlei Pathologisierungen einbrachte und zum endgültigen Bruch mit der Gemeinschaft führte.

15.12.2008 um 18:36 Uhr

Alice im Interview

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Sinnlich, sehnsüchtig und überaus vorfreudig
Musik: Tina Turner - Go Ahead

 (c) Klicker/pixelio.de

Gestern veranstaltete 3sat den Thementag "Frauen an die Macht" mit einer ganzen Reihe interessanter Dokumentationen. Besonders angesprochen hat mich die Wiederholung eines Interviews mit Alice Schwarzer, das bereits im Januar dieses Jahres erstmals gesendet worden war. Da ich mich mit der Emma-Herausgeberin in letzter Zeit oftmals kritisch auseinandergesetzt hatte, war ich überrascht und überaus beeindruckt von der klugen. sachlichen und differenzierten Art, mit der sie während des Interviews ihre Positionen darlegte. Insbesondere ihre Ansichten zu Pornographie und weiblichem Masochismus klangen aus ihrem Mund so ganz anders, als ich das beim Lesen diverser Emma-Artikel wahrgenommen hatte. So findet sich beispielsweise noch heute bei Wikipedia die Aussage, dass Alice Schwarzer das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung im Zusammenhang mit BDSM ablehne: "Die Propagierung des weiblichen Masochismus durch den Mann ist ein Angriff, durch Frauen ist es Kollaboration mit dem Feind."

An solchen und ähnlichen Zitaten hatte ich mich in der Vergangenheit immer gestoßen, da sie mir viel zu pauschal und dogmatisch waren. Doch im gestrigen Interview war davon überhaupt nichts zu spüren. Zwar setzte sich Alice Schwarzer durchaus kritisch mit weiblichen Vorlieben auseinander, die Lust mit Unterwerfung verbanden, doch stellte sie es ausdrücklich jeder Frau frei, sexuelle Vorlieben dieser Art auszuleben. Ihre Kritik richtete sich einzig und allein gegen die öffentliche Darstellung von Frauen als sexuellem Objekt (wobei sie Pornographie als die Verknüpfung von Sexualität mit Unterwerfung und Gewalt definierte und damit von der allgemein gängigen Definition abwich). Im Interview stellte sich mir Alice Schwarzer keineswegs als männerhassende, polemisierende Kampfemanze dar, sondern als kluge, gebildete und charismatische Frau, die ihre Positionen wohlüberlegt und argumentativ überzeugend darlegen konnte. Nach wie vor ist es mir Inspiration und Ermutigung, dass es Frauen wie sie gibt.

24.01.2008 um 06:42 Uhr

Dazugelernt

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Noch etwas verschlafen
Musik: Madonna - Hung Up

 (c) Henrik G. Vogel/pixelio

Ich bin stolz auf mich. Es gibt hier einen neuen User, der verzapft in seinem Blog so viel geschwurbelten Unsinn, dass sich mir die Zehennägel kräuseln und mir die Haare zu Berge stehen. Mein erster Impuls war, ihn mit ellenlangen Kommentaren zu beglücken, doch zum Glück konnte ich mich beherrschen. Auch als wir an anderer Stelle aufeinander trafen, widerstand ich der Versuchung, mich auf längere Auseinandersetzungen einzulassen. Ich habe mir schon vor geraumer Zeit geschworen, meine kostbare Freizeit nicht mehr mit sinnlosen Internet-Diskussionen zu verschwenden. Die fressen nämlich wahnsinnig viel Energie und führen zu überhaupt nichts, insbesondere wenn es sich um hochkomplexe Themen handelt. Also lasse ich den Unsinn Unsinn sein, zucke kurz mit den Achseln und wende mich wieder wichtigeren Dingen zu. Ein ausgesprochen gutes Gefühl!

09.07.2007 um 23:49 Uhr

Ich bin Feministin. Aber was für eine?

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Ratet mal!
Musik: Sting - Moon Over Bourbon Street

Das hochinteressante Dossier über Biologismus in der aktuellen "Emma", ein Beitrag von Ingrid Jahn auf "tage und nächte" und einige anregende Gespräche mit Frauen aus meinem persönlichen Umfeld haben mich veranlasst, meine Position innerhalb der Frauenbewegung noch einmal zu präzisieren und meine Haltung zu begründen. Um meine Gedanken auch für Menschen verständlich zu machen, die sich noch nicht eingehender mit den unterschiedlichen Strömungen des Feminismus befasst haben, möchte ich meinen Ausführungen ein paar allgemeine Definitione voranschicken. (Und da ich zu faul war, mir eigene Formulierungen aus den Fingern zu saugen, habe ich im Folgenden hemmungslos bei Wikipedia geklaut.)

Innerhalb des Feminismus unterscheidet man im Wesentlichen zwei Strömungen: den Universalismus und den Differenzfeminismus. Die Universalistinnen gehen davon aus, dass es im Grunde keine relevanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, also kein "typisch männlich" und "typisch weiblich", sondern nur durch geschlechtsspezifische Sozialisation und Aufgabenteilung, sowie gesellschaftliche Machtstrukturen begründete Verhaltensunterschiede. Ziel der Universalistinnen ist die Aufhebung sämtlicher geschlechtsspezifischer gesellschaftlicher Unterschiede, um es den Menschen zu ermöglichen, nach ihren individuellen Fähigkeiten und Vorlieben zu leben, statt nach gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechterrollen. Prominente Vertreterinnen dieser Strömung des Feminismus sind Simone de Beauvoir und Alice Schwarzer.

Demgegenüber gehen die Differentialistinnen von einer grundsätzlichen Verschiedenheit der Geschlechter aus. Sie setzen einen zeitlosen naturgegebenen Unterschied zwischen Männern und Frauen voraus, der unser Leben von Anfang an bestimmt. Demnach besitzen alle Frauen naturgegebene Wesenszüge, die sie unabhängig von Kultur und Geschichte gemeinsam haben. Im Gegensatz zur patriarchalen Ideologie, die im Grunde auf genau derselben Annahme beruht, die weibliche Andersartigkeit jedoch herabwürdigt, betonen die Differentialistinnen die Überlegenheit weiblicher Eigenarten gegenüber den männlichen. Sie betrachten die weiblichen Eigenschaften als etwas Besonderes, das gefeiert werden sollte. Der Differenzfeminismus geht häufig mit esoterischen oder magischen Anschauungen einher. Eine bekannte Vertreterin dieser Richtung ist Luisa Francia.

Als ich selbst im zarten Jugendalter anfing, mich mit Frauenfragen zu beschäftigen, war ich eindeutig eine Vertreterin des Differenzfeminismus. Jahrelange esoterische Praxis, die Lektüre der "Nebel von Avalon", das Studium des Jungianischen Animus-Anima-Konzepts, vermischt mit den Einflüssen fernöstlicher Lehren, ließen es mir selbstverständlich erscheinen, dass Männer und Frauen grundsätzlich verschieden waren und es Ziel einer jeden Frauenbewegung sein musste, die angemessene Aufwertung und Würdigung weiblicher Qualitäten und Fähigkeiten in einer männlich dominierten Welt zu erreichen. Als ich einige Jahre später auf die Bücher von Luisa Francia stieß, erlebte ich ihre Frauenkraft und ihre gezielten Seitenhiebe auf die Männer als ungemein wohltuend, auch und gerade angesichts meiner damaligen Liebeskümmernisse. Ohne Frage hat Luisa mein weibliches Selbstbewusstsein ungemein gestärkt. Doch schon damals nistete sich ein leiser Zweifel bei mir ein, ob es wirklich so eine gute Lösung war, die Kluft zwischen Männern und Frauen noch zu verstärken, anstatt sie zu überbrücken.

Hinzu kam, dass ich in dieser Zeit Psychologie studierte und schon vor 15 Jahren die Evidenz verhaltenswissenschaftlicher Forschung in eine eindeutige Richtung wies: Gravierende und grundlegende Unterschiede zwischen Männern und Frauen ließen sich fernab simpler biologischer Tatsachen einfach nicht festellen. Zwar gab es hie und da signifikante Mittelwertsunterschiede, diese wurden jedoch immer kontrastiert von einer beeindruckend großen Bandbreite der Fähigkeiten und Merkmale innerhalb der Geschlechter. Selbst wenn sich "im Schnitt" Unterschiede zwischen den Geschlechtern nachweisen ließen, so gab es doch immer noch eine erstaunlich große Überschneidung zwischen den beiden Gruppen. Lediglich die Spitzenwerte an beiden Enden waren dann eindeutig männlich oder weiblich dominiert.

Ich möchte das einmal an einem kleinen Beispiel veranschaulichen (und wähle jetzt bewusst eines der wenigen, bei denen sich tatsächlich ein durchgehender Geschlechtsunterschied nachweisen ließ): Erfasst man die Neigung einer Person, in Konfliktsituationen mit körperlicher Aggression zu reagieren, so erweisen sich die Männer im Schnitt als aggressiver als die Frauen. Die höchsten Werte finden sich fast immer bei Männern, die niedrigsten bei Frauen. Auch der Durchschnittswert der Männer liegt höher als jener der Frauen, und zwar in einer Größenordnung, die es unwahrscheinlich macht, dass dieser Unterschied rein zufällig durch eine ungünstige Wahl der Stichprobe zustandegekommen ist. Dennoch gibt es selbst bei diesen Untersuchungen immer eine große Überschneidung zwischen Männern und Frauen, d.h. viele Männer und Frauen unterscheiden sich in ihrer Neigung zu körperlicher Aggression überhaupt nicht, während sowohl die Frauen, als auch die Männer innerhalb ihrer eigenen Bezugsgruppe in hohem Maße verschieden sind. Es gibt also sowohl Männer, die stark zu körperlicher Aggression neigen, und solche, die kaum oder gar nicht dafür anfällig sind, als auch Frauen, für die genau dasselbe gilt. Was sich angesichts solcher Studien überhaupt nicht aufrechterhalten lässt, ist die Annahme, dass Frauen etwa eine naturgegebene Friedfertigkeit innewohnt, während Männer von Natur aus kämpferisch veranlagt sind.

Ebenfalls interessant fand ich die Tatsache, dass unter gesellschaftlichen oder auch nur experimentellen Rahmenbedingungen, welche die Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen betonen, meist größere Mittelwertsunterschiede gefunden wurden, als an Schauplätzen, in denen die grundsätzliche Gleichheit der Geschlechter bekräftigt wurde. So schnitten Frauen, denen man zu Beginn einer Reihe von Rechenaufgaben erklärt hatte, dass sie von Natur aus weniger begabt für Mathematik seien als Männer, bei diesen Aufgaben deutlich schlechter ab als jene, denen man erzählte, dass beide Geschlechter gleich gut rechnen könnten. Und derlei Untersuchungsbefunde gab es viele. Ich musste zugeben: Die Universalistinnen hatten eindeutig die besseren Argumente - zumal mir noch keine Differentialistin (und auch kein Mann, der diese These vertrat) wirklich zufrieden stellend hatte erklären können, worin der grundsätzliche, wesenhafte Unterschied zwischen Männern und Frauen denn nun eigentlich bestand. Dennoch pendelte ich, fasziniert von der Idee einer "urweiblichen Kraft", noch eine ganze Weile zwischen den beiden Strömungen hin und her.

Den entscheidenden Impuls, mich endgültig vom Differentialismus zu verabschieden, erhielt ich schließlich bei der Begegnung mit einer Gruppierung, die in hohem Maße differenzfeministische Positionen vertrat und diesen auch in einer matriarchal inspirierten Spiritualität Ausdruck verlieh. Anfangs war ich begeistert von der Idee, bei der Feier der Jahreskreisfeste immer tiefer in das Geheimnis von Männlichkeit und Weiblichkeit einzutauchen. Doch je länger ich dabei war und je mehr Rituale ich miterlebt hatte, umso mehr hinterließen diese bei mir einen schalen Nachgeschmack. Es widerstrebte mir, bei den rituellen Inszenierungen auf die weibliche Rolle festgelegt zu sein - und dabei war es mir völlig egal, dass die Frauen dabei die Göttin repräsentierten, während die Männer als deren gehörnter Gefährte "nur" die Menschenwelt vertraten. Ich fühlte mich eingeengt und bevormundet von einer festgelegten Vorstellung weiblicher und männlicher Aufgaben innerhalb des spirituellen Geschehens, stieß mich an den männerfeindlichen Witzen, die gerne bei unseren Zusammenkünften erzählt wurden, und konnte mit neunmalklugen Allgemeinplätzen wie "Wir Männer sind auf Frauen verwiesen" immer weniger anfangen. Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich im Grunde meines Herzens längst zu den Universalistinnen übergelaufen war.

Doch um jetzt nicht von der Schublade erschlagen zu werden, in die ich mich selbst einsortiert habe, möchte ich an dieser Stelle noch einmal explizit erklären, was für mich bedeutet, Universalistin zu sein. Als solche leugne ich nämlich keineswegs bestehende Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Einer der schwerwiegendsten ist ohne jeden Zweifel die Tatsache, dass Frauen im Allgemeinen über die Fähigkeit verfügen, in ihrem Körper neues Leben heranwachsen zu lassen, Kinder zu gebären und sie während der ersten Lebensjahre aus sich selbst heraus zu nähren. Diesen Umstand zu ignorieren, hieße blind und taub zu sein für die Realität. Ebenso wenig verschließe ich mich der Tatsache, dass aus diesem Sachverhalt unterschiedliche Rahmenbedingungen für Männer und Frauen entstehen. (Ob man diese positiv oder negativ bewertet, steht auf einem anderen Blatt.) Wenig überzeugend erscheint mir allerdings die Annahme, aus diesem biologischen Unterschied erwüchse Frauen und Männern ein grundlegend verschiedenartiges Wesen. Diese These ist beim derzeitigen Stand der Forschung schlicht nicht haltbar. Selbst wenn man anerkennt, dass manche Eigenarten bei Männern und Frauen unterschiedlich akzentuiert sind, so gibt es doch niemals eine eindeutige Trennlinie zwischen den Geschlechtern, und zahlreiche Hinweise deuten darauf hin, dass die noch bestehenden Unterschiede in hohem Maße auf familiären oder gesellschaftlichen Prägungen beruhen.

Die Theorie der Universalistinnen ist mir aber noch aus einem anderen, sehr subjektiven und emotionalen Grund sympathisch: Ich bin eine Anhängerin der wunderbaren Vielfalt, und mir gefällt der Gedanke, dass sowohl Männer, als auch Frauen gleichermaßen aus dieser Vielfalt schöpfen können - und zwar in ihrer gesamten Mannigfaltigkeit und Fülle. Da, wo die Biologie unserer Körper eventuellen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten Vorschub leistet, begrüße ich alle Versuche, diesen entgegenzuwirken und sie durch ein erweitertes Spektrum an Handlungsalternativen wettzumachen, anstatt sie durch Rollenzuschreibungen zu zementieren. Ich wünsche mir, dass Männern und Frauen die Welt gleichermaßen offen steht und beide jederzeit aus dem gesamten Reichtum der Möglichkeiten wählen können. Der Differenzialismus erscheint mir schlicht nicht als der geeignete Weg, dieses Ziel zu erreichen, da er die Distanz zwischen den Geschlechtern eher vergrößert. Ich aber wünsche mir eine Annäherung, ein Miteinander, eine Welt, in der wir alle in erster Linie Menschen sind, und unsere Hautfarbe, unsere Nation, unsere Religion, unsere Bildung und unser Geschlecht nur Facetten in einem einzigartigen Mosaik sind. Denn erst dann, wenn sowohl Männer als auch Frauen aus dem gesamten Spektrum ihrer seelischen Anlagen schöpfen können, ohne Häme, Spott, Unterdrückung und Ausgrenzung befürchten zu müssen, sind wir wirklich frei, einander von Angesicht zu Angesicht als Menschen zu begegnen.

05.07.2007 um 20:44 Uhr

Geschwätzigkeit kennt kein Geschlecht

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Übersprudelnd vor Liebe
Musik: Dan Ar Braz - Mi Le M'Uilinn

 (c) qay/pixelio

Eine aktuelle amerikanische Studie hat herausgefunden, dass Frauen keineswegs mehr reden als Männer. Sie verfügen offenbar auch nicht über einen ausgefeilteren Wortschatz. In beiden Punkten konnten bei den untersuchten Personen keinerlei Geschlechtsunterschiede nachgewiesen werden. Womit wieder einmal ein Klischee aus der männlich-weiblichen Klamottenkiste vom Tisch wäre...

26.06.2007 um 21:14 Uhr

Das andere Geschlecht

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Zärtlich

 (c) pixelio

"Als Frau wird man nicht geboren. Zur Frau wird man gemacht."

Ich las Simone de Beauvoirs Klassiker "Das andere Geschlecht". Oder besser, ich las es bis zur Hälfte. Mehr ließ zum einen die Verlängerungsfrist der Stadtbibliothek nicht zu, und zum anderen fehlte mir die nötige Geduld. Denn die Autorin ist sehr verliebt in das eigene Wort. Gewiss, sie entwickelt die Rolle der Frau und das Bild ihrer Unterdrückung durch den Mann vor dem Hintergrund biologischer, historischer, mythischer und individueller Faktoren ungemein klug und detailgenau. Ich habe selten eine so umfassende philosophische Abhandlung zu diesem Thema gelesen. Doch gerade der Umfang der Arbeit öffnet der Wiederholung Tür und Tor. Seitenweise beleuchtet Beauvoir denselben Sachverhalt, bald aus dieser, bald aus jener Perspektive, aber doch ohne wesentlichen Erkenntnisgewinn. Auf mich wirkte das streckenweise sehr ermüdend. Hinzu kommt, dass das Buch ganz klar ein Kind seiner Zeit ist. Wenngleich die wichtigsten Gedanken zeitlos sind und ich mich in der Beschreibung einiger bedeutsamer weiblichern Prägungen auch heute noch wiedergefunden habe, so erscheinen mir andere Passagen doch erstaunlich altmodisch und angesichts des heutigen Erkenntnisstandes regelrecht überholt. Insbesondere kann ich mich Beauvoirs Klagen über die Einschränkungen und Härten der weiblichen Biologie (sie bezeichnet die Menstruation gerne als "Unwohlsein") keineswegs anschließen. Wenn man ihre Zeilen liest, könnte man zuweilen den Eindruck gewinnen, es sei ein wahrer Fluch, mit einem weiblichen Körper geschlagen zu sein. Das empfinde ich ganz und gar nicht so, und auch die Medizin weist den Frauen mittlerweile durchaus die robustere Konstitution zu. Dennoch gebe ich ihr Recht, dass die Tatsache, dass es nun einmal die Frauen sind, die schwanger werden und Kinder gebären, ein biologisch bedingtes Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern erzeugt. Dass sie sich hingegen so viel Mühe macht, das psychoanalytische Konstrukt des "Penisneides" zu entkräften, erscheint angesichts dessen heutiger Bedeutungslosigkeit im wissenschaftlichen Diskurs geradzu unfreiwillig komisch. Ansonsten kommt der Humor bei Beauvoir leider viel zu kurz. Hin und wieder hatte ich das Gefühl, dass sie sich an der Schwere und Tiefgründigkeit ihrer philosophischen Betrachtungen fast verschluckt. Ein wenig Ironie und Leichtigkeit hätten dem Werk gut zu Gesicht gestanden. Aber vielleicht unterschätze ich als Tochter der postfeministischen Ära ja auch die Notwendigkeit einer gewichtigen, knochentrockenen Abhandlung über Sitte und Sexus der Frau für die Leserschaft der 50er Jahre. Unumstritten bleibt, dass die Autorin ein für ihre Zeit bahnbrechendes Werk vorgelegt hat, das unzählige Feministinnen inspirierte und ihnen wohlformulierte Argumente lieferte. Merci, Simone!

20.06.2007 um 19:23 Uhr

Männer halten hormonelle Verhütung nicht aus

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Voller Tatendrang
Musik: Loreena McKennit - Seasons

 (c) Karina Sturm/pixelio

Noch vor ein paar Wochen frohlockte ich angesichts der Nachricht, dass es bald auch hormonelle Verhütungsmittel für unsere männlichen Mitmenschen auf dem Markt geben werde. Auch die Mehrzahl meiner Leserinnen und Leser begrüßte diese neue Verhütungsmethode. Heute nun las ich mit Bedauern, dass Schering die Verhütungsspritze für den Mann als gescheitert betrachtet. Der Grund dafür ist grotesk: Während das Mittel sich in einer europaweiten Studie an 350 Versuchspersonen als zuverlässig und gut verträglich erwiesen hatte, überraschten die Männer mit ihrer empfindsamen Psyche. Die Herren der Schöpfung klagten über starke Stimmungsschwankungen. Das Verrückte daran: Diese Nebenwirkung trat auch bei jenen Testpersonen auf, denen gar keine echten Hormone, sondern ein reines Placebopräparat verabreicht worden war. An den Wirkstoffen selbst kann es also nicht liegen. Vielmehr stellen die Stimmungsschwankungen offenbar eine irrationale Reaktion der Männer auf die vermeintliche Einnahme von Hormen dar. Genialer Trick! Und überaus wirksam: Schering wird alle Forschungen in diese Richtung fallen lassen und stattdessen auf die "zuverlässigeren und robusteren" Frauen setzen (Zitat: sueddeutsche.de).

02.05.2007 um 20:28 Uhr

Thermometer statt Hormone

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Sehnsüchtig
Musik: Lyfe Jennings - More Than A Girl

 (c) Ernst Rose/pixelio.de

Heute Morgen las ich in auf sueddeutsche.de, dass eine großangelegte wissenschaftliche Studie der natürlichen Verhütung nach der symptothermalen Methode eine ebenso hohe Sicherheit bescheinigt wie der Pille - vorausgesetzt natürlich, dass sie richtig angewendet wird. Der einzige Haken: Zur Studie zugelassen wurden nur Frauen mit regelmäßigen Zyklen, so dass die Aussagen über die Anwendungssicherheit nicht ohne weiteres auf Frauen übertragbar sind, deren Menstruationszyklen sich nicht so brav an den Kalender halten. Meine persönlichen Erfahrungen mit dieser Methode sprechen allerdings dafür, dass sie auch für diese Personengruppe geeignet und anwendbar ist. Die wesentlich größere Herausforderung sehe ich darin, dass die Methode weit mehr Achtsamkeit und Bewusstheit erfordert als die hormonelle Verhütung - und zwar von beiden Partnern.

Und bei der Gelegenheit möchte ich euch doch gleich noch den Endstand meiner Umfrage präsentieren. Wie ihr seht befürwortet eine deutliche Mehrheit der Befragten die neuen Verhütungsmethoden für Männer. Ich frage mich, ob auch Männer darunter waren.

21.01.2007 um 10:30 Uhr

Keine Lust

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Nachdenklich
Musik: INXS - Questions

Die Lektüre von Elfriede Jelineks "Lust" habe ich, ich gebe es zu, nach rund 75 Seiten aufgegeben. Gemessen an der Zeit, die ich für das Lesen habe, und meinem Bedürfnis, beim Lesen ganz in einer Geschichte oder auch einem faszinierenden Gedankengang zu versinken, ist mir die Lektüre einfach zu anstrengend - und auch zu demoralisierend. Dabei habe ich mich an Jelineks spröden Schreibstil, die bruchstückhaften Sätze und die kühle Distanz ihrer Wortwahl durchaus gewöhnt und schließlich sogar Gefallen daran gefunden. Die Art, wie sie erzählt, ist für mich höchst ungewohnt, irritierend, streckenweise auch aufwühlend und beunruhigend. Ihr Blick auf die Sexualität zwischen Männern und Frauen ist hart und unerbittlich. Doch genau das ist es auch, was mich so befremdet. Denn obwohl ich durchaus ihre Ansicht teile, dass die jahrtausendelange Unterdrückung der Frau durch den Mann sicher auch eine sexuelle war (und in weiten Teilen immer noch ist), und auch ich schon frustrierende sexuelle Erfahrungen mit unsensiblen, selbstbezogenen und einfallslosen Liebhabern gemacht habe, erlebe ich mich nicht in der beschriebenen Weise als Opfer. Denn die Erfüllung meiner Sexualität ist ganz sicher nicht allein von dem Mann an meiner Seite abhängig, sondern liegt in hohem Maße auch in meiner eigenen Hand. (Das sogar bisweilen ganz buchstäblich.) Allerdings bin ich auch schon eine Tochter der postfeministischen Generation.

Natürlich gibt es mir zu denken, wenn ich mir Pornos ansehe, die ein gänzlich verzerrtes Bild der menschlichen Sexualität im Allgemeinen und der weiblichen im Besonderen zeichnen. Ich frage mich, wie viel diese Bilder, die so allgegenwärtig sind und so gerne konsumiert werden, in Männerhirnen anrichten. Dass sie dort überhaupt keine Wirkung hinterlassen, kann mir niemand erzählen. Die Frage ist nur, wie groß der Schaden ist, den sie anrichten. Inwieweit sind Menschen in der Lage, sich vom Gesehenen zu distanzieren und zwischen Phantasie und Wirklichkeit zu differenzieren, wenn sie sich in einer stark von Emotionen und ursprünglichen Trieben und Instinkten geprägten Gemütslage derartigen Szenarien ausgesetzt sehen? Ich kann das Unbehagen einer Alice Schwarzer sehr gut verstehen, wenn sie aufsteht und eine groß angelegte PorNO-Kampagne ins Leben ruft - und doch bin ich mir unschlüssig, ob ein Verbot pornographischer Darstellungen tatsächlich eine Lösung wäre. Ich habe es durchaus auch schon erlebt, dass Männer auf ausgesprochen liebevolle, behutsame Weise mit den dargestellten Bildern umgegangen sind, indem sie beispielsweise ihre Freude an der Schönheit und Vielfalt nackter Frauenkörper zum Ausdruck brachte.

Dennoch bleibt es für mich ein Problem, dass die Bilder in unseren Köpfen (auch in denen der Frauen!) so stark von einer vorwiegend männlich orientierten Sexualität geprägt sind. Weibliche Eigenarten und Bedürfnisse fallen dabei völlig unter den Tisch. Damit wird es zur Aufgabe der Frauen, Männer mit den weiblichen Vorlieben vertraut zu machen und diese in der alltäglichen Sexualität zu etablieren. Das aber erfordert Selbstbewusstsein, Beherztheit und Erfahrung - Dinge, die gerade jungen Frauen oftmals fehlen. Wenn ich mich unter Frauen so umhöre, dann dauert ihr Weg hin zu einer wirklich befriedigenden und erfüllenden Sexualität oft viele Jahre und ist geprägt von zahlreichen frustrierenden und entmutigenden Erfahrungen. Natürlich gibt es immer Ausnahmen - auf beiden Seiten. Es gibt zärtliche, einfühlsame und leidenschaftliche Liebhaber und Frauen, die schon früh ihre sexuelle Erfüllung finden. Aber die Regel scheint das noch immer nicht zu sein.

In diesem Zusammenhang beschäftigt mich natürlich auch das Thema Prostitution. Was für eine Bedeutung hat es für die männliche Sexualität, dass weibliche Sexualität und weibliche Körper für Männer käuflich sind? Ich kann der Verharmlosung der Prostitution mit Verweis auf die deutliche Minderheit jener Frauen, die behaupten, Spaß an dieser Tätigkeit haben, überhaupt nichts abgewinnen. Für die meisten Frauen ist dies ein entwürdigendes Geschäft. Im besten Fall haben sie es gelernt, ihre Gefühle gar nicht mehr wahrzunehmen und sich auf diese Weise vor den verheerenden Folgen zu schützen. Doch wenn ich lese, dass die überwiegende Mehrheit aller Prostituierten schon in ihrer Kindheit sexueller Gewalt ausgesetzt war, dann weiß ich, was die Stunde geschlagen hat. Auch hier frage ich mich, ob mit einem Verbot der Prostitution irgendetwas gewonnen wäre. Dem Argument allerdings, dass es für manche Frauen existentiell wichtig sei, ihren Lebensunterhalt auf diese Weise zu verdienen, kann ich mich nicht anschließen. Denn dann ginge es eher darum, endlich die unsägliche finanzielle Ungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen zu beseitigen, als Frauen gnädig die Möglichkeit einzuräumen, gegen Geld für Männer die Beine breit zu machen.

Ich bin überzeugt davon, dass all dies beide Geschlechter zerstört - Männerseelen genauso wie Frauenseelen. Und wenn mir jemand erzählt, Prostitution sei das älteste Gewerbe, dann schließe ich daraus lediglich, dass Männer und Frauen offenbar schon seit sehr langer Zeit am bestehenden Machtgefälle zwischen den Geschlechtern Schaden nehmen.

14.12.2006 um 22:52 Uhr

Frauen sind auch nur Männer

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Fröhlich
Musik: Mary Black - Shine

Gerade habe ich einen wunderbaren ZEIT-Artikel gelesen, der den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Geschlechterforschung zusammenfasst. All jenen, die noch immer an die tief verwurzelten, biologisch begründeten Unterschiede zwischen Männern und Frauen glauben, sei er wärmstens ans Herz gelegt. Und der Titel des Beitrags erinnert mich auch noch so nett an eine Begebenheit bei einem Vortrag von Luisa Francia im Frauenbuchladen: Mittendrin öffnete ein Mann die Tür, warf ein "Männer sind auch nur Frauen" in den Raum und machte sich aus dem Staub. (Luisa ist als eingefleischte Differentialistin natürlich der Meinung, dass weder Frauen Männer sind, noch Männer Frauen. Aber das soll uns hier nicht weiter stören.)

Im übrigen muss ich gerade mal die EMMA-Redaktion loben. Sie haben mir nicht nur als Dank für mein Abo ein Buch von Alice Schwarzer und einen Stoß Frauenpostkarten geschenkt, sondern mir jetzt auch, als ich beklagte, dass ich das erste Heft, das sie mir geschickt hatten, vor Bestellung meines Abos bereits am Kiosk erworben hätte, freundlich zurückgeschrieben, dass sie mir das Heft nicht berechnen würden, ich es aber gerne verschenken dürfe.

07.11.2006 um 22:53 Uhr

Frauen unter sich

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Müde, gereizt, entnervt

Ich komme gerade von einer verworrenen, unklaren, wenig ergiebigen und unglaublich ermüdenden Besprechung unseres Frauenprojekts. Da schwirren lauter Visionen ohne jede finanzielle Verwurzelung durch den Raum, unkoordinierte Ideen prallen auf spontane Einzelaktionen, Zuständigkeiten vermischen sich und letztlich weiß die rechte Hand nicht, was die linke tut. Fast drei Stunden saßen wir beieinander, es wurde viel geredet und diskutiert und heraus kam - nichts. Am Ende blieb uns nur die Einsicht, dass wir weder Zeit noch Geld haben, unsere Pläne in naher Zukunft umzusetzen.

Mir gehen solche Treffen ganz fürchterlich auf die Nerven. Ist es wirklich so schwer, zukünftige Projekte einmal in aller Ruhe durchzurechnen und Entscheidungen auf dem Boden einer fundierten Finanzplanung zu treffen? Oder Probleme durch vernünftige Arbeitsteilung und strukturiertes Vorgehen zu lösen, anstatt immer wieder bei Adam und Eva anzufangen und die Gruppentreffen zum kollektiven Brainstorming zu nutzen? Die einzige, die eine vernünftige Vorarbeit geleistet hatte, war S. - und ihr Informationsblatt wurde fast vollständig ignoriert.

Ich werde mich gleich morgen hinsetzen, meine Gedanken sortieren und ein wenig Ordnung in das Chaos bringen. Außerdem habe ich mir fest vorgenommen, zu keinem weiteren Vereinstreffen mehr unvorbereitet zu gehen. Ich werde mir künftig im Vorfeld Gedanken machen, welche Punkte ich gerne einbringen möchte, und diese entsprechend vorbereiten. Anders ist das alles wohl nicht zu schaffen. Dabei begeistert mich die Idee, die hinter all dem steht, und ich möchte sie liebend gerne verwirklicht sehen. Aber am Ende ist jede Vision nur so gut wie ihre Konkretisierung. Und da hapert es bei uns leider ganz gewaltig.

28.10.2006 um 09:24 Uhr

Denkformen von Mann und Frau

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Heiter
Musik: Das Ticken der Uhr

Gestern Abend habe ich ein Buch aus meinem Bücherregal gezogen, das dort etwa seit fünf Jahren steht, ohne dass ich je einen Blick hineingeworfen hätte. "Denkformen von Mann und Frau" heißt es, die Autorin ist Nervenärztin in Bielefeld. Ich weiß noch, dass ich es mir damals auf eine Anregung von J. hin gekauft habe, mit dem ich immer lange Dispute über die Frage geführt habe, ob Männer und Frauen wirklich im Kern ihres Wesens verschieden sind oder nicht. Aber gelesen habe ich es nie. Gestern also schlage ich es auf und blättere ein wenig darin herum. Die Autorin zitiert zunächst eine Studie von 1939, die zu dem Schluss kam, dass Männer und Frauen sich im Bereich der allgemeinen Intelligenz nicht unterscheiden, es aber dennoch Geschlechterunterschiede bei spezifischen Fähigkeiten gibt. Es verwundert ein wenig, dass die Autorin neuere Forschungsergebnisse unterwähnt lässt, die das alte Klischee, dass Frauen sprachlich und feinmotorisch überlegen sind, während Männer in Mathematik und bei der räumlichen Wahrnehmung besser abschneiden, wesentlich differenzierter erscheinen lassen. Aber gut, immerhin geht sie von der Aussage aus, dass Männer und Frauen sich in ihrer grundsätzlichen Intelligenz nicht unterscheiden - und sie entwirft in ihrem Buch folgende Hypothese:

"Durch unterschiedlich angelegte Neigungen werden die vorhandenen Fähigkeiten ungleich trainiert und eingesetzt. Nicht in der Fähigkeit sind Mann und Frau so verschieden, sondern im Willen - in dem unersättlichen, nie erlahmenden, den ganzen Menschen erfassenden Streben."

Gut, denke ich, das kann frau sich ja mal anhören, und lese weiter. Zunächst entwirft die Autorin auch ein paar ganz interessante Gedanken, nämlich dass Jungen eher zu Freizeitvergnügungen wie Fußballspielen und Bäumeklettern neigen, welche das logische Schließen und die räumliche Wahrnehmung trainieren, während Mädchen sich eher für Rollenspiele und Geschicklichkeitsspiele entscheiden, bei denen die sprachlichen und feinmotorischen Fähigkeiten geübt werden. Soweit, so gut. Gisela Roggendorf geht nun davon aus, dass diese Neigungen den meisten Männern und Frauen von vornherein innewohnen und nicht durch die Erziehung beeinflusst werden können. Und diese Annahme erscheint mir eher problematisch. Wenn ich bei meinem Neffen und meiner Nichte sehe, wie früh im Leben sich die Geschlechterstereotype schon in den Köpfen festsetzen, dann bin ich mir nicht so sicher, dass diese Neigungen naturgegeben und von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gänzlich unbeeinflusst sind. Entscheidend für die Erziehung ist eben nicht so sehr das, was die Eltern sagen ("Komm da runter! Mach dich nicht schmutzig! Zieh dir etwas Warmes an!"), sondern was sie tun und vorleben. Es mag eine gewisse biologische Neigung geben, das will ich gar nicht bestreiten. Aber diese wird in der Interaktion mit gesellschaftlichen Größen erst vollständig entwickelt und geformt.

Aber gut, kehren wir zu Frau Roggendorf zurück. Bis hierher konnte ich ihr ja noch folgen, aber dann nahmen ihre Theorien immer hanebüchenere Formen an. Sie versuchte nämlich jetzt, diese unterschiedlichen Neigungen zu erklären und kam zu dem erstaunlichen Schluss, dass Männer immer nur das eine wollen: Sex! Da sie diesbezüglich von der Natur aber arg benachteiligt sind, müssen sie erst einmal zu Höchstformen auflaufen, um eine Frau für sich zu gewinnen. Und warum sind sie benachteiligt? Weil sie zwar einen wesentlich stärkeren Sexualtrieb haben als Frauen, aber wesentlich hässlicher sind und leider nur so ein armseliges kleines Gürkchen ihr eigen nennen, während Frauen mit ihren prachtvollen Brüsten protzen können ("Sie zu betrachten ist für Männer meistens erfreulich und angenehmn, sie zu betasten ebenfalls, wogegen sich der Penis im schlaffen Zustand zu wabbelig und im steifen Zustand zu hart anfühlt, um wirklich ein erfreuliches Gefühl beim Betasten zu bieten, außerdem ist seine Haut so merkwürdig lose").

Da haben wir's: Frauen sind also das schöne Geschlecht und damit sind all ihre Probleme gelöst. "Ihre Schönheit ist ihr Kapital, das ihr beruflich wie privat so manchen Weg ebnen und ihr ein sorgenfreies Leben bis zu ihrem Tod sichern hilft", heißt es da oder "Wenn eine junge Frau ihren herrlichen Busen zur Schau stellt (ein junger, knospender oder eben zur Reife erblühter Busen wird von den Männern immer herrlich gefunden) und sich in ihren Hüften wiegt, so zieht sie damit genügend Männer an, um eine gute Auswahl an Geschlechtspartnern zu haben. Sie muss nicht irgendwelche besonderen Leistungen vollbringen, um einen Mann zu faszinieren und an sich zu binden. ... Alles was sie erstrebt, kann sie durch die Schönheit ihres Körpers (die durch einen Penis bestimmt nicht vergrößert würde) erreichen." Die armen Männer hingegen haben es schwer: "Der Mann befindet sich nun in der misslichen Lagen, über einen wenig ansehnlichen Körper (im Vergleich zu dem der Frau) ein kaum als schön zu bezeichnendes Geschlechtsorgan sowie ein eher aggressives, wenig freundliches und anziehendes Wesen zu verfügen. ... Der Mann ist also ständig hochmotiviert, etwas Besonderes, Neues und Außergewöhnliches zu leisten, um den Mangel seiner anlagemäßigen Benachteiligung auszugleichen."

Wie es weiterging, kann ich euch leider nicht sagen, denn an dieser Stelle bekam ich einen solchen Lachanfall, dass ich nicht mehr in der Lage war, den Ausführungen der Autorin noch länger zu folgen. Manche Menschen entwickeln schon seltsame Theorien! Die gute Frau Roggendorf suhlt sich ja geradezu in Klischees und Stereotypen und kommt daher leider über den Zirkelschluss nicht hinaus. Denn Geschlechtsunterschiede mit Geschlechtsrollenklischees begründen zu wollen, ist leider wenig zielführend. Im letzten Kapitel kommt sie dann noch zu dem Schluss, dass das männliche Streben allein durch tiefsitzende Minderwertigkeitskomplexe begründet sind. (Kein Wunder bei der miserablen körperlichen Ausstattung!) Du meine Güte, die armen Männer! Können wir nicht einfach mal aufhören, in solchen Kategorien zu denken? Da werden Männer auf komplexbeladene, sexuelle Triebtäter reduziert, während Frauen nichts anderes wollen als einen Mann an ihrer Seite, der sie ernährt und ihren Lebensabend sichert. Gehts noch? Was ist denn so schwer daran, uns in erster Linie als Menschen mit individuellen Neigungen und Vorlieben zu sehen und nicht ständig in Geschlechterschubladen zu denken? Das trägt der Andersartigkeit meines Gegenübers schon ausreichend Rechnung, ohne eine unüberwindliche Kluft zwischen uns zu schaffen.

28.05.2006 um 09:21 Uhr

Früh übt sich, was einmal ein Rollenklischee werden will

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Noch etwas verschlafen

Mein sechsjähriger Neffe und meine vierjährige Nichte wollten ein Joghurt essen, taten sich mit den großen Löffeln aber recht schwer. Also drückte mir meine Mutter in der Küche zwei kleine Plastiklöffel in die Hand, einen rosafarbenen und einen hellblauen. Ganz Verhaltensforscherin wollte ich mal wissen, was passiert, wenn ich entgegen der Rollenerwartungen handele, und legte meinem Neffen den rosa und meiner Nichte den hellblauen Löffel hin. Es gab ein lautes Getöse: "Nein, das ist verkehrt!" - "Das ist meiner!" - "Und das meiner!" Ich stellte mich dumm und fragte: "Wieso denn das?" Die Antwort kam prompt: "Weil das so gehört!" Und mein Neffe setzte noch erläuternd hinzu: "Blau ist eine Jungenfarbe und Rosa eine Mädchenfarbe." Ich tat völlig überrascht: "Wirklich?" An diesem Tag war ich ganz in Blau gekleidet. "Was bin ich denn dann?" Mein Neffe schaute mich schelmisch an und grinste: "Ein Junge!" Dennoch wurde ihm die Unstimmigkeit offenbar klar, denn er fügte noch erläuternd hinzu, dass auch Mädchen manchmal Blau tragen könnten, Rosa aber ganz eindeutlig eine Mädchenfarbe sei. "Würdest du denn niemals etwas anziehen, das rosa ist?" Vehementes Kopfschütteln. "Aber Jungen können doch in Rosa auch ganz toll aussehen", versuchte ich zu argumentieren. Da mischte sich meine kleine Nichte ein: "Ich habe neulich mal einen Jungen im Schwimmbad gesehen, der eine rosa Badehose anhatte." Ich: "Und? Sah das gut aus?" Nachdrückliches Kopfnicken. An dieser Stelle wechselte das Thema und ich schmunzelte nur noch leise vor mich hin. Und wenn jetzt einer kommt und die Zuordnung der Farben Rosa und Hellblau auf unser steinzeitliches Erbe oder die genetische Disposition des X- und Y-Chromosoms zurückzuführen versucht, kriege ich einen Lachanfall.

P.S. Das Bild hat mir übrigens mein Liebster vor ein paar Wochen mal geschickt mit dem Vermerk: "Falls du mal einen Blogeintrag darüber schreibst, dass Mädchen zu rosa Kleidchen-Tussis und Buben zu männlichen Männern erzogen werden." Passt doch!

25.05.2006 um 09:03 Uhr

Verlockung

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Heißblütig und frauenbewegt

Ach, es juckt mich in den Fingern, mich in einer Diskussion zu Wort zu melden, die derzeit in einem Forum läuft, in dem ich schon seit Monaten nichts mehr geschrieben habe. Natürlich geht es - wie sollte es anders sein - um Geschlechterfragen. Meine Positionen werden schon recht gut von anderen Userinnen vertreten, aber ich muss mich dennoch sehr zurückhalten, nicht selbst in die Tasten zu hauen. Ich kann den Mythos von der heiligen, biologisch verwurzelten und deshalb unantastbaren Mütterlichkeit der Frau, der so gerne als Erklärung für sämtliche Rollenklischees herangezogen wird, wirklich nicht mehr hören!

12.05.2006 um 22:25 Uhr

Ruhig Blut

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Kopfschüttelnd und kribbelig
Musik: Leonard Bernstein - Cool

Gerade habe ich in einem anderen Blog zwei Kommentare entdeckt, die vor Klischees und Verallgemeinerungen nur so triefen. Es juckt mich in den Fingern, mich einzuklinken und meinen Meinung kundzutun. Doch gibt es auch gute Gründe, mich zurückzuhalten. Also sitze ich nun hier und versuche mein Mütchen zu kühlen und mein in Wallung geratenes Blut wieder zu beruhigen. Warum um alles in der Welt greifen Menschen nur so gerne auf vorurteilsbeladene Schubladenschlagworte ("Männer!" bzw. "Frauen!") als Erklärung für die bunte Vielfalt und Komplexität der Welt zurück?

01.05.2006 um 00:41 Uhr

Nur für Frauen!

von: Nimien   Kategorie: Frauenbewegt

Stimmung: Frauenbewegt und männerverstehend

Passend zur Walpurgisnacht, die ich erst morgen rituell begehen werde, beschäftigte mich heute die Frage der Rechtfertigung eigener Frauenräume. Anlass war ein Gespräch mit einer lieben Bekannten, in dem sie mir von einem eigenen Erotik-Laden für Frauen in München erzählte. Als ich diesen heute meinem Freund gegenüber erwähnte, reagierte der überraschend ablehnend darauf: "Ein eigener Laden nur für Frauen hat etwas Rassistisches, finde ich." Ich war erst einmal sprachlos und fing dann natürlich umgehend zu argumentieren an: Solange Frauen noch in solch hohem Maße der sexuellen Gewalt durch Männer ausgesetzt sind, braucht es eigene Schutzräume für Frauen, in denen diese völlig frei von jeder männlichen Einflussnahme ihre Sinnlichkeit und Erotik entdecken können. Doch mein Freund ließ sich von diesem Argument nicht überzeugen.

Er fand es völlig in Ordnung, ein Ladenkonzept zu entwickeln, das voll und ganz auf die Bedürfnisse von Frauen abgestimmt sei und sich durch ein ansprechendes Ambiente insbesondere von den schmuddeligen Sexshops der Bahnhofsviertel abhebe. Den Männern dann allerdings den Zutritt zu solchen Geschäftsräumen zu verbieten, empfand er als diskriminierend. Selbst die Tatsache, dass es bei "Ladies First" einen sogenannten "Partnertag" gibt, konnte ihn nicht versöhnen. "Ich würde mich an einem solchen Tag bestenfalls geduldet fühlen. Und was ist, wenn ich dir eine Überraschung zum Geburtstag kaufen möchte?" Die feurig Vehemenz seiner Argumentation brachte mich tatsächlich ins Grübeln.

Je länger ich darüber nachdachte, umso mehr konnte ich seinen Standpunkt nachvollziehen. Ich selbst bin Universalistin, halte nicht viel von der Spaltung der Menschheit in Männer und Frauen und betone immer wieder, wie ähnlich die Geschlechter sich doch im Grunde ihres Herzens sind. Tatsächlich widerspricht die Existenz eigener Frauenräume, aus denen Männer radikal ausgeschlossen werden, dieser Sichtweise. Und doch habe auch ich selbst schon solche Räume als sehr wohltuend und Geborgenheit spendend erlebt. Die Frage, ob dadurch die Kluft zwischen den Geschlechtern nicht noch vertieft wird, erscheint mir jedoch berechtigt.

"Dass Frauen befürchten, in Sex-Shops von Spannern, Grapschern oder sonstigen Zudringlichkeiten belästigt zu werden, ist doch im wesentlichen ein Vorurteil", führte mein Freund weiter ins Feld. "Viele Männer, die in solche Läden gehen, schämen sich eher selbst und wollen nicht dabei ertappt werden, sich den neuesten Porno zu kaufen." Dieses Argument ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Es ist anzunehmen, dass eine gewisse, für Frauen eher unangenehme Klientel einem reinen Frauenerotikladen, in dem es keine Pornos und keine speziell auf Männer zugeschnittene Produkte gibt, mit hoher Wahrscheinlichkeit sowieso fernbleiben würde. So hielt mein Liebster auch die "Women Only"-Strategie im wesentlichen für ein Marketingkonzept und weniger für eine emanzipatorische Notwendigkeit.

Demgegenüber steht meine Erfahrung, dass es eine Menge Frauen gibt, die bereits mit sexualisierter Gewalt in Berührung gekommen sind - von der sexuellen Belästigung bis hin zu Vergewaltigung und sexueller Traumatisierung. Solche Frauen brauchen Räume, in denen sie sich wirklich geschützt und sicher fühlen können. Und das erfordert manchmal sogar die völlig Abwesenheit von Männern. Von daher greift für mich der Vergleich mit dem Nazi-Regime oder der Rassentrennung in Amerika nicht im geringsten. Denn in diesen Fällen wurden bestimmte Bevölkerungsgruppen systematisch unterdrückt, benachteiligt, ausgegrenzt und sogar verfolgt. Das kann man einer Ladeninhaberin, die ein "Nur für Frauen"-Schild an die Tür hängt, nun wirklich nicht vorwerfen. Die entscheidende Frage dürfte also sein: Werden Männer durch die Existenz reiner Frauenräume ernsthaft benachteiligt? (Denn genau das bedeutet das Wort "Diskriminierung".)

Meines Erachtens ist das nicht der Fall. Solange Frauen in so vielen Lebensbereichen noch immer zurückstecken, solange Männer den öffentlichen Raum weiter dominieren, darf es eigene Frauenräume geben, um ein Gegengewicht zu schaffen, ohne dass dies nun wiederum eine Diskriminierung der Männer darstellt. Allerdings kann ich verstehen, dass Männer sich dadurch bisweilen ausgegrenzt und brüskiert fühlen, und im Sinne eines gleichberechtigten, respektvollen Miteinanders der Geschlechter sind diese Maßnahmen nicht immer die beste Lösung. (Die radikalen Feministinnen werden mich für diese Einstellung rügen, aber ich gehöre nun einmal nicht zur militant-feministischen Fraktion.) In der Diskussion mit meinem Freund einigten wir uns schließlich darauf, dass es ein akzeptabler Kompromiss wäre, in einem solchen Laden reine "Frauentage" einzuführen, wie es sie beispielsweise in der Sauna gibt, die Läden ansonsten aber auch für Männer zu öffnen.