Nur für Frauen!
Stimmung: Frauenbewegt und männerverstehend
Passend zur Walpurgisnacht, die ich erst morgen rituell begehen werde, beschäftigte mich heute die Frage der Rechtfertigung eigener Frauenräume. Anlass war ein Gespräch mit einer lieben Bekannten, in dem sie mir von einem eigenen Erotik-Laden für Frauen in München erzählte. Als ich diesen heute meinem Freund gegenüber erwähnte, reagierte der überraschend ablehnend darauf: "Ein eigener Laden nur für Frauen hat etwas Rassistisches, finde ich." Ich war erst einmal sprachlos und fing dann natürlich umgehend zu argumentieren an: Solange Frauen noch in solch hohem Maße der sexuellen Gewalt durch Männer ausgesetzt sind, braucht es eigene Schutzräume für Frauen, in denen diese völlig frei von jeder männlichen Einflussnahme ihre Sinnlichkeit und Erotik entdecken können. Doch mein Freund ließ sich von diesem Argument nicht überzeugen.
Er fand es völlig in Ordnung, ein Ladenkonzept zu entwickeln, das voll und ganz auf die Bedürfnisse von Frauen abgestimmt sei und sich durch ein ansprechendes Ambiente insbesondere von den schmuddeligen Sexshops der Bahnhofsviertel abhebe. Den Männern dann allerdings den Zutritt zu solchen Geschäftsräumen zu verbieten, empfand er als diskriminierend. Selbst die Tatsache, dass es bei "Ladies First" einen sogenannten "Partnertag" gibt, konnte ihn nicht versöhnen. "Ich würde mich an einem solchen Tag bestenfalls geduldet fühlen. Und was ist, wenn ich dir eine Überraschung zum Geburtstag kaufen möchte?" Die feurig Vehemenz seiner Argumentation brachte mich tatsächlich ins Grübeln.
Je länger ich darüber nachdachte, umso mehr konnte ich seinen Standpunkt nachvollziehen. Ich selbst bin Universalistin, halte nicht viel von der Spaltung der Menschheit in Männer und Frauen und betone immer wieder, wie ähnlich die Geschlechter sich doch im Grunde ihres Herzens sind. Tatsächlich widerspricht die Existenz eigener Frauenräume, aus denen Männer radikal ausgeschlossen werden, dieser Sichtweise. Und doch habe auch ich selbst schon solche Räume als sehr wohltuend und Geborgenheit spendend erlebt. Die Frage, ob dadurch die Kluft zwischen den Geschlechtern nicht noch vertieft wird, erscheint mir jedoch berechtigt.
"Dass Frauen befürchten, in Sex-Shops von Spannern, Grapschern oder sonstigen Zudringlichkeiten belästigt zu werden, ist doch im wesentlichen ein Vorurteil", führte mein Freund weiter ins Feld. "Viele Männer, die in solche Läden gehen, schämen sich eher selbst und wollen nicht dabei ertappt werden, sich den neuesten Porno zu kaufen." Dieses Argument ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Es ist anzunehmen, dass eine gewisse, für Frauen eher unangenehme Klientel einem reinen Frauenerotikladen, in dem es keine Pornos und keine speziell auf Männer zugeschnittene Produkte gibt, mit hoher Wahrscheinlichkeit sowieso fernbleiben würde. So hielt mein Liebster auch die "Women Only"-Strategie im wesentlichen für ein Marketingkonzept und weniger für eine emanzipatorische Notwendigkeit.
Demgegenüber steht meine Erfahrung, dass es eine Menge Frauen gibt, die bereits mit sexualisierter Gewalt in Berührung gekommen sind - von der sexuellen Belästigung bis hin zu Vergewaltigung und sexueller Traumatisierung. Solche Frauen brauchen Räume, in denen sie sich wirklich geschützt und sicher fühlen können. Und das erfordert manchmal sogar die völlig Abwesenheit von Männern. Von daher greift für mich der Vergleich mit dem Nazi-Regime oder der Rassentrennung in Amerika nicht im geringsten. Denn in diesen Fällen wurden bestimmte Bevölkerungsgruppen systematisch unterdrückt, benachteiligt, ausgegrenzt und sogar verfolgt. Das kann man einer Ladeninhaberin, die ein "Nur für Frauen"-Schild an die Tür hängt, nun wirklich nicht vorwerfen. Die entscheidende Frage dürfte also sein: Werden Männer durch die Existenz reiner Frauenräume ernsthaft benachteiligt? (Denn genau das bedeutet das Wort "Diskriminierung".)
Meines Erachtens ist das nicht der Fall. Solange Frauen in so vielen Lebensbereichen noch immer zurückstecken, solange Männer den öffentlichen Raum weiter dominieren, darf es eigene Frauenräume geben, um ein Gegengewicht zu schaffen, ohne dass dies nun wiederum eine Diskriminierung der Männer darstellt. Allerdings kann ich verstehen, dass Männer sich dadurch bisweilen ausgegrenzt und brüskiert fühlen, und im Sinne eines gleichberechtigten, respektvollen Miteinanders der Geschlechter sind diese Maßnahmen nicht immer die beste Lösung. (Die radikalen Feministinnen werden mich für diese Einstellung rügen, aber ich gehöre nun einmal nicht zur militant-feministischen Fraktion.) In der Diskussion mit meinem Freund einigten wir uns schließlich darauf, dass es ein akzeptabler Kompromiss wäre, in einem solchen Laden reine "Frauentage" einzuführen, wie es sie beispielsweise in der Sauna gibt, die Läden ansonsten aber auch für Männer zu öffnen.

