Sternentanz

10.11.2009 um 07:45 Uhr

Zerfallende Strukturen

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Verschnupft
Musik: Helen Sjöholm - Gabriellas Song

 (c) Rike/pixelio

Vor einigen Jahren lebte ich eine Weile in einer alternativen Gemeinschaft , die zwar inhaltlich sehr auf meiner Linie lag, mir aber aufstieß, weil mir die subtilen Machtstrukturen dort missfielen. Aus diesem Grund kehrte ich dem Gemeinschaftsleben bald den Rücken und habe es nie bereut. Gestern nun traf ich zufällig ein Mitglied dieser Gemeinschaft - und nicht nur irgendeines, sondern jemanden, der damals zum engsten Kreis gehört hatte. Er erzählte mir, dass er sich ebenfalls von der Gemeinschaft getrennt habe und diese mittlerweile sogar in Auflösung begriffen sei, da sein Weggang die Lager gespalten habe. Er habe in letzter Zeit öfter an mich gedacht und daran, dass ich die damaligen Machtstrukturen mit denen einer Sekte verglichen hätte. "Du hattest absolut recht." Nun muss man wissen, dass ein Gespräch mit eben jenem Mann damals den Entschluss in mir hatte reifen lassen, mich aus dem Netzwerk zu verabschieden. Zu jener Zeit hatte er noch versucht, mich auf Linie zu bringen und mich auf subtile Weise dafür pathologisiert, dass ich mich erdreistete, das Gemeinschaftsgeschehen kritisch zu hinterfragen. Ansonsten war er ein feiner Kerl, aber seine überheblichen Äußerungen hatte ich ihm damals doch übel genommen. Und so konnte ich mich einer gewissen Genugtuung nicht erwehren, als ich mich nun gerade von ihm in all meinen Wahrnehmungen und Empfindungen bestätigt sah.

09.11.2009 um 22:02 Uhr

Revolution des Gesundheitssystems

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Schmunzelnd
Musik: Craig Armstrong - Closing Credits: Bolero

 (c) Jetti Kuhlemann/pixelio

Vor einiger Zeit traf ich mich mit einem Bekannten. Wir waren mongolisch essen. Zwischen Fisch und Sojasprossen erklärte er mir seine Vision unseres Gesundheitssystems. Sämtliche Krankenkassen sollten abgeschafft werden, die Kosten für notwendige Behandlungen sollten stattdessen die Verursacher der Krankheiten selbst tragen. Wer zu viel rauche oder sich ungesund ernähre, sei selbst für daraus resultierende Erkrankungen verantwortlich. Wer hingegen neben einem Handymast wohne und daher strahlenbedingte Schäden davontrage, könne das benötigte Geld von der zuständigen Telekommunikationsfirma einfordern (sofern er selbst kein Handy besitze). Natürlich müsse es einen Sozialfond für genetisch bedingte Krankheiten geben. Ansonsten solle das frei werdende Geld zum einen in die Ursachenforschung und zum anderen in die schulische Gesundheitsaufklärung und -prävention fließen.

Ich halte diese Ausführungen für Unsinn. Zum einen glaube ich nicht daran, dass wir die Ursachen von Krankheiten je prozentual bis auf die Nachkommastelle genau werden festlegen können. Und zum anderen missfällt mir der Gedanke, dass Krankheit in erster Linie die Folge eines Fehlverhaltens sein und dieses dann auch noch bestraft werden soll. Das ist mir viel zu nah am alten Schuld-und-Sünde-Denken der kirchlichen Prediger. Viel besser gefällt mir die Annahme, dass Krankheiten nun mal ein integraler Bestandteil des Lebens sind, etwa weil Viren auch eine Daseinsberechtigung haben oder bei natürlichen Evolutionsprozessen gelegentlich etwas schief gehen kann. Natürlich gibt es Krankheiten, die ich meinem ärgsten Feind nicht wünschen würde. Aber das ändert nichts daran, dass die entscheidende Frage im Falle einer Erkrankung nicht "Warum?" ist, sondern "Was nun?". Das gilt sowohl für die geeignete Behandlung, die im Idealfall zur Genesung führen sollte, als auch für die innere Einstellung, mit der wir diesen Prozess begleiten. 

Ich habe ja den Verdacht, dass die oben beschriebene Vision eines auf Prävention und Prophylaxe basierenden Gesundheitssystems das Ergebnis einer tiefsitzenden Angst ist: der Angst vor der Unkontrollierbarkeit des Lebens. Für die Finanzierung des heutigen Gesundheitssystems habe ich allerdings, das gebe ich zu, auf Anhieb auch keine schlaue Lösung parat.

07.11.2009 um 10:41 Uhr

Das Recht auf Muße

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Wohlgemut
Musik: Robbie Williams - Come Undone

 (c) Gerhard Giebener/pixelio

Auf sueddeutsche.de las ich gestern ein interessantes Plädoyer für das bedingungslose Grundeinkommen und den modernen Sozialstaat. Ausgehend von der uralten Devise "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen", die in ihrer heutigen Form "Wer nicht arbeitet, dem sei wenigstens die Muße versalzen" lautet, erläutert der Autor (oder die Autorin) die Crux der modernen Gesellschaft, die ihr Selbstverständnis auf Arbeit gründet, jedoch nicht genug Jobs für alle hat. Als mögliche Lösung des Dilemmas taucht erneut das bedingungslose Grundeinkommen auf, doch B. Müller bricht auch eine Lanze für den bereits bestehenden Sozialstaat. Entlang des Artikels entspann sich eine hitzige Diskussion unter den Kommentatoren, die von düsteren "Trabi und Rotkäppchen"-Rufen bis hin zu begeistertem Applaus für den Artikel alles zu bieten hatte.

Ich persönliche finde ja die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens höchst inspirierend. Insbesondere gefällt mir die Philosophie, die dahinter steht: Jeder Mensch bekommt genug Geld, um zu leben, und wird dadurch frei, sein Leben darüber hinaus nach seinen Wünschen und Visionen zu gestalten. Niemand mehr muss einer Arbeit nachgehen, die ihm zutiefst widerstrebt, oder bekäme für unangenehme Arbeiten zumindest so viel Geld, dass er sie nicht 40 Stunden pro Woche ausüben müsste. Der fremdbestimmten Leistung stünde die eigenengagierte gegenüber. Ich sehe in meiner Arbeit, welch großen Einsatz Menschen zu bringen bereit sind, die sich für eine Sache begeistern können, die sich einer Idee verbunden fühlen, die motiviert sind, weil sie selbst Verantwortung übernehmen und das Geschehen aktiv mitgestalten dürfen, und die sich von den Führungskräften geachtet und wertgeschätzt fühlen. Gleichzeitig böte ein bedingungsloses Grundeinkommen den Menschen auch die Möglichkeit, ihr Leben - zumindest phasenweise - der Muße und dem Nichtstun zu widmen, ohne sich dadurch nutz- und wertlos zu fühlen. Schöne Idee.

27.09.2009 um 13:38 Uhr

Grün ist die Hoffnung

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Gespannt
Musik: Der Livestream der 3-Tage-wach-Aktion

 (c) Rolf Handke/pixelio

Gewählt habe ich schon Ende letzter Woche, da ich mir nicht sicher war, ob ich heute in München sein würde. Die von mir favorisierte Partei hat keine realistische Chance auf eine Regierungsbeteiligung. Trotzdem habe ich mich dagegen entschieden, der SPD meine Stimme zu geben. Schon seit ich wählen darf, halte ich den Grünen die Treue. Obwohl ich von ihnen in Einzelfragen bisweilen enttäuscht war, gibt es dennoch keine andere Partei, die meine Anliegen, Werte und Prioritäten so nachhaltig vertritt. Ich fände es klasse, wenn die Grünen drittstärkste Partei würden. Für alle Unentschlossenen bieten die Grünen übrigens einen besonderen Service: Hier könnt ihr noch bis 18 Uhr alle Fragen an die Grünen loswerden, die euch auf den Nägeln brennen. (Ich warte gerade auf meine Antwort.)

04.06.2009 um 22:02 Uhr

... und Chaos ist die andere Hälfte

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Rastlos
Musik: Annie Lennox - Into The West

 (c) Bernd Wachtmeister/pixelio

Constanzes Kommentar hat mich inspiriert, noch ein paar Gedanken zum Thema "Organisation und Produktivität" auszuformulieren. Ich glaube nämlich, dass "Zen to Done" nur die eine Seite der Medaille und sicher nicht für alle Menschen gleichermaßen geeignet ist. Mir persönlich tut Struktur unglaublich gut. Ich mag es klar, ordentlich und überschaubar, folge einem bewährten System und behalte gerne den Überblick. Generell kann ich gut strukturieren und organisieren. Ich plane und stecke mir Ziele, die ich dann konsequent verfolge und meistens auch erreiche, so dass mein Leben stetig und geradlinig verläuft. Gleichzeitig neige ich aber auch zum Perfektionismus und vergesse vor lauter Organisieren mitunter die Pausen zum Durchschnaufen.

Mein Liebster hingegen lässt sich lieber treiben. Er lebt vergnügt in den Tag hinein, feiert die Feste, wie sie fallen, und beschäftigt sich mit der Zukunft erst dann, wenn sie ihm freundlich auf die Schulter klopft. Er hat keinerlei Schwierigkeiten damit, Fünfe gerade sein zu lassen und den Augenblick zu genießen. Neulich klagte ich am Telefon darüber, dass ich mich heute so gar nicht aufraffen könne, die Wohnung zu putzen, diese es aber dringend nötig hätte. Ich hatte mir einen kleinen Ansporn erhofft, so etwas wie: "Schau mal, wenn du dich jetzt noch ein, zwei Stunden ranhältst, hast du danach eine schön geputzte Wohnung und kannst dich zufrieden all den anderen Dingen widmen, die noch auf dich warten." Pustekuchen! Seine Antwort war so einfach wie schlüssig: "Dann lass es doch sein! Du arbeitest so viel und bist immer so fleißig. Du darfst auch mal faul sein und den Staub links liegen lassen." Und mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: "Gewöhn dich schon mal dran, dass es nicht so perfekt aussieht. Schließlich ziehe ich bald bei dir ein."

Ich denke, ein gut durchorganisiertes Leben ist hilfreich, wenn man bestimmte Ziele erreichen möchte. Der Nachteil ist jedoch, dass man in den meisten Fällen wirklich nur dort ankommt, wo man hin wollte. All die ungeahnten Träume, Impulse und Möglichkeiten, die abseits der Struktur am Wegrand liegen, bleiben womöglich unbeachtet und finden nie den Raum, sich zu verwirklichen. Wenn ich einkaufen gehe, dann mache ich mir eine Liste und klappere auf dem kürzesten Weg die drei Läden ab, in denen ich das Gewünschte bekomme. Meist dauert das nicht länger als eine halbe oder dreiviertel Stunde. Wenn mein Liebster mit mir in die Stadt geht, dann bummeln wir herum, nehmen unbekannte Seitenstraßen, schauen in Läden, an denen ich sonst achtlos vorbei gehe, und entdecken Plätze, die ich sonst vielleicht nie gesehen hätte. Dafür dauert das Ganze dann aber auch schnell mal vier oder fünf Stunden.

Klar könnte man jetzt sagen: Gemessen an meinen Zielen (z.B. mir einen schönen Garten zu gestalten) ist so ein fünfstündiger Einkaufsbummel vergeudete Zeit. Anfangs habe ich das tatsächlich so gesehen und es geht mir auch heute noch manchmal so. Und doch habe ich an einige unserer ausgedehnten Einkaufsbummel wunderschöne Erinnerungen, weil sie nicht nur angefüllt waren mit Liebe und Zärtlichkeit, sondern mir auch die Möglichkeit gaben, ausgetretene Pfade zu verlassen, mein Tempo zu verlangsamen und die Routine des Alltags zu durchbrechen. Die Kunst besteht wohl wie so oft in der rechten Balance. Nur wenn ich in meinem wohlorganisierten Alltag immer wieder Freiräume schaffe für das Überraschende, das Ungeplante, das Spontane, bleibt meine Seele  wach und lebendig. Und umgekehrt brauchen die Impulse, die mir aus dem kreativen Chaos zufliegen, einen stabilen, verlässlichen Nährboden, um sich in greifbare Wirklichkeit zu verwandeln.

03.06.2009 um 23:15 Uhr

Ordnung ist das halbe Leben

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Zufrieden
Musik: Howard Shore - Minas Tirith

 (c) Günter Havlena/pixelio

Leo Babauta beschreibt in seinem e-book "Zen To Done" (deutsche Übersetzung auf ingriff.com), zehn Methoden, die dabei helfen, das Leben zu vereinfachen und produktiver zu werden. Kurz gefasst handelt es sich um die folgenden Strategien:

  1. Sammeln: Sammle alle Informationen, Dokumente, Aufgaben und Ideen in einer geringen Zahl von Eingansfächern bzw. in einem kleinen Notizbuch.
  2. Durcharbeiten: Arbeite deine Eingangsorte mindestens einmal täglich bis zum Ende durch und überführe die sich daraus ergebenden Aufgaben in To-Do-Listen.
  3. Planen: Liste jede Woche die "großen Brocken" auf, die du unbedingt erledigen willst, und reserviere dir im Kalender Zeit dafür (möglichst früh am Morgen). Erstelle jeden Tag eine Liste mit bis zu drei der wichtigsten Aufgaben für diesen Tag.
  4. Handeln: Bearbeite nacheinander deine großen Brocken, bis sie erledigt sind oder eine vorher festgesetzte Zeitspanne abgelaufen ist. Wenn du mit einer Aufgabe fertig bist, belohne dich 10 Minuten lang mit angenehmen Aktivitäten.
  5. Das einfache, vertrauenswürdige System: Benutze kontextbezogene To-Do-Listen, Notizbücher, einen Kalender und eine einfache Ablage (alphabetisch geordnete Hängeregistraturen).
  6. Organisieren: Habe für jeden Gegenstand einen festen Ort und lege alles möglichst umgehend an seinem Ort ab.
  7. Der Wochenrückblick: Überprüfe regelmäßig deine Wochenziele, deine Notizen, deinen Kalender und deine To-Do-Listen, setze dir ein Ziel für die kommenden Woche und plane die wichtigsten Aufgaben.
  8. Vereinfachen: Vereinfache deine To-Do-Listen radikal, reduziere sie auf die wesentlichen Punkte. Streiche alle Aufgaben, die nicht wirklich essentiell sind.
  9. Routinen: Sammle alle Aufgaben, die du in der Arbeit oder in deinem Privatleben erledigen musst. Entwirf eine tägliche Routine und eine Wochenroutine. Übe diese mindestens 30 Tage lang ein.
  10. Finde deine Leidenschaft: Suche dir eine Tätigkeit, die du wirklich liebst und für die du dich begeistern kannst.

Derzeit bin ich dabei, mich sowohl in meiner Arbeit als auch bei der Gestaltung meines privaten Alltags mit diesem System zu befassen. Nicht alle Punkte sind gleichermaßen wichtig für mich. So habe ich meine Leidenschaft längst gefunden und seit der Abgabe meiner Doktorarbeit vor drei Jahren auch keine Probleme mehr, beim Handeln eine einmal begonnene Tätigkeit konsequent zu Ende zu führen. Doch die meisten anderen Aspekte interessieren mich sehr. In den letzten Wochen habe ich eine Reihe der genannten Strategien ausprobiert und bin höchst zufrieden damit.


(c) Paul-Georg Meister/pixelio

Den Anfang machte das kleine, rosa Moleskine-Notizbuch, das ich mir zugelegt habe und in dem ich seitdem alles notiere, was ich nicht vergessen möchte. Laut Leo Babauta sollte man dieses Büchlein immer und überall bei sich tragen (auch auf dem Klo). Daran hapert es bei mir noch gewaltig, vor allem weil ich selten über geeignete Hosentaschen verfüge. Aber zum Glück ist mein Gedächtnis noch nicht so überlastet, das eine Information nicht warten könnte, bis ich den Weg zu meinem Schreibtisch oder zu meiner Handtasche zurückgelegt habe.

In der Arbeit habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, mein Notizbuch und meine Eingangskörbe täglich durchzusehen, alles Unwichtige wegzuwerfen, alle Aufgaben in To-Do-Listen zu übertragen und alles andere abzuheften. Zum Durcharbeiten der Eingangskörbe gehört es auch, den elektronischen Posteingang täglich zu leeren. Das war mir bislang noch nicht gelungen, doch in den letzten Tagen habe ich es geschafft: Ich habe alle noch offenen Mails beantwortet und den Rest archiviert, sodass mein Maileingang jetzt einen geradezu jungfräulichen Eindruck macht. Das ist ein unglaublich gutes, befreiendes Gefühl!

Das Planen werde ich mir als nächstes vornehmen. Momentan bin ich noch dabei, mir ein einfaches, vertrauenswürdiges System aufzubauen. Insbesondere die Ablage von A bis Z hat mich überzeugt, nachdem meine bisherigen Ablagevarianten sich nicht bewährt haben. Immer kam etwas Neues hinzu, von dem ich nicht wusste, unter welchem Oberbegriff ich es einsortieren sollte. Dann landete es oft nur auf dem Stapel mit der Aufschrift "Einordnen" und setzte dort Staub an. Einen Anfangsbuchstaben hat hingegen alles, sodass ich nun nicht mehr lange überlegen muss, wohin damit. Eine ebenso simple wie praktische Idee!

Auch mit dem Organisieren bin ich schon gut vorangekommen. Ich finde es jedes Mal störend und irritierend, wenn irgendetwas herumliegt, von dem ich nicht weiß, wo ich es am besten hinräumen soll. Von daher ist es ausgesprochen hilfreich, für jedes Ding einen eigenen Platz zu haben. Trotzdem gibt es sowohl im Büro als auch in meiner Wohnung noch allerlei Dinge, die noch heimatlos herumirren.

Der Wochenrückblick und die Entwicklung von Routinen stehen nach dem Planen als nächstes auf meiner Liste, während ich um den Punkt Vereinfachen herumschleiche wie die Katze um den heißen Brei. Dabei ist gerade der für mich von besonderem Interesse. Mich zu reduzieren, Aufgaben auch mal bleiben zu lassen oder sie zu delegieren ist eine Kunst, die ich noch nicht beherrsche. Also warte ich mal ab, ob ich mit Hilfe der anderen Tipps mein Leben so perfekt organisiert bekomme, dass ich auf das Vereinfachen am Ende verzichten kann. ;-)

04.11.2008 um 00:11 Uhr

Und außerdem...

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Erstaunlich wach ... und ein bisserl sentimental
Musik: Moya Brennan - Tara

 (c) A.Dreher/pixelio.de

... gehe ich dieser Tage meistens viel zu spät ins Bett.

03.11.2008 um 23:11 Uhr

Bei Wind und Wetter

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Zufrieden
Musik: John Williams - Lumos! (Hedwig's Theme)


(c) Klaus-Uwe Gerhardt/pixelio.de

Erinnert ihr euch? Noch vor zwei Jahren klagte ich darüber, dass ich mich so gar nicht dazu aufraffen könne, regelmäßig Sport zu treiben. Tatsächlich kam ich über das Stadium kläglicher Versuche meist nicht hinaus und konnte selbst meine Begeisterung für Yoga-Übungen immer nur kurzfristig aufrechterhalten. Doch ebenso, wie ich in den vergangenen Jahren das Kochen mehr und mehr für mich entdeckt habe, ist nun auch in Sachen Bewegung ein kleines Wunder geschehen. Auslöser war die Erkenntnis, dass ich angesichts der gestiegenen Belastung in meinem beruflichen Alltag dringend etwas für meine Gesundheit tun musste. Doch es war mein Liebster, der meinen guten Vorsätzen letztlich zum Durchbruch verhalf. Während ich mir früher immer gesagt hatte, dass ich mir angemessene Sportbekleidung kaufen würde, wenn ich eine Weile beim regelmäßigen Training durchgehalten hätte, ging er den umgekehrten Weg. Er schleppt mich zu "Runners Point", um mir geeignete Laufschuhe zu verpassen, und drängte mich anschließend dazu, mich in diversen Sportabteilungen großer Kaufhäuser von Kopf bis Fuß einzukleiden. Und siehe da, es funktionierte: Angesichts der horrenden Summen, die ich der Sportbekleidungsindustrie in den Rachen geworfen hatte, fühlte ich mich geradezu verpflichtet, meinen Vorsatz auch umzusetzen. Außerdem erleichterte es mir den Einstieg entschieden, dass mein Liebster an meiner Seite war, um mit mir gemeinsam das Trimm-dich-Programm zu absolvieren. Wir kauften uns ein kluges Buch von Herbert Steffny und rannten los. Oder besser: Ich marschierte los, denn im klugen Buch stand, dass untrainierte Einsteiger es am Anfang doch lieber mal mit Walking versuchen sollten. Das war wirklich ein fantastischer Tipp, denn sonst war ich offenbar immer viel zu schnell losgerannt, um dann schon nach wenigen hundert Metern müde und frustriert zu konstatieren, dass Jogging mir entschieden zu anstrengend war. Noch heute bin ich erstaunt, wie langsam ich laufen muss, um meinen empfohlenen Maximalpuls nicht zu überschreiten. (Oh ja, eine Pulsuhr habe ich mir mittlerweile auch gekauft!) Noch mehr aber erstaunt mich die Tatsache, dass ich seit nunmehr drei Monaten durchhalte und dreimal die Woche Laufen gehe. Nicht einmal die Abreise meines Liebsten oder die Tatsache, dass ich an den letzten beiden Wochenenden mein Programm nicht ganz konsequent durchhalten konnte, haben mich vom Weg abgebracht. Ich bin sogar schon im Dunkeln und bei kaltem Nieselregen gelaufen. *stolz* Was mich aber am meisten verblüfft ist die Tatsache, dass es längst kein Pflichtprogramm mehr ist. Nein, es macht mir richtig Spaß! Wenn das so weiter geht, melde ich mich irgendwann noch zum Marathon an.

07.10.2008 um 20:47 Uhr

Getting Things Done

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Schwungvoll
Musik: Depeche Mode - Precious

 (c) sassi/pixelio.de

In einem Artikel auf sueddeutsche.de bin ich über ein vielversprechendes Zeitmanagement-System namens "Getting Things Done", kurz GTS, gestolpert. (Hübsch erklärt wird es auch auf Wikipedia .) Das GTD-Grundprinzip ist es, alle "losen Enden", die uns tagtäglich ins Haus flattern oder im Kopf herumspuken, in Eingangskörben zu sammeln und später mit Hilfe eines einfachen, aber intelligenten Ordnungssystems Schritt für Schritt durchzuarbeiten. Ziel ist es, auf diese Weise den gedanklichen Arbeitsspeicher vollständig zu entleeren. Gerade diese Aussicht erscheint mir außerordentlich verlockend, denn mein Kopf ist oft rappelvoll. Ständig mache ich mir Gedanken über all die tausend Dinge, die ich noch erledigen muss und möchte. Das kann durchaus inspirierend sein, doch oft genug ist es einfach nur anstrengend. Und da ich sowieso ein besonderes Faible für alle Arten von Listen und Ordnungssystemen habe, werde ich dieses Prinzip in nächster Zeit einmal ausprobieren. Heute habe ich schon die notwendigen ersten Schritte dafür unternommen, habe neues Büromaterial bestellt und entsprechende Ordner und Dateien auf meinem Rechner angelegt. Noch stehe ich ganz am Anfang, doch erscheint mir der Eindruck, den ich bisher von GTD gewinnen konnte, im Hinblick auf Einfachheit und Übersichtlichkeit meiner Arbeitsgänge ausgesprochen lohnend. Und das Beste ist: Es macht mir großen Spaß, mein Leben so wohlüberlegt zu organisieren!

29.09.2008 um 20:15 Uhr

Die Regenbogenkoalition

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Heiter
Musik: Blackmore's Night - Gone With the Wind


(c) Katrin Weyermann Bötschi/pixelio.de

In Bayern ist ein Wunder geschehen. Die CSU, die mit absoluter Mehrheit regiert, seit ich auf der Welt bin (und noch weit darüber hinaus), hat gestern Abend ihren Alleinherrschaftsanspruch verloren - und im bayerischen Landtag geht's auf einmal ganz schön bunt zu. Da ich eine große Liebhaberin alternativer Lösungsansätze und insbesondere des Konsensprinzips bin, gefällt mir die Idee, die alte Dame CSU mit Hilfe einer Regenbogenkoalition auf die Oppositionsbank zu schicken. Ich fände es außerordentlich spannend, wenn die verbleibenden vier Parteien sich zusammentun und nach gemeinsamen Lösungen für die anstehenden Probleme suchen würden. Natürlich ist mir klar, dass sie das nicht tun werden und es ihnen wohl auch nicht gelingen würde, sich auf kreative und innovative Lösungen zu einigen. Aber wenn die Sterne günstig stehen, werden manchmal sogar die verrücktesten Träume wahr. Wer hätte es sich schon je träumen lassen, dass Bayern eines Tages der königlichen Erbdemokratie entwachsen würde?

25.10.2007 um 21:06 Uhr

Katzenkinder

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Sehnsüchtig

 (c) pixelio 

"Würde denn zu deinem neuen Leben nicht noch eine Katze passen?", fragte meine Schwester mich gestern am Telefon. Ihre Molly hat kürzlich Junge geworfen, und drei davon suchen noch eine Heimat. Schwarz-grau gestreift sind sie und zweifellos überaus putzig. Gesehen habe ich sie noch nicht, aber heute Nacht habe ich prompt geträumt, dass zwei Katzenkinder durch meine Wohnung toben. Mein Liebster wäre sicher begeistert. Er liegt mir schon seit den Anfängen unserer Beziehung damit in den Ohren, dass wir uns irgendwann mal ein Haustier anschaffen müssen. Doch im Augenblick lebe ich noch alleine, bin berufstätig, bis zu zehn Stunden täglich außer Haus und auch an den Wochenenden oft nicht da. Außerdem weiß ich nicht, ob ich es gelassen hinnehmen könnte, wenn ich am Abend nach Hause käme und ein munteres Katzenkind seine Krallen an meinem Sofa geschärft, meine Zimmerpflanzen zerkaut und meine Göttinnenskulpturen umgestoßen hätte. Ich fürchte, ich wäre eine schlechte Katzenmutter. Nicht umsonst hat mir der Tickle-Test einst auf die Frage nach dem idealen Haustier das Vogelhäuschen im Garten zugewiesen. Ich kann mich nun einmal nicht übermäßig für Tiere begeistern. Meine Liebe gilt eher der Flora als der Fauna. Dabei zweifle ich keineswegs grundsätzlich daran, dass ich mich für eine Katze erwärmen könnte. Es ist dies nur leider ein durch und durch ungünstiger Zeitpunkt. Solange ich - rein praktisch gesehen - immer noch Single bin, kann ich die Verantwortung, die mir durch ein Haustier erwüchse, nicht guten Gewissens übernehmen. Und zu allem Überfluss kommen im nächsten Jahr noch neue berufliche Verpflichtungen auf mich zu. Nein, ich fürchte, es wird ein Traum bleiben müssen.

02.06.2007 um 17:48 Uhr

Spazierengehen statt Radfahren

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Heiter
Musik: W. A. Mozart - Klavierkonzert Nr. 10

 (c) pixelio

Es gab eine Zeit, da war ich bevorzugt mit dem Fahrrad unterwegs. Es ist ja auch praktisch, sich mal eben auf den Drahtesel zu schwingen und in wenigen Minuten von hier nach dort zu sausen. Doch in letzter Zeit bin ich zur überzeugen Fußgängerin geworden. Das hat mehrere Gründe:

  • Irgendetwas ist an meinem Fahrrad immer kaputt. (Im Augenblick schleifen mal wieder die Bremsen, obwohl ein Freund sie erst kürzlich repariert hat.) Da ich keine große Lust habe, meine Zeit mit der Wartung und Reparatur zu verbringen, ist das ausgesprochen lästig.
  • Wenn ich zu Fuß gehe, kann ich einfach loslaufen und muss nicht erst das Fahrrad aus dem Keller holen, es aufschließen oder die Reifen aufpumpen. Und ich muss mir am Zielort keine Gedanken machen, wo ich das Fahrrad am besten anschließen kann, damit es nicht gestohlen wird.
  • Ich bin wesentlich unabhängiger in der Wahl meines Weges, kann einfach mal über die Wiese laufen oder zwischen den Bäumen durchschlüpfen und bin nicht auf gut befestigten Untergrund angewiesen.
  • Es ist die natürlichste Art, sich fortzubewegen, und es ist ein schönes Gefühl, beim Gehen den Kontakt der Füße zum Boden zu spüren.
  • Als Fußgängerin kann ich wesentlich leichter meinen Gedanken nachhängen, mich davonträumen oder mich in einen meditativen Zustand begeben. Ich muss längst nicht so konzentriert auf den Verkehr achten wie mit dem Fahrrad.
  • Gleichzeitig nehme ich die Details am Wegrand viel bewusster wahr. Ich kann jederzeit stehenbleiben, mich umschauen, Dinge berühren und Tuchfühlung mit ihnen aufnehmen.
  • Ich bekomme ein besseres Gespür für reale Entfernungen und das, was mein Körper leistet, wenn er große Strecken zurücklegt.
  • Mein Liebster ist ein überzeugter und eingefleischter Fußgänger. Das färbt ab.Wenn er da ist, legen wir größere Strecken mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurück und gehen ansonsten immer zu Fuß - manchmal stundenlang.
Natürlich ist es beim Transport von Lasten angenehmer, ein Fahrrad zur Verfügung zu haben. Aber wenn dieses durch einen technischen Defekt mal wieder mehr Ärger als Freude macht, finden sich ebensogut andere Mittel und Wege, Dinge von hier nach dort zu schaffen - zum Beispiel mein gutes, altes "Oma-Wagerle", das zwar bei einer Frau meines Alters lustig aussieht, sich aber schon des Öfteren als ungemein praktisch erwiesen hat.

28.04.2007 um 00:07 Uhr

Das Ganze und seine Teile

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Wochenend-wohlig
Musik: Merseybeats - I Stand Accused


(c) S.Perkiewicz/pixelio.de

In der neuen EMMA ist ein großer Artikel über Klimaschutz. Über die Botschaft, die da lautet, dass Frauen das Klima weit weniger ruinieren als Männer, dem Klimaschutz hingegen aufgeschlossener gegenüberstehen, musste ich lächeln. Das erscheint mir dann doch arg vereinfacht. Aber das Thema an sich beschäftigt mich in letzter Zeit wieder sehr. Und so stürze ich mich begeistert auf alle Informationen und Empfehlungen, die mir Hinweise darauf geben, wie ich persönlich meinen Beitrag zum Klimawandel leisten kann. Als ich einem Freund davon erzählte, hielt er meiner Philosophie der ersten Schritte ein fehlendes politisches Gesamtkonzept entgegen: "Du allein kannst den CO2-Ausstoß nur um einen verschwindend geringen Bruchteil reduzieren. Letztlich sind deine Bemühungen, so löblich sie auch sein mögen, kaum der Rede wert. Das hier ist Aufgabe der Politik. Und um einen brauchbaren politischen Handlungsentwurf zu erwirken, muss die Situation sich eher noch verschärfen. Gehandelt wird nur, wenn Hagelstürme die Ernte vernichten oder halb Deutschland unter Wasser steht. Das einzige, was du bis dahin wirklich tun kannst, wenn dir das Klima am Herzen liegt, ist, die Grünen zu wählen."

Diese Aussage hat mich an einen Blogeintrag von Luisa Francia erinnert, in dem diese anmerkte, sie sei nicht bereit, ihre Heizung auch nur noch um ein Grad herunterzudrehen, solange nicht klar sei, wie hoch der CO2-Ausstoß durch die Kriegsaktivitäten im Irak eigentlich sei. Ist ökologisches Handeln also nur ein Versuch, das eigene Umweltgewissen zu beruhigen, aber letztlich ohne jeden globalen Nutzen? Sind alle jene Tipps und Hinweise, die sich an jeden oder jede Einzelne von uns richten, nur Alibi-Empfehlungen politischer Würdenträger, um uns ruhig zu stellen und uns in Sicherheit zu wiegen? Oder sind stattdessen all jene Argumente, die auf eine politische Lösung verweisen, nur ein Vorwand, um die eigene Bequemlichkeit und mangelnde Bereitschaft zur Veränderung des eigenen Lebensstils zu rechtfertigen? Die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen. Und doch bin ich nach wie vor eine große Verfechterin des "Wegs der kleinen Schritte". Denn letztlich bin ich davon überzeugt, dass alles, was ich tue, auch auf das große Ganze, dem ich angehöre, Auswirkungen hat. Wenn nicht in den 80er-Jahren irgendwelche Verrückten angefangen hätten, in exotischen Läden Getreidemühlen einzukaufen, gäbe es den heutigen Bio-Boom vielleicht gar nicht. (Und umgekehrt wäre das ökologische Handeln auch heute noch einigen wenigen exzentrischen Außenseitern vorbehalten, wenn es nicht irgendwann - womöglich tatsächlich durch Nahrungsmittelskandale oder Umweltkatastrophen - einen massenwirksamen Aufschwung erlebt hätte.)

 (c) pixelio.de

Nicht zuletzt ist es aber eine Frage meiner persönlichen Integrität. Ich kann nicht auf der einen Seite einer tiefen Naturspiritualität anhängen und auf der anderen Seite achtlos mit den Ressourcen der Erde umgehen. Starhawk hat das in ihrem Buch "Wilde Kräfte" einmal sehr schön beschrieben:

"Integrität heißt auch Konsistenz. Wir handeln im Einklang mit unseren Gedanken, unseren Bildern, unseren Reden. Wir halten unsere Verpflichtungen ein. Macht-über kann ohne Integrität geformt werden, aber Kraft-von-innen kann das nicht. Denn Kraft-von-innen ist die Kraft, Energie zu lenken - und Energie wird von den Bildern in unseren Gedanken und Worten ebenso gelenkt wie von unseren Taten. Wenn diese widerspruchsfrei sind, fließt die Energie frei in die von uns gewählte Richtung und wir haben Kraft. Wenn das, was wir tun, nicht im Einklang steht mit dem, was wir sagen oder denken, dann wird Energie abgeblockt oder fehlgeleitet."

Dem ist kaum noch etwas hinzuzufügen. Es erklärt jedenfalls zur Genüge, weshalb ich kein Auto habe, vorwiegend Öko-Textilien kaufe, die Anschaffung neuer Elektrogeräte sorgfältig prüfe bzw. über einen Austausch der alten nachdenke, regionale Produkte aus biologischer Landwirtschaft bevorzuge und selbst meine PC-Nutzung in letzter Zeit kritisch unter die Lupe nehme.

04.02.2007 um 18:18 Uhr

Bedingungsloses Grundeinkommen

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Sonntäglich bei langsam wachsender Vorfreude
Musik: Robbie Williams - Something Beautiful

 (c) byjerry/pixelio.de

Angeregt durch die Diskussion mit Lyriost und seine Anmerkungen zum Beruf der Putzfrau, habe ich mich wieder an ein Thema erinnert, über das ich schon seit langem bloggen wollte. Kennt ihr "dm"? Diese tollen Drogeriemärkte mit der freundlichen Atmosphäre und den überzeugenden Produkten? (alverde und alnatura kann ich nur wärmstens empfehlen.) Diese Ladenkette gehört dem Unternehmer Götz W. Werner, einem überzeugten Anthroposophen, der sich seit 2005 öffentlich für ein bedingungsloses Grundeinkommen einsetzt. Hinter diesem Begriff steckt die Idee, dass der Staat jedem Bürger und jeder Bürgerin der Bundesrepublik Deutschland ein festes monatliches Einkommen bezahlt, das zum einen durch die Zusammenfassung der bestehenden Sozialleistungen und zum anderen durch eine Anhebung der Mehrwertsteuer finanziert werden soll. Diskutiert wird dabei ein Betrag von 800 Euro, der - wohlgemerkt - auch Kindern zustehen würde und unabhängig vom persönlichen Einkommen, Lebensalter und Tätigkeitseinsatz ausbezahlt werden sollte. Das Grundeinkommen wird ausbezahlt, ohne auch nur die geringste Gegenleistung dafür zu erwarten, und stellt somit eine Grundsicherung dar, die den Menschen ihre Würde lässt.

Schon als ich zum ersten Mal von dieser Idee hörte, war ich begeistert. Denn das Konzept räumt auf mit dem Mythos, dass es heutzutage tatsächlich noch eine Vollbeschäftigung für alle geben könnte, es beseitigt das Machtgefälle zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber und erfordert ein grundlegendes Umdenken, was den Wert einer Tätigkeit angeht. Ich stelle mir vor, wie es unsere Gesellschaft verändern würde, wenn es tatsächlich ein bedingungsloses Grundeinkommen gäbe. Niemand wäre mehr gezwungen, einen verhassten, entwürdigenden oder auszehrenden Beruf auszuüben. Wo dennoch körperlich und seelisch schwere Tätigkeiten auszuüben wären, müssten sie zumindest angemessen bezahlt werden. Die Menschen könnten vermehrt ihren Neigungen nachgehen, anstatt durch ihre berufliche Tätigkeit ihren Lebensunterhalt sichern zu müssen - und natürlich wäre die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wesentlich besser gewährleistet. Eine fünfköpfige Familie hätte einen Festbetrag von 4000 Euro monatlich zur Verfügung, ohne dass die Eltern auch nur einen Finger krumm machen müssten. Auf der Basis einer solchen Grundsicherung sollte es doch möglich sein, ein flexibles Arbeitszeitmodell zu finden.

Leider bin ich keine Wirtschaftswissenschaftlerin und durchschaue die Haken und Ösen eines solchen Systems nicht in allen Einzelheiten. Ein einziges großes ABER kam mir bei der Durchsicht der auf der Konzeptseite "Unternimm die Zukunft" dargestellten Informationen spontan in den Sinn: Würden wir die unbeliebten und entwürdigenden Tätigkeiten nicht automatisch auf jene Menschen abwälzen, die nicht Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland sind und von daher keinen Anspruch auf die erwähnte Grundsicherung haben? Auf diese Frage habe ich bislang noch keine Antwort gefunden. Aber die Idee ist mir dennoch im Grundsatz sehr sympathisch. Ob sie sich jemals wird umsetzen lassen, steht auf einem anderen Blatt, aber ich freue mich immer, wenn Menschen derart weitreichende gesellschaftliche Visionen entwickeln.

20.01.2007 um 23:57 Uhr

Müde bin ich, geh' zur Ruh...

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Müde
Musik: Ashley Hutchings - Ghosts In The Rain

Das Schwierigste an der Umsetzung sämtlicher ayurvedischer Empfehlungen dürfte für mich übrigens sein, früher ins Bett zu gehen. Obwohl mir dieser Rat sofort und auf der Stelle einleuchtet, fällt es mir alles andere als leicht, ihn zu beherzigen. Dabei habe ich schon des Öfteren festgestellt, dass es mir gar nicht gut tut, wenn ich zu spät schlafen gehe. Vor allem wenn ich davor noch am Rechner aktiv bin oder mich mit irgendeinem Thema intensiv beschäftige, fühle ich mich danach oft noch so aufgekratzt, dass ich gar nicht gleich schlafen kann. Und dennoch schaffe ich es nur in seltenen Ausnahmefällen, vor zehn Uhr mein Bett aufzusuchen. Was ist es nur, das mich so beharrlich die Nachtruhe fliehen lässt, obwohl ich doch weiß, dass sie mir eigentlich gut tut?

26.11.2006 um 16:31 Uhr

"Verschieben wir's auf morgen!"

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Leichte Nackenverspannungen, ansonsten vergnügt
Musik: Barry White - Practice What You Preach

Beruflich befasse ich mich gerade mit einem Buch über das Aufschieben, weil ich zu diesem Thema im nächsten Jahr ein Seminar für Studierende anbieten möchte. Da ist es natürlich immer interessant zu schauen: Woher kenne ich dieses Phänomen denn aus meinem eigenen Leben? Ich bin im allgemeinen ganz gut organisiert und komme durch gelegentliches Aufschieben nur selten in Bedrängnis. Dennoch gibt oder gab es bestimmte Vorhaben und Projekte in meinem Leben, die ich beharrlich aufgeschoben habe und zum Teil immer noch vor mir her schiebe. Das beste Beispiel ist meine Doktorarbeit, mit der ich mich - mangels feststehendem Abgabetermin - nahezu zehn Jahre herumgeschlagen habe. Das Problem an diesem Projekt war die Tatsache, dass ich es nicht wirklich machen musste (niemand hätte mir größere Schwierigkeiten bereitet, wenn ich einfach alles hingeschmissen hätte), es aber auch nicht wirklich machen wollte. Nur ein unbestimmtes "So ein Doktortitel kann ja nicht schaden" und das Gefühl, dass ich schon viel zu viel Energie hineingesteckt hatte, um jetzt einfach aufzugeben, hielten mich all die Jahre bei der Stange. Aber es war ein zähes Ringen, ein ständiges Hängen und Würgen, das ich so nie wieder erleben möchte. Dass ich es am Ende dann doch geschafft habe, zeigt vermutlich, dass ich keine notorische Aufschieberin bin, aber immerhin konnte ich eine Ahnung davon erhaschen, wie Menschen sich fühlen, die ständig alle möglichen wichtigen Projekte vor sich her schieben. Es ist eine unglaubliche Vergeudung an Lebensenergie.

Dennoch gibt es nach wie vor ein paar Dinge in meinem Leben, die ich liebend gerne vor mir herschiebe. Lästige Anrufe gehören genauso dazu wie die Erledigung der Steuererklärung. Am beständigsten begleiten mich allerdings Gedanken, die der Veränderung meiner Essgewohnheiten und meines sportlichen Engagements gewidmet sind. Was die Ernährung angeht, so ist das kein gravierendes Problem. Ich habe durchaus eine Vorliebe für all jene Speisen, die gemeinhin als gesund gelten (wie etwa Obst, Gemüse und Vollkorn), und auch meine Schwäche für Süßigkeiten hält sich im Zaum. Meine Schwierigkeit ist eher die, dass ich die Bedürfnisse meines Körpers manchmal nur allzu gern einfach vergesse. Ich koche nicht gern für mich allein, verschwende keine großen Gedanken an die Planung meiner Mahlzeiten und ernähre mich an Wochenenden meist nur von kleineren, über den Tag verteilten Brotzeiten. Wie oft ich schon gedacht habe, dass ich unbedingt mal anfangen möchte, an den Wochenenden etwas für mich zu kochen, kann ich überhaupt nicht mehr zählen. Im Grunde ist das ein Gedanke, der mich schon seit vielen Jahren begleitet. Immer mal wieder mache ich einen Anlauf, der dann doch wieder nur jämmerlich im Sande verläuft.

Meine Schwester, die selbst ganz ausgezeichnet kocht, meinte dazu: "Finde dich doch einfach damit ab! Kochen und du - ihr passt einfach nicht zusammen. Nicht jeder Mensch muss Spaß am Kochen haben." Und dennoch fällt es mir schwer, bei diesem Thema endgültig die Waffen zu strecken. Denn eigentlich finde ich es toll, kochen zu können, und wenn ich es mal mache (meist nur wenn ich Gäste habe), ist es durchaus nett. Mir feht nur jede Art der Routine und daher ist es jedes Mal ein Riesenakt, wenn ich mich an den Herd begebe. (Das fängt schon beim Einkaufen an.) Meine Hoffnung, dass vielleicht die Anwesenheit meines Liebsten im Sommer mich dazu beflügeln würde, meine Kochkünste ein wenig zu verfeinern, hat sich leider rasch zerschlagen. Mein Schatz legt nicht allzu viel Wert auf sorgsam zubereitete Speisen, sondern ist mit einer Tiefkühlpizza, einem Sandwich oder einem Besuch bei MacDonalds meist genauso zufrieden. Kein besonders hoher Anreiz für einen Kochmuffel wie mich, die inneren Widerstände zu überwinden. Immerhin habe ich das Glück, in der Arbeit täglich ein liebevoll gekochtes, warmes Essen zu bekommen. Und da ich mich ansonsten bemühe, mich an die schöne Regel der "5 am Tag" (fünfmal täglich eine Portion Obst oder Gemüse) zu halten, muss ich mir wohl über eine potentielle Mangelernärung keine Sorgen machen.

Gravierender finde ich meine mangelnde Begeisterung für alle Arten der körperlichen Betätigung. Ich war noch nie eine Sportskanone, habe schon in jungen Jahren meine Begeisterung für das Lesen und das Schreiben entdeckt und bin auch sonst eher eine Vertreterin der "vita contemplativa". Die meisten Sportarten sind mir dafür, dass sie mich so langweilen, viel zu anstrengend. Wenn überhaupt, dann kann ich mich am ehesten noch für ausgedehnte Spaziergänge oder Yoga begeistern. Und dennoch gebe ich unumwunden zu, dass jede Art der körperlichen Bewegung mir gut tut. Ich fühle mich danach jedes Mal kraftvoll, erfrischt und lebendig. Von daher hat sich der Gedanke "Ich müsste mal wieder mehr Sport machen" geradezu in meinem Kopf festgesetzt. Aber ich fürchte, was das angeht, kämpfe ich auf ziemlich verlorenen Posten. Ich schaffe es ja nicht einmal, am Abend zehn Minuten Gymnastik zu machen. Irgendwas kommt immer dazwischen - und wenn es Anfälle akuter Unlust sind.

Mit der Lösung, jeden Gedanken an sportliche Betätigung endgültig fahren zu lassen und mich mit einem Leben als Couchpotato anzufreunden, kann und will ich mich jedoch nicht abfinden. Ich bin ständig auf der Suche nach Strategien, die mir helfen könnten, meinen inneren Schweinehund zu überlisten und vielleicht doch etwas für meine körperliche Ausdauer zu tun. Diesbezüglich ist mir mein Liebster sehr wohl eine Quelle der Inspiration, denn der Gute geht am liebsten zu Fuß - gerne auch weite Strecken und sogar dann, wenn es öffentliche Verkehrsmittel gibt. Dass er damit voll im Trend liegt, beweist ein Präventionsprojekt des Bundesministeriums für Gesundheit: Schon wer am Tag 3000 Schritte extra geht und gelegentlich mal die Treppe nimmt, tut etwas für Herz, Kreislauf, Atmung und Stoffwechsel. Diese Seite hat mich aufhorchen lassen, denn Spaziergänge mag ich ganz gerne und der Tipp, einfach mal eine U-Bahn-Station eher auszusteigen, lässt sich für mich auch im Alltag problemlos umsetzen. Also versuche ich jetzt eben, ganz kleine Brötchen zu backen, und nehme mir vor, mich auch von Wintereinbruch, Schnee und Kälte nicht davon abbringen zu lassen, am Morgen lieber noch ein Stück durch den Park zu laufen, anstatt bis zu meiner Endhaltestelle zu fahren. Alle anderen Ideen - hin und wieder mal zum Schwimmen zu gehen oder abends noch Yoga, Gymnastik oder wenigstens eine biodynamische Übung zu machen - sind Sahnehäubchen, die das Ganze krönen können, aber erst einmal nicht zu meinen festen Vorsätzen gehören.

Edit: Wer Lust hat, sein persönliches Aufschiebeverhalten mal im statistischen Vergleich zu testen, findet hier den passenden Fragebogen.

13.10.2006 um 17:13 Uhr

Konsens - eine Lösung?

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Warm und zärtlich
Musik: Clannad - Of This Land

Gestern habe ich das Buch "Die zwölf wilden Schwäne" von Starhawk und Hilary Valentine einmal wieder zur Hand genommen und sowohl darin geschmökert, als auch mich inspirieren lassen, einige der beschriebenen Übungen auszuprobieren. Mich berührt diese Art der Spiritualität, die sich so eng verbunden sieht mit allem Lebendigen und dem spirituellen Ritus die Fürsorge für die menschliche Seele und das politische Handeln zur Seite stellt. In der Reclaiming-Tradition werden Entscheidungen im Konsens getroffen (das heißt, dass alle Beteiligten mit dieser Entscheidung einverstanden sein müssen). Starhawk begründet dieses Vorgehen in ihrem Buch "Wilde Mächte" folgendermaßen:

"Wenn ein Vorschlag ein paar Leute - oder auch nur einen Menschen - zutiefst unglücklich macht, dann gibt es einen Grund für dieses Unglücklichsein. Wenn wir ihn ignorieren, machen wir wahrscheinlich einen Fehler. Statt die Energie der Gruppe auf den Versuch zu verwenden, Leute zu zwingen oder zu manipulieren, einer Sache zuzustimmen, die sie gar nicht wollen, können wir entweder eine oder beide Alternativen fallenlassen und nach einer neuen Lösung suchen, einer kreativeren Option, die alle Anliegen zufriedenstellen kann. Wir können es uns leisten, dies zu tun, denn das Universum ist nicht wirklich in Entweder-Oder-Entscheidungen aufgeteilt. Es ist reich und voll unendlicher Möglichkeiten."

Mich fasziniert die Idee des Konsens schon, seit ich das erste Mal davon las. Dieses Modell berührt mich und weckt in mir die Sehnsucht, dass es funktionieren möge und es somit möglich wäre, die menschlichen Konflikte auf friedliche und respektvolle Weise zu lösen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich das Konsensprinzip noch nie in der Praxis erlebt habe. Die einzige Gruppe, in der es offiziell praktiziert wurde, habe ich irgendwann wegen ihres immanenten Dogmatismus verlassen. Was mir fehlt, ist die Erfahrung, dass das Konsens-Prinzip auch in Gruppen funktioniert, die nicht dieselbe Ideologie teilen, sondern in der sehr unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen. Denn erst dann wird das Ganze wirklich interessant. Letztlich stellt ja schon die Akzeptanz des Konsensprinzips ein Auswahlkriterium dar, das einen bestimmten Menschentyp besonders ansprechen dürfte. Aber wäre es in der Realität möglich, dass beispielsweise Edmund Stoiber und Oskar Lafontaine in Wirtschaftsfragen jemals einen Konsens finden (immer vorausgesetzt, dass beide offen und bereit wären, sich an die Regeln des Konsensprinzips zu halten)? Wäre es wirklich denkbar, dass beide gemeinsam eine brauchbare Übereinkunft finden - nicht nur einen faulen Kompromiss nach dem Prinzip des kleinsten gemeinsamen Nenners?

Das Konsensprinzip funktioniert nur in kleinen Gruppen und ist somit für eine Demokratie unserer Prägung gar nicht geeignet. Mich aber interessiert das Prinzip als solches - als Grundlage für gesellschaftliche Veränderungs- und Wandlungsprozesse. Allerdings wüsste ich nicht, wo und auf welche Weise ich wirklich Erfahrungen damit sammeln könnte.

25.06.2006 um 00:07 Uhr

Alte Visionen

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Nostalgisch

Ehe ich gemeinsam mit meiner Schwester in unsere jetzige Wohnung zog, lebte ich rund zweieinhalb Jahre lang im Münchner Westen, eingebunden in eine kleine Gemeinschaft, die zwar nicht unter einem Dach zusammen wohnte, wohl aber ein festes Netzwerk mit regelmäßigen Treffen bildete. Als ich dort ankam, erschien es mir wie der Himmel auf Erden: Vor einem feministisch-ökologischen Hintergrund wurden die Jahreskreisfeste gefeiert, die Teilnahme an Demonstrationen organisiert, Seminare zu unterschiedlichsten Themen veranstaltet, Ausflüge in die Natur unternommen, sowie kreative, handwerkliche und Gartenbauprojekte ins Leben gerufen. Ich fühlte mich, als sei ich nach Hause gekommen, als hätte ich endlich all das gefunden, wonach ich immer gesucht hatte.

Noch heute wird mir wehmütig zumute, wenn ich auf der Homepage jener Gemeinschaft lande und die schönen Worte dort lese. Denn es klingt immer noch ganz wunderbar, was da geschrieben steht. Doch leider hat sich mein Traum von damals nicht erfüllt. Ich entdeckte in dem gemeinschaftlichen Miteinander vor Ort mehr und mehr Strukturen, die mir nicht gefielen, begegnete einer Strömung subtiler psychologischer Macht, die aber vehement geleugnet wurde, und fand keinerlei Raum, mich mit meinen eigenen Ideen und Visionen einzubringen, weil alles schon fertig war und neue Impulse, die nicht dem Mutterboden der Gemeinschaft entsprangen, keine Nahrung fanden. Die Inhalte wurden für meinen Geschmack oftmals viel zu dogmatisch vertreten und weckten meinen Widerspruchsgeist, obgleich mir die Themen und Gedankengänge im Grunde sogar sympathisch waren.

So lebt mein Traum von einem kleinen Netzwerk aus Menschen, denen ich mich weltanschaulich und emotional verbunden fühle, im Verborgenen weiter fort. Derzeit schlummert er und es gibt wenig Aussicht auf eine baldige Erfüllung. Aber vielleicht bin ich auch gar nicht geschaffen für eine solche in sich abgeschlossene Gemeinschaft. Vielleicht spinne ich meine Fäden in die unterschiedlichsten Welten hinein, ohne mich auf eine einzige festzulegen. Womöglich nähre ich mich gerade von der Vielfalt und Offenheit, von den unterschiedlichsten und widerstreitendsten Positionen, die ich in ihrer scheinbaren Widersprüchlichkeit als höchst inspirierend und bereichernd erlebe. Konsens ist leicht, wenn sowieso alle einer Meinung sind. Interessant wird es erst, wenn die Menschen verschieden sind - und erst dann entfaltet er seine ganze Kraft.

24.06.2006 um 20:27 Uhr

Rädchen im Getriebe

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Zufrieden

Eine beiläufige Bemerkung meines Liebsten in einem langen Gespräch über die Missstände in unserer Gesellschaft stimmte mich gestern sehr nachdenklich. Ich frage mich, ob ich wirklich genug dafür tue, meine Visionen Wirklichkeit werden zu lassen, oder ob ich mich in der Behaglichkeit meines eigenen kleinen Lebens nicht schon viel zu sehr eingerichtet habe. Es gibt so viel mehr, was ich tun könnte: Mich politisch engagieren, an Demonstrationen und Kundgebungen teilnehmen, größere Geldbeträge spenden, soziale Projekte unterstützen, bei meinen Einkäufen mehr auf Nachhaltigkeit achten und in alternativen Bürgerinitiativen mitwirken. Ich könnte noch wesentlich freundlicher zu meinen Mitmenschen sein, wacher, aufmerksamer, hilfsbereiter, den Menschen, die mir nahestehen, noch sehr viel öfter eine Freude bereiten und mich auch beruflich noch stärker einbringen. Aber oft fehlen mir die Zeit und der nötige Elan. Ich bin eingedeckt mit den Verpflichtungen und Projekten meines Alltags und eine Woche ist oft schneller vorüber, als ich mich umschauen kann. Bin ich schon so sehr zum Rädchen im Getriebe geworden, dass keine Zeit mehr bleibt, Träume und Visionen zu spinnen?

Auf der anderen Seite ist es unmöglich, überall mitzuwirken. Ich habe mich nun einmal stärker auf die Arbeit mit einzelnen Menschen verlegt, auf das Feld der Seelenheilkunde und der persönlichen Beziehungen. Für diesen Lebensbereich schlägt mein Herz. Hier blühe ich auf und entdecke immer wieder neue Quellen der Inspiration. Ich arbeite tagtäglich mit jungen Mädchen und Frauen, tue mein Möglichstes, ihnen bei der Entwicklung eines gesunden Selbstvertrauens, einer liebevollen Beziehung zu ihrem eigenen Körper und einem offenen und respektvollen Umgang mit anderen Menschen zu helfen. Hat diese Arbeit denn nicht auch eine politische Dimension? (Getreu dem alten Slogan der Frauenbewegung: Das Persönliche ist das Politische)

Mir kam schließlich ein Satz in den Sinn, den ich vor einiger Zeit einmal irgendwo aufgeschnappt hatte: "Frage nicht, was die Welt braucht, sondern was dein Herz zum Singen bringt, denn die Welt braucht Menschen mit singendem Herzen." Dieser Satz hat mich damals unglaublich berührt und mir wurde mit einem Schlag bewusst, dass genau das meine Art von persönlich-politischem Einsatz ist: Ich setze alles daran, mein Leben so zu gestalten, dass meine Seele glücklich und lebendig sein und sich frei entfalten kann, und bemühe mich nach Kräften, andere Menschen dabei zu unterstützen, dasselbe zu tun. Das ist vielleicht nicht genug, aber wann wäre irgendetwas schon genug? Wenn ich die ganze Welt im Blick habe, ist jeder Einsatz zu wenig. Dann kann ich nur verzagen und verzweifeln. Das bedeutet nicht, dass es nicht trotzdem sinnvoll sein kann, mich hin und wieder kritisch zu hinterfragen und mir zu überlegen, wo ich mein Leben noch stärker in einer Weise formen könnte, die meine Seele und meine Verbundenheit mit allem, was mich umgibt, nährt und stärkt. Aber ich spüre auch, dass Gewissensbisse und Selbstvorwürfe mich in die Irre führen. Sie lähmen mich und drücken mich nieder und das kann auf gar keinen Fall der richtige Weg sein.

04.04.2006 um 22:32 Uhr

Meinungsbildung

von: Nimien   Kategorie: Anders leben

Stimmung: Guter Dinge
Musik: Ein Duett aus Geschirrspüler und Waschmaschine

Gestern ist mir einmal mehr bewusst geworden, wie viel Wachheit und Offenheit es erfordert, dem Leben immer wieder neu zu begegnen. Allzu verlockend und verführerisch ist es, mich auf einmal erworbenen Ansichten und Meinungen auszuruhen - umso mehr wenn ich eine Gruppe Gleichgesinnter hinter mir weiß und Gefühle der Sympathie und Zugehörigkeit mit im Spiel sind. Ob das nun die Grünen sind oder die Frauenbewegung, die Atomkraftgegner oder die Friedensaktivisten: Es gibt Themen, bei denen ich mich dabei ertappe, einfach die Ansichten einer mir sympathischen Gruppierung (oder Person) zu übernehmen, ohne mich wirklich eingehend und detailliert damit auseinandergesetzt zu haben. Es fühlt sich einfach gut und richtig an, diese Meinung zu vertreten. Es ist mehr eine Bauchentscheidung als eine Frage des Verstandes.

Natürlich muss das nicht unbedingt verkehrt sein. Mein Bauch ist ein durchaus verlässliches Organ und meist habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, seinen Entscheidungen zu vertrauen. Dennoch ist mir klar, dass diese Grundhaltung auch Risiken birgt. Denn ich laufe dadurch Gefahr, es mir in einem geistigen Nest allzu gemütlich zu machen und darüber das eigenverantwortliche Fliegen zu verlernen. Dabei schätze ich es im Grunde sehr, mir einen wachen, neugierigen Geist zu bewahren und die Dinge aus immer neuen Blickwinkeln zu betrachten. Allerdings nimmt eine derart intensive Auseinandersetzung mit einzelnen Themen auch eine Menge Zeit in Anspruch - Zeit, die ich oft lieber anderen Dingen widme.

An dieser Stelle greife ich dann doch wieder auf meine Intuition zurück. Wenn sie mir eindeutig und ohne zu zögern grünes Licht gibt, vertraue ich ihr. Aber manchmal habe ich zu einem bestimmten Thema kein so klares Gefühl und dann wäre es an der Zeit, meinen Verstand zu Rate zu ziehen und den mühsameren Prozess des Sammelns und Sichtens von Informationen und des Prüfens und Abwägens von Ansichten und Meinungen auf mich zu nehmen. Wenn es etwas ist, das mir wichtig ist, sollte es mir den Aufwand wert sein.